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07. 08. 2014

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Vorbild für andere

Der Deutsche Schulpreis zeichnet jedes Jahr die besten deutschen Schulen aus

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Mädchen der Städtischen Anne-Frank-Realschule München; Quelle: Robert Bosch Stiftung / Theodor Barth

 

Der Wettbewerb des Deutschen Schulpreises ehrt besonders gute Schulen und macht ihre innovativen Ideen und Konzepte sichtbar. Sechs Schulen werden jedes Jahr gewürdigt. In der Akademie des Deutschen Schulpreises können interessierte Schulen von den Preisträgern lernen und sich mit ihnen austauschen.


An vielen Schulen in Deutschland werden jeden Tag erfolgreich neue Konzepte erprobt, die Lust an Leistung und Lernfreude geweckt und die Kinder zu Fairness und Verantwortung erzogen. Solche Schulen sind pädagogisch richtungsweisend. Damit ihre Konzepte und Ideen nicht nur anerkannt, sondern auch andere auf sie aufmerksam werden und von ihnen lernen können, haben die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung 2006 den Wettbewerb „Der Deutsche Schulpreis“ unter dem Motto „Dem Lernen Flügel verleihen!“ ins Leben gerufen. Medienpartner sind der stern und die ARD.

Grundlage des Wettbewerbs ist ein Bildungsverständnis, das in den sechs Qualitätsbereichen Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution zum Ausdruck kommt. Gesucht werden Schulen, die Kinder individuell fördern, ihre sozialen und kreativen Fähigkeiten ausbilden, Selbstständigkeit, Verantwortung und Leistungsbereitschaft fördern und sich durch eine demokratische Organisation auszeichnen. Wichtig ist auch ein gutes Schulklima, in dem Zugehörigkeit und gegenseitiges Vertrauen herrschen. Schulen, die sich um den Deutschen Schulpreis bewerben, müssen in allen diesen Bereichen gut und in einem Bereich sogar überdurchschnittlich gut sein.

Die Gewinnerschulen
Seit dem Start des Programms haben sich über 1.500 Schulen für den Preis beworben. In diesem Jahr haben sich 116 Schulen aller Schulformen und aus allen Bundesländern dem Wettbewerb gestellt. Nach einer Vorauswahl und diversen Schulbesuchen wurden 15 Schulen nominiert. Auf der Preisverleihung am 6. Juni in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin wurden die sechs Preisträger bekannt gegeben und geehrt: Die Anne-Frank-Realschule in München gewann den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2014. Vier weitere Preise in Höhe von je 25.000 Euro erhielten die Erich-Kästner-Schule in Hamburg, die Römerstadtschule in Frankfurt am Main, das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid und das Regionale Berufsbildungszentrum Wirtschaft in Kiel. Der ebenfalls mit 25.000 Euro dotierte „Preis der Jury“ ging an die SchlaU-Schule (Schulanaloger Unterricht für Flüchtlinge) in München. Den „Preis der Jury“ bekommt eine Schule, die unter besonders schwierigen Bedingungen außergewöhnliche Leistungen erbringt und damit beispielgebend wirkt. Alle weiteren nominierten Schulen erhielten Anerkennungspreise von je 2.000 Euro.

Der erste Platz
Die Städtische Anne-Frank-Realschule in München ist eine Mädchenschule mit naturwissenschaftlichem Profil. Mädchen für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern ist ihr Ziel. Dies ist in den vergangenen Jahren außerordentlich gut gelungen. Die Hälfte eines Jahrgangs, rund 50 Mädchen, entscheidet sich inzwischen nach der sechsten Klasse für Naturwissenschaften als Wahlpflichtfach. Immer wieder bekommen die Mädchen die Chance, sich auch außerhalb des Unterrichts auszuprobieren: zum Beispiel beim Technik-Parcours in der fünften Klasse, während der Chemie- und Physik-Tage an der Ludwig-Maximilians-Universität oder beim Projekt „Lernen durch Lehren“, bei dem Neuntklässlerinnen drei Tage lang Versuche mit Kindergarten- und Grundschulkindern machen. 28 Prozent der Schülerinnen beginnen nach der Mittleren Reife eine technische Ausbildung. Damit liegt die Anne-Frank-Realschule in München weit über dem Schnitt in Bayern. In der neunten Klasse müssen alle Mädchen ein Praktikum in einem technischen Beruf absolvieren, unabhängig davon, für welches Wahlpflichtfach sie sich entschieden haben. „Nur wer es probiert, kann sagen: Ich mag oder kann das nicht“, erklärt Schulleiterin Espermüller-Jug.

Das eigenverantwortliche Lernen steht im Vordergrund. In sogenannten Lernhäusern werden mehrere Jahrgangsstufen in räumlich zusammenliegenden Klassenzimmern von einem festen Pädagogen-Team unterrichtet. Zweimal in der Woche arbeiten die Schülerinnen eigenverantwortlich und in altersgemischten Gruppen in sogenannten Lernbüros. Sie lernen hier in ihrem Tempo. Wer mit seiner Aufgabe nicht weiterkommt und Hilfe braucht, schreibt seinen Namen an die Tafel. Eine ältere Schülerin schreibt dann ihren dazu und bietet so ihre Unterstützung an. Alle Jugendlichen werden hier zu einem Abschluss geführt, über 60 Prozent haben nach der Mittleren Reife die Möglichkeit ihr Abitur zu machen.

Die Erich Kästner Schule Hamburg
Die vier Schulen, die Preise in Höhe von jeweils 25.000 Euro erhalten haben, sind die Erich Kästner Schule Hamburg, das Geschwister-Scholl-Gymnasium Lüdenscheid, das Regionale Berufsbildungszentrum Wirtschaft in Kiel und die Römerstadtschule in Frankfurt am Main. An der Erich Kästner Schule in Hamburg werden die Kinder von der Vorschule bis zum Abitur unterrichtet. Das Konzept heißt: Gerade die Unterschiede machen uns stark. Seit 20 Jahren lernen hier Kinder mit und ohne Behinderung zusammen. Die Lehrer kennen sich aus im Umgang mit unterschiedlichen Leistungsansprüchen. Die Grund- und Stadtteilschule bemüht sich durch individuelle Lernprofile mit unterschiedlichen Lernniveaus aus jedem Schüler das Beste herauszuholen. Jedes Kind soll Erfolgserlebnisse haben. Neben vielen grundlegenden Ideen zur Lern- und Leistungsförderung, wie das Logbuch oder die Lernzeit, in der die Schüler in einem Fach ihrer Wahl arbeiten und selbst die Schwierigkeitsstufe ihrer Aufgaben wählen, wird an der Erich Kästner Schule das kulturelle Lernen groß geschrieben, ebenso wie Bewegung und Gesundheitsbildung, Natur- und Welterfahrung, frühzeitige Berufsorientierung und die Begleitung in Krisensituationen.

Die weiteren Preisträger
Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid schaut bei der Aufnahme von Schülern nicht auf die Noten. Es ist offen für alle, aber vor allem für jene, die woanders Probleme haben, weil sie unter Behinderungen leiden, an ADHS, psychischen Problemen, seltenen Krankheiten oder aus schwierigen Familienverhältnissen kommen. Inklusion wird hier als Ansporn betrachtet, und die Ergebnisse geben der Schule recht. Ihre Leistungen liegen über dem Landesschnitt in NRW, in den letzten zehn Jahren bestanden 711 von 713 Schülern das Abitur. Erreicht wird dies durch individuelle Förderung. Zwischen 2002 und 2008 nahm das Geschwister-Scholl-Gymnasium an einem Schulversuch zur Integration von Hochbegabten teil. Silvia Greiten, die die individuelle Förderung koordiniert, sagt: „Danach war uns klar: Wer Begabte fördern kann, kann auch Schüler mit Behinderungen fördern. Es geht um den Blick auf Kinder, das Erkennen ihrer Ressourcen. Und dann bemühen wir uns, ein Netzwerk an Unterstützungen für diese Potenziale zu knüpfen.“

Das Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ) Wirtschaft, Kiel, hat fast 4.500 Schülerinnen und Schüler. Von über 200 Lehrkräften werden sie in 34 kaufmännischen Bildungsgängen unterrichtet. Die Bildungseinrichtung entstand durch Zusammenlegung der beiden kaufmännischen Berufsschulen „Der Ravensberg“ und „Ludwig-Erhard-Schule“. Die Schulleitungen, die Kollegien und die Schülerschaft beider Schulen haben die von 2009 bis 2013 dauernde Fusionierung als Herausforderung angenommen und aktiv gestaltet. Sie haben daraus einen beispielhaften Schulentwicklungsprozess gemacht. Durch die optimale räumliche Verzahnung der Bildungsgänge und eine Kultur des wechselseitigen Vertrauens können Schülerinnen und Schüler hier ihre Talente entdecken und entfalten.

An der Römerstadtschule, einer staatlichen Grundschule in Frankfurt am Main, wird nicht getrennt nach Jahrgängen unterrichtet, sondern in altersgemischten Lerngruppen mit je 50 Schülerinnen und Schülern. Statt Klassen gibt es Lernverbände von Erst- bis Viertklässlern. Alle vier Jahrgänge lernen, begleitet von einem vierköpfigen Lehrerteam, zusammen. Die Teams tauschen sich regelmäßig über ihre Erfahrungen aus, die gesamte Lehrerschaft diskutiert offen über Erfolge und Misserfolge. Eine Schulentwicklungsgruppe erarbeitet den weiteren Kurs.

Die SchlaU-Schule
Den „Preis der Jury“ erhielt die SchlaU-Schule in München, Deutschlands einzige staatlich anerkannte Schule, in der ausschließlich junge Flüchtlinge lernen. Ziel ist es, unbegleitete minderjährige und junge Flüchtlinge darin zu unterstützen, ihr Menschenrecht auf Bildung, Schule und gesellschaftliche Teilhabe wahrzunehmen. Michael Stenger gründete die Schule im Jahr 2000 und entwickelte mit „Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge“, kurz: „SchlaU“, europaweit erstmals ein ganzheitliches Schulkonzept für die 16- bis 21-jährigen jungen Flüchtlinge. Sehr erfolgreich, denn 2004 erkannte das bayerische Kultusministerium die SchlaU-Schule als Berufsförderungseinrichtung an. Seitdem können Schüler, die die Grund-, Mittel- und Abschlussstufe der SchlaU-Schule erfolgreich absolviert haben, die Mittelschulprüfung ablegen. Die meisten erreichen dies in einem Zeitraum zwischen zwei bis vier Jahren. Wer die Prüfung macht, besteht sie in der Regel auch. Die SchlaU-Schule ist für die jungen Flüchtlinge nicht nur eine Chance auf Teilhabe, sondern auch ein Ort, an dem sie sich geachtet und zu Hause fühlen, wo gemeinsam nach Lösungen für Probleme gesucht wird.

Die Akademie des Deutschen Schulpreises
Um möglichst viele Schulen mit der beispielhaften Praxis der Preisträger zu erreichen und zu Entwicklungsprozessen anzuregen, wurde im Jahr 2007 die Akademie des Deutschen Schulpreises ins Leben gerufen. Unter ihrem Dach können sich Preisträger, Bewerber und interessierte Schulen vernetzen, Erfahrungen austauschen und im Rahmen unterschiedlicher Angebote an Fragen der Schulpraxis arbeiten. Dort lernen Schulen voneinander und miteinander. Die ausgezeichneten Schulen gehören für fünf Jahre der Akademie des Deutschen Schulpreises an. In Workshops, Seminaren und Hospitationsprogrammen geben sie ihre Erfahrungen und Ideen an andere Schulen weiter. Mit dem Programm SchulLabor werden schulübergreifende Lerngemeinschaften gefördert, die sich für die Weiterentwicklung eines speziellen Aspektes der sechs Schulpreiskriterien einsetzen. So soll der Deutsche Schulpreis die Schulentwicklung in Deutschland nachhaltig und breit voranbringen.

 

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 07.08.2014
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