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15. 04. 2004

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Lehrer, Erzieher, Manager

Das neu gegründete Lehrerbildungszentrum Köln bringt Lehramtsstudierende früher in Kontakt mit Schulen

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Dr. Frank Kostrzewa, Leiter des Lehrerbildungszentrums in Köln

Bildung PLUS: Im Wintersemester 2003/2004 wurde das neue Lehrerbildungszentrum an der Universität Köln gegründet. Wozu?

Kostrzewa:
Wir wollen die Qualität der Lehrerbildung in ihrem wissenschaftlichen Anspruch erhöhen. Dies geht nur über eine verstärkte Konzentration und Kooperation von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft. 

Bildung PLUS: Was ist das Besondere am Lehrerbildungszentrum?

Kostrzewa:
Mit rund 14.000 Lehramtsstudierenden ist die Universität zu Köln die größte Lehrerausbildungsinstitution in Europa. Die Studierenden verteilen sich auf fünf Fakultäten: Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Philosophische Fakultät, Erziehungswissenschaftliche Fakultät, Heilpädagogische Fakultät und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät.

Wir machen selbst keinen Unterricht und wir beraten die Studierenden nicht unmittelbar. Alles, was wir uns vornehmen, können wir  nur in Kooperation mit den Fakultäten erreichen, mit Studienseminaren und Schulen. In der Umsetzung der Vorgaben suchen wir den Dialog mit den Fakultäten, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Wir geben thematische Impulse, aber wir sind begrenzt, was die Umsetzung anbelangt.

Bildung PLUS: Um Theorie und Praxis effektiv zu verzahnen, beauftragt das Lehrerbildungszentrum Praktikumsmanager. Welche Funktion hat der Praktikumsmanager? 

Kostrzewa: Praktikumsmanager vermitteln zwischen Lehramtsstudierenden und Schulen. Gemeinsam mit den angehenden Lehrerinnen und Lehrern stellen sie Kontakt zu Schulen her, planen ganze Unterrichtsreihen und bewerten die Studenten bei ihren ersten Gehversuchen als Lehrer. Praktikumsmanager sind an eine der fünf Fakultäten angebunden. Dort haben sie auch Lehraufgaben zu erfüllen. Neben diesen Aufgaben müssen sie die Lehramtsstudenten auf die Praxis des Unterrichts vorbereiten. Hierzu bereiten sie Praktika vor, betreuen die Studierenden während ihrer Praktika. Sie bewerten die Praktikumsberichte, die von Lehramtstudierenden verfasst werden.  

Also, die Vorbereitung auf die Praxis und die Auswertung der ersten Praxiserfahrungen sind neben den Lehraufgaben die wichtigsten Tätigkeiten des Praktikumsmanagers. 

Bildung PLUS: Praktikumsmanager auf Lebenszeit gibt es nicht - nach vier Jahren ist Schichtwechsel. Warum bleiben die Praktikumsmanager mit ihrer wachsenden Kompetenz nicht kontinuierlich an der Universität? 

Kostrzewa: Weil sie abgeordnete Lehrerinnen und Lehrer sind. Ad personam werden diese Stellen nur für vier Jahre vergeben, um sie dann neu zu besetzen. Die Praktikumsmanager sind in der Regel jüngere Lehrer, die mit ihrer universitären Erfahrung wieder an die Schulen zurückgehen sollen. Denn dort sollen sie auch Impulse setzen, die an der Universität angestoßen wurden. Durch den Wechsel wird es einem größeren Kreis von Lehrerinnen und Lehrern ermöglicht, entsprechende Erfahrungen außerhalb der Schule zu sammeln.

Bildung PLUS: Das Lehramtsstudium soll modularisiert werden. Ist Modularisierung nicht eher eine Modeerscheinung oder was versprechen Sie sich davon?

Kostrzewa: Es ist schwierig, für die Modularisierung Gegenargumente anzubringen. Module sind inhaltliche und thematische Bausteine, die sich über mehrere Semester erstrecken und die zusammen genommen ein Ganzes ergeben. Die Bildungsangebote verschiedener Fakultäten können auf diese Weise stärker als bisher miteinander verzahnt werden. Die Leitfrage hierbei ist: Was ist für die Lehramtsstudierenden verschiedener Fakultäten relevant? Wir wollen bestehende Ressourcen an den Fakultäten besser nutzen. 

Bildung PLUS: Wenn man Lehrerinnen und Lehrer ausbildet, dann hat man doch implizit oder explizit ein bestimmtes Bild von einem Lehrer. Welches Lehrerbild vertreten Sie, bzw. das Lehrerbildungszentrum? 

Kostrzewa:
Da muss man auch auf das Umfeld der Lehrerinnen und Lehrer achten. Der soziale und erzieherische Aspekt wird heute immer wichtiger. Für Lehrerinnen und Lehrer der Zukunft gehört es dazu, deutlich über die Fachvermittlung hinauszukommen. Sie sollten Schüler stärker ganzheitlich wahrnehmen lernen. Dabei müssen sie auch deren Elternhaus mit einbeziehen können. Der Lehrer ist deutlich mehr als Erzieher gefragt, als das in der Vergangenheit der Fall war.  

Bildung PLUS: Ist individuelle Förderung und auch die Förderung von Hochbegabten ein Thema für das Lehrerbildungszentrum?   

Kostrzewa:
Das Thema wird kommen. Lehrende müssen in der Lage sein, sowohl Schülerinnen und Schüler mit Defiziten als auch solche mit besonderen Begabungen zu fördern. Aus meiner Zeit als Lehrer weiß ich, dass Hochbegabung nicht immer einhergeht mit überdurchschnittlichen Leistungen. In vielen Fällen korrespondiert Hochbegabung sogar mit unterdurchschnittlichen Leistungen. Hier wird die Diagnosefähigkeit des Lehrpersonals in besonderer Weise angesprochen. Die Zusammenarbeit mit Psychologen dürfte sich hier auch als konstruktiv erweisen. Denn wir sollten keine Nivellierung anstreben, die niemanden gerecht wird.


Dr. Frank Kostrzewa, 43 Jahre, leitet seit dem Wintersemester 2003/2004 das Lehrerbildungszentrum in Köln. Vorher Leiter des Sprachbereichs Deutsch als Fremdsprache an der Universität Rostock und Lektor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Mehrere Jahre an der Keimyung Universität in Taegu/Südkorea und ein Jahr an der Eötvös-Universität in Budapest. Nach dem Studium der Anglistik und Pädagogik an der Universität Bielefeld war er drei Jahre als Lehrer am Gymnasium Wilnsdorf tätig.

Autor(in): Arnd Zickgraf
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Datum: 15.04.2004
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