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05. 02. 2004

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Auf Stärken aufbauen"

Nach dem erfolgreichen Abschluss des BLK-Programms SINUS startete jetzt in über 700 Schulen das BLK-Disseminationsprogramm SINUS Transfer

Mathematik und Naturwissenschaften zählen bei deutschen Schülerinnen und Schülern nicht unbedingt zu den beliebtesten Fächern. Sie gelten als schwer, unverständlich und mühsam. Dementsprechend erreichen die deutschen Jugendlichen im internationalen Vergleich auch nur durchschnittliche Leistungen in diesen Fächern.

TIMSS offenbart Schwächen
Die TIMS-Studie (1997) offenbarte, dass die meisten der geprüften deutschen Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten mit Aufgabenstellungen hatten, die problemlösendes Denken und konzeptuelles Verständnis erfordern. Die Befunde der Studie ergaben aber auch, dass der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterrichtsstil in Deutschland selbst Probleme hervorruft: Die hierzulande oft verwendete fragend-entwickelnde Unterrichtsform lässt den Schülern wenig Raum für das selbstständige Erarbeiten eigener Strategien zur Problemlösung.
Eine Verbesserung der Leistungen in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften setzt also auch die Entwicklung und Anwendung alternativer Unterrichtsskripte in den Schulen voraus.

SINUS
Als Reaktion auf die Ergebnisse der TIMS-Studie richtete die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) 1998 das Qualitätsentwicklungsprogramm "Steigerung der Effizienz des mathematisch- naturwissenschaftlichen Unterrichts (SINUS)" ein. 180 Modellschulen in 15 Bundesländern (außer Saarland) entwickelten im Zeitraum von 1998 bis 2003 Skripte für den mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht. Inhaltliche Schwerpunkte wurden anhand so genannter Module gesetzt, die durch eine Expertengruppe als zentrale Arbeitsansätze für die Veränderung des Unterrichts beschrieben wurden. Dazu zählten die "Weiterentwicklung der Aufgabenkultur", "Naturwissenschaftliches Arbeiten", "Aus Fehlern lernen", "Sicherung des Basiswissens", "Kumulatives Lernen", "Fachübergreifendes Arbeiten", die "Förderung von Mädchen und Jungen", die "Entwicklung von Aufgaben für die Kooperation von Schülern", "Verantwortung für das eigene Lernen", "Prüfen" und "Qualitätssicherung".

Professionelle Kooperation der Lehrkräfte
Jeweils sechs Schulen arbeiteten in einem lokalen Netzwerk (Schulset) zusammen. Pro Schule beteiligten sich in der Regel fünf Lehrkräfte aktiv am Programm und brachten ihr innovatives Potenzial in die Weiterentwicklung der Unterrichtsmethodiken ein. Die jeweiligen Fachschaften Mathematik bzw. Naturwissenschaften arbeiteten dabei an den Fragestellungen, die der Schule als besonders wichtig erschienen. Die Lehrkräfte überprüften und hinterfragten gemeinsam ihren Unterricht und erprobten neue Zugänge. Gegenseitiges Hospitieren oder Analysieren von Unterrichtsabläufen wurden zu wichtigen Arbeitstechniken. Innerhalb der Sets wurden Materialien und Erfahrungen ausgetauscht. Vom Programmträger erhielten die Arbeitsgruppen vielfältige Unterstützungsangebote in Form von Fortbildungen, didaktischen Materialien, Handreichungen und unterrichtsbezogenen Anregungen. Betreut wurden die Schulen im Verlauf ihrer Arbeit von Koordinatorinnen und Koordinatoren, die auf Länder- und Bundesebene eng zusammenarbeiteten.

Qualitätsentwicklung durch die Schule selbst
Neu war, dass es im Gegensatz zu früheren Modellversuchen nicht um die Erprobung und anschließende Implementation neuer Unterrichtsansätze ging, sondern um die wissenschaftlich begleitete Entwicklung von Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts auf der Ebene der Schule selbst, also durch die in den Schulen tätigen Lehrerinnen und Lehrer. Die Professionalisierung, Kommunikation und Kooperation der Lehrkräfte wurde dadurch zum unverzichtbaren Leitprinzip.

SINUS-Transfer
Um die Ergebnisse des SINUS-Programms flächendeckend in alle Schulen zu bringen, haben Bund und Länder am 1. August 2003 ein Transferprogramm zur Umsetzung gestartet. An 734 Schulen in 13 Bundesländern (außer Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen) werden in den nächsten beiden Jahren in einer "ersten Welle" die Ergebnisse von SINUS vorgestellt, die Unterrichtsformen weiterentwickelt, Anregungen gegeben und weitere Lehrkräfte in die Arbeit mit einbezogen. Auch bei SINUS-Transfer werden die beteiligten Schulen in regionalen Netzwerken zusammengefasst, so dass die bewährten Treffen zum Informations- und Erfahrungsaustausch fortgesetzt werden können. Die beteiligten Schulen "sollen dabei allmählich eine Dynamik in Gang setzen, die über das Modellversuchsprogramm hinaus trägt, so dass zunehmend mehr Schulen vom Geist der Innovation erfasst werden". (SINUS Nordrhein-Westfalen). Die zweite Transferwelle, die für den Zeitraum 2005 bis 2007 geplant ist, wird dann voraussichtlich mehrere tausend Schulen erreichen.

Die Programmträgerschaft liegt, wie schon bei SINUS, beim Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) der Universität Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. Prenzel und seinen Kooperationspartnern (ISB München und Uni Bayreuth). Regional werden die Schulsets von Netzwerkkoordinatoren betreut, die vom Programmträger geschult werden.

Ziel und Verlauf des Disseminationsprogramms
Auch an den neu gewonnenen Schulen sollen die Prozesse der Weiterentwicklung von den dort tätigen Lehrkräften selbst gestaltet werden. Dazu betreuen zwei Lehrkräfte aus den Sinus-Referenzschulen als `Tandem´ jeweils eine Gruppe von Kollegen aus der Mathematik oder den naturwissenschaftlichen Fächern über einen längeren Zeitraum. Sie zeigen ihnen die Materialien, Methoden und Unterrichtseinheiten, die sie in den fünf Jahren erarbeitet haben und berichten über die Lernprozesse und -ergebnisse, die sie gefördert haben.

Für die neuen Schulen ist es nicht notwendig, alles auf einmal zu ändern. Zunächst sollen Bausteine eines Entwicklungskonzeptes praxisnah ausprobiert und direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Im Wesentlichen geht es bei SINUS-Transfer nicht um die Dissemination einzelner Aufgaben, die im Rahmen des SINUS-Programms entwickelt wurden, sondern um die Verbreitung des Ansatzes einer kooperativen und unterrichtsbezogenen Qualitätsentwicklung, betont die BLK.

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 05.02.2004
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