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03. 04. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Zehn Wege zur demokratischen Schule

Überblick über demokratiestärkende Schulprojekte

Bild

Ehrenkodex der Werner-Stephan-Oberschule

"Demokratie verlangt mühselige Ausdauer. Aber es gibt Momente des Vergnügens, wenn man die Erfahrung machen kann, dass man selbst etwas bewirken kann", sagt Bundestagspräsident Wolfgang Thierse auf der Auftaktveranstaltung Demokratie lernen und leben der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung in Berlin. Nach Thierse liegt der Sinn des Schulversuches darin, "das Interesse an Politik zu stärken und demokratisches, menschenfreundliches Verhalten zu stärken".

Zehn Schulen haben am 6. März 2003 in Berlin gezeigt, wie originär die Wege sein können, um in der Schule, aber auch außerhalb des Unterrichts, demokratisch zu leben. Dabei kommt es nicht auf Lippenbekenntnisse für die Demokratie an, sondern auf tatkräftiges Mitgestalten.

Maßstab für Demokratie
Als Maßstab für "demokratisches" Verhalten gelten Taten, nicht schöne Worte. Und es gibt Beispiele für den Mut, Demokratie im Schulalltag zu leben.  Mit Expeditionen ins Unbekannte, wie "Meine Gemeinde in Zeiten der Diktatur", "Öffnung von Schule", "Dorfkirche Müsselmow", "Jugendrat in Schule und Gemeinde", Versprechen an die Schulgemeinschaft" und der "Zukunftswerkstatt des Schülerrates" u.a. versuchen beispielhaft zehn von 160 Schulen im Modellversuch Lebensformen fern von Gewalt zu entdecken.

Es wäre ein Missverständnis zu glauben, die zehn Schulen wären Sieger eines Wettbewerbs um die besten Demokratiemodelle, auch wenn es "graduelle Abstufungen" zwischen den einzelnen Schulen geben mag, wie Alexa Samson sagt, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim Schulversuch. Demokratisches Verhalten setzt kooperative Einstellungen voraus und weniger wettbewerbsorientiertes Verhalten. "Nicht alle Schulen sind auf dem gleichen Stand. Manche Schulen sind sehr fortgeschritten, weil sie ein engagiertes Kollegium haben. Andere Schulen stehen am Anfang." So beteiligen sich einige Schulen erst seit drei Monaten am Schulversuch. Doch alle lernen zu kooperieren über die Grenzen der Länder hinweg.

Zehn gute Beispiele:

Mediationsverfahren

Ahnatalschule, Vellmar, Hessen

An der Gesamtschule Ahnatal erlernen Schülerinnen und Schüler einen gewaltfreien Weg, Konflikte zu lösen. Mediation - Konflikte selber lösen heißt soziale Kompetenzen im Schulalltag zu schulen und die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung zu erhöhen. Mediation ist ein Vermittlungsverfahren, das bei Streit zwischen Schülern eingesetzt  und sich immer mehr an Schulen verbreitet. Streitschlichterverfahren - oder in der Fachsprache Mediationsverfahren - sind neben Englisch, Deutsch, Mathematik und den anderen Fächern feste Bestandteile im Stundenplan der Jugendlichen an der Gesamtschule.


Service Learning

Caspar-David-Friedrich Oberschule, Berlin

Die Caspar-David-Friedrich-Oberschule führt das Fach Arbeitslehre projektorientiert durch. Im Rahmen eines Projektes zum Sozialen Lernen - Verantwortung lernen wird an der Schule der Erwerb von sozialen Schlüsselqualifikationen gefördert. Im Frauenhaus Mathilde lernen Schülerinnen beispielweise die Perspektive von Gewaltopfern kennen. Die Erfahrungen reflektieren die Schülerinnen im Tagebuch für soziales Lernen.

Service-Learning kommt aus dem amerikanischen Raum und geht auf die erfahrungsorientierte Philosophie John Deweys zurück. Es verknüpft den Gedanken konkreter Dienstleistung in der Gesellschaft mit Selbstreflektion: Die Jugendlichen lernen durch die Dienste, die sie anbieten, kooperativ zu handeln und Werte zu reflektieren.


Meine Gemeinde in Zeiten der Diktaturen

Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Bergen in
Mecklenburg-Vorpommern

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich über 14 Millionen Deutsche auf der Flucht aus dem Osten. Einige von ihnen strandeten im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Zehn Rügener Gymnasiastinnen und Gymnasiasten haben nun die Flüchtlingsschicksale auf ihrer Heimatinsel erforscht. Bei diesem Projekt steigern Schülerinnen und Schüler das Verständnis für Demokratie unter dem Gesichtspunkt der Verbrechen der Nationalsozialisten und der durch sie ausgelösten Flüchtlingskatastrophe.


Öffnung von Schule - Schule und Jugendhilfe

Franz-Schubert-Grundschule, Berlin

Die Franz-Schubert-Grundschule liegt in einem so genannten sozialen Brennpunkt. Mit Workshops und Spielübungen stellt sich die Franz-Schubert-Grundschule den sozialen Herausforderungen ihres Bezirks. Im Workshop Wut können Schülerinnen und Schüler lernen, Konflikte konstruktiv zu bewältigen und sich soziale Kompetenzen anzueignen.


Dorfkirche Müsselmow

Gymnasium Rahlstedt, Hamburg

In Müsselmow retten Schülerinnen und Schüler aus Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern eine alte Dorfkirche vor dem Verfall und schaffen eine neue Begegnungsstätte. Sie lernen dabei, handwerklich und geplant zu arbeiten und üben neue Formen der Kooperation.
 

Öffnung von Schule

Marie-Curie-Gymnasium, Wittenberge, Brandenburg

In Wittenberge planen und organisieren Gymnasiasten ihre Projektwochen. Nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" gestalten die Schülerinnen und Schüler Projektwochen und Veranstaltungen selbst, bis auf die Verantwortung für rechtliche Fragen, die nur Erwachsene übernehmen können. In außerschulischen Partnerschaften übernehmen die Schülerinnen und Schüler zusätzlich Verantwortung und erlernen Team- und Konfliktverhalten.


Zukunftswerkstatt des Schülerrates

Mittelschule Niederwiesa, Sachsen

Die Zukunftswerkstatt ist eine Form der Schulentwicklung, die sehr stark durch die Schülerinnen und Schüler mitgeprägt wird. Die Mittelschule Niederwiesa erweitert die Beteiligungschancen der Schülerinnen und Schüler umfassend. Bei dem Konzept Zukunftswerkstatt werden alle Schulbereiche einbezogen und verändert. Das Unterrichtsklima hat sich spürbar verbessert.


Jugendrat in Schule und Gemeinde

Realschule Süderbrarup, Schleswig-Holstein

Schülerinnen und Schüler der Realschule Süderbrarup haben einen Jugendrat gebildet. Mit ihm vertreten sie ihre Interessen in der Schule und der Gemeinde. Schülerinnen und Schüler lernen die Wege der demokratischen Interessenvertretung in der Gemeinde kennen. Und sie formulieren eigene Interessen. So werden sie von Gemeindevertretern anerkannt und entwickeln Selbstbewusstsein.


Service-Learning

Riesengebirgs-Oberschule, Berlin

Schülerinnen und Schüler aus dem Bezirk Berlin-Schöneberg engagieren sich in sozialen und öffentlichen Einrichtungen etwa in Altenheimen oder städtischen Bibliotheken. Durch den Dialog zwischen den Generationen lernen Schülerinnen und Schüler andere Perspektiven kennen. In ihrer Arbeit schulen sie Schlüsselqualifikationen zivilgesellschaftlichen Lebens.


Partizipation

Werner-Stephan-Oberschule, Berlin

Mit dem Versprechen an die Schulgemeinschaft haben Schülerinnen und Schüler der Berliner Hauptschule einen originellen Weg gefunden, das früher angespannte Schulklima zu verbessern. Die Schülerschaft der Oberschule setzt sich aus behinderten und nicht-behinderten Jugendliche, sowie Schüler aus 35 Nationen zusammen. Das erste Versprechen im laufenden Schuljahr lautet: "Schüler(innen) und Lehrer(innen) der Schule sollten sich mehr respektieren und zusammenhalten." Sie verbietet Drogen- und Waffenbesitz. Das Versprechen an die Schulgemeinschaft wird jährlich aktualisiert. Durch das gemeinsame Versprechen identifizieren sich die Schülerinnen und Schüler stärker mit ihrer Schule.

Autor(in): Arnd Zickgraf
Kontakt zur Redaktion
Datum: 03.04.2003
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