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27. 07. 2017

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Karrierechancen für Studienaussteiger im Handwerk

Programm zeigt neue berufliche Perspektiven auf

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Das Handwerk bietet gute Chancen

Das JOBSTARTER plus-Projekt „Karriereprogramm Handwerk ‒ Vom Campus in den Chefsessel“ der Handwerkskammer (HWK) für Unterfranken führt Studienabbrecher mit Ausbildungsbetrieben zusammen. Davon profitieren beide Seiten.


Gymnasium, Abitur, Studium. Oft scheint der Weg vorgezeichnet und viele junge Menschen merken erst an der Uni, dass es gar nicht der richtige für sie ist. Fast jeder dritte Studierende bricht in Deutschland sein Studium ab ‒ während zahlreiche Betriebe vor allem im Handwerk an Fachkräftemangel leiden. Doch nur 31 Prozent der Studierenden, die ihr Studium abbrechen, fangen eine Ausbildung an.

Das „Karriereprogramm Handwerk“
Mit dem „Karriereprogramm Handwerk ‒ Vom Campus in den Chefsessel“ bringt die Handwerkskammer für Unterfranken Studierende, die ihr Studium abbrechen möchten oder bereits abgebrochen haben, und Handwerksbetriebe, die auf der Suche nach kompetenten Fach- und Führungskräften sind, zusammen. Im Rahmen des Projekts vermitteln Karriereberater/innen passgenau Studienaussteiger an Handwerksbetriebe. In der offenen Beratung informieren sie Studienzweifler in einem persönlichen und vertraulichen Gespräch über berufliche Alternativen zum Studium und geben Unterstützung im Orientierungs- und Entscheidungsprozess. Sie sprechen mit ihnen über ihre Vorstellungen, Beweggründe und die Anforderungen, berichten von Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten im Handwerk und überprüfen, welche im Studium bereits erworbenen Qualifikationen ggf. angerechnet werden können. Außerdem beraten sie zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten wie z.B. das Aufstiegs-BAföG und helfen beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen. „Wir versuchen für jeden Einzelnen den passenden Betrieb zu finden. Wir stellen den Kontakt zwischen den jungen Erwachsenen und dem Betrieb her, in der Regel wird erst einmal ein Praktikum vereinbart. Während dieses Praktikums haben beide Seiten die Möglichkeit zu sehen, ob es wirklich passt. Häufig erleben wir, dass gerade auf Seiten der Studienabbrecher durch das Praktikum noch mehr das Feuer für das Handwerk geweckt wird. Vor allem wenn sie sich gut anstellen und dafür Lob und Anerkennung erhalten. Auch die Betriebe freuen sich sehr darüber, wenn sie motivierte junge Mitarbeiter finden, die etwas erreichen wollen“, berichtet Christina Huck, Karriereberaterin der HWK.

Gelungener Wechsel in die Praxis
Gerade der enge Praxisbezug und die Erfahrung, ein konkretes Ergebnis in den Händen zu halten, machen viele Studienabbrecher zufrieden. Sie merken erst jetzt, dass ihnen das im Studium gefehlt hat. Im Handwerk haben sie zahlreiche Möglichkeiten, mit einer Ausbildung durchzustarten. Mit über 130 Handwerksberufen ist das Handwerk sehr vielfältig. Bei jedem Beruf sind andere Stärken und Talente gefragt. Mit Hilfe des Berufe-Checkers können sie herausfinden, welche Anforderungen bei welchen Berufen im Vordergrund stehen. Mit Schiebereglern lassen sich auf einem animierten Display die eigenen Vorstellungen und Neigungen einstellen, und eine interaktive Flash-Grafik generiert daraus die passenden Handwerksberufe.

Schon einige junge Studienabbrecher haben ihr Glück über das „Karriereprogramm Handwerk“ gefunden, wie zum Beispiel Florian Feichtinger, der sein Fachhochschulstudium abgebrochen und eine verkürzte Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik angefangen hat und danach noch den Meister machen will. Auch Philipp Albert, Auszubildender zum Glaser (Fachrichtung Fenster- und Glasfassadenbau), schwärmt über sein neues Leben: „Nachdem ich mein Studium abgebrochen hatte, fand ich eine Perspektive im Karriereprogramm Handwerk der Handwerkskammer für Unterfranken, das mich an meinen jetzigen Ausbildungsbildungsbetrieb vermittelte. Ich bin sehr glücklich, das theoriegeladene Studium gegen eine praktische Ausbildung eingetauscht zu haben. Mein Ausbildungsbetrieb fördert mich gezielt und bietet mir somit eine sichere und zugleich sehr interessante berufliche Zukunft."

Gute Karriereaussichten
Studienabbrecher können nach nur zwei Jahren ihre Ausbildung abschließen. Wer anschließend in einem Handwerksberuf Führungsverantwortung übernehmen oder sich selbstständig machen will, kann den Meister anhängen. Teil III und IV der Meisterschule können bereits im letzten Drittel der Ausbildung besucht werden. Der Meister im Handwerk ist nach dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) dem Bachelor gleichgestellt. Wer eine Betriebsübernahme anstrebt und sein betriebswirtschaftliches Wissen erweitern möchte, kann auch noch die Weiterbildung zum Geprüften Betriebswirt machen. Studienzweiflern, die eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis suchen, steht außerdem die Möglichkeit eines dualen Studiums offen. Dabei wird die Ausbildung im Handwerk mit einem Studium an einer Fachhochschule verknüpft.

Hinzu kommt, dass rund 200.000 Handwerksbetriebe in den nächsten zehn Jahren eine Nachfolge brauchen. Studierende, die ihr Studium abbrechen und sich für eine Lehre im Handwerk entscheiden, sind aufgrund ihrer Kompetenzen und Reife oft besonders geeignet für die Übernahme von Führungsaufgaben in Unternehmen. Das könnte für beide Seiten eine Win-win-Situation werden.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 27.07.2017
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