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20. 07. 2017

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Ein Studienabbruch kann auch eine Chance sein

Die Informationsseite „Studienabbruch – und dann?“

Bild

Logo; Quelle: BMBF

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat eine hilfreiche Seite für Studierende eingerichtet, die erwägen, ihr Studium abzubrechen. „Studienabbruch – und dann?“ gibt Auskunft über viele Fragen rund um das Thema und enthält ein umfangreiches Verzeichnis über Beratungsstellen und Ansprechpartner, Selbsttests, Erfahrungsberichte und Tipps zur Orientierung für die Zeit „danach“.


Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem Jahr 2014 haben rund 28 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger der Jahrgänge 2008 und 2009 ihr Bachelorstudium abgebrochen. Die Gründe für einen Studienabbruch sind vielfältig und komplex: falsche Erwartungen an die Studieninhalte, eine zu üppige Stoffmenge, Fehleinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit und -bereitschaft, Schwierigkeiten mit dem Zeitmanagement oder dem selbst organisierten Lernen. Manchmal ist auch das falsche Fach gewählt worden, oder schlechte Aussichten auf dem Arbeitsmarkt wirken abschreckend. Oft spielen aber auch Lebensumstände und/oder finanzielle und gesundheitliche Probleme eine Rolle. Laut der Studie verlassen die meisten Studierenden aufgrund von Leistungsproblemen die Hochschulen. Darauf folgen finanzielle Probleme und mangelnde Studienmotivation.

Die Seite „Studienabbruch – und dann?“
Wer Zweifel an seinem Studium hat, steht vor der schwierigen Entscheidung, das Studium trotzdem fortzuführen oder einen anderen Weg einzuschlagen. Guter Rat ist hier teuer – von Freunden und Familie, die einen gut kennen, aber auch von professionellen Beratungsstellen. Doch wie findet man diese? In dieser Situation erweist sich die Seite „Studienabbruch – und dann?“, ein Angebot des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, als wertvoller Wegweiser. Sie erklärt zum Beispiel, wie das Self-Reflection-Tool funktioniert, das im Rahmen des von Erasmus+ geförderten Projektes „PrevDrop“ entwickelt wurde und als Online-Self-Assessment dabei hilft, die eigene Studiensituation strukturiert zu erfassen. Außerdem gibt die Seite einen umfangreichen Überblick über Beratungsmöglichkeiten und Ansprechpartner, die auf einer bundesweiten interaktiven Landkarte verzeichnet sind. Und sie zeigt Möglichkeiten auf, wie der berufliche Lebensweg auch nach Beendigung des Studiums weitergeführt werden kann. Denn auch der passende Beruf bzw. die passende Ausbildung muss erst gefunden werden. Dazu ist es wichtig, sich mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten auseinanderzusetzen und entsprechende Beratungsstellen aufzusuchen, wie die der Bundesagentur für Arbeit, der Handwerkskammern sowie der Industrie- und Handelskammern, die die Vielfalt der Möglichkeiten in der beruflichen Bildung und die regionale und bundesweite Lage auf dem Ausbildungsmarkt kennen. Umfassende Informationsangebote bieten etwa die Berufsinformationszentren der Bundesagentur für Arbeit (BiZ) und viele weitere Informations-, Beratungs- und Vermittlungsstellen, die Studienabbrecher beim Einstieg in die duale Berufsausbildung unterstützen. Sie alle sind auf der Seite „Studienabbruch – und dann?“ zu finden.

Ein Abbruch ist kein Makel
Was die Seite ganz wesentlich vermittelt: Ein Studienabbruch muss kein Makel sein, sondern ist vielmehr eine Chance auf einen vielversprechenden Neustart. Die berufliche Bildung bietet gerade auch Studienaussteigerinnen und -aussteigern attraktive Karrieremöglichkeiten. Wer nach dem Studienabbruch einen berufsqualifizierenden Abschluss erwerben möchte, kann zwischen einer Berufsausbildung im dualen System, einer Ausbildung im Gesundheits-, Sozial und Erziehungswesen, einer vollzeitschulischen Ausbildung und einer Beamtenausbildung im mittleren Dienst wählen. Insbesondere die duale berufliche Bildung wird als vielversprechende Alternative beschrieben, weil die Aussichten auf eine Karriere in Industrie, Handwerk, in den freien Berufen und im öffentlichen Dienst zurzeit so gut wie nie zuvor sind. Laut den Prognosen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) wird mittelfristig in Deutschland ein Fachkräftemangel entstehen, der heute in einigen Branchen zum Teil schon spürbar ist. Hinzu kommt, dass in den nächsten Jahren ungefähr 200.000 Unternehmensnachfolgen für kleine und mittelständische Unternehmen allein im Handwerk gesucht werden.

Die Wahrscheinlichkeit, eine Lehrstelle zu finden, und die Übernahmechancen nach der Ausbildung sind also auch für Studienabbrecher hoch. Für die Ausbildungsbetriebe – insbesondere für mittlere und kleine Unternehmen – sind Studienabbrecher vor allem für Führungspositionen und die Unternehmensnachfolge von Interesse. Denn Studienabbrecher bringen oft Kompetenzen wie Analysefähigkeit, ganzheitliches Denken und selbstständiges Arbeiten sowie ein gewisses Alter und Lebenserfahrung mit. Qualitäten, die von vielen Arbeitgebern geschätzt werden, ebenso wie die Fähigkeit zur Selbstreflexion, eine Voraussetzung für bewusste Entscheidungen wie einen Studienabbruch. Auch die Initiativen und Projekte, die dafür sorgen, dass Betriebe und Studienabbrecher besser zusammenfinden, sind auf der Internetseite „Studienabbruch – und dann?“ aufgeführt.

Auf jeden Fall eine Ausbildung machen
Oft können Studienabbrecher im Studium erbrachte Leistungen auf die Ausbildung anrechnen lassen. Und selbst wenn die Kenntnisse und Fähigkeiten aus dem Studium nicht durch abgelegte Prüfungen oder entsprechende Dokumente belegt werden können, können sie den Einstieg in die berufliche Bildung doch wesentlich erleichtern.

Auf jeden Fall empfiehlt die Seite „Studienabbruch – und dann?“ eine Ausbildung abzuschließen. Denn auch wer nach der Hochschule am liebsten erst einmal Geld verdienen und unabhängig sein möchte – eine abgeschlossene Ausbildung rentiert sich immer. Menschen ohne Berufsabschluss werden nicht nur geringer entlohnt als ausgebildete Fachkräfte, sie arbeiten auch seltener in Vollzeit, sind häufiger im Rahmen von Zeitarbeit beschäftigt und werden schneller wieder arbeitslos. In vielen Unternehmen werden außerdem ausschließlich qualifizierte Fachkräfte eingestellt.

 

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 20.07.2017
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