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26. 01. 2017

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Prävention kann nur gemeinsam gelingen.“

Die NRW-Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen!“

Bild

Logo; Quelle: Land NRW

Nach dem Abschluss der Modellphase des Projektes „Kein Kind zurücklassen!" beginnt seit Januar 2017 schrittweise der landesweite Ausbau der Politik der Vorbeugung: Alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind aufgefordert, Präventionsketten zu bilden, um Kindern und Jugendlichen gute Startchancen ins Leben zu geben.


Die Initiative „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen", die das Land NRW gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung durchführt, nimmt die gesamte Entwicklung des Kindes in den Blick, damit alle Kinder, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, die gleichen Chancen auf ein gutes Aufwachsen, auf Bildung und auf gesellschaftliche Teilhabe haben. Ziel ist, dass alle Kommunen in NRW nach Grundsätzen vorbeugender Politik handeln und gemeinsam mit dem Land Kinder und ihre Familien von der Schwangerschaft und Geburt bis zum Eintritt in das Berufsleben unterstützen. Dafür sollen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, Gesundheitswesen, Kitas, Schulen, Sportvereine und alle weiteren Beteiligten Präventionsketten bilden bzw. ausbauen und systematisch zusammenarbeiten.

Erfolgreiche Modellphase
Die Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" wurde zwischen 2012 und 2016 in einer Modellphase mit 18 Kommunen erprobt. Im Rahmen des Modellprojekts waren alle Akteurinnen und Akteure aufgefordert, zusammenzuarbeiten und sich zu vernetzen, insbesondere alle Fachkräfte, die in den Kommunen jeden Tag dafür eintreten, dass Kinder und Jugendliche gut aufwachsen können, indem sie Eltern dabei helfen, eine Wohnung zu finden, Freizeit- und Förderangebote für sie organisieren oder sie durch berufsvorbereitende Maßnahmen unterstützen. Dabei waren individuelle Lösungen durchaus erwünscht, denn jede Kommune ist anders als die andere. So entstand ein intensiver Prozess der Verständigung, in dem gemeinsam Bewertungskriterien für präventives Handeln erarbeitet wurden, an denen sich unterschiedliche Akteure bei der Ausgestaltung ihrer vorbeugenden Angebote orientieren können. Außerdem wurden viele Angebote umgesetzt, mit denen auch schwer erreichbare Zielgruppen angesprochen wurden: Es entstanden Willkommensbesuche für Neugeborene, „Frühe Hilfen“ und „Eltern-AGs“ für werdende Eltern und junge Familien in schwierigen Lebenslagen sowie für Eltern mit Migrationshintergrund. Krankenhäuser wurden in die kommunale Präventionsarbeit einbezogen, Familienbüros und Familientreffs als offene Anlaufstellen eingerichtet, Stadtteilmütter, die sich um Familien mit Migrationshintergrund kümmern, qualifiziert. Ein Augenmerk lag auch auf Angeboten für die Übergänge von der Kita in die Grundschule, zwischen den Schulformen und von der Schule in den Beruf.

Unterstützung durch die Landeskoordinierungsstelle
Begleitet und unterstützt wurde die Arbeit vor Ort durch eine Landeskoordinierungsstelle beim Ministerium für Familie, Kinder, Jugendliche, Kultur und Sport. Hier liefen alle Informationen aus den Modellkommunen zusammen. Hier wurden auch die Beratungen und Fortbildungen für die Kommunen koordiniert und der Austausch untereinander organisiert. Um die unterschiedlichen Erfahrungen der teilnehmenden Kommunen für alle nutzbar zu machen, fand ein regelmäßiger Austausch in einem Lernnetzwerk statt. Auch wurde das Modellvorhaben evaluiert, um die Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen vorbeugendes Handeln Wirkung bei Kindern und Jugendlichen und ihren Familien entfalten kann. Die Ergebnisse wurden vom Land NRW und der Bertelsmann Stiftung in dem Bericht der Landeskoordinierungsstelle sowie in dem Evaluationsbericht veröffentlicht und sind für die landesweite Ausweitung des Vorhabens von Nutzen.

Die neuen Kommunen
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Modellvorhabens Ende 2016, rief Familienministerin Christina Kampmann alle Kommunen auf, sich um die Aufnahme in das Netzwerk zu bewerben. Auf fünf Regionalkonferenzen wurden im Oktober 2016 die Kommunen bereits über das Projekt und die zukünftige Rolle der Kommunen informiert sowie die Ergebnisse des Modellvorhabens vorgestellt. Anfang Januar 2017 präsentierte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die neuen 22 Kommunen – acht kreisfreie Städte, acht Kreise sowie sechs kreisangehörige Städte – bei einer Auftaktpressekonferenz. Die Zusammenarbeit zwischen dem Land und den neu hinzukommenden Kommunen im Netzwerk „Kein Kind zurücklassen!“ ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Danach besteht die Möglichkeit, die Zusammenarbeit für weitere zwei Jahre zu vertiefen. Aufgabe der neuen Kommunen ist es in den kommenden beiden Jahren, einen Präventionsansatz zu entwickeln, der ein individuelles Leitbild enthält, das die Ziele der eigenen Präventionsarbeit deutlich macht, eine Präventionskette zu bilden, die die vorhandenen Kräfte und Angebote in den Städten und Gemeinden bündelt und Angebote der Bereiche Gesundheit, Bildung, Kinder- und Jugendhilfe und Soziales miteinander verknüpft, sowie ein sozialräumliches Monitoring durchzuführen, das die Effekte in den einzelnen Kommunen untersucht.

Vorbild für gute Präventionsarbeit

Zusammen mit den 18 Kommunen aus dem 2012 gestarteten Modellvorhaben umfasst das Netzwerk jetzt 40 Kommunen. Bis 2020 sollen alle interessierten Kommunen aus Nordrhein-Westfalen Teil der Landesinitiative werden können. Jede neue Kommune erhält eine jährliche Förderung in Höhe von 30.000 Euro zur Koordinierung der Präventionsarbeit vor Ort. In dem bereits entstandenen Lernnetzwerk können sich die Kommunen und Städte weiterhin über ihre Präventionsansätze austauschen. Auch die neuen Kommunen werden von der Landeskoordinierungsstelle unterstützt. Und die Bertelsmann Stiftung wird ihre wissenschaftliche Begleitforschung ebenfalls fortsetzen.

Auch außerhalb der Landesgrenzen findet das Projekt der „Politik der Vorbeugung“ bereits Beachtung. Das österreichische Bundesland Vorarlberg setzt es unter dem Titel „Vorarlberg lässt kein Kind zurück!" bereits um, das Saarland zeigt Interesse und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im November 2016 die Initiative „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" als gutes Praxisbeispiel in der Präventionsarbeit genannt.


Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 26.01.2017
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