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07. 04. 2011

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Kein Kind soll verloren gehen“

Bundesweite Initiative „Allianz für Bildung“ vernetzt überregionale Stiftungen und Institutionen

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Logo der Allianz

Bildungs(un)gerechtigkeit ist ein heiß diskutiertes Thema in Deutschland. Viele Kinder haben schlechtere Startbedingungen auf ihren Bildungswegen, schon allein deswegen, weil sie aus so genannten „bildungsfernen“ Familien stammen oder einen Migrationshintergrund haben. Unzählige Stiftungen und Initiativen im föderalen Bildungssystem versuchen, diesen Mangel auszugleichen. Ihnen fehlte bislang eine bundesweite Vernetzung. Mit der „Allianz für Bildung“ wurde diese nun ins Leben gerufen.

Vernetzte Vielfalt
Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland an die 18.000 Stiftungen. Diese geben zwischen 16 und 17 Millionen Euro für Projekte in Erziehung und Bildung aus. Dabei geht es oft um die Förderung von bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen. Die „Allianz für Bildung“, am 22. Februar 2011 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit 12 Allianzpartnern in Stuttgart gegründet, will den Aufbau lokaler Bildungsbündnisse unterstützen, vorhandene Initiativen vernetzen und fachliche Kenntnisse vermitteln. Ihr Ziel ist es, staatliche, private und zivilgesellschaftliche Kräfte in Deutschland zusammenzuführen, um Kindern und Jugendlichen in allen Phasen ihrer Bildung und Ausbildung zur Seite zu stehen. Letztlich soll eine breite bürgerschaftliche Bewegung entstehen, die Bildung wieder verstärkt selbst in die Hand nimmt.

Gründungspartner der Bildungs-Allianz sind der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der Didacta Verband, der Deutsche Bibliotheksverband, die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Stiftung Lesen, die Stiftung Haus der kleinen Forscher, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Joachim Herz Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, die Roland Berger Stiftung sowie die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.

Vom Sommercamp bis zur Hausaufgabenbetreuung
Einerseits ist der Bund in der Bildungspolitik und hier vor allem im Schulbereich weitgehend kompetenzlos. Die letzte Föderalismusreform hat die Kulturhoheit der Bundesländer noch gestärkt. Andererseits fehlt es den Ländern oft am nötigen Geld, um Projekte ohne Unterstützung des Bundes umsetzen zu können. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) möchte deshalb „in den nächsten Jahren kontinuierlich lokale Bildungsbündnisse aufbauen“, erklärte sie in einem Interview im Januar 2011. „Auch in unseren Städten und Gemeinden gibt es viele Angebote. Wir müssen sie stärker denen öffnen, die sie bislang kaum nutzen.“ Unter dem Dach der „Allianz für Bildung“ entwickeln Vereine, Verbände und engagierte Bürgerinnen und Bürger in Kooperation mit Schulen und Kommunen Ideen und Maßnahmen, die den Teamgeist und die Freude am Lernen bei Kindern und Jugendlichen fordern und fördern. Dazu gehören Fußball- und Volleyballturniere im Verein sowie Theater- und Musikaufführungen ebenso wie Sommercamps in den Schulferien, Paten- und Mentorenprogramme oder die nachmittägliche Hilfe bei schulischen Hausaufgaben.

Bildung durch Sport, Lesen und Forschen
Die „Allianz für Bildung“ konzentriert sich auf insgesamt sieben so genannte „Aktionsfelder“. Während im Aktionsfeld „Sport und Bewegung“ die über neun Millionen Kinder in 90.000 Vereinen gefördert werden sollen, stärkt das Aktionsfeld „Kulturelle Bildung“ Kompetenzen wie Lesefertigkeit und künstlerische Kreativität. So hat das im Dezember 2010 gestartete Programm „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“ mit einem Fördervolumen von 26 Millionen Euro bereits viele Bibliotheken dazu bewegen können, Kindern und Jugendlichen sowie ihren Eltern Literatur und Medien kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Kooperationen mit Kindertages- und Vorschuleinrichtungen sowie mit Schulen und Trägern der außerschulischen Jugendarbeit sollen weiter vorangebracht werden. Gudrun Heute-Bluhm, Präsidentin des Deutschen Bibliotheksverbandes, wird in der Pressemitteilung zur Eröffnung der Bildungs-Allianz mit dem Versprechen zitiert: „Die kommunalen Bibliotheken werden ihre Kooperationen mit Schulen und Kindertagesstätten ausbauen, Lesepatenschaften fördern und sich für eine flächendeckende Ausstattung der Schulen mit Schulbibliotheken einsetzen.“

Auch die Zahlen im Aktionsfeld „Forschen und experimentieren“ sind beeindruckend: In 15.000 Kindertagesstätten erproben bereits jetzt schon 600.000 Kinder im Vorschulalter auf spielerische Weise Zugänge zur spannenden Welt der Forschung. Das Ziel besteht darin, schon in wenigen Jahren mindestens 80 Prozent aller Kindergärten in Deutschland zu erreichen und zu Häusern der kleinen Forscher zu entwickeln.

Vielfältige Förderung und Unterstützung
Die Förderung und materielle Unterstützung von Kindern aus bildungsfernen Familien sowie mit Migrationshintergrund hat das Aktionsfeld „Begleiten, fördern und beraten“ im Blick. So begleiten in dem im September 2010 initiierten Programm „Bildungsketten“ 1.000 Berufseinstiegsbegleiter und Senior-Experten bis zu 30.000 junge Menschen ab der 7. Klasse auf ihrem Weg von der Schule in den Beruf. Bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche können so kontinuierlich und vor allem individuell unterstützt werden – bis zur Ausbildung, zum Beruf oder Hochschulstudium.

Dazu ist es nötig, die Kinder nachmittags nicht einfach sich selbst zu überlassen. In der Schullandschaft hat sich hierbei vor allem im Bereich Ganztagsangebot einiges getan. Fast 42 Prozent aller bundesdeutschen Schulen bieten mittlerweile eine ganztägige Betreuung an. Um diese Entwicklung zu stärken, hatte das Bundesbildungsministerium schon 2004 das Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ aufgelegt, bei dem Serviceagenturen die Schulen darin unterstützen, Ganztagsangebote einzurichten bzw. auszuweiten.
All dies geschieht letztlich immer am besten vor Ort, das heißt auf kommunaler Ebene. Insofern zielt das Aktionsfeld „Verantwortungsgemeinschaften vor Ort stärken“ darauf ab, das Bildungsangebot auf kommunaler Ebene auszubauen. Gemeinsam mit 120 Stiftungen greift das Bundesbildungsministerium 40 Kommunen aus allen Teilen Deutschlands bei der Schaffung lokaler Bildungsbündnisse unter die Arme.

Wettbewerb prämiert herausragende Ideen
Ohne gute Ideen gibt es keine Innovation. Mit dem Wettbewerb „Ideen für die Bildungsrepublik“ sollen deshalb Ideen gefördert und prämiert werden, die das Ziel einer bürgerschaftlichen Bewegung für mehr und für gerechtere Bildung voranbringen. Noch bis zum 16. Mai 2011 können sich Bildungsinstitutionen, -projekte und -initiativen bewerben. Die eingereichten Vorschläge sollten insgesamt vier Kriterien zu dem Motto „Gemeinsam für mehr Bildungschancen“ erfüllen: Stärkung der Bildungsgerechtigkeit vor Ort, Vernetzung verschiedener Akteure aus der Kinder- und Jugendarbeit, sozialer Träger, Vereine, Schulen und Hochschulen. Es geht dabei um den Vorbildcharakter sowie ein kontinuierliches Engagement, also Nachhaltigkeit. Erwachsen ist der Wettbewerb einerseits aus der „Allianz für Bildung“, andererseits aus der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Christian Wulff gemeinsam mit der deutschen Wirtschaft für ein positives Bild von Deutschland als einem innovativen und kreativen Land im In- und Ausland wirbt.

Bundesbildungsministerin setzt auf Konsens mit den Länder
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Die Allianz ist ein ehrgeiziges Projekt. Es muss sich allerdings, z. B. durch wissenschaftliche Evaluationen, noch zeigen, ob die Vernetzung und Bündelung der Projekte auf kommunaler und auf Länderebene durch den Bund tatsächlich für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen können – oder ob es doch eher um Finanzumverteilungen geht. Annette Schavan nennt in einem Interview Finnland als Vorbild, weiß aber auch, dass der PISA-Spitzenreiter im Norden über eine weit effizientere und sozial weniger selektive Schulstruktur verfügt. In jedem Falle ist es notwendig, dass die Bundesbildungsministerin immer wieder den Konsens mit den Bundesländern sucht. So meinte sie schon im August letzten Jahres in der „Hannoverschen Allgemeinen“: „Was den Bildungsteil angeht, wird uns als Bund nur in Kooperation mit Ländern und Gemeinden etwas Gutes gelingen. Bildung ist mehr als Schulpolitik. Bildung ist Schlüssel für Lebenschancen. Die Bürger haben kein Verständnis für Eifersüchteleien zwischen verschiedenen staatlichen Ebenen oder für ein Gerangel um Zuständigkeiten. […] Kein Kind soll verloren gehen.“



Projekte zum Thema in der Projektedatenbank des Innovationsportals finden Sie bei der Recherche nach dem Innovationsbereich „Förderung von Bildungsbenachteiligten“.

 

 

Autor(in): Arndt Kremer
Kontakt zur Redaktion
Datum: 07.04.2011
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