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15. 10. 2015

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Ohne Eltern geht es nicht

Bessere Bildungschancen für Kinder durch die Einbeziehung der Eltern

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Über 5000 Fachkräfte der Familienbildung wurden mit dem Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance" von 2011 bis 2014 erfolgreich zu Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern weiterqualifiziert. Sie stehen Eltern im Familienalltag beiseite und stärken sie bei der frühkindlichen Bildung ihrer Kinder. Im Juli 2015 ist „Elternchance II“ an den Start gegangen.


Kinder lernen gerne und von Beginn an. Schon wenn sie als Kleinkind mit den Eltern spielen und Zeit verbringen, entwickeln sie sich und lernen. Kindheits-, Familien- und Bildungsforschung belegen, wie wichtig das familiäre Umfeld für einen erfolgreichen Bildungserwerb ist. Doch viele Eltern fragen sich, was gut ist für ihr Kind, was es braucht oder warum es anders ist als andere. Das Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance“ will Familien stärken, damit alle Kinder gleiche und gute Chancen haben.

Das Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance“

Das Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance - Elternbegleitung der Bildungsverläufe der Kinder" ist 2011 gestartet und darauf ausgerichtet, Eltern bei den Lern- und Bildungswegen ihrer Kinder im Alltag zu begleiten. Zu Elternbegleiter/inne/n qualifizierte Fachkräfte aus der Familienbildung stehen ihnen als Vertrauenspersonen beiseite, sind kompetente Ansprechpartner in Kitas, Familienzentren und an Orten der Familienbildung, stärken ihre Erziehungskompetenz und unterstützen sie bei Entscheidungen zu Bildungsübergängen.

Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert und umfasst zwei Programmbereiche: zum einen die Qualifizierung von haupt- und nebenamtlichen Fachkräften in der Eltern- und Familienbildung zu Elternbegleitern. Dazu koordiniert es mit den bundesweit tätigen Trägern der Familienbildung den einheitlichen Rahmen für fachgerechte Curricula. Zum anderen die Erprobung von lokalen Vernetzungsstrukturen im Bereich der Eltern- und Familienbildung zur Bildungsbegleitung von Kindern. 100 Einrichtungen, in denen Elternbegleiter wirken, wurden von März 2012 bis Ende 2014 als Modellstandorte „Elternbegleitung Plus" gefördert. Sie erprobten die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der frühen Bildung und setzten gemeinsam mit ihnen niedrigschwellige Angebote der Bildungsförderung um.

Die Aufgaben der Elternbegleiter/innen

Die meisten Eltern wollen eine gute Bildung und Ausbildung für ihr Kind, manche wissen aber nicht, wie sie ihre Kinder zu Hause unterstützen können. Über die Elternbegleiter/innen und Angebote in der Familienbildung finden sie einfach und gezielt kompetenten Rat und verbessern ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, um ihren Kindern im Bildungsverlauf optimal helfen zu können. Die Elternbegleiter/innen haben in den Qualifizierungen, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienbildung und Beratung e.V. (AGEF) sowie dem Trägerkonsortium angeboten wurden, zusätzliches Wissen und praktische Handlungskompetenz zu Bildungsverläufen von Kindern und zur kindlichen Entwicklung gewonnen sowie für die Bildungsbegleitung notwendige Querschnittskompetenzen erworben – wie zum Beispiel Gruppenleiter- und Beratungskompetenz, Kompetenzen für die Netzwerkarbeit, interkulturelle und diagnostische Kompetenzen. Sie sensibilisieren Eltern mit Klein - und Grundschulkindern für die Bedeutung von Bildung mit Blick auf die Zukunftschancen ihrer Kinder und bieten ihnen durch Beratung, Gespräche, Gruppen- oder auch Kursteilnahme die Möglichkeit, ihre Erziehungskompetenz und ihr Bildungswissen zu erweitern. Elternbegleiter/innen sprechen Familien gezielt an und arbeiten bei der Förderung der Kinder mit den Eltern Hand in Hand. Sie sind in der Eltern- und Familienbildung verortet, d.h. in Familienbildungsstätten, Familienzentren, Mehrgenerationenhäusern, Eltern-Kind-Zentren und Kindertagesstätten, mit weiteren Trägern vernetzt und in ganz Deutschland aktiv.

100 Modellstandorte „Elternbegleitung Plus"
Im Programmschwerpunkt „Elternbegleitung Plus" wurden an 100 Modellstandorten neue Wege erprobt, Eltern und Kinder mit unterschiedlichstem Unterstützungsbedarf über Angebote der Familienbildung besser zu erreichen. Insgesamt wurden 439 verschiedene Angebote realisiert. Der Fokus lag hier insbesondere darauf, niedrigschwellige Angebote für Familien zu schaffen, die vor besonderen Herausforderungen stehen, wie zum Beispiel Familien mit Migrationshintergrund sowie bildungsbenachteiligte Familien. Das Spektrum reichte von offenen Treffen über Einzelveranstaltungen und Veranstaltungsreihen bis hin zu einer Vielzahl von Kursangeboten: Die Familienbildungsstätte Naumburg etwa bietet gemeinsam mit einer Hebamme Elternbegleitung ab dem ersten Lebenstag an. Die Kita „Lollypop“ in Düren hat eine Elternschule ins Leben gerufen, in der Eltern von Vorschulkindern auf die Anforderungen der Schule vorbereitet werden. Und in den Leipziger Kitas „Am Kulkwitzer See" und  „Häschengrube" ist eine gemeinsame Sprechstunde der Elternbegleiter/innen zu den Bring- und Abholzeiten eingerichtet worden. In einem extra dafür eingerichteten Raum können dort in Ruhe Fragen und Sorgen besprochen werden.

Abschlussbericht der wissenschaftlichen Evaluation
Ein Expertenkreis beriet das Bundesfamilienministerium kontinuierlich bei der Etablierung und Umsetzung des Bundesprogramms. Die externe Evaluation übernahmen das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Sie wurde durch ein mehrköpfiges Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Sabine Walper (DJI) und Professor Mark Stemmler (FAU) durchgeführt. Von April 2012 bis Dezember 2014 wurde die praktische Umsetzung der Qualifizierung sowie deren Auswirkungen auf die Elternarbeit untersucht. Im August 2015 erschien der Abschlussbericht. Die Evaluation zeigt, dass Fachkräfte und Eltern auf vielfältige Weise von dem Programm profitieren: Die Fachkräfte konnten ihre Kompetenzen stärken und haben praxisrelevantes Wissen erlangt – die Eltern erlebten die Zusammenarbeit als wertschätzend und profitierten von dem Angebot der Bildungsbegleitung. Als wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Elternbegleitung hat sich dabei die sozialräumliche Vernetzung herausgestellt. Insgesamt zeigt die Evaluation, dass die Qualifizierung eine erhebliche Lücke in der Weiterbildung von Fachkräften im Bereich der Familienbildung schließt.

Das erfolgreiche Programm wird weitergeführt
Mit dem Start des ESF-Bundesprogramms „Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen" werden die erfolgreichen Ansätze von „Elternchance ist Kinderchance" seit Juli 2015 weiterentwickelt. Neben der Begleitung frühkindlicher Bildungsprozesse setzt das ESF-Programm einen neuen Akzent in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch geht es gezielt auf die neue Rolle von Vätern in der Erziehung ein und fördert die partnerschaftliche Elternschaft.



Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 15.10.2015
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