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29. 11. 2012

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Das demokratische Bewusstsein stärken

Die Bundeszentrale für politische Bildung wird 60!

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Am 25. November 2012 feierte die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ihren 60. Geburtstag. Seit ihrer Gründung 1952 widmet sie sich aktuellen und zeithistorischen Themen. Ihr Ziel ist es, das demokratische Bewusstsein in der Gesellschaft zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken.


Vor 60 Jahren fiel der Startschuss: Am 25. November 1952 wurde die „Bundeszentrale für Heimatdienst“ gegründet, die „den demokratischen und europäischen Gedanken im deutschen Volke festigen und verbreiten sollte" – so die Formulierung im Gründungserlass. Die Bildungseinrichtung in staatlicher Trägerschaft sollte totalitäre Bestrebungen aller Art bekämpfen und das demokratische Bewusstsein in der Bevölkerung verankern. Im Mittelpunkt der Bemühungen standen die Förderung der demokratischen Kräfte und eine europäische Aussöhnung. Die Bürgerinnen und Bürger wurden verstärkt über den neuen demokratischen Staat, seine Werte und Institutionen sowie die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus aufgeklärt. Die Wochenzeitung „Das Parlament“ gab Auskunft über alle wichtigen Debatten des Deutschen Bundestags, des Bundesrats, des Europäischen Parlaments und des Europarats. 1952 erschienen auch bereits die zur Fortbildung von Lehrkräften konzipierten Hefte „Informationen zur politischen Bildung“.

Umbenennung in „Bundeszentrale für politische Bildung"
Im Jahr 1963 erfolgte die Umbenennung in „Bundeszentrale für politische Bildung", für die sich später das Kürzel „BpB" (ab 2001 in der Schreibweise „bpb") einbürgerte. Ein neuer Erlass gab der Bundeszentrale Ende der 1960er Jahre einen veränderten Aufgabenzuschnitt. Sie wollte fortan „realitätsbezogener, weniger verklärend und harmonisierend sein und im deutschen Volk das Verständnis für politische Sachverhalte wecken, das demokratische Bewusstsein festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit stärken." In den 1970er Jahren entfachte ein Streit darüber, ob politische Bildung emanzipatorischen oder eher affirmativen Charakter haben sollte, ob sie systemstabilisierend oder systemverändernd wirken sollte und ob es überhaupt Aufgabe der staatlichen politischen Bildung sein konnte, Foren parteipolitischer Auseinandersetzungen zu schaffen und Handlungsorientierungen für das politische Engagement der Bürger/innen zu geben.

Mit dem „Beutelsbacher Konsens“ gelang es im Jahr 1976 einen Minimalkonsens zu finden, der bis heute Gültigkeit hat. Man einigte sich auf folgende drei Prinzipien für die politische Bildung: Das Überwältigungsverbot (keine Indoktrination), das Gebot, kontrovers diskutierte Themen auch im Politikunterricht kontrovers darzustellen, sowie Schüler dahingehend zu fördern, dass sie ihre eigenen Interessen erkennen und vertreten können.

Neuausrichtung der bpb
Kurz vor der Jahrtausendwende unterzog sich die bpb einer umfassenden und aufwändigen Evaluation. Diese wurde intern von einer Arbeitsgruppe sowie extern vom Institut für Demoskopie in Allensbach durchgeführt. In Befragungen wurden die aktuellen Angebote an Publikationen, Veranstaltungen und Multimediaprodukten bewertet, darüber hinaus die Struktur der Einrichtung und ihrer Aufgaben sowie der Personalbedarf einer kritischen Überprüfung unterzogen. In der Folge der Evaluationsergebnisse wurde die „fachliche und organisatorische Neuausrichtung der Bundeszentrale für politische Bildung" festgeschrieben. Mit Erlass vom 24.01.2001 erhielt die bpb eine neue Leitungsstruktur, und die nicht mehr zeitgemäße Beschränkung auf Maßnahmen der politischen Bildung „im deutschen Volk" entfiel. Die in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund wurden mit einbezogen, und Integration und Migration, die Zukunft des Sozialstaats und die soziale Marktwirtschaft sowie Gewaltphänomene in der Gesellschaft kamen als weitere Schwerpunktthemen hinzu. Einige Angebote, wie die „Zeitlupe“, die „Annotierte Bibliografie“ und „Kontrovers“, wurden eingestellt, andere, wie die „ApuZ“ (Aus Politik und Zeitgeschichte), überarbeitet und modernisiert. Die Wochenzeitung „Das Parlament“ ging in die Zuständigkeit des Deutschen Bundestags über. Nur die regelmäßigen Themenausgaben wurden noch bis zum Jahr 2010 in Zusammenarbeit mit der bpb herausgegeben.

Jugendliche als neue Zielgruppe
Mit Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene als neue Zielgruppe entstanden attraktive Angebote im Bereich der Musik- und Jugendkultur, die Lust auf Engagement und Beteiligung machen sollten: die Marken „Timer“, ein neuer Schülerkalender, „fluter“, ein Magazin für Jugendliche in Print- und Onlineversion, sowie die Internet-Kinderseite www.hanisauLand.de. Außerdem wurden verschiedene sog. Peer-Education-Projekte („Young EU professional“, „teamGLOBAL“) aufgebaut, in denen junge Menschen zu Multiplikatoren ausgebildet werden, die ihr Wissen dann an ihre Peer-Group weitergeben. Es entstanden Internetangebote zu historischen Themen wie die www.jugendopposition.de, www.chronik-der-mauer.de und www.chotzen.de, und im Jahr 2005 startete das Online-Angebot www.eurotopics.net, das täglich Nachrichten aus 28 europäischen Ländern übermittelt.

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Deutschen Bundesjugendring hat die bpb 2007 unter dem Motto „Nur wer was macht, kann auch verändern!" ein Aktionsprogramm gestartet, das Kinder und Jugendliche frühzeitig dafür sensibilisieren soll, dass sie selber etwas bewirken können. Besonderer Beliebtheit erfreut sich auch der seit 2002 bei Bundestags-, Europa- und verschiedenen Landtagswahlen eingesetzte „Wahl-O-Mat“.

Aufbau der Homepage
Wesentlicher Bestandteil der Neuausrichtung der Bundeszentrale war der Ausbau des Web-Auftritts. Über www.bpb.de kann man die Publikationen der bpb, wie die „Informationen zur politischen Bildung“, „Info aktuell“, Länderberichte und anderes mehr, beziehen oder sich zu Veranstaltungen anmelden. Gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern richtet die bpb rund 400 Veranstaltungen im Jahr aus, dazu gehören Seminare, Workshops, Vorträge oder Fortbildungen. Darüber hinaus stellt die Seite umfassende Informationen zu aktuellen politischen und historischen Fragestellungen bereit und bietet zahlreiche Dossiers zu innenpolitischen und internationalen Themen, aber auch zu gesellschaftlich relevanten Themen wie Rechtsextremismus, Frauenbewegung, Homosexualität, Migration und Jugendkultur. Auch Unterrichtsmaterialien zu all diesen Schwerpunkten können über die Homepage bezogen werden.

Demokratie erfahren
Mit ihren 60 Jahren kann die Bundeszentrale für politische Bildung auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken. Von Demokratiepädagogen wird jedoch die Frage gestellt, ob politische Bildung allein ausreicht, um Demokratiebewusstsein bei den Bürgerinnen und Bürger langfristig zu verankern, oder ob Demokratie nicht vielmehr gelebt, erfahren und erlernt werden müsse. Prof. Dr. Gerhard Himmelmann (Braunschweig) verweist in seinem Beitrag „Demokratie-Lernen: Was? Warum? Wozu?“ (2004) auf die Notwendigkeit eines Umsteuerns in der traditionellen Politikdidaktik in Richtung auf eine ganzheitliche Demokratiepädagogik, die nur unter Berücksichtigung und Verschränkung der drei Ebenen von Demokratie als Herrschafts-, Gesellschafts- und Lebensform erfolgreich sein kann.

Im „Magdeburger Manifest zur Demokratiepädagogik“ (2005) halten die Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Edelstein (Berlin), Prof. Dr. Peter Fauser (Jena) und Prof. Dr. Gerhard de Haan (Berlin) fest, dass Demokratie als Lebensform nur funktioniert, wenn die Prinzipien der Demokratie in die Praxis des gelebten Alltags – auch in die Schule – hineingetragen werden. Demokratie wird ihrer Ansicht nach erfahren durch Zugehörigkeit, Mitwirkung, Anerkennung und Verantwortung. Umgekehrt sind Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit bei Jugendlichen auch die Folge fehlender Erfahrung der Zugehörigkeit, mangelnder Anerkennung und ungenügender Aufklärung. Demokratie müsse deshalb bereits in der Schule durch „Mitwirkung und Teilhabe in den verschiedenen Formen und auf den verschiedenen Ebenen des Schullebens und der schulischen Gremien erprobt werden“.

Die Bundeszentrale für politische Bildung bezieht in der wissenschaftlichen Kontroverse zwischen „Politischer Bildung“ und „Demokratieerziehung“ keine Stellung. Die Tatsache, dass sie in ihrem Namen auf "politische Bildung" als Begriff bezogen ist und diesen auch grundsätzlich verwendet, bedeutet nicht, dass sie sich grundsätzlich für eine Position entscheidet. Die bpb beobachtet die entsprechenden Debatten und zieht Schlüsse aus den einzelnen Argumenten. Für die Bildungspraxis schließen sich aus ihrer Sicht die beiden akademisch definierten konzeptuellen Ansätze nicht aus.

 

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 29.11.2012
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