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28. 02. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Netz, Notebooks, Nutznießer

Studie belegt positive Wirkung von Laptops im Schulunterricht

Bild

Schüler arbeiten mit dem Notebook

„Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.“ Der Generationen von Schülerinnen und Schülern verhasste Satz des römischen Stoikers Seneca gelangt vor dem Hintergrund des Einsatzes von Computern im Unterricht zu neuen Ehren. Mochte dieser leicht verstaubte pädagogische Bannerspruch auch oftmals ins Leere zielen – hier scheint er ins Volle zu treffen. Denn das Mitte der 90er Jahre noch zuweilen belächelte Lernen mit und am „Rechner“ bedeutete von Beginn an eine Weichenstellung für die Lebenspraxis in Richtung lebenslanges Lernen. Notebooks, Heimcomputer, Internet mit Networking, E-Mails, Blogs, Podcasts, Chats: Längst ist unser Alltag am Arbeitsplatz wie in der Freizeit vom Einsatz digitaler, sich rasant verändernder Medien bestimmt und die Schule muss bei dieser Entwicklung Schritt halten. Besaßen vor elf Jahren gerade einmal 800 Schulen einen Internetzugang, so verfügen heute mehr als 20 000 Schulen in Deutschland über moderne DSL-Breitbandanschlüsse.

Der 1996 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Deutschen Telekom AG gegründete Verein „Schulen ans Netz“ hat viel dazu beigetragen. Er fordert und fördert den Einsatz digitaler Medien im Unterricht, unter anderem durch Projekte und Publikationen. Über sein Projekt IT works beauftragte der Verein deshalb die Humboldt-Universität zu Berlin, den niedersächsischen Pilotversuch „1000 mal 1000: Notebooks im Schulranzen“ wissenschaftlich zu begleiten.

„1000 mal 1000 Notebooks im Schulranzen“: positive Effekte
Ab Frühjahr 2003 wurden auf Initiative von „n-21: Schulen in Niedersachsen online“ Klassen des 7. Jahrgangs in 13 Schulen aus allen Schulformen mit persönlichen Notebooks ausgestattet. Die Schülerinnen und Schüler setzten die mobilen Computer im Deutsch- und Mathematikunterricht ein und durften sie sowohl in der Klasse als auch zu Hause nutzen. Für die Finanzierung des Projekts zeichneten Eltern, die niedersächsische Landesregierung, die teilnehmenden Landkreise und Städte sowie unternehmerische Sponsoren verantwortlich. Das vom Aktionsprogramm n-21 koordinierte Pilotprojekt hatte sich unter anderem zum Ziel gesetzt, kooperatives, fächerübergreifendes und individualisiertes Lernen durch den Einsatz von Notebooks zu fördern. Die Schülerinnen und Schüler sollten ihre Fähigkeiten verbessern, Informationen im Netz zu recherchieren und zu verarbeiten. Letztlich ging es darum, Computer und Internet sinnvoll, also zielgerichtet nutzen zu können

Laut der im Dezember 2007 veröffentlichten Studie der Berliner Humboldt-Universität erzielten die Schülerinnen und Schüler der Notebook-Klassen insgesamt zwar weder bessere noch schlechtere Leistungen als diejenigen ohne Laptop. Dennoch brachte der EDV-Einsatz gute Effekte: „Notebook-Schüler zeigen in der Tendenz eine positivere Einstellung zu Schule und Unterricht als Nicht-Notebook-Schüler“, so ist es in der vom Bundesbildungsministerium und dem Europäischen Sozialfond finanzierten Studie zu lesen. Die Kinder in Notebook-Klassen fanden den Unterricht interessanter und waren motivierter. Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Lesefähigkeit seien gestärkt worden. „Auffällig war, dass besonders Hauptschüler ihre Leseleistung verbessern konnten“, berichtet Dr. Heike Schaumburg vom Institut für Erziehungswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitautorin der Studie. Hauptschullehrerinnen und -lehrer berichteten von einem Unterricht, der in den Notebook-Klassen kameradschaftlicher und mit deutlich weniger Konfrontationen ablaufe. Auch in den anderen Schulformen fühlten sich die Klassen insgesamt stärker als ein Team, das gemeinsames Wissen nutzt und die Hilfe der „Spezialisten“ in der Klasse in Anspruch nimmt. Die Unterrichtsgestaltung der Lehrerinnen und Lehrer veränderte sich ebenfalls: weg vom Frontalunterricht, hin zu interaktiveren Unterrichtsformen.

Diese positiven Ergebnisse decken sich mit denen anderer nationaler wie internationaler Untersuchungen von 2006: zum Beispiel der OECD-Studie „Are Students Ready for a Technology-Rich World?“ oder der von der Stiftung Bildungspakt Bayern in Auftrag gegebenen Studie der Universität Augsburg über Notebooks in Hauptschulen. So ließe sich ein verstärkter Einsatz offener Lehr-Lernformen in den Notebook-Klassen beobachten. Besonders gefördert würden die sozialen Kompetenzen. Notebook-Schüler arbeiteten gut in Gruppen zusammen und unterstützten sich gegenseitig.

Nachdem im letzten Jahr einige Schulen in den USA Computer aus den Klassenräumen wieder verbannt hatten, weil sie angeblich die Konzentration der Schüler beeinträchtigten, entbrannte auch in Deutschland die Diskussion um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht neu. Die vorliegenden Untersuchungen geben nun all denjenigen treffende Argumente an die Hand, die Computer als schulisches Lehr- und Lernmittel befürworten.

„Schulen ans Netz“: Freiräume schaffen
„Natürlich ist es nicht so, dass man nur eine Technologie in die Schulen hineinstecken muss, und automatisch wird alles besser“, gibt die Medienpädagogin Heike Schaumburg zu bedenken. Ohne eine einwandfrei funktionierende Technik und andere ansprechende Rahmenbedingen sind auch die positiven Effekte von Notebook-Klassen nicht oder nur eingeschränkt möglich. Fortbildungen, Austausch, Zeit und Freiräume, in denen experimentiert werden darf, sind dafür besonders wichtig. Vor allem müssen Eltern, Schulleitung, Kollegium sowie Schülerinnen und Schüler hinter dem Projekt stehen.

Der Verein „Schulen ans Netz“ will durch verschiedene Projekte dazu beitragen, diese Rahmenbedingungen zu verbessern. Während sich „BIBER: Bildung-Beratung-Erziehung“ um medienpädagogische Arbeit bereits in Kindertagesstätten und Grundschulen kümmert, will das Projekt „Freie Lernorte – Raum für mehr“ mit neuen und traditionellen Medien in Ganztagsschulen das selbständige Lernen fördern. „LIFT“ hilft bildungsbenachteiligten Jugendlichen mit Migrationshintergrund, und der „Exil-Club“ wendet sich Themen rund um das „Fremdsein“ unter uns zu. „eTwinning“ unterstützt europäische Schulpartnerschaften, die über das Internet geknüpft werden, „Lehrer-Online“ gibt Lehrern Materialien rund um den Unterricht mit digitalen Medien an die Hand. Schließlich soll das Projekt „qualiboXX“ dazu beitragen, mit Hilfe eines virtuellen Lernzentrums für die Berufsvorbereitung den Übergang von der Schule in den Job zu meistern.

Auch Schulen ans Netz e.V. selbst steht vor Übergängen und neuen Aufgaben. „Vor dem Hintergrund sich wandelnder gesellschaftlicher Anforderungen und der zunehmenden Medienprägung müssen wir die Initiative ‚Schulen ans Netz' für die Zukunft neu ausrichten", forderte Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan (CDU) anlässlich der Feier zum zehnjährigen Bestehen von „Schulen ans Netz“ im Jahre 2006. Aus „Schulen ans Netz“ müsse die Initiative „Bildung ans Netz“ werden, die Menschen jeden Alters mit einbeziehe. Nur wer bereit sei, lebenslang zu lernen, könne im Beruf Erfolg haben. Kenntnisse in den digitalen Medien und in der Nutzung des Internets sind dafür ein wichtiger Baustein. Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen – und surfen wir.

 

Autor(in): Arndt Kremer
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Datum: 28.02.2008
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