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13. 04. 2017

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Prävention statt Reparatur

Für einen reibungslosen Übergang von der Schule in die Ausbildung

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Logo; Quelle: Bildungsketten

Die Initiative Bildungsketten unterstützt junge Menschen auf ihrem Weg von der Schule ins Berufsleben. Sie bündelt die Förderinstrumente zur Berufsorientierung von Bund, Bundesagentur für Arbeit und den Ländern, um möglichst jedem ausbildungswilligen jungen Menschen eine betriebliche Berufsausbildung zu ermöglichen. Das Angebot reicht von der 7. Klasse bis zum Ausbildungsabschluss.


Junge Menschen können heute zwischen vielen Berufen und Ausbildungsmöglichkeiten wählen. Doch nicht jeder weiß schon als Jugendlicher, was er einmal werden und welchen Beruf er ergreifen möchte. Eine frühzeitige Berufsorientierung ist sinnvoll, um zu verhindern, dass es zu Orientierungslosigkeit sowie Schul- und Ausbildungsabbrüchen kommt. Denn wer über seine beruflichen Perspektiven Bescheid weiß, hat gute Chancen auf einen Ausbildungsabschluss.

Die Initiative Bildungsketten

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und die Bundesagentur für Arbeit (BA) wollen gemeinsam mit den Ländern in der Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ den Anteil der Schulabgänger/innen ohne Abschluss und der ausbildungsfähigen jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss halbieren und Ausbildungsabbrüche verhindern. Die Initiative bündelt alle Maßnahmen und Förderinstrumente von Bund, BA und Ländern, stimmt sie aufeinander ab und verzahnt sie zu einem ganzheitlichen, bundesweit gültigen und in sich stimmigen Fördersystem zur Berufsorientierung und für den Übergang Schule – Beruf. Der Schwerpunkt liegt auf Schulen der Sekundarstufe I, aber auch Gymnasien werden berücksichtigt. Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Brandenburg und Baden-Württemberg haben bereits eine Vereinbarung unterzeichnet.

Die Initiative Bildungsketten ist ein wesentlicher Bestandteil der Allianz für Aus-und Weiterbildung. Diese hat die Bundesregierung am 12. Dezember 2014 mit Vertretern der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Bundesagentur für Arbeit und der Länder im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie besiegelt, um die berufliche Bildung zu stärken. Im Mittelpunkt der Initiative Bildungsketten steht eine individuelle Förderung, die auf die Bedürfnisse der Schüler/innen im Berufsorientierungsprozess zugeschnitten ist, um möglichst jedem ausbildungsreifen und ausbildungswilligen jungen Menschen eine betriebliche Berufsausbildung zu ermöglichen, aber auch, um den Fachkräftebedarf der Wirtschaft zu decken und Betrieben Hilfe bei der Ausbildung anzubieten. Nach dem Leitmotiv „Prävention statt Reparatur“ sollen die Instrumente so eingesetzt werden, dass sich Stärken und Kompetenzen von Beginn an entfalten können und spätere „Reparaturen“ in den Bildungsverläufen wegen verpasster Abschlüsse oder abgebrochener Ausbildungen überflüssig werden.

Kompetenzen aufbauen, Stärken erkennen
Der Einstieg in den Berufsorientierungsprozess erfolgt in Klasse 7 mit der Potenzialanalyse. Sie regt die Schülerinnen und Schüler dazu an, sich mit ihren Interessen und Neigungen auseinanderzusetzen. Geschultes Personal beobachtet sie dabei, wie sie verschiedene Übungen bewältigen. Dazu gehören beispielsweise handwerkliche Aufgaben, wie der Umgang mit Holz und Werkzeug oder der Bau einer Papierstadt in Gruppenarbeit, aber es wird auch zu verschiedenen Themen diskutiert und in verschiedene Rollen geschlüpft. Auch der biografische Hintergrund und die familiäre Situation der Schüler/innen werden berücksichtigt. Die Beurteilung liefert den Schülern eine erste Tendenz, wo ihre Stärken liegen. „Anders als bei einer Leistungsbeurteilung soll der Blick für das geöffnet werden, was (auch noch) sein könnte“, heißt es in der Beschreibung der Potenzialanalyse. Die festgestellten methodischen, personalen und sozialen Kompetenzen berücksichtigen Fähigkeiten und Kenntnisse, die die Schüler/innen in und außerhalb der Schule erworben haben: Die methodischen Kompetenzen beziehen sich auf das Arbeits- und Lernverhalten, wie etwa die Arbeitsplanung, Kreativität oder Problemlösungsfähigkeit. Die personalen Kompetenzen beinhalten das persönliche Verhalten, die Motivationsfähigkeit, die Zuverlässigkeit oder auch das Selbstvertrauen. Die sozialen Kompetenzen zeigen, wie sich die jungen Menschen in der Gruppe bewegen, ob sie teamfähig sind, kommunizieren können und wie sie sich in Konflikten verhalten. Die Ergebnisse geben ihnen einen ersten Aufschluss darüber, in welche Bereiche die Interessen und Fähigkeiten führen und wo ein erstes Praktikum für sie interessant sein könnte. Eine Empfehlung für einen bestimmten Beruf ist damit aber noch nicht verbunden.

Die Praxis erkunden
Im Anschluss daran erfolgt in Klasse 8 die praktische Berufsorientierung mit Werkstatttagen und Praktika, damit die Schüler/innen ihre persönlichen Interessen und beruflichen Neigungen erproben und verschiedene Berufsfelder kennenlernen können. Sie besuchen verschiedene Betriebe, absolvieren kurze Praktika, lernen, wie sie sich richtig bewerben und tasten sich Schritt für Schritt an einen Berufswunsch heran. Das Angebot zur Berufsorientierung ist vielfältig: Es umfasst zahlreiche Maßnahmen der BA, des BMBF sowie der Länder, Kommunen, Schulen und der Wirtschaft. Außerdem gibt es Planspiele zur Berufswelt, Camps zur Berufsorientierung und Erlebnisparcours. Die Jugendlichen sammeln ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Dokumente im Berufswahlpass. Er ist bereits seit über zehn Jahren bundesweit im Einsatz und hilft den Schülerinnen und Schülern bei der Orientierung.

Berufseinstiegsbegleitung von der Schule in die Ausbildung
Beim Übergang von der Schule ins Berufsleben benötigen manche Schüler/innen mehr Unterstützung als andere. Deshalb kümmern sich Berufseinstiegsbegleiter während des Übergangs von der Schule in den Beruf um diese Jugendlichen, helfen bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen, bei der Vermittlung in Praktika, bei der Berufsorientierung und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Die Begleitung beginnt in der Vorabgangsklasse, also ein Jahr bevor die Schüler/innen die Schule verlassen, und läuft weiter bis ins erste Ausbildungsjahr – auch dann, wenn Jugendliche zunächst in anderen Maßnahmen des Übergangs sind. Bei Bedarf stehen sie auch den Betrieben als Ansprechpartner zur Verfügung und unterstützen die Auszubildenden bei familiären oder persönlichen Problemen.

Verschiedene Unterstützungsangebote

Wenn Jugendliche während einer Ausbildung Hilfe benötigen, vermittelt der  Berufseinstiegsbegleiter auch Unterstützungsangebote. So können die Azubis ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) in Anspruch nehmen oder sich ehrenamtlichen Ausbildungsbegleiter/innen der Initiative VerA beim Senior Experten Service anvertrauen. Bei beiden Angeboten werden die Jugendlichen fachbezogen gefördert und individuell betreut. VerA steht für „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ und unterstützt Auszubildende bei Problemen in der Berufsschule, im Ausbildungsbetrieb oder privaten Umfeld. Die ehrenamtlichen VerA-Ausbildungsbegleiter/innen sind Fachkräfte im Ruhestand, die über jahrzehntelange Berufs- und Lebenserfahrung verfügen und ihr Wissen gerne an die jungen Menschen weitergeben.

Maßnahmen des Übergangs
Für Jugendliche, die den Sprung in die Ausbildung nicht schaffen, gibt es verschiedene Maßnahmen des Übergangs. Die Maßnahmen sind in der Regel praxisorientiert, erweitern die Kompetenzen der jungen Menschen und machen fit für die betriebliche Ausbildung. Häufig besteht auch die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss zu erwerben. In den Bundesländern gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher berufsvorbereitender Angebote auch an Berufsschulen, wie zum Beispiel das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), ein ein- bis zweijähriger Bildungsgang. Wenn alles optimal verläuft, erwartet die Jugendlichen am Ende der Maßnahme ein passendes Ausbildungsangebot.

 

 

 

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 13.04.2017
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Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.

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