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13. 05. 2016

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Wir können es uns als Gesellschaft nicht mehr leisten, junge Menschen ohne Berufsausbildung zu lassen.“

Projekt zur Reform der Berufsausbildung

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Eine von vielen Publikationen, die im Rahmen der Initiative herausgegeben wurde; Quelle: Bertelsmann Stiftung



Mit dem Projekt „Chance Ausbildung“ setzt sich die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit vielen Partnern für Reformen in der Berufsausbildung in Deutschland ein. Viel zu viele Jugendliche finden keinen Ausbildungsplatz, obwohl viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.


Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich für Jugendliche verbessert. Das hat erst kürzlich der Berufsbildungsbericht 2016 offen gelegt. Trotzdem, so ein weiteres Ergebnis der Studie, haben allein im vergangenen Jahr rund 21.000 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz finden können. Für viele führt der Weg zunächst in das so genannte Übergangssystem zwischen Schule und Ausbildung. Eine hohe Anzahl ‒ vor allem Jugendliche mit Behinderung oder mit Migrationshintergrund ‒ bleibt ganz ohne Berufsabschluss.
Auf der anderen Seite, so der Berufsbildungsbericht, waren zum Ende des Ausbildungsjahres 2014/2015 noch rund 41.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, und vielen Betrieben gehen die Fachkräfte aus.

Das Projekt „Chance Ausbildung“
Mit dem Projekt „Chance Ausbildung“ setzt sich die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit vielen Partnern für Reformen in der Berufsausbildung in Deutschland ein, um Lösungen für dieses Dilemma zu erarbeiten. Das duale System der Berufsausbildung in Deutschland ist zwar stark und hat international eine Vorbildfunktion übernommen. Trotzdem muss nach Ansicht der Stiftung berufliche Bildung flexibler werden und sich auf neue Herausforderungen sowie die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Auszubildenden einstellen. Sie fordert ein Umdenken, damit jeder und jede die Chance dazu bekommt, eine Berufsausbildung abzuschließen.

Die Ziele des Projekts

Für diese engagierten Pläne organisiert die Stiftung in enger Kooperation mit ihren Partnern, der Bundesagentur für Arbeit sowie elf Ministerien aus acht Bundesländern, die gemeinsame Erarbeitung von Vorschlägen, wie das Ausbildungssystem besser werden kann. Im Fokus stehen die Projektthemen: Durchlässigkeit, Integration, Inklusion und Internationales. Außerdem wird das Projekt von Professor Dr. Dieter Euler vom Institut für Wirtschaftspädagogik, Universität St. Gallen, Schweiz, sowie Professor Dr. Eckart Severing vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb), Nürnberg, wissenschaftlich begleitet. Erste Vorschläge der Experten zu einer Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung empfehlen eine Verzahnung von Berufs- und Hochschulbildung durch das Modell einer studienintegrierenden Ausbildung, bessere Übergänge für beruflich Qualifizierte in eine akademische Studienkultur, eine stärkere Kooperation zwischen Berufsbildungs- und Hochschulpolitik sowie eine integrierte Studien- und Berufsberatung für alle Schularten.

Um mehr Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Weg in die Ausbildung zu ebnen, versucht die Stiftung Betriebe im direkten Gespräch dazu zu bewegen, diese als Auszubildende einzustellen. Eine von ihr durchgeführte Befragung von 1.000 ausbildungsberechtigten Betrieben hat ergeben, dass viele Unternehmen Sprachbarrieren oder kulturelle Unterschiede befürchten. Oft liege es aber auch an fehlenden Bewerbungen, warum Jugendliche mit Migrationshintergrund seltener eingestellt werden. Nur rund 15 Prozent der befragten Betriebe bilden zurzeit Jugendliche mit Migrationshintergrund aus. Dabei hat die Befragung auch gezeigt, dass Betriebe, die sich hier schon engagiert haben, viele positive Erfahrungen gemacht und ihre Einstellung geändert haben.

„Von einem inklusiven Ausbildungssystem kann keine Rede sein“

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt in der Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderung. Auch sie werden extrem benachteiligt. Seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 ist die Umsetzung von Inklusion in der Schule zwar ein großes Thema in Deutschland, von Inklusion in der Ausbildung spricht aber kaum jemand. Es soll deshalb im Rahmen des Projekts darauf aufmerksam gemacht werden, dass Schulabgänger mit Behinderungen kaum Chancen auf eine reguläre Berufsausbildung haben. Anknüpfungspunkte für Verbesserungen sieht die Initiative zum Beispiel in der Gestaltung einer integrativen Berufsorientierung und -vorbereitung schon in den allgemein bildenden Schulen. Weiterhin benötigten die beruflichen Schulen mehr materielle und personelle Unterstützung, und schon die Lehreraus- und -weiterbildung müsste um entsprechende Angebote erweitert werden. Einen wichtigen Schritt sieht die Initiative in der schrittweisen Zusammenführung von Förder(berufs)schulen und Regelschulen, in der Ausrichtung von Fördereinrichtungen mit sonderpädagogischen Kompetenzen auf eine inklusive Berufsausbildung sowie in der Schaffung curricularer Voraussetzungen für die bestmögliche Unterstützung der Potenziale von Jugendlichen mit Behinderung. Sie macht den Vorschlag, inklusive Berufsausbildung in zertifizierbare Ausbildungsbausteine zu unterteilen und den Ausbildungsabschluss – entsprechend den individuellen Voraussetzungen der Jugendlichen – auch in Etappen erreichbar zu machen.

Ist das duale System übertragbar?

Gleichzeitig stellen sich die Experten die Frage, ob und wie das duale System der Berufsausbildung in andere Länder übertragen werden und dort einen Beitrag zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit leisten kann. Nach eingehender Untersuchung halten sie es für wenig erfolgversprechend, die historisch gewachsenen Strukturen der dualen Ausbildung in Gänze zu übertragen, und befürworten stattdessen einen Transfer von einzelnen Elementen. Berufsbildungsexperte Dieter Euler hat in einer Studie, die er im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vorgenommen hat, elf entsprechende Elemente identifiziert. Diese könnten an die Ziele und Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes angepasst und auch einzeln als Vorbild für Reformen in der beruflichen Bildung herangezogen werden.

 

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 13.05.2016
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