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15. 12. 2016

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Die Steigerung der Frauenquote muss ein zentrales Anliegen der Branche sein.“

Projekt will Gleichstellung im Handwerk fördern

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Logo „Frauen stärken das Handwerk – 125 Wege und Chancen“; Quelle: k.o.s GmbH

Mit dem Projekt „Frauen stärken das Handwerk – 125 Wege und Chancen“ zielt die k.o.s GmbH auf eine Verbesserung der Aufstiegs- und Entwicklungschancen von Frauen im Berliner Handwerk. In Seminaren werden Frauen zu Botschafterinnen und Gleichstellungslotsinnen qualifiziert. Berliner Handwerksbetriebe lernen in speziellen Beratungsangeboten gleichstellungsförderliche Arbeitsbedingungen kennen.


Frauen sind im Handwerk unterrepräsentiert. Nur rund 22 Prozent aller Frauen absolvieren eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf. Und viele von ihnen – bedeutend mehr als ihre männlichen Kollegen – wechseln nach ihrer Ausbildung im Handwerk aufgrund fehlender Berufsperspektiven den Beruf. So waren über 70 Prozent der im Handwerk ausgebildeten und weiterhin erwerbstätigen Frauen im Jahr 2012 nicht mehr im Handwerk tätig. Da der Fachkräftebedarf in vielen Gewerken aber steigt, muss, laut k.o.s GmbH, die Steigerung der Frauenquote ein zentrales Anliegen der Branche sein.

Das Projekt „Frauen stärken das Handwerk – 125 Wege und Chancen“
Die k.o.s GmbH mit Sitz in Berlin unterstützt Qualitäts- und Kompetenzentwicklung in Organisationen der Aus- und Weiterbildung, in Beratungseinrichtungen sowie in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Sie fördert und entwickelt zahlreiche Projekte wie „girlsatec - Mädchen in technischen Berufen“, „Quali4Pro“, „praktify.de“ oder „Ausbildung am Start – StartApp.“ Mit dem Projekt „Frauen stärken das Handwerk – 125 Wege und Chancen“ zielt sie auf eine Verbesserung der Aufstiegs- und Entwicklungschancen von Frauen im Berliner Handwerk. In Berlin sind die Beschäftigungs- und Ausbildungsquoten von Frauen im Handwerk zwar etwas höher als im Bundesdurchschnitt (der Ausbildungsanteil beträgt 28,6 Prozent), sie bleiben aber auch hier deutlich hinter denen der Männer zurück.

Die k.o.s GmbH ist davon überzeugt, dass die Steigerung der Frauenquote im Handwerk gelingen kann, wenn qualifizierte weibliche Fachkräfte in den Betrieben dauerhaft gebunden werden. „125 Wege und Chancen“ bezieht sich auf die rund 125 anerkannten Ausbildungsberufe, die es im Handwerk gibt und die ganz verschiedene Entwicklungswege und -chancen bieten. Um ihr Ziel zu erreichen, hat die k.o.s GmbH gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Handwerk und im paritätisch besetzen Beirat des Projekts ein gemeinsames Verständnis zum Thema Chancengleichheit im Handwerk erarbeitet und in Leitlinien überführt. Zur Kennzeichnung von Handwerksbetrieben, die die Maßnahmen zur Stärkung der Chancengleichheit im Handwerk umsetzen, wird ein Gütesiegel entwickelt und eingeführt, das an die Leitlinien anschließt.

Außerdem gibt es Qualifizierungsangebote für Frauen, die den Aufstieg im Handwerk wagen wollen, sowie Beratungsangebote für Berliner Handwerksbetriebe, damit diese gleichstellungsförderliche Arbeitsbedingungen kennenlernen und einführen können. Denn nicht nur die individuelle, auch die betriebliche Handlungskompetenz soll gestärkt werden: Nur wenn Inhaberinnen und Inhaber, Führungskräfte und Mitarbeitende gleichstellungsrelevante Rollenstereotypen überwinden und ein gemeinsames Verständnis von gleichstellungsfördernden Rahmenbedingungen erarbeiten und nachhaltig umsetzen, kann ein kultureller Wandel in den Betrieben angestoßen werden, der sich nachhaltig in der unternehmerischen Praxis niederschlägt und vorzeitigen Vertragslösungen vorbeugt, ist die k.o.s. GmbH sicher.

Angebote für Frauen
Das Projekt wird in Kooperation mit dem Landesverband Berlin Unternehmerfrauen im Handwerk e. V. (UFH) vom 1. Februar 2016 bis zum 31. Dezember 2018 durchgeführt und im Rahmen der ESF-Sozialpartnerrichtlinie „Fachkräfte sichern: weiter bilden und Gleichstellung fördern“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen zu Berlin - Abteilung Frauen und Gleichstellungspolitik unterstützt das Vorhaben. Zahlreiche Projektpartner, wie Gewerkschaften, Innungen und verschiedene Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind beteiligt.

In Gruppencoachings werden Gleichstellungslotsinnen qualifiziert und Führungskräfte als zentrale Akteure sensibilisiert. Das Angebot richtet sich an Frauen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen, im Handwerk tätig sind und sich beruflich weiterentwickeln möchten. Die Inhalte der Module ergeben sich aus den gemeinsam erarbeiteten Leitlinien des Projektes und beinhalten im Wesentlichen die Stärkung der Selbst- und Handlungskompetenz, die Vorbereitung auf mögliche Führungsaufgaben sowie den Aufbau eines persönlichen Netzwerkes. Die Schulung der Gleichstellungslotsinnen erfolgt in vier Modulen, die in Kombination oder wahlweise auch einzeln belegt werden können. Theorie und Praxis wechseln sich ab und werden durch Erfahrungsberichte der Botschafterinnen und Botschafter sowie die Möglichkeit zum Austausch ergänzt.

Botschafterinnen haben zentrale Rolle
Die Botschafterinnen und Botschafter spielen eine zentrale Rolle in dem Projekt. Sie sind Inhaber/inn/en bzw. Fach- oder Führungskräfte im Handwerk, die eine „Botschaft“ zum Thema Gleichstellung mitbringen und diese weitergeben möchten, damit andere davon profitieren. Dafür werden sie zu Mentor/inn/en weitergebildet. Einige haben sich zum Beispiel in männerdominierten Teams durchgesetzt, andere Erfahrungen mit verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten gemacht. Sie geben Frauen in den Qualifizierungskursen und Coachings sowie bei Netzwerktreffen ihr Wissen weiter und liefern Anregungen, zum Beispiel zu Fragen wie und welche Hürden es zu überwinden gilt oder welche Unterstützung zu erwarten ist. Sie fungieren aber auch als Ansprechpartner/inn/en für die Handwerksbetriebe, die Maßnahmen zur Gleichstellung einführen wollen, und beraten diese bei Betriebsbesuchen. Auch die ausgebildeten Lotsinnen sollen die Ideen der Leitlinien in ihre Betriebe tragen und bei der Umsetzung – bis hin zur Erreichung des Qualitätssiegels – mitwirken.

Die Gleichstellungslotsinnen haben auch die Möglichkeit, an überbetrieblichen Coachings für Fach- und Führungskräfte des Berliner Handwerks teilzunehmen. Hier können sie ihr Wissen zu Themenfeldern aus den Bereichen Management, Führung, Personal, Kommunikation und Finanzen vertiefen und konkrete Problemlagen ansprechen, für die gemeinsam eine Lösung gesucht wird. Auch die Botschafterinnen stehen ihnen hier mit ihren Fachkenntnissen zur Seite.

Angebote für Handwerksbetriebe
Die Angebote für die Betriebe richten sich an solche Firmen, die bereit sind, Veränderungen anzustoßen, Fachkräfte zu binden und Chancengleichheit zu fördern. Mit individuellen Vor-Ort-Beratungen werden sie in den Themenfeldern Arbeitsklima, Führungskultur, Kommunikation, Gestaltung von Arbeitsorganisation und Arbeitszeit, Work-Life-Balance sowie Personalentwicklung dabei unterstützt, vorhandene Ansätze auszubauen und neue Strukturen einzuführen. Das Seminar „Tue Gutes und sprich darüber“ zum Beispiel befasst sich mit der Frage, wie es als kleiner Handwerksbetrieb gelingen kann, erfolgreich neues Personal oder Auszubildende zu gewinnen und nachhaltig an den Betrieb zu binden. Auch werden Wege aufgezeigt, wie eingeführte Maßnahmen bekannter gemacht werden können, um die Arbeitgeberattraktivität zu steigern. Nach erfolgreicher Umsetzung erhalten die Betriebe das Gütesiegel zur Chancengleichheit im Handwerk. Und wecken damit mit Sicherheit auch das Interesse vieler Frauen.



 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 15.12.2016
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