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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 18.01.2018:

„Fellows sind eine große Hilfe für Schulen.“

Die Bildungsorganisation Teach First

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Bildrechte: Teach First Deutschland

Im Rahmen des Programms Teach First kommen junge Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen verschiedener Studienrichtungen als so genannte Fellows an Schulen in sozioökonomisch benachteiligten Gebieten zum Einsatz. Dort unterstützen sie die Lehrkräfte und helfen den Kindern und Jugendlichen dabei, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen und ihren Abschluss zu machen.


Schulischer Erfolg hängt in Deutschland nach wie vor eng von Herkunft und sozioökonomischem Hintergrund eines Kindes ab. Wer sozial benachteiligt ist, findet oft keinen Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und Ausbildung. Damit jedes Kind erfolgreich seinen Weg gehen kann, braucht es die bestmögliche Förderung und Unterstützung.

Gemeinsam für bessere Bildungschancen

Teach First ist eine gemeinnützige Bildungsorganisation, die sich dafür einsetzt, dass sozial benachteiligte Kinder die gleiche Chance auf Bildung erhalten. Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen verschiedener Studienrichtungen werden als Fellows für zwei Jahre an Schulen, insbesondere Ganztagsschulen, in sozialen Brennpunkten eingesetzt und engagieren sich dafür, dass die Jugendlichen die Schule erfolgreich bewältigen. Die Gehälter der Fellows werden öffentlich finanziert.

Die Teach First Deutschland, eine gemeinnützige GmbH mit Sitz in Berlin, wurde 2007 gegründet, im Jahr 2009 sind die ersten Fellows an den Start gegangen. Die Initiative folgt dem amerikanischen Vorbild Teach For America und gehört dem Netzwerk Teach for All an. Mitglieder dieses Netzwerks sind unabhängige Organisationen, die das gemeinsame Ziel verbindet, Bildungserfolg unabhängig von Einkommen und Bildung der Eltern für jedes Kind zu ermöglichen. Teach First-Büros, in denen die Verteilung der Fellows an die Schulen erfolgt, gibt es in Berlin, Essen, Hamburg und Stuttgart. Die Partnerschulen sind in Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Über 400 Fellows haben seit 2009 mehr als 40.000 Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien betreut.

Die Aufgaben der Fellows
Die Fellows werden als Vertrauenspersonen und zusätzliche Kräfte in Unterricht und Ganztag vor allem in den Klassenstufen eingesetzt, in denen der Übergang zu einer weiterführenden Schule oder ins Berufsleben erfolgt und sind sowohl in den Hauptfächern als auch im Nachmittagsbetrieb aktiv. Sie unterstützen die Lehrkräfte dabei, den Unterricht differenziert durchzuführen und organisieren eigene Projekte, die die Lernmotivation erhöhen. Dabei arbeiten sie eng mit den Eltern zusammen. Die Schülerinnen und Schüler ziehen daraus Erfolgserlebnisse, Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. „Fellows sind eine große Hilfe für Schulen. Fellows sind allseitig akzeptiert und werden hinsichtlich aller relevanten Kriterien von den Schulleitungen, dem Kollegium und den Schüler/inne/n positiv bewertet. Ihr Einsatz ist auch für den Lernfortschritt der Schüler in den Einschätzungen aller positiv. Sie machen Lehrern keine Konkurrenz, sondern entlasten diese, weil sie Aufgaben übernehmen, zu denen den Schulen die Zeit fehlt. Fellows sind in erster Linie sozial motiviert und […] erleben ihre Zeit in den Schulen als positive Bereicherung ihrer Biographie“, heißt es in einem Gutachten, das Prof. Dr. Rainer Dollase von der Universität Bielefeld im Jahr 2011 erstellte.

Neben der Unterstützung bei den Übergängen und der gezielten Vorbereitung auf den mittleren Schulabschluss bzw. die zentrale Abschlussprüfung – in den Sommerferien gibt es dafür spezielle Camps –  konzipieren die Fellows intensive Fördermaßnahmen, um Lernrückstände aufzuholen, und entwickeln mit den Schülerinnen und Schülern eine Zukunftsperspektive. Gemeinsam suchen sie nach Möglichkeiten für den Einstieg in eine Ausbildung oder ein Studium. Die fächerübergreifende und alltagsintegrierte Sprachförderung ist ein weiteres Aufgabenfeld der Fellows. Viele Schülerinnen und Schüler können dem Unterricht nicht richtig folgen, weil sie die deutsche Sprache nicht gut genug beherrschen. Seitdem es Willkommens-, Integrations- und Seiteneinsteigerklassen gibt, in denen geflüchtete Kinder und Jugendliche auf den Regelunterricht vorbereitet werden, werden die Fellows auch dort eingesetzt. Darüber hinaus unterstützen sie die Schulen bei der Sensibilisierung der Jugendlichen für einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien.
Wo und wie genau der Einsatz erfolgt, entscheiden Schulen und Fellows gemeinsam.

Die Arbeit der Fellows ist für beide Seiten fruchtbar: Auf die Kinder hat ihr Einsatz eine große Vorbildwirkung, die Fellows selbst trainieren Projektmanagement- und Führungskompetenzen, die ihnen in ihrem späteren Beruf sehr hilfreich sein können.

Auswahl und Qualifizierung
Für ihren vielfältigen Einsatz an den Schulen werden die Fellows umfassend qualifiziert. Wenn sie den Auswahlprozess erfolgreich durchlaufen haben, folgt die gezielte Vorbereitung auf den Schuleinsatz, die sich über dreizehn Wochen erstreckt und ein einwöchiges Schulpraktikum, eine fünfwöchige E-Learning-Phase (Online-Campus) zu Grundlagen und praktischen Aspekten des Schuleinsatzes sowie eine anschließende siebenwöchige Praxisphase in Form einer Sommerakademie beinhaltet. Während der Sommerakademie werden in Seminaren und Trainings die Kompetenzen der Fellow-Kandidaten praxisorientiert weiterentwickelt.
Wesentliche Inhalte der Qualifizierung sind Unterricht und Leadership mit den Schwerpunkten „Diagnose“, „Ziele setzen und planen“ sowie „Umsetzen“, außerdem Vermittlung von Sprach- und Medienkompetenz. Während ihres zweijährigen Schuleinsatzes werden sie weiterhin begleitet und in Trainings fortgebildet.

Alumnis engagieren sich weiter
Neben dem Fellow-Programm organisiert Teach First auch Projekte mit Stiftungen, Unternehmungen und Förderern. Gemeinsam mit der Haniel Stiftung zum Beispiel das Projekt Bildung als Chance, das zusammen mit Unternehmen der Region die Zukunft bildungsbenachteiligter Kinder in Duisburg verbessern und die Schulabbrecher-Quote senken will.

Die meisten Fellows bleiben dem Programm auch nach dem Ende ihrer „Amtszeit“ verbunden. Als Alumni engagieren sich viele aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Positionen heraus auch weiterhin für mehr Bildungsgerechtigkeit und die Bildungschancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher.




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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 18.01.2018
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