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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 30.03.2017:

„Jedes Kind hat eine faire Chance auf Bildung verdient.“

Das Projekt MITsprache der Stiftung Fairchance

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Logo; Quelle: Stiftung Fairchance

Sprache ist der Schlüssel zu Bildung und Integration. Deshalb setzt sich die Stiftung Fairchance in dem Projekt MITsprache dafür ein, Kinder aus sozial benachteiligten Familien und Kinder mit Migrationshintergrund durch gezielte Sprachförderung zu unterstützen.


Ein Fünftel aller 15-Jährigen verfügt nur über eine schwache Lese- und Sprachkompetenz und kann schwierige Texte nur unzureichend verstehen. Viele von ihnen haben einen niedrigen sozioökonomischen Status und/oder einen Migrationshintergrund. Fast jedes fünfte Grundschulkind in Deutschland spricht in der eigenen Familie die meiste Zeit eine andere Sprache als Deutsch. Wenn Kinder dem Unterricht wegen unzureichender Deutschkenntnisse nicht folgen können, wirkt sich das auf ihre schulischen Leistungen und damit auch auf ihre späteren beruflichen Chancen aus. Je früher Kinder kognitive, sprachliche und kulturelle Kompetenzen in der Familie, im Umfeld und in der Kita entwickeln, desto besser für ihren Bildungserfolg. Eine gezielte Sprachförderung kann nicht früh genug beginnen.

Die Stiftung Fairchance

Die 2009 gegründete Stiftung Fairchance engagiert sich im Bereich der Sprach- und Integrationsförderung, um sozial benachteiligten Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund durch den Erwerb der deutschen Sprache Zugang zu Bildung zu ermöglichen und ihre Integration zu fördern. Die Stiftung mit Sitz in Berlin möchte, dass jeder in der Gesellschaft „MITsprechen“ kann. Kinder und Jugendliche sollen gute Perspektiven und Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland haben und am besten schon Deutsch lernen, bevor sie in die Schule kommen, wünscht sich Dr. Verena Schöwel, Mitbegründerin und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Fairchance.

Das Projekt MITsprache

Mit dem Sprachförderprojekt MITsprache und anderen Förderprojekten möchte die Stiftung die bestehenden öffentlichen Strukturen nachhaltig und langfristig unterstützen und auch neue Impulse setzen. Das von ihr konzipierte und in Kooperation mit dem Sprachförderzentrum Berlin-Mitte durchgeführte Projekt bietet Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen eine mehrjährige und gezielte Sprachförderung von der Kindertagesstätte bis in die Grundschule, so dass eine kontinuierliche Unterstützung über mehrere Jahre ermöglicht und Brüche verhindert werden. Die Förderung findet direkt in den Bildungseinrichtungen mit deren Pädagog/inn/en statt.
Zur Realisierung des Projekts wurde 2011 ein schrittweises Vorgehen gewählt, indem es zunächst als Pilotprojekt an fünf Berliner Grundschulen umgesetzt und evaluiert wurde. Seit Ende 2013 wird MITsprache in adaptierter Form auch in Kitas – zunächst in fünf in der Nachbarschaft der Pilotgrundschulen gelegenen – durchgeführt.

Die Sprachförderung

Das Projekt lässt sich in drei Bausteine aufteilen: die Sprachförderung der Kinder, die Qualifizierung der pädagogischen Kräfte und die Begleitung der Eltern. Die Ziele der Sprachförderung bestehen darin, die Erzählfähigkeit, den Wortschatz und die Grammatik zu fördern. Grundlage dafür bildet das erprobte, praxisnahe und diagnosebasierte Sprachförderkonzept „Deutsch für den Schulstart“ (DfdS), das vom Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg entwickelt wurde. Um das Konzept an die Zielgruppe und die Rahmenbedingungen des Projekts MITsprache anzupassen, wurde zusätzliches Material entwickelt und ergänzt. Es enthält Geschichten, Regelspiele, musische Elemente und Bewegungsanteile. Der Zweitspracherwerb soll ähnlich wie der Erstspracherwerb erfolgen, indem authentische Kommunikationssituationen geschaffen und echte Sprechanlässe geboten werden.

Die Sprachförderung beginnt in der Grundschule ab dem ersten Schulbesuchsjahr und wird zwei Jahre lang viermal pro Woche zusätzlich zum Unterricht von einer qualifizierten Förderkraft durchgeführt. In Kleingruppen von circa sechs Kindern gibt sie klare Sprachmodelle mit wenig unterschiedlichen Strukturen vor – stattdessen gibt es viele Wiederholungen, kurze Reime und regelmäßige Rhythmen. Die drei Sprachlernspiel-Handpuppen – der Drache Konstantin, die Katze Mimi und der Drache Draco – werden unterstützend eingesetzt, um Sprechanlässe zu schaffen und die Kinder zu motivieren. Darüber hinaus werden auch Aktivitäten und Ausflüge organisiert, um die Inhalte der Sprachförderung zu erleben, wie zum Beispiel eine Lesung mit einem Kinderbuchautor.

Die Qualifizierung der Förderkräfte und die Arbeit mit den Eltern
Die Qualifizierung der Förderkräfte ist der zweite wesentliche Bestandteil des Projekts. Die Förderkräfte sind die Lehrer/innen und Erzieher/innen der beteiligten Grundschulen und Kitas. Ihre Qualifizierung wird von den Projektmitarbeitern bzw. der Leiterin des Projekts durchgeführt, die eine fachlich einschlägige Ausbildung und praktische Erfahrung in der Sprachförderung haben. Im Rahmen der Qualifizierung erhalten die Förderkräfte eine grundlegende Fortbildung, in der relevante theoretische Grundlagen des Zweitspracherwerbs sowie die Materialien, die Didaktik und die Diagnostik der Sprachförderung vorgestellt und trainiert werden. Anschließend finden regelmäßig Begleittreffen statt, bei denen einzelne fachliche Themen zur kontinuierlichen Weiterqualifizierung angeboten und vertieft sowie organisatorische Aspekte zur Umsetzung der Sprachförderung diskutiert werden. Hier haben die Förderkräfte auch die Möglichkeit, sich mit anderen über Erfahrungen, Erfolge und Herausforderungen der Sprachförderung auszutauschen.

Der dritte wichtige Bestandteil des Projekts ist die Elternarbeit. Ein Sozialpädagoge, der für die gesamte Projektlaufzeit für die Elternarbeit verantwortlich ist, informiert die Eltern in regelmäßigen Elterntreffs über die Sprachförderung ihrer Kinder, sensibilisiert innerhalb der Familie für den Umgang mit Sprache und zeigt den Eltern, wie sie Sprachförderung auch zuhause anregen können. Er besucht die Familien auch zuhause und bietet individuelle Sprechstunden in der Bildungseinrichtung an.

Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet
Mittlerweile ist MITsprache erfolgreich an 21 Grundschulen und fünf Kindertagesstätten in Berlin, Hamburg, Hagen (NRW) und Karlstadt (Bayern) vertreten – weitere Einrichtungen sind geplant – und wurde bereits mehrfach prämiert. So wurde es 2013 im Wettbewerb „Ideen für die Bildungsrepublik“ als herausragende „Bildungsidee“ ausgezeichnet. Der Preis wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und der Vodafone Stiftung Deutschland vergeben. 2014 erhielt MITsprache den „Primus-Preis“ der Stiftung Bildung und Gesellschaft. Stets überzeugten die Nachhaltigkeit und der Innovationscharakter des Projekts.

Von August 2011 bis Januar 2015 wurde MITsprache von der Ludwig-Maximilians-Universität München – Arbeitsgruppe Prof. Mandl im Bereich Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie – evaluiert. Die Ergebnisse zum Ende des dritten Projektjahres belegen, dass sich MITsprache eindeutig positiv auf den Spracherwerb der Kinder auswirkt. Geförderte Kinder zeigen im Vergleich zu Kindern ohne zusätzliche Förderung einen auffällig höheren Zuwachs ihrer Sprachkompetenzen in den Bereichen Wortschatz, Satzbau und Erzählen.

Mehr Einrichtungen möchten MITsprechen
Gerne möchte die Stiftung Fairchance das Projekt auf weitere Schulen und Kitas ausweiten. „Wir erhalten viele Nachfragen von Bildungseinrichtungen in ganz Berlin, die gerne in das Projekt aufgenommen werden wollen", so Dr. Verena Schöwel. Doch dafür braucht es Geld: Ein Förderjahr für ein Kind kostet durchschnittlich 1.000 Euro. Deshalb sucht die Stiftung Sponsoren, Spender oder Paten. Einige prominente Unterstützer hat MITsprache bereits gefunden. Dazu zählen Joachim Löw, Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Norbert Bisky, Bildender Künstler, Werner Gegenbauer, Präsident von Hertha BSC, Schauspielerin Dennenesch Zoudé, Kinderbuchautor Boris Pfeiffer, Philosoph Wilhelm Schmid und Prof. Dr. Dr. h.c. Sahin Albayrak, Gründer und Leiter des DAI-Labors, Forschungslabor der TU Berlin.







 

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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 30.03.2017
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