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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 14.09.2017:

„Berufstätige Eltern brauchen flexiblere Betreuungsangebote.“

Bundesprogramme erweitern Angebote in der frühen Bildung

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Logo; Quelle: BMFSFJ

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat mehrere Bundesprogramme gestartet, mit denen die Bildung und Betreuung von Kindern in Kindertagesstätteneinrichtungen und in der Kindertagespflege erweitert werden. So soll Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht werden.


Für Eltern ist es oft schwierig, Familie und Beruf zu koordinieren. Viele Jobs beginnen früh morgens oder enden erst nach 18.00 Uhr – wenn die meisten Kitas noch bzw. schon geschlossen sind, andere wiederum arbeiten am Wochenende, wenn Einrichtungen der Kinderbetreuung ohnehin nicht geöffnet sind. Mit dem im Januar 2016 gestarteten Bundesprogramm „KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sollen erweiterte Betreuungszeiten in Kitas, Horten und in der Kindertagespflege Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. „Berufstätige Eltern brauchen flexiblere Betreuungsangebote. Dabei geht es nicht darum, dass die Kinder länger betreut werden. Sie sind lediglich zu anderen Zeiten in der Kita, bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater“, machte die damalige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig deutlich. Kindertageseinrichtungen und Tagespflegepersonen, die ihre Betreuungszeiten an die Bedürfnisse der Eltern anpassen und vor 8.00 Uhr, nach 16.00 Uhr, am Wochenende, an Feiertagen oder auch nachts Betreuung anbieten und zielgerichtete Betreuungskonzepte vorlegen, können Fördermittel in Höhe von bis zu 200.000 Euro jährlich für Sach- und Personalkosten bzw. bis zu 15.000 Euro beantragen.

„KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“

Knapp 600 Einrichtungen und Einzelpersonen, vor allem aus den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, haben bereits Anträge gestellt. In vielen Kitas werden die neuen Zeiten schon erprobt. In der nordrhein-westfälischen Stadt Lünen zum Beispiel nehmen von den insgesamt zehn städtischen Kindertageseinrichtungen sechs Kitas seit November 2016 an dem Bundesprogramm teil und öffnen ihre Einrichtung die ganze Woche über von 6.00 Uhr morgens bis 20.00 Uhr abends. Und auch in der „Zauberflöten - Kita an der Deutschen Oper“ in Berlin-Charlottenburg wird das Modell erfolgreich durchgeführt. Die Kita hat viele neue Angebote für Eltern geschaffen und zusätzliche Fachkräfte für den Nachmittag und Abend eingestellt. „Meine Hoffnung ist“, so Kitaleiterin Simone Seipold, „dass die Eltern insgesamt entspannter sind, weil die Betreuungszeiten besser zu ihren Bedürfnissen passen. Dadurch können sie zu Hause die Familienzeit mit ihren Kindern besser gestalten.“ Am Anfang hatte die Kita die Öffnungszeiten vor allem in den Abend hinein verlängert. Damit eine Mutter die Möglichkeit hatte, an einer Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen, die schon sehr früh morgens anfing, hat die Kita ihre Öffnungszeiten auf sieben Uhr morgens erweitert.

Das Programm „KitaPlus“ wird von der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, der Bundesagentur für Arbeit, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie dem Deutschen Städtetag unterstützt. Um die Angebote nachhaltig in den Kommunen zu verankern, werden „Netzwerkstellen KitaPlus“ gefördert, die Kooperationen mit Vereinen, Verbänden und Akteuren der Arbeitswelt bilden und der kommunalen Jugendhilfeplanung zur Seite stehen. Mit der Evaluation des Bundesprogramms wurden die Univation GmbH, ein Evaluationsinstitut mit Sitz in Köln und Berlin, sowie das Institut für den Situationsansatz (ISTA) in Berlin beauftragt. Sie untersuchen, wie es Kindertagesstätten und Tagespflegestellen gelingen kann, die Öffnungszeiten zu erweitern und zeitgleich qualitativ hochwertige Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern anzubieten.

„Kindertagespflege: Weil die Kleinsten große Nähe brauchen“
Doch nicht nur längere Öffnungszeiten tragen zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. Viele Eltern wünschen sich auch schon früh eine gute Betreuung für ihr Kind. In der Krippe, einer Gruppe für unter Dreijährige in einer Kita, oder aber bei einer Tagesmutter bzw. einem Tagesvater. Kindertagespflege bietet Bildung, Erziehung und Betreuung in einem familienähnlichen Rahmen mit kleinen und überschaubaren Gruppen von höchstens fünf Kindern. Viele Eltern wünschen sich diese Art der intensiven Betreuung für ihr Kind. Als Antwort auf die steigende Nachfrage baut das BMFSFJ die Kindertagespflege mit dem Bundesprogramm „Weil die Kleinsten große Nähe brauchen“ aus und entwickelt die pädagogische Arbeit der Tagesmütter und Tagesväter sowie die strukturelle Qualität in der Kindertagespflege weiter. Zur Unterstützung hat das Deutsche Jugendinstitut im Auftrag des Bundesfamilienministeriums das „Kompetenzorientierte Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege“ (QHB) erarbeitet. Kinder zu betreuen, sie in ihrer Entwicklung zu begleiten, zu unterstützen und zu fördern ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die besondere Anforderungen an Tagesmütter und Tagesväter stellt. Sie benötigen dafür eine Qualifizierung, die ihnen das Wissen und die Kompetenzen vermittelt. Kommunen können über das Bundesprogramm etwa Fördergelder für die Umsetzung des Handbuchs – in 300 Unterrichtseinheiten bereitet es Kindertagespflegepersonen auf ihre Tätigkeit vor –, für Festanstellungsmodelle in der Kindertagespflege, Qualifizierungen und Qualitätsentwicklung beantragen.

„Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“
Gute Kindertagesbetreuung – ob in der Kita oder bei einer Tagesmutter – ermöglicht gleiche Chancen für alle Kinder. Doch nicht alle Familien nutzen die Formen der Kindertagesbetreuung. Deshalb hat das BMFSFJ im April 2017 das Bundesprogramm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ initiiert. „Der Kita-Besuch wirkt sich positiv auf die Start- und Bildungschancen von Kindern aus. Bisher profitieren allerdings längst nicht alle Familien gleichermaßen davon. Das wollen wir ändern“, äußerte sich Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley anlässlich der Einführung des neuen Bundesprogramms entschlossen. Mit dem Programm fördert das Bundesfamilienministerium an bis zu 300 Standorten Angebote und Aktionen, mit denen Familien, die von den Möglichkeiten der Kindertagespflege bisher keinen Gebrauch gemacht haben – darunter auch Familien mit Fluchthintergrund – über frühe Bildung in Deutschland aufgeklärt werden, erste Einblicke in das System der Kindertagesbetreuung erhalten und Vorurteile gegenüber Kitas und Kindertagespflegestellen abbauen können. Darüber soll ihnen der Zugang zur Kindertagesbetreuung und zum Bildungssystem erleichtert werden. Die teilnehmenden Projekte erhalten bis 2020 Fördermittel für eine Koordinierungsstelle sowie für Fachkräfte und Sachmittel zur Umsetzung ihrer Angebote – Beratungsangebote, Eltern-Kind-Gruppen oder der Einsatz von Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern. Insgesamt stellt der Bund für das Programm bis zu 50 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Die Aktionen des Bundesprogramms „Kita-Einstieg“ können in Kindertageseinrichtungen, in Gemeinschaftsunterkünften, in Familienzentren, in Mehrgenerationenhäusern oder in Nachbarschaftszentren angeboten werden. Sie werden dort durch die Träger der öffentlichen Jugendhilfe in enger Abstimmung mit den Akteuren der jeweiligen Einrichtung gesteuert und koordiniert.


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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 14.09.2017
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