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25. 01. 2013

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Förderung der seelischen Gesundheit

Resilienzforschung am Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg

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Am Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg (ZfJK) ist die Förderung der seelischen Gesundheit (Resilienz) von Kindern und Jugendlichen ein Forschungsschwerpunkt. Ziel ist es, die Praxis im Bereich der psychosozialen Arbeit weiterzuentwickeln, um den Betroffenen eine verbesserte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und eine bessere Selbstbestimmung zu ermöglichen.



Viele Kinder wachsen unter erschwerten Bedingungen auf. Belastungen wie beispielsweise Armut oder Arbeitslosigkeit der Eltern stellen Risiken für ihre gesunde Entwicklung dar und wirken sich oft negativ aus. Während die Mehrzahl der Kinder sehr unter privaten Belastungen leidet, entwickeln sich andere trotz dieser Risikofaktoren sehr gut. Diese Kinder werden als „resilient“ bezeichnet.

In der Forschung hat man sich lange Zeit darauf konzentriert herauszufinden, welche Risiken sich auf die Entwicklung der Kinder negativ auswirken. Neuere Forschungserkenntnisse führten dazu, dass der Fokus heute mehr auf den Ressourcen und Schutzfaktoren liegt. Man unterscheidet personale, familiäre und soziale Ressourcen, beispielsweise, ob das Kind eine positive Selbstwahrnehmung oder eine stabile Bindung zu einer Bezugsperson hat oder soziale Unterstützung erfährt. Sie können Risiken mildern und entwicklungsfördernd wirken. Je nach Lebenssituation und Anforderungen ist es wichtig, die Schutzfaktoren beim Kind selbst, in der Familie oder im weiteren Umfeld des Kindes zu stabilisieren.

Förderung der seelischen Gesundheit am ZfJK

Am Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg (ZfJK) ist die Förderung der seelischen Gesundheit (Resilienz) von Kindern und Jugendlichen ein Forschungsschwerpunkt. Die Gesundheit und die gesunde Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Sinne der WHO-Charta in einem allgemeinen Sinne zu fördern, ist generelles Ziel des ZfKJ. Es ist sein Anliegen, die Praxis im Bereich der psychosozialen Arbeit weiterzuentwickeln, um den Betroffenen eine verbesserte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und eine bessere Selbstbestimmung zu ermöglichen. Im Fokus stehen dabei Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Eine besondere Bedeutung hat die Entwicklung neuer Zugangswege und Arbeitsansätze. Die inhaltliche Arbeit ist durch ressourcenorientiertes Denken und Arbeiten sowie eine Förderung des Empowerment gekennzeichnet.

Das ZfJK verfügt auch über umfangreiche Erfahrungen in zahlreichen weiteren Forschungsbereichen und gestaltet Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie Projektevaluationen in den Bereichen Professions- und Qualitätsentwicklung, Zusammenarbeit mit Familien, Pädagogik der frühen Kindheit, Jugendhilfe sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Ein multidisziplinär zusammengesetztes Team aus Diplompsycholog/inn/en, Diplompädagog/inn/en, Diplom-Sozialpädagog/inn/en, Diplom-Sozialarbeiter/inn/en und Diplomsoziolog/inn/en mit Erfahrung in der psychosozialen Arbeit, zum Teil mit therapeutischen Zusatzausbildungen, und mit einem breiten Spektrum an Kompetenzen in quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden arbeitet in den Projekten zusammen. Die Mitarbeiter/innen beraten auch Einrichtungen und Träger der Kinder- und Jugendhilfe und unterstützen interne Qualitätsentwicklungsprozesse.

Forschungsprogramme zum Thema Resilienz
In den Forschungsprojekten wird eine multiperspektivische Sichtweise eingenommen. Methoden und Instrumente werden kontinuierlich weiterentwickelt. Das Team ist vernetzt mit Praxisinstitutionen sowie regionalen und überregionalen Trägern, Forschungszusammenhängen in Deutschland und Europa und internationalen Kooperationen.

Ihre Programme zur Prävention und Intervention setzen an unterschiedlichen Ebenen an. Der Kurs „Eltern stärken mit Kursen in Kitas“ wurde zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz entwickelt. Im Vordergrund stand die Entwicklung und Erprobung eines übertragbaren Konzeptes zur Zusammenarbeit mit sozial benachteiligten Eltern in Kindertagesstätten unter dem speziellen Fokus der Gesundheitsförderung. In Kindertagesstätten hat man besonders gute Chancen, das gesunde Aufwachsen von Mädchen und Jungen positiv zu beeinflussen und die Eltern durch eine kontinuierliche und enge Zusammenarbeit besonders früh zu erreichen.

Zur Stärkung der Resilienzfaktoren wurde das Programm „PRiK“ (Prävention und Resilienzförderung in der Kita) entwickelt und evaluiert. Resilienzfaktoren sind nach Resilienzforscherin Corina Wustmann „Eigenschaften, die das Kind in der Interaktion mit der Umwelt sowie durch die erfolgreiche Bewältigung von altersspezifischen Entwicklungsaufgaben im Verlauf erwirbt.“ Diese Faktoren spielen bei der Bewältigung von Lebensaufgaben eine besondere Rolle. Durch empirische Forschungsergebnisse konnten einige Faktoren identifiziert werden, welche Kinder stärken und ihre Widerstandskraft erhöhen. In den wissenschaftlichen Analysen am ZfJK konnten unter Projektleitung von Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff, Leiter des Zentrums, sechs übergeordnete Faktoren ermittelt werden, die grundlegend wirksam zur Entwicklung von Resilienz sind. Hierzu gehören eine positive Selbstwahrnehmung, eine angemessene Selbststeuerungsfähigkeit, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, soziale Kompetenzen, ein angemessener Umgang mit Stress und Problemlösungskompetenz.

Resilienzförderung in der Grundschule

Aktuellstes Programm ist das Forschungsprojekt „Grundschule macht stark! Resilienzförderung in der Grundschule“. Ziel des Projektes ist die Förderung der seelischen Widerstandsfähigkeit von Grundschulkindern, um sie in ihren Kompetenzen zur Bewältigung von Herausforderungen und Krisen zu stärken. In dem Forschungsprojekt sollen präventive Maßnahmen zur Förderung der seelischen Gesundheit innerhalb eines Mehrebenenansatzes in Grundschulen entwickelt, durchgeführt, begleitet und evaluiert werden. Hierzu wird ein Qualifizierungskonzept für Lehrkräfte entwickelt, welches aus sechs Bausteinen besteht. Die Qualifizierung bildet die Grundlage für die Umsetzung und Einbettung des Resilienzkonzepts innerhalb des Mehrebenenansatzes auf der Ebene der Kinder sowie ihrer Bezugspersonen, auf Klassenebene und der Ebene der Gesamtorganisation Schule.

Transfer in die Praxis

Ein besonderes Anliegen des ZfJK ist die Vernetzung von Forschung, Praxis sowie Lehre und Ausbildung. Es betreibt systematisch den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis durch Publikationen, Fachtagungen und Fortbildungen. In den Fort- und Weiterbildungen für Multiplikator/inn/en zur Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen werden Kenntnisse vermittelt, mit denen Strategien der Resilienzförderung im pädagogischen Alltag verankert werden können. Auch erlernen die Multiplikator/inn/en hier Methoden, mit denen sie Fachkräfte in ihren Einrichtungen vor Ort für die Umsetzung des Resilienzkonzepts qualifizieren können.

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 25.01.2013
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