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02. 08. 2007

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

An morgen denken!

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an Schulen

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Logo von "Transfer 21"

Mit den Programmen "21" und "Transfer 21" macht die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) seit einigen Jahren die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an Schulen zum attraktiven Thema. Sie orientiert sich dabei an den Inhalten der "Agenda 21", in der nachhaltige Formen im Umgang mit der Natur und des Wirtschaftens gefordert werden.

Wie geht eine Umweltschule mit Umwelt um? "Verantwortungsvoll und verantwortungsbewusst", verkündet die Gerhart-Hauptmann-Schule im thüringischen Roßleben. Die Regelschule ist seit Anfang der 90er Jahre engagierte Umweltschule und erhielt den Titel "Umweltschule in Europa seit 1996 jedes Jahr" aufgrund ihres beeindruckenden Konzeptes und ihrer konsequenten Umsetzung im Schulalltag. Den Auftakt, eine umweltbewusste Schule zu werden, bildete die große Auspflanzaktion "Öko - 2000" im Spätsommer 1992. Damals entstand der Schulwald, der heute über 2000 Bäume und Sträucher umfasst. Viele Projekte folgten seitdem: Mit Regenwasser werden die hauseigenen Toiletten versorgt, es wurden eine Streuobstwiese und ein Krötenzaun errichtet, eine Solarwarmwasseranlage gebaut und mit der Haldenbegrünung begonnen, zu der heute schon auf 1000m² 80 Anpflanzungen gehören. Weitere Objekte sind ein Windrad, ein botanischer Pfad, das Schülerunternehmen Biomkw GmbH und nach dem Gewinn des Wettbewerbes "SOLAR 2000" die Photovoltaikanlage.

Mit "21" fing es an
Für die Gerhart-Hauptmann-Schule war es selbstverständlich, dass sie sich seit dem Sommer 2000 an dem Projekt "21" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung beteiligte sowie seit 2004 an dem Nachfolgeprojekt "Transfer 21". Beide Förderprogramme haben das Ziel, die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an allgemein bildenden Schulen systematisch zu erproben und das Thema Nachhaltigkeit verstärkt in die Schulen zu bringen. Der Begriff der nachhaltigen Bildung orientiert sich dabei an den Inhalten der "Agenda 21", die 1992 von 178 Staaten in Rio de Janeiro verabschiedet und 2002 in Johannesburg bekräftigt wurde. Darin wird die Auffassung vertreten, dass gerechtere soziale Verhältnisse, nachhaltige Formen im Umgang mit der Natur und des Wirtschaftens und die Partizipation von Kindern, Jugendlichen und Frauen an Entscheidungsprozessen nicht gelingen können, wenn nicht neue Kompetenzen entstehen und ein mentaler Wandel stattfindet.

Im Zeitraum von 1999 bis 2004 haben über 65.000 Schülerinnen und Schüler an rund 200 Schulen in 15 Bundesländern in zahlreichen Projekten und Aktionen im Rahmen des Programms "21" nachhaltige Bildungsziele und -inhalte sowie neue Lernorganisationen und Lernformen entwickelt und praktiziert. Dabei spielten die Öffnung von Schule und die Verknüpfung von schulischen und außerschulischen Aktivitäten eine große Rolle.

Mit "Transfer 21" geht es weiter
Seit dem 1. August 2004 schließt das Nachfolgeprogramm, das seit der Föderalismusreform Anfang 2007 den Titel "Programm Transfer-21" trägt, an das BLK-Programm "21" an. Für die Laufzeit von vier Jahren werden zehn Millionen Euro je zur Hälfte vom Bund und den beteiligten Ländern dafür zur Verfügung gestellt. Die im vorangegangenen BLK-Programm "21" erarbeiteten Konzepte, Materialien und Strukturen - es wurden unter anderem 56 Unterrichtsmaterialien erarbeitet und Handreichungen über die Organisation von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an Schulen erstellt - sollen nun an zehn Prozent der Schulen in den 14 beteiligten Bundesländern etabliert und ausgebaut werden. Um die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in großem Umfang zu verankern, werden jetzt auch die Grund- und Ganztagsschulen angesprochen und das Thema wird in die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern integriert. Die Partizipation aller am Schulleben Beteiligten ist dabei ein zentrales Anliegen des Konzeptes. "Nachhaltige Entwicklung als ein möglicher Fokus der Schulprogrammentwicklung verspricht gerade wegen dieses partizipativen Ansatzes Innovationschancen und Synergieeffekte im organisatorischen, methodischen und inhaltlichen Bereich", meint Projektleiter Prof. Gerhard de Haan vom Institut für Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung an der Freien Universität Berlin.

Nachhaltige Bildung an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Roßleben
Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an der Schule zu vermitteln, heißt, Verständnis für das Zusammenwirken der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit - Ökologie, Ökonomie und Soziales - zu wecken. Die anerkannte UNESCO-Projekt-Schule in Roßleben, die 2006 zum offiziellen Projekt der UN-Weltdekade 2006/07 "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" ausgerufen wurde, hat dies in den vergangenen Jahren auf vielfältige Weise erreicht. Unter dem Motto "zu einer Umweltschule gehört nicht nur, die Umwelt zu schützen, sondern auch sie zu nutzen, ohne ihr zu schaden" wurden Nachhaltigkeitsindikatoren für die drei Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales bestimmt und untersucht. In diesen Projekten, die in enger Kooperation mit den Eltern, Unternehmen, Bildungswerken und Institutionen durchgeführt werden, geht es darum, alternative Energien wie Solar- und Windenergie bzw. die Photovoltaikanlage zu nutzen. Die Anlagen sind ökonomisch effizient und schonen die Umwelt.

Ökologische Erziehung an der Mont-Royal-Hauptschule in Traben-Trarbach
Auch an der Mont-Royal-Hauptschule in Traben-Trarbach in Rheinland-Pfalz wird Bildung für eine nachhaltige Entwicklung groß geschrieben. Die "Ökologische Schule" zeigt ihren Schülerinnen und Schülern, wie man durch richtiges Verhalten Energie sparen, Müll trennen und sich gesund ernähren kann. Im Brundtland-Bericht, dem 1987 veröffentlichten Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung wird definiert, dass nachhaltige Entwicklung auch heißt, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen dies nicht mehr können. "Es geht sowohl um die Lebenschancen und -qualitäten aller derzeit auf der Erde existierenden Menschen als auch um die künftiger Generationen", folgert Gerhard de Haan. Für jeden einzelnen bedeutet das, mit der Vergiftung und Zerstörung der Umwelt sowie der Verschwendung der endlichen Ressourcen aufzuhören. Die Mont-Royal-Hauptschule setzt dies in verschiedenen Formen um: Auf dem Dach der Schule ist für alle gut sichtbar eine riesige Solaranlage angebracht, mit der Strom gewonnen wird. Im schuleigenen Wald wurden 1600 Douglasien gepflanzt, die in circa 80 Jahren ihre Endnutzung erreicht haben, in der schuleigenen Imkerei lernen die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit Bienen, und im Schulgarten gibt es ein Biotop mit Goldfischen und Fröschen sowie eine Streuobstwiese mit verschiedenen Obstsorten.

Mentaler Wandel findet statt
Stromgewinnung durch Solaranlagen und Windräder, Anbau von Schulgärten und -wäldern, Nutzung des Regenwassers: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung kann an der Schule sehr vielfältig und spannend sein. Vor allem, wenn es Schulen wie der Gerhart-Hauptmann-Schule in Roßleben und der Mont-Royal-Hauptschule in Traben-Trarbach gelingt, ökologische, ökonomische und soziale Erziehung so in das Schulleben zu integrieren, dass alle daran beteiligt werden und alle den gegenwärtigen sowie zukünftigen Nutzen ihres Handelns verstehen. So wird der von der "Agenda 21" empfohlene mentale Wandel Wirklichkeit.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 02.08.2007
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