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22. 08. 2005

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Glauben ohne Scham, Lernen ohne Grenzen

Sommerinterviews, Teil 7

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Miguel Peixoto, 21 Jahre, aus Lamego in Portugal. Er studiert Theologie im achten Semester. Berufswunsch: Priester.   

Bildung PLUS: Warum kommen Sie von so weit her zum Weltjugendtag?   

Peixoto: Ich bin zum Weltjugendtag gekommen, weil ich nach neuen religiösen Manifestationsformen Ausschau halte. Wir möchten im Zusammenleben mit anderen Christen zeigen, dass der Katholizismus lebt. Und dass wir jungen Menschen unseren Glauben ohne Scham zeigen können.  

Bildung PLUS: Worauf kommt es in der modernen Gesellschaft an. Glauben oder Bildung?  

Miguel PeixotoPeixoto: Ich denke, man kann beides nicht trennen. Man kann nicht vom Glauben allein leben. Glauben und Bildung sind essenziell. Wir brauchen in unseren Gesellschaften diese doppelte Perspektive. Das Höchste erzielen wir erst in der Vereinigung von Bildung und Glauben. 

Bildung PLUS:
Welche Erfahrungen haben Sie im Studium gemacht?  

Peixoto:
Ich studiere Theologie und bin auf dem Weg zum Priester. Die Ausbildung liegt jenseits von Trends und Moden. Es geht bei meiner Ausbildung um eine moralische Erziehung und nicht bloß um Wissen.

Bildung PLUS: Welches sind die Merkmale einer guten Schule?  

Peixoto:
Kriterium für eine gute Schule ist eine gute Erziehung. Wir brauchen nicht nur Bildung, sondern auch Erziehung. Nicht nur die Vermittlung von Stoff, sondern auch Wertevermittlung und interpersonelle Eigenschaften zählen. Ein Mensch ist ein soziales Wesen. Ein Mensch allein ist kein Mensch. Und die Religion ist ein integraler Teil des Menschen - wir können nicht ohne Gott leben. Es kommt nicht darauf an, ob sich der Glaube als katholischer oder evangelischer manifestiert. Es kommt auf den Glauben an, die Schulen sollten sich dies auf die Fahne schreiben, so wie ich mir hier die portugiesische Fahne umgebunden habe.  

Bildung PLUS: Was brauchen die Schulen in ihrem Land, in Portugal?

Peixoto: Unsere Schulen müssten konsequenter sein. Wir müssen uns bewusst machen, was wir lernen und wie wir lernen. Bildung darf kein Durchlauferhitzer sein und kein Zeitvertreib. Wir dürfen die Bücher nicht als Durchgangsstation auf dem Weg zum Spaß verstehen ("passear os livros"). Reproduzieren von Wissen reicht nicht, wir müssen in Portugal das Wissen mehr anwenden und zu reflektieren lernen.  

Bildung PLUS: Beziehen Sie auch Lektionen aus dem Leben? 

Peixoto:
Das Leben zeigt: Menschen irren oft. Wir laufen nur allzu oft mit dem Kopf gegen die Wand. Aber das Leben ist nicht theoretisch, sondern praktisch, wie wir alle wissen. Und es gibt keinen linearen Weg des Lernens.



Virgilio FerreiraVirgilio Ferreira, 17 Jahre, Schüler in Lamego.  

Bildung PLUS: Warum sind Sie hier auf dem Weltjugendtag?   

Ferreira:
Es ist für mich das erste Mal. Die Begegnung mit anderen Jugendlichen hier ist phantastisch. Der Weltjugendtag zeigt uns, dass wir nicht alleine sind. Jugendliche auf der ganzen Welt sind aus einem Grund hier: Wir sind hier wegen Gott, wegen unseres Glaubens, und Tausende Menschen stehen uns zur Seite und teilen unseren Glauben. Die Kommunion derselben Ideale - das finde ich phantastisch.   

Bildung PLUS:
Was ist Lernen für Sie?

Ferreira: Lernen heißt Erkenntnisse gewinnen und sie in die Praxis zu transferieren. Dies tun wir, indem wir unsere Erkenntnisse mit anderen teilen, austauschen oder auch anderen Menschen vermitteln. Man lernt immer ohne Unterlass. Leben ist lernen.   

Bildung PLUS: Welche Rollen spielen Schulen in der modernen Gesellschaft?  

Ferreira: Ohne Bildung geht nichts mehr. Die Menschen können ohne sie nicht an der Gesellschaft teilhaben. Wir haben in Portugal eine starke katholische Tradition, die neben der Vermittlung von Naturwissenschaften, Mathematik und Sprachen eine große, auch gesellschaftliche Rolle spielt. Religion ist für uns der Türöffner zur Welt.

Bildung PLUS: Sind Menschen, die glauben, mehr wert als solche, die nicht glauben? 

Ferreira: Jeder Mensch hat irgendeine Form von Glauben. Sei es der Glaube an Buddha, Jesus oder an den Kommunismus. Im Glauben sind alle Menschen gleich. 

Bildung PLUS: Welche Lektionen erteilt das Leben?

Ferreira: Tagtäglich ziehen wir Lehren aus dem, was wir erlebt haben. Vorausgesetzt wir halten inne. Am Ende des Tages sollten wir die Gelegenheit nutzen über das, was wir erlebt haben, nachzudenken, auch darüber, was wir falsch gemacht haben. Wir lernen nur aus Fehlern. Auch die Kirche muss aus ihren Fehlern lernen. Einen Stein auf unserem Weg sollten wir nicht wütend wegtreten. Wir sollten ihn begrüßen, ihn als Stufe auf unserem Weg besteigen - und vorwärts gehen. Das ist mein Lebensmotto.

 

Autor(in): Arnd Zickgraf
Kontakt zur Redaktion
Datum: 22.08.2005
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