DIPF-Logo

Deutscher Bildungsserver

Innovationsportal

Suche




Hier beginnt der Inhalt:

24. 07. 2006

 

  • Diese Seite posten:
  • Edutags-Logo
  • g+
  • Twitter-Logo
  • Facebook-Logo
  • Delicious-Logo

Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Es hat vier Jahre gedauert, bis ich mich bei Freunden zu Hause fühlte"

Was denken Ausländer, die nach Deutschland kommen...

Bild

Sommerinterviews, Teil 1

Olga Bessarabova (29), Kiew, Ukraine

Bildung PLUS: Fühlen Sie sich zu Gast bei Freunden?

Bessarabova:  Ich lebe hier in Deutschland, insofern fühle ich mich bei Freunden zu Hause. Es hat allerdings etwa vier Jahre gedauert, bis ich dieses Gefühl hatte.

Bildung PLUS: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Grenze zu Deutschland passierten?

Bessarabova:  Ich bin 1999 als Au pair mit dem Bus nach Deutschland gekommen. Ich weiß noch, dass die Straßen mit einem Mal besser wurden, es nicht mehr so ruckelte, und wir mit viel höherer Geschwindigkeit fahren konnten. Auch war die Natur im Vergleich zur Ukraine erstaunlich grün, obwohl es Januar war. Für mich war es damals eine Fahrt ins Ungewisse, aber dennoch ein tolles Gefühl.

Bildung PLUS: Konnten Sie sich vorstellen, in Deutschland zu studieren?

Bessarabova:  Am Anfang habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Aber die Gastfamilie, bei der ich lebte, hat mich angespornt, in Deutschland zu studieren, und mir beim ganzen Papierkram sehr geholfen. Selbst da dachte ich noch, dass es nicht mehr als ein paar Semester sein würden, weil ich auch so großes Heimweh hatte. Aber ich wollte gerne Deutsch lernen und sehen, wie es so an einer deutschen Universität zugeht. Da ich mich sehr für Ökologie interessierte, hoffte ich, dieses Fach an der Universität Essen studieren zu können. Aber gerade da schlossen sie diesen Studiengang. Ich habe dann Chemie gewählt und das Studium inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Wegen der Ökologie bin ich gar nicht mehr so traurig, da ich eine Bekannte habe, die Ökologin ist und seit Jahren keine Stelle findet.

Bildung PLUS: Was kann man heute noch von Deutschland lernen?

Bessarabova:  Ich finde, dass man von jedem Land und seinen Menschen etwas lernen kann. Da ich jetzt schon länger hier lebe, mache ich mir über die Unterschiede zur Ukraine nicht mehr so viele Gedanken. Aber der ökologische Bereich ist etwas, wo Deutschland führend ist und sich andere Länder etwas abschauen können. Auch achten die Deutschen mehr auf die Qualität ihrer Produkte - mehr jedenfalls als in der Ukraine, leider.


Marie Austenaa (33), Stockholm, Schweden

Bildung PLUS: Deutsche Schüler haben bei der PISA-Studie schlecht abgeschnitten. Wie erklären Sie sich das?

Austenaa: Ich habe von der Studie gehört, aber das wusste ich nicht. Das überrascht mich auch, muss ich gestehen.

Bildung PLUS: Was ist Ihnen an Deutschland als erstes aufgefallen?

Austenaa: Dass man in den Läden nicht mit Kreditkarten bezahlen kann. Und das alles sehr sauber und ordentlich, sehr lebenswert wirkte.

Bildung PLUS:  Könnten Sie sich vorstellen, in Deutschland zu leben?

Austenaa: Ja, absolut. Allerdings nur in Großstädten wie Düsseldorf, Berlin oder München, die etwas internationaler sind und wo es Kinos gibt, in denen Filme unsynchronisiert gezeigt werden.

Bildung PLUS: Kann man heutzutage noch etwas von Deutschland lernen?

Austenaa: Ja, einen Sinn für Qualität. Die deutschen Produkte sind sehr hochwertig, gerade die Engländer - ich lebe in London - könnten sich davon eine Scheibe abschneiden. Die Deutschen sind sehr gründlich.

Autor(in): Ralf Augsburg
Kontakt zur Redaktion
Datum: 24.07.2006
© Innovationsportal

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion von Bildung + Innovation erlaubt.

Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.