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30. 01. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Bewährungsprobe bestanden

Vorreiterrolle bei der Ganztagsschule: Rheinland-Pfalz

Bild

Doris Ahnen mit Schülerinnen

Jahr Eins des Leitprojekts
Dreihundert Schulen sollen sich bis ins Jahr 2006 in Rheinland-Pfalz zur Ganztagsschule gemausert haben. Jetzt, im Jahr Eins des „Leitprojekts“ der Landesregierung aus Mainz, sind es schon 81. „Mit dem Aufbau eines Ganztagsschulangebots für alle Schularten werden wir in Rheinland-Pfalz ein bundesweit einmaliges bildungs- und familienpolitisches Zeichen setzen", sagte Ministerpräsident Kurt Beck in seiner Regierungserklärung 2001. Die Landesregierung hat die Bedeutung der Ganztagsschule erkannt und die Weichen richtig gestellt: Insgesamt fließen 160 Millionen Euro in den regional ausgewogenen und bedarfsgerechten Ausbau der Ganztagsschulen. Vornehmlich wird in zusätzliche Lehrkräfte investiert. Nutznießer des Programms sind vor allem Grundschulen und Hauptschulen - ein Tribut sowohl an die frühkindliche als auch an die individuelle Förderung.

Die „neuen“ Schulen bieten an vier Wochentagen Unterricht bis 16 Uhr. Das Angebot ist für Eltern und Kinder freiwillig, erst nach der Anmeldung ist die Teilnahme für ein Schuljahr verpflichtend. Mittagessen und Transport übernehmen Kommunen und Landkreise. Besondere Bedeutung kommt den externen Partnern zu, die mit attraktiven Angeboten das Schulleben bereichern sollen. So hat das Land mit den beiden christlichen Kirchen, dem Landessportbund und weiteren Organisationen Rahmenverträge geschlossen.

Zwischenbilanz
Die erste Zwischenbilanz von Regierung und der Gewerkschaft GEW fällt teilweise unterschiedlich aus. Einvernehmen herrscht beim Fazit: Der Start sei „im Großen und Ganzen gelungen“, so eine  GEW-Umfrage in Rheinland-Pfalz, und das Ganztagsschulkonzept hätte die Bewährungsprobe „mit Bravour bestanden“, so Bildungsministerin Doris Ahnen.

„Erheblichen Nachbesserungsbedarf“ sieht die GEW bei der dürftigen Personaldecke, der unzureichenden Ausstattung der Schulen mit geeigneten Räumlichkeiten und dem additiven System. In Rheinland-Pfalz greifen fast alle Schulen auf das so genannte additive System zurück: Zusätzliche Angebote finden nach dem regulären Unterricht statt. Kritiker bezeichnen dies als Schmalspurlösung oder Mogelpackung, vergessen dabei aber, dass Schulen für das integrierte System – Unterricht und Ganztagsschulangebote wechseln sich ab – nicht nur ein sehr gutes Konzept, sondern auch viel Erfahrung brauchen.

Gestaltungsraum für Schulen
Um in den Genuss der Geldmittel zu kommen, müssen die Bewerber ein pädagogisch-organisatorisches Konzept in Mainz vorlegen, das nicht nur pädagogisch sinnvoll ist, sondern auch vier Gestaltungselemente enthalten muss: Unterrichtsbezogene Ergänzungen wie Fremdsprachenunterricht und Hausaufgabenbetreuung, themenbezogene Vorhaben und Projekte wie die Illustration von Büchern und der Aufbau von schülerverwalteten „Betrieben“ sowie individuelle Förderung und Freizeitgestaltung.
 
Vor allem bei den Freizeitangeboten sind die externen Partner gefragt. Doch nicht nur einige Lehrer waren skeptisch, ob die neuen Kollegen neben dem viel gepriesenen frischem Wind auch das pädagogische Handwerkszeug mitbringen würden. Entwarnung gibt mittlerweile die Studie von POLIS, der Gesellschaft für Politik- und Sozialforschung aus München, die im Auftrag der Landesregierung den Start des Projekts unter die Lupe genommen hat. Unterm Strich sind nach dieser Studie alle zufrieden: Lehrer und Schüler zeigen sich motiviert und die Eltern entlastet. Ein hohes Engagement bescheinigt aber auch die GEW-Studie den Lehrern. Die POLIS-Studie betont, dass die Motivation eben auch auf Lehrer übergreife, die nicht mitmachen wollten. Ein psychologisches Moment sei hierfür mitverantwortlich: die Euphorie der Kollegen, die nachmittags dableiben, sei ansteckend und die „Verweigerer“ registrierten sehr wohl das hohe Ansehen, das ihre Kollegen nun bei den Schülern genießen würden.

Einen reibungslosen Ablauf dieses ambitionierten Projekts hatte wohl auch keiner der Akteure erwartet. Doch zeigen die ersten Erfahrungen, dass Rheinland-Pfalz auf dem richtigen Weg ist und als Impulsgeber für andere Bundesländer dienen kann.

Autor(in): Udo Löffler
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Datum: 30.01.2003
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