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29. 10. 2015

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Kitas und Grundschulen erarbeiten eine anschlussfähige Sprachbildung

Programm zur Verbesserung der Sprachförderung

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Das Modellprogramm „Bildung braucht Sprache“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Stiftung Mercator unterstützt ausgewählte Kitas und Grundschulen in Nordrhein-Westfalen dabei, ihre Sprachförderung zu verbessern.

 
Die Sprache des Landes zu beherrschen, in dem man lebt, ist ausgesprochen wichtig für eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe und eine erfolgreiche Bildungskarriere. Je früher man beginnt, die Sprache gut zu lernen, desto besser. Für Kinder heißt das: Je intensiver die Sprachförderung in Familie, Kita und Grundschule ist, desto größer sind die Chancen auf einen Bildungserfolg. Um die Bildungschancen für alle Kinder zu verbessern, hat die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) überarbeitet. Anstelle eines Sprachtests zur Überprüfung der Sprachkenntnisse der Kita-Kinder tritt seit Mitte 2014 eine kontinuierliche Beobachtung und Dokumentation der Sprachentwicklung. Kinder mit Sprachdefiziten sollen so besser identifiziert und gefördert werden können. Begleitet wird das neue Verfahren mit einem Modellprogramm, in dem Sprachbildung und -förderung in ausgewählten Einrichtungen weiterentwickelt wird.
Das Modellprogramm „Bildung braucht Sprache” der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Stiftung Mercator unterstützt 16 ausgewählte Kitas und Grundschulen dabei, eine wirkungsvolle und anschlussfähige Sprachbildung und -förderung aufzubauen. Bis zum Programmende im Mai 2016 soll so ein Qualitätsentwicklungsinstrument entstehen, das über das Programm hinaus als Leitfaden für Kitas und Grundschulen dienen soll.

Enge Zusammenarbeit von Kita und Grundschule ist Voraussetzung für kontinuierliche Sprachbildung
Im Fokus des Programms stehen die Gestaltung der Sprachförderung beim Übergang von der Kita in die Grundschule, die Abstimmung der Konzepte und Methoden der Sprachbildung der Erzieher/innen und Lehrer/innen aufeinander sowie die Einbindung der Eltern. In den vier nordrhein-westfälischen Modellregionen Bonn, Herten, Mülheim und Warendorf arbeiten die ausgewählten Kitas und Grundschulen als Team zusammen. Jeweils im Tandem – eine Kita und eine Grundschule – entwickeln sie ein gemeinsames Verständnis von sprachlicher Bildung, erarbeiten gemeinsame Konzepte und Maßnahmen und tauschen sich über die individuelle Entwicklung der Kinder aus. So entsteht ein fließender Übergang von der Kita in die Grundschule. Neben dem Erarbeiten von gemeinsamen Fördermaterialien führen sie regelmäßig Projekte durch, wie beispielsweise Vorlesestunden von Schulkindern und Eltern in der Kita. Diese Vorleseprojekte bringen nicht nur die Kinder, sondern auch die Erzieher/innen und Lehrkräfte zusammen. Dann besuchen Kinder der teilnehmenden Grundschulen „ihre Kita“, und erst Siebenjährige lesen den noch kleineren Kindern Geschichten vor. So wie zum Beispiel in der Kita Am Domhof im Bonner Stadtteil Bad Godesberg. Etwa 70 Prozent der 40 Kinder im Alter von vier Monaten bis sechs Jahren, die die Kita besuchen, haben einen Migrationshintergrund: Auch und gerade Familien, in denen nicht Deutsch gesprochen wird, sollen bei dem Programm mit einbezogen werden. Jede Woche kommen etwa zwei bis vier Grundschüler und lesen den Kindern etwas vor. Neben dem Vorleseprojekt gibt es in den teilnehmenden Einrichtungen auch gemeinsame Spiele-Nachmittage, Lesenächte oder Elterncafés.

Unterstützung für die Modelleinrichtungen

Für die pädagogischen Fachkräfte ist das eine anspruchsvolle Aufgabe. Die meisten sind sehr motiviert und haben auch schon viel Erfahrungen. Trotzdem ist eine fundierte Unterstützung sinnvoll. Die Modelleinrichtungen erhalten deshalb regelmäßige Besuche durch Praxisbegleiter, Fortbildungen rund um Sprachbildung und -förderung sowie eine finanzielle Unterstützung für die Realisierung konkreter Maßnahmen. Die Fachkräfte lernen in den Fortbildungen, das eigene Sprachverhalten zu reflektieren und das Bewusstsein dafür zu schärfen, wo und wie man den Kindern gezielt Sprachanregungen geben kann. Außerdem erweitern sie ihre Fachkenntnisse zu Sprachentwicklung und sprachlichem Förderbedarf von Kindern.

Darüber hinaus tauschen sich die Einrichtungen auf jährlichen Landesnetzwerktreffen über ihre Erfahrungen aus, erhalten neue Anregungen und lernen voneinander. Manchmal stehen dort auch Gastdozenten und Kooperationspartner, zum Beispiel Elternbegleiter, bereit, die die Kita-Grundschule-Teams individuell unterstützen. Daneben arbeiten die Einrichtungen in den vier regionalen Bündnissen (Bonn, Herten, Mülheim, Kreis Warendorf) im Sinne eines Peer-Review-Ansatzes zusammen und begleiten gegenseitig ihre Entwicklungsprozesse. Mit Unterstützung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung organisieren sie auch Vor-Ort-Besuche mit Hospitationsmöglichkeiten und geben sich gegenseitig Feedback.

Wichtig: eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern
Je besser der Übergang von der Kita zur Grundschule gelingt, umso besser gestaltet sich auch der Bildungsverlauf der Kinder. In diesem Sinne verfolgt das Modellprogramm auch eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Die Pädagogen führen mit den Eltern regelmäßige Entwicklungsgespräche. Dieser Austausch zwischen den pädagogischen Fachkräften und Eltern trägt dazu bei, die kindliche Sprachentwicklung besser zu verstehen. Vor allem dann, wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen. Einerseits können die Eltern den Pädagogen wertvolle Hinweise über die Sprachentwicklung geben. Andererseits haben die Erzieherinnen und Erzieher das nötige Fachwissen, um den Eltern Tipps zu geben, wie sie die Sprachentwicklung ihres Kindes auch zuhause unterstützen können.

Die Entwicklung eines Qualitätsleitfadens
„Bildung braucht Sprache“ wird wissenschaftlich begleitet, um das erarbeitete Wissen über die Methoden und Prozesse zu sichern. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die EduCert GmbH mit Sitz in Berlin. Als Forschungs- und Entwicklungsinstitut im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung besitzt das Forscherteam von EduCert um Prof. Dr. Wolfgang Tietze eine langjährige Erfahrung in der Evaluation verschiedener Sprachförderprogramme und entwickelte u.a. das Gütesiegel „Familienzentrum NRW“ sowie den „Nationalen Kriterienkatalog“ für die pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen. Ein Kernbestandteil der wissenschaftlichen Begleitung ist die Entwicklung eines Qualitätsentwicklungsinstruments, die in enger Abstimmung mit den beteiligten Einrichtungen und Praxisbegleitern erfolgt. Das Qualitätsentwicklungsinstrument soll auf andere Einrichtungen und Netzwerke übertragbar sein und wird nach Ablauf des Programms als Qualitätsleitfaden anderen Einrichtungen zur Verfügung gestellt.





Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 29.10.2015
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