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13. 11. 2014

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Wir verstehen uns als Katalysator, um die Materialien besser auffindbar zu machen"

Das Engagement der Bildungsserver auf dem Gebiet von OER

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Ingo Blees

Die Landesbildungsserver und der Deutsche Bildungsserver sind aktiv an der Sammlung, Erschließung und zum Teil auch Produktion von freien Bildungsmaterialien beteiligt. Die Online-Redaktion von „Bildung + Innovation“ sprach mit Ingo Blees, Projektentwickler beim Deutschen Bildungsserver, über die Vorteile von Open Educational Resources (OER) und die Aktivitäten der Bildungsserver.


Online-Redaktion: Der Deutsche Bildungsserver (DBS) war offizieller Partner der Konferenz von Wikimedia Deutschland zu Open Educational Resources, die Mitte September in Berlin stattfand. Wie kam es dazu?

Blees:
Die Beteiligung als Partner bei der OER-Konferenz von Wikimedia war für uns eine logische Fortsetzung unseres bisherigen Engagements. Wir sind seit Ende 2012 sehr aktiv an dem OER-Diskurs beteiligt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Kultusministerkonferenz (KMK) haben unsere Expertise seit einem ersten Experten-Hearing im Jahr 2012 mehrfach eingeholt, 2013 wurden wir vom BMBF damit beauftragt, ein Dossier zu OER in internationaler Perspektive zu erstellen. Auch dieses Jahr wurden wir vom Landtag NRW zu einer Anhörung zu digitalen Medien und OER eingeladen sowie vom Fachausschuss Bildung von der Deutschen UNESCO-Kommission zum Thema befragt. Von Beginn an waren wir auch Teilnehmer diverser OER-Veranstaltungen. So war der DBS bereits bei dem ersten BarCamp zu OER 2012 in Bremen mit Sessions dabei, ebenso bei dem BarCamp und der Konferenz, die Wikimedia erstmals 2013 in Berlin ausgerichtet hatte. Gerne haben wir uns daher als Partner der auch durch die Bundeszentrale für politische Bildung und die Deutsche UNESCO-Kommission unterstützten OER-Konferenz 2014 beteiligt.

Online-Redaktion: Wie trägt der DBS zur OER-Entwicklung bei? Worin sieht er seine Aufgaben und Ziele?

Blees:
Der Deutsche Bildungsserver versteht sich als Netzwerker und unterstützt die Aktivitäten der Landesbildungsserver, um Synergien herzustellen. Dies findet insbesondere in dem Ressourcenpool ELIXIER, einem gemeinsamen Projekt der Landesbildungsserver, des DBS und des Medieninstituts der Länder (FWU) seinen Ausdruck. Durch seine Verankerung am Informationszentrum Bildung (IZB) beim Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) bringt der DBS informationswissenschaftliche Kompetenz mit ein. Der DBS leistet aber auch technische Dienste. ELIXIER läuft auf technischen Plattformen, die vom DBS bzw. vom DIPF gehostet werden und mit denen er zum Aufbau und zur Weiterentwicklung einer Informationsinfrastruktur beitragen will. Auch unterstützt er innovative Entwicklungsvorhaben, bei denen teilweise dann sogar OER von den Fachredaktionen der einzelnen Landesbildungsserver hergestellt werden.

Online-Redaktion: Was genau ist ELIXIER?

Blees:
ELIXIER ist eine Suchmaschine für Bildungsmedien. Sie durchsucht aber nicht das Web, wie zum Beispiel Google, sondern einen ausgewiesenen Bestand an Lernressourcen, den vor allem die einzelnen Landesbildungsserver, aber auch der DBS selbst und das FWU liefern. Insgesamt umfasst ELIXIER derzeit etwa 50.000 Lernmedien. Die Einzelbestände der Länder sind qualitätsgeprüft. Redakteure – in der Regel abgeordnete Lehrkräfte – recherchieren und bewerten die Materialien und erschließen sie mit Metadaten, zum Teil werden in den Redaktionen auch selbst Lernmittel erstellt. Diese ausgewählten Bestände werden bei ELIXIER zusammengeführt.

Die Suche funktioniert über ein so genanntes Relevanzranking: Wenn man zum Beispiel Material für den Lyrikunterricht im Fach Deutsch sucht, bekommt man zunächst die Materialien angezeigt, die besonders relevant sind. Bei einer zu großen Trefferzahl gibt es eine Reihe von Suchfiltern, die das gezielte Navigieren erleichtern. So kann man nach bestimmten Materialarten suchen – Arbeitsblatt, Film, Software –, nach Bildungsstufen – Sek, I, Sek II – oder natürlich auch fach- und themenbezogen.

Online-Redaktion: Stehen die Materialien unter freien Lizenzen?

Blees:
Bisher etwa zehn Prozent davon. In einem Projekt, das wir zusammen mit dem FWU durchführen, wollen wir den Bestand verdoppeln, indem wir bestimmte Teilbestände, die auch in anderen Pools lagern, also bestimmte Materialien von Lehrer-online, von der bpb u.a. systematisch in ELIXIER einarbeiten. Auch haben wir vor, Materialien der OER-Plattform Edutags zu transferieren, so dass diese dann auch ELIXIER-Ressourcen sind.

Online-Redaktion:
Es gibt also eine enge Zusammenarbeit mit den Landesbildungsservern?

Blees:
Die Zusammenarbeit materialisiert sich hauptsächlich in ELIXIER, aber wir pflegen auch darüber hinaus einen engen Austausch mit den Ländern. Es ist eine regelmäßige, intensive Zusammenarbeit mit Meetings auf redaktioneller und auf technischer Ebene. Wir kooperieren auch in anderen innovativen Projekten, wie zum Beispiel dem Projekt Mauswiesel. Hier geht es um Lernmaterialien zum Selberlernen für die Grundschule. Der DBS hat das Projekt initiiert und gefördert und als Länder sind in diesem Zusammenhang Hessen, Hamburg, Saarland und Niedersachsen beteiligt, die das Mauswieselprojekt inhaltlich aufgebaut haben. Außerdem betreibt der DBS schon sehr lange zusammen mit dem Hamburger Bildungsserver ein Wiki zum Thema Klimawandel. Alle Beiträge, Texte und Materialien, die dort erstellt werden, laufen unter einer CC-Lizenz und sind von daher auch OER-Materialien.

Online-Redaktion:
Gehen die Landesbildungsserver auch eigene Wege in Sachen OER?

Blees: Natürlich gibt es auch viele Einzelaktivitäten der jeweiligen Länder. Jeder hat seine Sammelschwerpunkte und verfolgt gezielt die Sammlung, Erschließung und zum Teil auch Produktion von OER. Ich nenne einmal als Beispiel das Land Baden-Württemberg, das einen sehr großen eigenen Materialpool hat und plant, in naher Zukunft alle Lernmittel, die es selbst herstellt, komplett auf die freie CC-Lizenzierung umzustellen. Es herrscht in allen Länderredaktionen ein großes Bewusstsein für die Wichtigkeit freier Lehr- und Lernmaterialien. Einige, wie eben Baden-Württemberg, stehen kurz davor, die Materialien, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden, auf die CC-Lizenzierung umzustellen, damit sie frei verfügbar sind. Andere, wie zum Beispiel Sachsen-Anhalt, haben schon seit einiger Zeit eine entsprechende OER-Policy und wieder andere sind noch in dem Überlegungsprozess, ob und wann sie ihre Ressourcen als OER anbieten können.

Online-Redaktion:
Was ist die OER-Plattform Edutags?

Blees: Edutags ist ein Social-Bookmarking-Instrument für Lehrkräfte, ein Werkzeug zur Community-Unterstützung, und dient speziell auch der Sammlung von OERs. Wir führen das Projekt gemeinsam mit der Universität Duisburg-Essen (Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement von Professor Kerres) durch. Mit Edutags wollen wir es den Nutzern erleichtern, ihre Webrecherchen und insbesondere OER-Materialien, die sie dabei finden, an einer zentralen Stelle zu bündeln. Die Plattform ist browserbasiert, also eine Art Cloud-Dienst, der geräteunabhängig allen zur Verfügung steht. Jeder kann ein persönliches Konto einrichten, jeder kann für sich sammeln, für sich taggen, um die Materialien zu strukturieren, zu ordnen und wiederzufinden. Es ist aber auch ein Kollaborationstool. Man kann Arbeitsgruppen einrichten, in der alle Teilnehmer/innen ihre Recherchen eintragen. Indem man seine Inhalte sowohl geschlossen, also nur für sich, als auch offen einsehbar eingeben kann, entstehen darüber auch Netzwerkeffekte, die gezielt ausgewertet werden. Wir haben ein Empfehlungsmodul gebaut, durch das Sammlungen von Nutzern angezeigt und weiterempfohlen werden.

Online-Redaktion:
Worin sehen Sie die Vorteile von OER?

Blees:
Zunächst werden über freie Lernmaterialien der Zugang zu Bildung und zur Bildungsteilhabe gefördert. Das gilt vorrangig für diejenigen Teile der Welt, die nicht viel Zugang zu Bildung oder Bildungsressourcen haben, es trifft in gewissem Maße aber auch auf Deutschland zu. Worin ich für unser Bildungswesen aber die größeren Vorteile sehe, ist in der Rechtssicherheit für Lehrkräfte und alle diejenigen, die in der Bildungspraxis tätig sind. Denn solange Bildungsmaterialien nicht unter freien Lizenzen stehen, ist es streng genommen illegal, auch für den Unterricht digitale Lehr- und Lernmaterialien zu kopieren, zu verändern, zu remixen und weiterzugeben. Mehr Rechtssicherheit würde wiederum zu mehr Gestaltungsfreiheit führen, bei der die didaktischen Vorteile zum Tragen kämen. Das Digitale reagiert ja viel schneller auf Themen, d.h. über OERs könnte man der Aktualität im Unterricht besser Rechnung tragen. Auch kann man Einzelkomponenten variabler zusammenführen und mehr adaptiven oder individualisierten Unterricht machen. Dies wäre auch ein Vorteil beim inklusiven Lernen. Unterschiedliche Lernniveaus und unterschiedliche Lerntypen ließen sich so viel besser bedienen.

Online-Redaktion: Halten Sie eine zentrale Plattform, auf der alle freien Bildungsmaterialien versammelt sind, für sinnvoll?

Blees:
Eine zentrale Plattform würde ich nicht für praktikabel und effizient halten. Wir verfolgen beim DBS die Philosophie des „Bündelns“, die sich bisher als gut erwiesen hat. D.h. die Materialien verbleiben bei den Datenbanken und Plattformen der einzelnen Anbieter, und mit den entsprechenden Metadaten und Schnittstellen kann man diese bei uns zusammenführen und darauf ein effektives Suchsystem aufbauen. Wir verstehen uns als Katalysator und Ermöglicher für die Nutzer, schneller an die Materialien heranzukommen. Eine „Wikipedia für OER“ aufzubauen halte ich nicht für nötig.

Online-Redaktion: Wo sieht der DBS seine zukünftige Rolle auf dem Gebiet von OER?

Blees:
Wir wollen unsere Aktivitäten in den eben genannten Feldern fortsetzen und unsere über Jahre aufgebaute Expertise gerne weitergeben. Wann immer sie angefragt ist, freuen wir uns darüber und versuchen so weit wie möglich zu beraten und zu unterstützen. Wir sehen uns ganz zentral als Dienstleister im Aufbau von Informationsinfrastrukturen, sei es durch die konzeptionelle Mitarbeit an Formaten wie Edutags oder ELIXIER, aber auch ganz praktisch im technischen Hosting. Und wir sehen uns als Netzwerker und Multiplikator. Wir versuchen weitere Inhalteanbieter davon zu überzeugen, dass wir ihnen gegenüber nicht als Konkurrenten auftreten, sondern dass beispielsweise ELIXIER effektivere Suchoptionen für die Nutzer bietet, an geeignete Materialien vieler Anbieter zu gelangen. Wir verstehen uns daher wie gesagt als Katalysator, um Materialien besser auffindbar zu machen, die Materialien selbst bleiben auf den Servern der jeweiligen Anbieter.





Ingo Blees M.A. hat Philosophie und Germanistik studiert und ein Aufbaustudium als Wissenschaftlicher Dokumentar absolviert. Nach mehrjähriger Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Philosophischen Institut der RWTH Aachen wechselte er 2005 ans Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main. Im dortigen Informationszentrum Bildung (IZB) arbeitet er beim Deutschen Bildungsserver an der Konzeption und Entwicklung von Informationssystemen wie z.B. der Social-Bookmarking-Plattform Edutags für Lehrkräfte u.a. zur Sammlung von OER sowie der Bildungssuchmaschine ELIXIER. In seiner Funktion als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IZB begleitet er in entsprechenden Publikationen zur Informationspraxis, zum Informationsmanagement oder auch zur Informationswissenschaft die Projekte auch wissenschaftlich.




Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 13.11.2014
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