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22. 05. 2014

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Wir geben den Lehrern die Chance mitzubewerten.“

Die neue learn:line NRW

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Lothar Palm

Mit der Bildungssuchmaschine learn:line NRW stellt die Medienberatung NRW eine zentrale Datenbank bereit, in der Lern- und Bildungsmedien verschiedenster Quellen über differenzierte Beschreibungen (Metadaten) gefunden werden können und zum direkten Download bereitstehen. Die Online-Redaktion von „Bildung + Innovation“ sprach mit Lothar Palm, Koordinator der learn:line NRW, über Inhalte und Aufgaben der Bildungssuchmaschine und darüber, was sich durch den Relaunch verändert hat.


Online-Redaktion: Was bietet die learn:line NRW?

Palm: Die learn:line NRW ist die Bildungssuchmaschine des Schulministeriums von Nordrhein-Westfalen. Sie ist ein Mediendistributionssystem, das unterrichtsrelevante Objekte, Lernmittel, Arbeitsblätter und/oder Videos für Lehrer unter einer Oberfläche auffindbar macht. Sie bietet eine stetig wachsende Zahl an qualitativen Bildungsinhalten – derzeit enthält der Datenpool über 20.000 Medieneinheiten –, die sich am konkreten Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer orientieren, um so einen Beitrag zur Unterrichtsentwicklung zu leisten. Entscheidend ist, dass die learn:line NRW nur auf bereits vorhandenes Material verlinkt, d.h., es gibt keinen eigenen Datenpool, sondern die Bildungssuchmaschine macht bestehende Ressourcen, Internetadressen und Arbeitsblätter im Netz auffindbar.

Online-Redaktion: learn:line NRW hat sich einige Zeit im Relaunch befunden. Die neue Seite ist seit März 2014 online. Was hat sich durch den Relaunch verändert?

Palm: Zunächst das Layout. Es ist moderner geworden und direkt an das Corporate Design des Schulministeriums, sprich des Bildungsportals, gekoppelt. Die verschiedenen Angebote des Schulministeriums gehen durch dieses einheitliche Design ineinander über. Inhaltlich hat sich ganz wesentlich geändert, dass wir neben der reinen einfachen Suche jetzt auch Themenfelder zu unterschiedlichen Themen anbieten.

Online-Redaktion: Welche Unterrichtsmaterialien lassen sich über die learn:line NRW erschließen?

Palm: Das Angebot ist sehr breit gefächert. Genauso unterschiedlich, wie die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Herangehensweise an die Unterrichtsdurchführung und -vorbereitung sind, so breitgefächert ist unser nicht nur digitales Angebot. Es geht von audiovisuellen Medien, wie Film und Hörspiel, bis hin zum einfachen Arbeitsblatt, das im Unterricht verteilt werden kann. Wir versuchen, Material für alle Schulformen und Fächer bereitzustellen. Dazu erschließen wir bekannte Quellen möglichst systematisch. Es gibt sehr viele didaktische Institute unterschiedlicher Universitäten, die im Rahmen von Forschungsprojekten für ein bestimmtes Fach Unterrichtsmaterial entwickeln. Das wird über europäisches oder landesweites Geld vorfinanziert, und die Materialien finden sich dann auf teils schwer erreichbaren und verborgenen Unterseiten der Universitäten oder der Fachdidaktiken wieder. Wir wollen u.a. im Rahmen von Kooperationen dieses Unterrichtsmaterial auffindbar und einem größeren Publikum bekannt machen.

Online-Redaktion: Wie erhält man die Unterrichtsmaterialien?

Palm: Über eine einfache Suche, die so konzipiert ist, wie wir sie von bekannten Suchmaschinen und Webseiten kennen. Wir haben uns Studien über die Nutzungsgewohnheiten von anderen Suchdiensten angeschaut, die eigene Statistik ausgewertet und festgestellt, dass die User in der Regel immer nur zwischen ein und drei Wörtern eingeben. Wenn man in unserer Suchfunktion ein Schlagwort eingibt, dann wird einem in der Trefferliste eine Möglichkeit zur weiteren Filterung gegeben. Man kann beispielsweise nach einem bestimmten Herausgeber filtern, nach dem Bildungsbereich oder nach Fach- und Sachgebieten. Da hat der User die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Im Grundsatz ist es so gedacht: schnelles Suchen, schnelle Trefferliste, um dann weiter einzuschränken.

Eine Neuerung ist, dass man nach bestimmten Lizenzen filtern kann. Angebote, die unter einer offenen Lizenz stehen, sind bei learn:line NRW ausgewiesen. Sie haben das entsprechende Logo und einen Hinweis auf die entsprechende CreativeCommons-Lizenz. Das Wissen über Lizenzen und Lizenzbestimmungen ist nicht so weit verbreitet, dass jeder selbstverständlich damit umgeht. Es gibt noch einen großen Aufklärungsbedarf darüber, welches Material man an Schulen verwenden darf, wie man es verwenden darf und was man überhaupt mit Materialien machen darf. Es gibt einige, die schon sehr differenziert damit umgehen können und genau wissen, was hinter jeder CC-Lizenz steht, aber das ist noch lange nicht Alltag. Im Zeitalter der Medienkompetenz und Medienkompetenzschulung ist das sicher auch ein wichtiger Bereich, dem man sich stellen muss. Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit sind hier sehr wichtig. Deshalb wollen wir gezielt darauf hinweisen, wo die Probleme liegen und welche Lösungen und Alternativen es gibt.

Online-Redaktion: Welche Schwerpunkte und Themenfelder hat learn:line NRW?

Palm: Es gab 2009 und 2011 zwei Untersuchungen darüber, wie Lehrer das Internet nutzen. Dabei kam heraus, dass sie immer wieder auf bekannte Quellen und Herausgeber zurückgreifen. Wir versuchen deshalb systematisch, diese bekannten Herausgeber bei uns einzubinden. Außerdem erschließen wir natürlich die Anbieter, die es in NRW gibt, also die Universitäten, öffentlich-rechtliche Anstalten wie den WDR u.a. Das ist in den meisten Fällen wunderbar gelungen.

Ein zweiter Schwerpunkt richtet sich nach aktuellen Themen, die einen Bedarf in den Schulen hervorrufen oder die in anderem Kontext von besonderer Bedeutung sind. Jüngstes Beispiel ist die Krise in der Ukraine, die in unterschiedlichen Fächern wie Politik, Erdkunde oder Ethik behandelt wird. Ein Redaktionsteam gestaltet die Themenfelder und verweist dann auf die unterschiedlichen analogen und digitalen weiterführenden Unterrichtsangebote. Auch gibt es Themen, die sehr breit und teilweise kontrovers diskutiert werden, auch hier wollen wir unterstützen. Aktuelle Beispiele sind Bildungspartnerschaften. Es gibt eine Initiative „Erinnern für die Zukunft“, in deren Rahmen Schulklassen u.a. Gedenkstätten besuchen. Hierzu versuchen wir, systematisch Unterrichtsmaterial zu erschließen, damit solche Besuche vor- und nachbereitet werden können.

Online-Redaktion:
Wie kann man bei Ihnen als Herausgeber gelistet werden?

Palm: Zunächst nimmt man mit uns Kontakt auf. Wir versuchen dann in einem Gespräch zu klären, ob das Angebot zu uns passt. Wir haben einen Kanon an Fragen, den wir abarbeiten, zum Beispiel zur Qualität. Dann muss der Herausgeber unseren Nutzungsbedingungen zustimmen, damit beide Seiten eine rechtliche Basis haben. Der Herausgeber gibt die beschreibenden Daten ein sowie den Link und ein Redaktionsteam schaltet nach Prüfung frei. Wir haben aktuell 150 registrierte Mitglieder, das sind z.B. Herausgeber mit ganz unterschiedlichem Angebot, Mitglieder von Fachredaktionen, Lehrerinnen und Lehrer.

Online-Redaktion: Wird learn:line NRW von den Lehrerinnen und Lehrern gut genutzt?

Palm: Insgesamt wird die Bildungssuchmaschine sehr gut angenommen. Natürlich stellen wir immer wieder Nutzungsunterschiede anhand unserer Statistik fest. Bei tagesaktuellen Themen, die wir über Mitteilungen publik machen, steigen die Nutzungszahlen signifikant an. Ansonsten haben wir eine beständige Nutzung mit den lehrertypischen Wellentälern und -bergen: Vor den Ferien sinken die Nutzungszahlen, am Ende der Ferien gehen sie rapide nach oben. Wir unterliegen einem ganz normalen Zyklus, wie vergleichbare Angebote.

Online-Redaktion: Warum lässt sich das Suchfenster in die Lernplattformen der Schulen integrieren?

Palm: Wir sehen uns als Backup-Dienst. Der User bleibt gerne in der gewohnten Umgebung. Das wollen wir unterstützen. Wir verstehen es als Serviceleistung, dass Schulen das Suchfenster in ihre eigene Informationsseite integrieren können. Jeder, der möchte, kann das tun, letztlich greift man über eine Schnittstelle auf unseren Dienst zurück.

Online-Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Palm: Wir arbeiten gerade an einem Rückkopplungskanal. Wir möchten, dass die Lehrkräfte die Möglichkeit haben, in Form einer Bewertungs- und/oder Kommentarfunktion Rückmeldungen darüber zu geben, wie sie das Material im Unterricht einsetzen. Damit bieten wir aktive Interaktion und geben den Lehrern die Chance mitzubewerten. Dadurch können die Kolleginnen und Kollegen von den Erfahrungen anderer profitieren, und sie bekommen einen multiperspektivischen Blick auf ein Lernobjekt angeboten. Dabei greifen wir auf einen bestehenden Service des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und des Deutschen Bildungsservers zurück, Edutags, ein Tagging-, Bewertungs- und Kommentierungsportal für Lehrerinnen und Lehrer, und verknüpfen die beiden Systeme miteinander. Das ist eine Neuerung, die aus unserer Sicht durchaus noch einmal einen Qualitätsschub mit sich bringt. Je mehr User rückmelden und bewerten, desto differenzierter ist natürlich auch die Bewertung und Kommentierung im Endeffekt zu sehen. Es hat in NRW eine parteiübergreifende Zustimmung gegeben, dass learn:line NRW als zentrales Distributionsportal einen Rückkopplungskanal haben muss, um Qualität zu sichern, genau dem Auftrag kommen wir jetzt nach.


Lothar Palm ist Lehrer für Biologie, Sport und Informatik und seit fünf Jahren zur Medienberatung NRW abgeordnet. Er war für die Konzeptionierung und den Umbau der (neuen!) learn:line NRW koordinierend zuständig.


Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 22.05.2014
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