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29. 08. 2013

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Das erste freie elektronische Schulbuch ist erschienen

Die Plattform „SCHULBUCH-O-MAT“ bringt ein E-Schulbuch "Biologie" für die Klassenstufe 7/8 hervor

Bild

Das erste freie Schulbuch; Quelle: SCHULBUCH-O-MAT

Im August 2013 ist das erste freie Schulbuch erschienen. Es ist kostenlos und nur digital verfügbar und kann als E-Book oder in der PDF-Version weitgehend frei verwendet werden. Auf der Plattform „SCHULBUCH-O-MAT“ wurde das freie Material aufbereitet und zu einem digitalen Schulbuch verbunden.


Pünktlich zu Beginn des Schuljahres 2013/14 ist in Berlin das erste freie Schulbuch erschienen. Es ist kostenlos und nur digital verfügbar und kann als E-Book oder in der PDF-Version weitgehend frei verwendet werden. „Das Schulbuch ist in die Jahre gekommen und berücksichtigt nicht das veränderte Mediennutzungsverhalten von jungen Menschen", sind die Macher Hans Wedenig, Medienexperte, und Biologielehrer Heiko Przyhodnik überzeugt. Außerdem haben elektronische Schulbücher den Vorteil, dass man mit ihnen den Lehrstoff interaktiv und anschaulich vermitteln kann. Lehrer können den Lehrstoff besser an das Niveau der Klasse anpassen und ihn jederzeit aktualisieren. Hans Wedenig und Heiko Przyhodnik wollten deshalb das erste offene und freie elektronische Schulbuch Deutschlands publizieren – ohne kommerzielle und lizenzrechtliche Einschränkungen der Nutzung –, das, wie bei Open Educational Resources (OER) üblich, frei verwendet, verändert, kopiert und weitergegeben werden kann.

Die Plattform „SCHULBUCH-O-MAT“
Ihr Ziel war es, bis Ende Juli 2013 ein freies elektronisches Schulbuch "Biologie" für die Klassenstufe 7/8 fertigzustellen. Ein freies, von mehreren Autoren gemeinschaftlich erstelltes Werk, das regelmäßig erweitert und aktualisiert werden kann, soll Schülern, Eltern und Lehrern einen aktuellen, individuellen und kostenlosen Zugang zu Lehrmaterialien bieten. Dazu richteten Hans Wedenig und Heiko Przyhodnik im Januar 2013 die Plattform „SCHULBUCH-O-MAT“ ein. Der „SCHULBUCH-O-MAT“ sollte als Sammelstelle für die zahlreichen freien Schulmaterialien, die bereits auf unzähligen Webseiten verstreut im Netz stehen, dienen. Auf der Plattform wurde dieses Material aufbereitet und zu einem digitalen Schulbuch verbunden. Zur Erstellung des ersten freien Schulbuches suchten die beiden die Mitarbeit vieler Freiwilliger. Mehr als 30 haben sich gefunden. Jeder hat nach seinen Fähigkeiten geschrieben, gestaltet, korrigiert usw. Zehn von ihnen bildeten den so genannten „harten Kern.“

Eine Anschubfinanzierung für ihr Vorhaben erhielten Wedenig und Przyhodnik per Crowdfunding. Dazu haben sie das Projekt auf der Plattform Startnext eingestellt. 10.000 Euro sammelten sie für die Einrichtung und Betriebskosten der Plattform sowie für Organisation, Redaktion und Produktion des E-Schulbuches.

Das erste freie elektronische Schulbuch
Am 14. August 2013 ist die erste Version online gegangen. Sie umfasst rund 250 Seiten. Für jedes der acht Themen des Pflichtbereiches stehen bis zu 20 Seiten zur Verfügung, für die acht Wahlbereiche bis zu fünf. Es ist modular aufgebaut, enthält verschiedene Aufgaben für verschiedene Lernniveaus, Tests, multimediale Grafiken und Filme. Inhaltlich orientiert es sich am Rahmenlehrplan Berlin, so dass die meisten Inhalte bundesweit im Biologieunterricht der Sekundarstufe I verwendet werden können. Eine Aufnahme ihres E-Books in den Kanon der Schulbehörden ist von den Initiatoren nicht beabsichtigt. Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass viele Lehrer sowieso mit eigenem Material arbeiten. Wichtig sei lediglich, dass die E-Books mit den Rahmenlehrplänen übereinstimmten, weil dort festgelegt wird, was die Schüler lernen sollen. Auch sehen sie das Schul-E-Book nicht in Konkurrenz zu den Schulbuch-Verlagen, sondern als Ergänzung. Bereits vorhandenes, im Netz verstreutes Wissen, wie Unterrichtsvorbereitungen, kann so gesammelt aufgenommen werden und geht nicht verloren. Das elektronische Schulbuch „Biologie“ soll auf Wunsch der beiden Initiatoren nur den Anfang machen. Bei erfolgreicher Fertigstellung wollen die beiden engagierten Freunde Bücher für andere Fachbereiche und Schulstufen folgen lassen. Das Projekt soll eine Kultur der freien Bildungsmaterialien einläuten.

Nicht ganz frei
Unterstützung fanden sie auch in der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V. (ZUM.de). Sie stellte ihnen ein eigenes Wiki zur Verfügung, auf dem Inhalte für das Biologie-Schulbuch erstellt werden konnten. Allerdings war vielen freiwilligen Mitarbeitern die Arbeit in einem Wiki zu kompliziert, auch hatten sie Scheu, in bestehende Artikel einzugreifen oder eigene neue zu schreiben. Auch als man auf das Autorensystem LOOP, ein modifiziertes MediaWiki, ausgewichen war, kam es nicht zu einer ausreichenden Beteiligung, obwohl LOOP, eine Entwicklung von oncampus der Fachhochschule Lübeck, für die Erstellung von akademischen Inhalten eines der modernsten und marktbesten Tools im deutschsprachigen Raum ist.

Um den Veröffentlichungstermin zum Schuljahresanfang 2013 nicht zu gefährden, hat man deshalb einen großen Teil der Spenden dazu verwendet, Content von der CK-12 Foundation zu lizenzieren und übersetzen zu lassen. CK-12 ist Anbieter freier, speziell für die Zielgruppe der 12- bis 16-Jährigen und für das Medium E-Book konzipierter Biologie-Schulbücher. Der US-Content bildet einen großen Teil des Schulbuches. Daher stehen die Texte des Schulbuches „Biologie“ unter der Creative-Commons-Lizenz „CC BY-NC-SA.“ Sie sind zwar prinzipiell frei, d.h., sie können kopiert, ausgetauscht, verändert, ergänzt werden. Sie dürfen aber nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Abbildungen stehen unter der Lizenz „CC BY-SA”.

Die zusätzliche Einschränkung im Sinne ausschließlich nichtgewerblicher Nachnutzung war ursprünglich nicht vorgesehen. Der NC-Zusatz für Texte soll nach und nach entfernt werden. Wedenig und Przyhodnik verweisen darauf, dass die Lizenzen kapitel- oder abschnittsweise definiert seien, so dass einzelne Teile in Zukunft ersetzt und unter eine freie Lizenz gestellt werden können. Schon bald soll die nächste Version des Buchs erscheinen, in dem ein komplettes Kapitel so verändert wird, dass es ohne „NC" auskommt. Zufrieden mit ihrem Ergebnis sind sie trotzdem. Sie haben gezeigt, dass man mit bereits im Netz vorhandenen Ressourcen und der Mitarbeit vieler Freiwilliger ein ganzes freies Schulbuch erstellen kann.

Schüler sollen das Buch auf Schulbuch-Hacking-Days erweitern
Als nächstes wollen Hans Wedenig und Heiko Przyhodnik verstärkt auch Schülerinnen und Schüler einbinden. Sie veranstalten im Herbst in Berlin mehrere Schulbuch-Hacking-Days, gefördert von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. In eintägigen Workshops wollen sie hier zu einzelnen Buch-Abschnitten mit den Schülern neue Inhalte entwickeln, unter anderem auch Videos, in denen Schüler sich gegenseitig Themen erklären, die sie sich zuvor erarbeitet haben. Die neuen Inhalte sollen direkt unter dem Titel „Von und für Schüler“ einen Zusatz zu den verschiedenen Themen des E-Books bieten und im Kontext des „SCHULBUCH-O-MAT“ veröffentlicht werden. Digitale, freie Schulbücher machen es möglich!

 

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 29.08.2013
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