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11. 04. 2013

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erkennen und Fördern hochbegabter Kinder

Der Entdeckertag in Rheinland-Pfalz

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"Säuren und Basen" ist nur eins der Themen des Entdeckertages

 

Das rheinland-pfälzische Projekt „Entdecken und Fördern hochbegabter Kinder in der Grundschule" fördert die besonderen Begabungen von Kindern im Elementar- und Primarbereich an einem wöchentlich stattfindenden Entdeckertag. Hier finden die Kinder geeignete Lernumgebungen, in der sich ihre Fähigkeiten entfalten und weiterentwickeln können.


Die Weichen für die Bildungschancen werden früh gestellt. Das gilt auch für Mädchen und Jungen mit besonderen Begabungen. Je früher diese entdeckt und gefördert werden, desto größer ist die Chance, dass sich ihre Fähigkeiten entfalten können. Das Modellprojekt „Entdecken und Fördern hochbegabter Kinder in der Grundschule", das das Land Rheinland-Pfalz seit dem Schuljahr 2004/2005 realisiert, hat sich dieses Anliegen zum Ziel gemacht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie den besonderen Fähigkeiten dieser Kinder im Unterricht angemessen begegnet werden kann. Als hochbegabt gelten im Rahmen dieses Projekts Kinder, die über außergewöhnliche, vielfältige und sehr hohe Potenziale in verschiedenen Leistungsfeldern verfügen. Rechtzeitig erkannt, verringert sich das Risiko, dass solche Potenziale einfach versanden.

Die Entdeckertagsgrundschulen

Handlungs- und Innovationsmittelpunkt des Projekts sind die so genannten Entdeckertagsgrundschulen. Ihnen kommt die Funktion eines Kompetenzzentrums für die frühe Hochbegabtenförderung zu. Gestartet ist das Projekt im Schuljahr 2004/2005 an der Grundschule Zweibrücken-Mittelbach. Nach der Projektimplementierung im Schuljahr 2007/2008 kamen vier weitere Entdeckertagsgrundschulen dazu, heute sind insgesamt 15 Grundschulen aktiv. Grund- und Vorschulkinder, deren Verhalten auf eine Hochbegabung im intellektuellen Bereich schließen lässt oder bei denen Eltern eine Hochbegabung im Hinblick auf die Lernbereiche Deutsch, Sachunterricht und Mathematik vermuten, können nach einem erfolgreich bestandenen Teilnahmeverfahren an einer der 15 Schulen einmal in der Woche am Entdeckertag teilnehmen. Die Umsetzung des Projekts erfolgt an den einzelnen Schulen eigenverantwortlich und in der Zuständigkeit des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Mainz. Die Arbeitsgruppe „Erkennen und Fördern hochbegabter Kinder im Elementar-/Primarbereich – Implementierung des Modellprojekts an weiteren Grundschulen” steuert den Entwicklungsprozess der frühen Hochbegabtenförderung.

Zwei Arbeitsgruppen

Der Entdeckertag findet an allen Entdeckertagsgrundschulen einmal in der Woche als Ganztagsangebot statt. Er wird von eigens geschulten Lehrkräften gestaltet. Die Kinder werden in zwei jahrgangsübergreifende Lerngruppen aufgeteilt. Die Gruppengröße entspricht mit 22 Kindern der Größe einer normalen Grundschulklasse. Kinder aus dem Elementar- und Primarbereich im Alter von fünf bis sieben bzw. acht Jahren bilden die erste Gruppe. In der zweiten Lerngruppe sind Kinder nur aus dem Primarbereich, sie sind zwischen sieben bis acht und zehn Jahren alt. An den übrigen Wochentagen besuchen die Kinder wie alle anderen den Unterricht in ihrer Regelklasse oder ihre Gruppe in der Kindertagesstätte, damit ihre sozialen Kontakte und die vertraute Umgebung erhalten bleiben.

Fächerübergreifendes und ganzheitliches Lernen

Am Entdeckertag werden insbesondere mathematische, sprachliche und naturwissenschaftliche Fähigkeiten gefördert, wobei die Aktivitäten im Sinne eines fächerübergreifenden und ganzheitlichen Lernens auch verschiedene musische und motorische Leistungs- und Betätigungsfelder enthalten. Die Förderung richtet sich also nicht ausschließlich auf die Kompetenzentwicklung in kognitiven Bereichen, sondern auch auf Methodenkompetenz und die Ausbildung von Persönlichkeitsmerkmalen sowie auf soziale Kompetenzen und Teamfähigkeit.

Ein mehrköpfiges Kompetenzteam, das sich aus mindestens vier Lehrkräften der Entdeckertagsgrundschule zusammensetzt, übernimmt die Aufgaben des Begabtenförderers. Ein Begabtenförderer versteht sich als Lerncoach mit Blick für die Stärken der Kinder, er regt an, steuert Lernentwicklungsprozesse und schafft die Basisgrundlagen für lebenslanges Lernen. Er erkennt und entwickelt das aktive, kreative und hinterfragende Mitdenken bei den Kindern. Individuelle Lernwege werden nicht nur zugelassen, sondern gezielt weiterentwickelt, eigenständiges und forschendes Lernen werden gefördert. Unterstützt werden die Lehrkräfte von außerschulischen Expert/innen, die wieder andere Wissens- und Handlungsspielräume für problemlösendes, forschendes, selbstständiges und kreatives Lernen eröffnen.

Vielfältige Themenauswahl
Die Inhalte des Entdeckertages nehmen auch auf die Interessen der Kinder Rücksicht und ermöglichen individuelles Arbeiten an individuell gewählten Aufgabenfeldern. In einer anderen Lernumgebung und im Erlernen und Anwenden von Formen weitgehend selbst gesteuerten, kreativen Lernens befassen sich die Kinder mit anspruchsvollen Aufgabenstellungen und Wissensinhalten, die ihnen in der Stammklasse so nicht begegnen. Die Themenbereiche sind bewusst nicht den Teilrahmenplänen Deutsch, Mathematik, Sachunterricht oder Fremdsprachen entnommen.

Der Vormittag eines „typischen“ Entdeckertages gestaltet sich über die Arbeit an gebundenen Themen aus den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften, Deutsch oder Sprachenlernen. Danach folgt eine Unterrichtseinheit „Forschendes Lernen an selbst gewählten Projekten“. Vorgeschlagene und selbst gewählte Projekte können zum Beispiel die Themenfelder Salze, Kohlenhydrate und Stärke, Säuren und Basen, Licht, Schwimmen und Sinken, Dinosaurier, die Geschichte des Fußballs, Kampfstrategien der römischen Legionäre, Klimawandel, Ökosystem Wald, das Einstein-Jahr, Steinzeitmenschen, Himmelskörper, Maschinen und vieles mehr sein. Die Lerneinheiten werden durch gestaltete Freizeitaktivitäten, Sport und Spiel ergänzt, es gibt ein gemeinsames Mittagessen. Nachmittags geht es dann meist mit Unterstützung von außerschulischen Expertinnen und Experten weiter. Die Lern-, Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Kindes wird in einem Portfolio dokumentiert.

Integrierende Begabungsförderung
Die Kinder nehmen „Aufgabenpakete” aus dem Entdeckertag mit in ihre Stammklassen und bearbeiten sie dort im „normalen” Unterricht weiter. Dies schafft pädagogische und fachliche Verbindungen zwischen den beiden Systemen, in die das organisierte Lernen der hochbegabten Kinder eingebunden ist. Mit dem Entdeckertag ist auch das übergeordnete Anliegen verbunden, andere Grundschulen zu inspirieren, das Unterrichtshandeln in ein begabungsförderndes, schulspezifisches Netzwerk zu integrieren, das der Lern- und Leistungsentwicklung von Kindern mit besonderem Potenzial zugute kommt. So soll die Begabtenförderung des Entdeckertages Innovationsmotor für jede Grundschule sein.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 11.04.2013
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