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08. 03. 2013

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Frauen sind besser ausgebildet, aber schlechter bezahlt

Frauen verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer

Bild

OECD-Studie „Closing the Gender Gap: Act Now“

Bessere Schulbildung und dennoch geringere Berufschancen und weniger soziale Sicherheit: Dieser Widerspruch kennzeichnet die Lage der Mädchen und Frauen in Deutschland. In keinem anderen europäischen Land ist der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern so ausgeprägt.


Seit über 100 Jahren wird jedes Jahr am 8. März der Internationale Frauentag gefeiert. In mehr als 150 Ländern ist er ein anerkannter Gedenk- und Aktionstag, in vielen Ländern sogar ein gesetzlicher Feiertag. In Deutschland wurde er 1911 auf Initiative der Sozialistin Clara Zetkin im Kampf für bessere Lebensbedingungen und Rechte von Frauen eingeführt. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, wie sehr Frauen damals in ihrer Freiheit eingeschränkt waren. Aber noch bis zum Jahr 1977 brauchte eine Frau, um einen Arbeitsvertrag abzuschließen, die Unterschrift ihres Ehemannes. In den vergangenen 100 Jahren haben Frauen viel erreicht und erkämpft. Im 21. Jahrhundert leben sie gleichberechtigt ‒ jedenfalls auf dem Papier.

Noch keine reale Gleichstellung erreicht
Trotz der Erfolge der Frauenbewegung ist die tatsächliche Gleichstellung von Männern und Frauen, so wie es Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes vorsieht, noch nicht realisiert. Das zeigt schon die Ungleichbehandlung bei der Entlohnung. In keinem anderen europäischen Land ist der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern so ausgeprägt wie in Deutschland. Die Studie „Closing the Gender Gap: Act Now“, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Dezember 2012 herausgebracht wurde, legt erneut offen, dass eine vollbeschäftigte Frau in Deutschland knapp 22 Prozent weniger verdient als ein Mann. Das ist eine deutlich größere Differenz als in den anderen OECD-Mitgliedstaaten. Hier liegt der Durchschnitt bei 16 Prozent.

Gute Ausbildung, schlechte Bezahlung
Dabei sind junge Frauen in Deutschland heute weit besser ausgebildet, als noch vor zwanzig Jahren. 27 Prozent der Frauen zwischen 25 und 34 Jahren haben einen Abschluss von einer Universität, einer Fachschule oder einen Meisterbrief ‒ das sind zwei Prozent mehr als bei den Männern. Trotzdem sind sie auf dem Arbeitsmarkt nicht so präsent wie diese. Nur 28 Prozent der deutschen Führungskräfte und weniger als vier Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder börsennotierter Unternehmen sind Frauen. 70 Prozent entscheiden sich außerdem nach wie vor für Abschlüsse in den meist schlechter bezahlten Branchen Gesundheits- und Sozialwesen.

Der Studie „Closing the Gender Gap: Act Now“ zur Folge ist etwa die Hälfte des starken Lohngefälles auf die verstärkte Teilzeitarbeit von Frauen zurückzuführen. Zwar liegt der Anteil der erwerbstätigen Frauen in Deutschland mit 68 Prozent über dem OECD-Durchschnitt von 60 Prozent. Doch arbeiten 62 Prozent der 25 bis 54-jährigen Frauen mit Kindern in Schule oder Ausbildung in Teilzeit. In Frankreich beispielsweise sind dies nur 26 Prozent. Da Teilzeitarbeit sich oft auch negativ auf das berufliche Weiterkommen auswirkt, ist die Lohnlücke bei den über 40-Jährigen drei Mal so hoch wie bei jüngeren Erwerbstätigen. Im Alter erhöht sich das geschlechtsbedingte Lohngefälle. Kürzere Beitragskarrieren, weniger Arbeitsstunden und niedrigeres Einkommen führen auch zu relativ niedrigen Renten. Deutschland hat das stärkste geschlechterbedingte Rentengefälle in der OECD. Frauen erhalten im Schnitt nur die Hälfte der durchschnittlichen Rente, die Männern ausbezahlt wird.
Es sei deshalb dringend zu empfehlen, so die Studie, das qualitativ hochwertige und erschwingliche Betreuungsangebot für Kinder auszubauen, um Frauen zu ermöglichen, voll in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Der Anteil der Kinder im Alter bis zu drei Jahren, die tagsüber betreut werden, ist mit 18 Prozent OECD-weit recht niedrig. Familienbedingte Erwerbspausen, die überwiegend Frauen in Kauf nehmen, bremsen die Karriere ebenfalls aus.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der „2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland“, den das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Ende Januar 2013 gemeinsam mit dem baden-württembergischen Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren vorgestellt hat und der von der Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz der Länder (GFMK) erstellt wurde. Er zeigt die Vielfalt wie auch die Potenziale auf, die bei der Verwirklichung einer tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern in den einzelnen Ländern und Kommunen zu beobachten wären. Anhand von 36 Indikatoren, wie beispielsweise Mandate in Länderparlamenten, Hochschul- oder Juniorprofessuren oder Teilzeitbeschäftigung, werden Status quo und mögliche Veränderungen dargestellt und damit die herrschenden Defizite sichtbar. Fortschritte gibt es beispielsweise bei der Beteiligung der Väter an der Elternzeit oder bei den Juniorprofessuren, Nachholbedarf weiterhin etwa beim Frauenanteil an Auszubildenden in technischen Ausbildungsberufen.

Equal Pay: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Aber selbst wenn Frauen typische Männerberufe ergreifen, verdienen sie im Schnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine spezielle Auswertung des WSI-Tarifarchivs auf der Grundlage der „LohnSpiegel"-Umfragedaten zeigt, dass der Unterschied bei Ingenieurinnen im Durchschnitt bei rund 17 Prozent liegt. Schon bei Berufsanfang verdienen Frauen um die 18,7 Prozent weniger. Frauenverbände fordern deshalb schon seit Jahren „Equal Pay" ‒ gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Der auf Initiative des Berufsfrauennetzwerkes Business and Professional Women (BPW) 2008 eingeführte „Equal Pay Day“ thematisiert diese bestehenden Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland. Das Datum des Aktionstages markiert jeweils den Zeitraum, den Frauen über das Jahresende hinaus arbeiten müssen, um auf das Vorjahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Deshalb findet der „Equal Pay Day“ im Jahr 2013 am 21. März statt. Die Durchführung des Aktionstags wird seit 2008 durch das BMFSFJ gefördert. Dr. Bettina Schleicher, Past-Präsidentin des BPW Germany und maßgeblich an der Einführung des „Equal Pay Day“ in Deutschland beteiligt, erhielt 2009 für ihr ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz. Für die Einführung des „Equal Pay Day“ in Deutschland erhielten die Initiatorinnen 2009 den Innovationspreis „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“.

Die nach wie vor bestehenden Diskriminierungen zeigen, dass der Internationale Frauentag auch heute immer noch notwendig ist, um frauenpolitische Rechte einzufordern. Trotzdem ist er auch ein Tag, an dem Frauen mit Stolz auf das bisher Erreichte zurückblicken und feiern können. In ganz Deutschland finden jährlich rund um den 8. März zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen statt.


Im Folgenden sind Dokumente, Pressemitteilungen und Stellungnahmen sowie Pressebeiträge rund um die OECD- Studie „Closing the Gender Gap: Act Now“ und den „2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland“ zusammengestellt.


Dokumente
Pressemitteilungen und Stellungnahmen
Pressebeiträge



Dokumente

OECD, 17.12.2012
Closing the Gender Gap: Act Now


OECD, 17.12.2012
Closing the Gender Gap: Act Now; Überblick


OECD, 17.12.2012
Closing the Gender Gap: Act Now; deutsche Zusammenfassung


OECD, 17.12.2012
OECD Gender Initiative


Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 24.01.2013
2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland; Überblick


Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 24.01.2013
2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland


Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 24.01.2013
2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland
Tabellenanhang mit Kreisdaten



Pressemitteilungen und Stellungnahmen


Betriebsrat, 18.12.2012
Gleich, ungleich, Deutschland


Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 24.01.2013
2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland veröffentlicht


Bündnis 90/Die Grünen, Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, 18.12.2012
Mehr Lohngerechtigkeit für Frauen


Deutscher Frauenrat, 24.01.2013
Fortschritte bei Väterbeteiligung - Rückschritte bei politischer Partizipation


Europäische Kommission
Das geschlechtsspezifische Lohngefälle


Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe, 24.01.2013
Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland


HelmholtzZentrum München, 24.01.2013
Neuer OECD-Bericht über die Gleichstellung der Geschlechter


IG Metall Netzwerk Chancengleichheit, 25.01.2013
2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland


Kompetenzzentrum, 25.01.2013
2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland veröffentlicht


Die Linke, 18.12.2012
Axel Troost: Mehr Bildung, weniger Lohn: Lücke zwischen Frauen und Männern schließt sich nur langsam


Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg 24.01.2013
2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland veröffentlicht


Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration
Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern


OECD, 17.12.2012
Lack of support for motherhood hurting women’s career prospects, despite gains in education and employment, says OECD


OECD, 05.03.2012
Der große Unterschied: Frauen in Deutschland verdienen ein Fünftel weniger als Männer


Scientifica - Portal für Frauen in Wissenschaft und Technik in Baden-Württemberg, 25.01.2013
2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland veröffentlicht


Der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, 19.12.2012
Aktuelle OECD-Veröffentlichung zur Gleichstellung der Geschlechter


Service- und Vernetzungsstelle für Gleichstellungsbeauftragte in RLP, 16.01.2013
OECD-Studie: Deutschland hat höchstes Rentengefälle


Service- und Vernetzungsstelle für Gleichstellungsbeauftragte in RLP, 30.01.2013
BMFSFJ: „2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland“


Statistisches Bundesamt, 19.12.2012
Gleichstellung der Geschlechter


UN Women, 24.01.2013
“2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland”


UN Women, 18.12.2012
Aktuelle OECD - Studie zu Gleichstellung der Geschlechter zeigt: Deutschland braucht UN Women!


Verband berufstätiger Mütter, 01.02.2013
Gleichstellung messen


Pressebeiträge

BildungsSpiegel, 17.12.2012
OECD: Junge Frauen - besser ausgebildet und dennoch auf dem Arbeitsmarkt unterrepräsentiert


BildungsSpiegel, 28.02.2013
Equal Pay Day: Frauen in Europa arbeiten 59 Tage »unentgeltlich«.


BPW Germany, 21.12.2012
Deutsche Frauen stark benachteiligt


BRANDaktuell, 11.01.2013
Bericht: OECD „Gleichstellung der Geschlechter - Zeit zu handeln“


Bayerischer Rundfunk, 17.12.2012
Deutschland hinkt hinterher


cecu.de, 18.12.2012
OECD-Studie: Frauen verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer


Deutsche Handwerkszeitung, 18.12.2012
OECD: Frauen verdienen ein Fünftel weniger als Männer


FAZ, 15.12.2012
In Deutschland verdienen Frauen deutlich weniger


Frankfurter Rundschau, 17.12.2012
Größte Rentenlücke für Frauen in Deutschland


manager magazin online, 17.12.2012
Lohngefälle zwischen Männern und Frauen


ntv, 17.12.2012
Frauen immer im Nachteil


n24, 17.12.2012
Besser ausgebildet - schlechter bezahlt


NWZ online, 18.12.2012
Deutsche Frauen stark benachteiligt


Spiegel Online, 17.12.2012
Studie zu Geburtenrückgang: Deutschland im Baby-Blues


stern.de, 17.12.2012
Frauen sind besser gebildet aber schlechter bezahlt


stern.de, 07.03.2012
Das deutsche Frauen-Dilemma


Süddeutsche.de, 17.12.2012
Deutschland auf den letzten Rängen


Süddeutsche.de, 18.12.2012
Deutschland ganz unten


taz, 17.12.2012
Gebildete Frauen, schlechter bezahlt


t-online, 17.12.2012
Deutschland hat die größte Rentenlücke in den OECD-Ländern


Welt Online, 17.12.2012
OECD-Studie: Renten von Frauen deutlich niedriger als von Männern


WDR, 18.12.2012
Kinderkriegen "unattraktiv"


Wirtschaftswoche, 18.12.2012
Drittletzter Platz für Deutschland bei Geschlechtergleichheit


Zeit Online, 14.01.2013
Fast drei Viertel der erwerbsfähigen Frauen haben einen Job


Zeit Online, 23.03.2012
"645 Euro Rente für Frauen sind nicht gerecht"

 

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 08.03.2013
© Innovationsportal

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