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11. 07. 2012

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Partnerschaften für die kulturelle Bildung

Das Programm „Kultur(t)räume – Frühkindliche Bildung kreativ“ in Sachsen

Bild

Im Museum; Quelle: Kultur(t)räume

Im Rahmen des sächsischen Programms „Kultur(t)räume – Frühkindliche Bildung kreativ“ entwickeln Projektteams, die aus einer Kultureinrichtung, einer Kindertagesstätte und einer Grund- oder Förderschule bestehen, aufeinander aufbauende kulturelle Bildungsangebote. Die Kinder sollen dadurch grundlegende ästhetische Erfahrungen machen und mehr Kontinuität im Bildungsübergang von der Kindertagesstätte zur Grundschule bzw. Förderschule erleben.


In der Kindertagesstätte Mottelerstraße in Leipzig machen sich die Kleinen auf den Weg. Gemeinsam mit den Kindern der Erich Kästner-Grundschule, ihren Lehrern und Erziehern und unter Anleitung der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, erforschen sie als RAUMPIONIERE die Gegend entlang der Georg-Schumann-Straße in Gohlis. Hier gibt es viele leer stehende und heruntergekommene Häuser, mit denen sich die Kinder vertraut machen und die sie auf ihre Art und Weise mit Hilfe verschiedener Medien verschönern und kinderfreundlicher machen.

Das Programm „Kultur(t)räume – Frühkindliche Bildung kreativ“

RAUMPIONIERE ist eins von acht Projekten, die im Rahmen des Programms „Kultur(t)räume“ durchgeführt werden. Das Programm – vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus ausgerichtet und von der Robert Bosch Stiftung gefördert – läuft von August 2011 bis Juli 2013 und entwickelt mit Hilfe der Projektteams, die aus einer Kultureinrichtung, einer Kindertagesstätte und einer Grund- oder Förderschule bestehen, aufeinander aufbauende kulturelle Bildungsangebote. Die Kinder sollen grundlegende ästhetische Erfahrungen im Bereich Kunst, Musik oder Darstellendes Spiel machen und so wichtige Kompetenzen wie Ausdrucksfähigkeit, Reflexionsfähigkeit und kritisches Urteilsvermögen erwerben, die zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Auf dem Wege der Kooperation zwischen Kindertagesstätte und Schule erleben sie außerdem eine Kontinuität im Bildungsübergang vom Elementar- in den Primarbereich.

Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Kitas verbessern
Hervorgegangen ist „Kultur(t)räume“ aus dem Vorläuferprogramm „LernStadtMuseum Sachsen“. In diesem haben Schüler/innen, Lehrer/innen, Erzieher/innen und Museumspädagog/innen gemeinsam Projekte entwickelt, die schulisches Lernen mit erlebnisorientiertem Lernen in einem Museum verbanden. So wurden die Kinder und Jugendlichen dazu angeregt, sich aktiv mit der Kultur und Geschichte ihrer Region auseinanderzusetzen, und das Museum bekam als außerschulischer Lernort mehr Gewicht.„Immer mehr drängte sich die Frage auf, warum es solche Projekte nicht schon für die Primarstufe gibt“, berichtet die Leiterin des Programms „Kultur(t)räume“ Nora Manukjan. Ein Programm für diese Zielgruppe zu entwickeln, könnte auch den so wichtigen Übergang von der Kita in die Grundschule verbessern helfen. Die dauerhafte Einbindung anderer Lernorte könnte dazu beitragen, Kindern Kontinuität im Bildungsübergang zu ermöglichen und ihnen die Schuleingangsphase zu erleichtern.
In Sachsen müssen die Grundschulen zwar bereits mit mindestens einer Kita eine Kooperationsverpflichtung eingehen, um die Übergänge für die Kinder besser zu gestalten. „Ein zusätzliches Projekt, in dem beide zusammenarbeiten, könnte die Kooperation aber weiterhin intensivieren“, ist Nora Manukjan sicher. Voraussetzung zur Bewerbung bei dem Programm „Kultur(t)räume“ war deshalb auch eine bereits bestehende Zusammenarbeit der Einrichtungen.

Ziel des Programms
Durch die Zusammenarbeit zwischen den Kulturinstitutionen und den Bildungseinrichtungen sollen dauerhafte Kooperationen mit außerschulischen Lernorten entwickelt werden, von denen beide profitieren: Auf der einen Seite erhalten die Bildungseinrichtungen Unterstützung durch die kreative Praxis und die Erfahrungen der Kultureinrichtungen auf dem Weg zu einem eigenen kulturellen Profil. Die Kultureinrichtungen andererseits lernen in der Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen die Anforderungen der Zielgruppen genauer kennen und können auf diese Weise die Attraktivität ihrer Angebote erhöhen.

Ausgewählte Projekte
Insgesamt haben sich rund 70 Teams beworben, von denen acht Projekte ausgesucht wurden. Die Projektteams erhalten maximal 12.000 Euro zur Umsetzung ihrer Projektideen. In einem Projekttagebuch begleitet und beobachtet jedes Team sein Projekt. Das Instrument dient der Dokumentation der eigenen Arbeit und hilft auch dabei, zurückliegende Prozesse zu reflektieren.

Idee und Umsetzung sind dabei von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. Neben dem Stadtprojekt RAUMPIONIERE in Leipzig gibt es beispielsweise das Projekt „Lebendige Geschichten“ im Kulturraum Vogtland – Zwickau, das gemeinsam mit der Kreisbibliothek Vogtlandkreis, der Grundschule Rosenbach und der Kita Mehlteuer durchgeführt wird. Hier steht die Lese- und Sprachförderung im Vordergrund. In einer Kulturwerkstatt, die mit der Einrichtung einer „Leseinsel“ einhergeht, wird ein neues Leseförderkonzept für kindgemäßes Lernen in der Kita bzw. mit offenen Unterrichtsformen in der Grundschule entwickelt und erprobt. In der „Leseinsel“ lernen die Kinder ein vielfältiges Medienangebot kennen und mit Literatur und Sprache spielerisch umzugehen. Sie werden dazu angeregt, die in den Büchern entdeckten Geschichten mit szenischen, bildnerischen und musikalischen Mitteln lebendig werden zu lassen.

Ziel des Projekts „Ein Baum erzählt: mit Musik, Tanz und darstellendem Spiel die Natur entdecken“ im Kulturraum Elbtal – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge wiederum ist es, mit Hilfe von Musik, Tanz und darstellendem Spiel neue Zugänge zu Natur- und Umweltthemen zu schaffen und diese fest in das Konzept des Kindergartens und der Grundschule einzubinden. Begleitet von einer Musikpädagogin werden dabei in der Altersgruppe der Vierjährigen die unterschiedlichen Facetten der Natur in allen Jahreszeiten musikalisch erlebbar gemacht und neue Sinneseindrücke geschaffen. Auch die Musiklehrerin der Grundschule nimmt teil und überträgt ausgewählte Inhalte in den eigenen Unterricht.
Ein weiterer Baustein des Projekts ist das Waldklassenzimmer. Die Friedrich-Märkel-Grundschule der Stadt Wehlen arbeitet nach einem Waldkonzept, und die Lehrer besuchen mit ihren Klassen einmal pro Woche das Waldklassenzimmer. Im Rahmen des Projekts erhalten auch die Vorschulkinder, die im laufenden Jahr in diese Schule kommen, die Möglichkeit, schon jetzt im Waldklassenzimmer aktiv tätig zu werden. Mit Unterstützung der Natur- und Umweltpädagogin gehen sie auf Entdeckungsreise in die Natur. Außerdem werden Naturereignisse ausgewählt und im Spiel dargestellt, so dass das Waldklassenzimmer auch zur Bühne wird. Von dem Geld, das das Team für sein Projekt bekommt, bilden sich die beteiligten Lehrkräfte und Erzieher musik- und naturpädagogisch fachlich weiter.

Die drei Wirkungsebenen des Programms
„Das Programm ist auf drei Wirkungsebenen hin ausgerichtet“, berichtet Nora Manukjan. „In erster Linie soll allen Beteiligten kulturelle Bildung ermöglicht werden. Darüber hinaus sollen die Multiplikatoren der beteiligten Einrichtungen qualifiziert werden. Dazu werden vier zentrale Fortbildungen angeboten, in denen die Beteiligten lernen, selbstständig kreative Bildungsangebote zu entwickeln und diese in den pädagogischen Alltag zu integrieren. Zudem geben die Fortbildungen den Teams auch die Zeit und den Raum, sich gegenseitig über ihre Projekte auszutauschen. Die dritte Wirkungsebene ist die Etablierung eines kulturellen Profils in den Bildungseinrichtungen. Jedem Team steht unterstützend ein Prozessbegleiter zur Seite, der dabei hilft, die eigenen Ziele zu erreichen.

Evaluation des Programms
Das Programm wird vom Institut für Forschung, Weiterbildung und Beratung der Evangelischen Hochschule Dresden evaluiert. Die Arbeitserfahrungen der Projektteams und die Ergebnisse des Programms werden nach Ende der Laufzeit in einer Publikation für die an Bildungspartnerschaften interessierte Fachöffentlichkeit aufbereitet.

 

 

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 11.07.2012
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