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23. 02. 2012

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Toleranz und Vielfalt stärken

Bundesprogramm fördert demokratische Bildung und Erziehung

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Das Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“ führt die beiden ehemaligen Programme „Vielfalt tut gut“ und „kompetent. für Demokratie“ unter einem gemeinsamen Dach weiter. Bund, Länder und Kommunen arbeiten zusammen an Handlungsstrategien, mit denen sie Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in Deutschland stoppen wollen. Lokale Aktionspläne, Modellprojekte sowie Beratungsnetzwerke werden dafür weiter ausgebaut.


Bürgerinnen und Bürger fühlen sich rechtsextremen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Tendenzen oft hilflos ausgeliefert. Gerade Jugendliche sind durch die Einflüsse rechtsextremistischer Organisationen oft auch gefährdet. Umso wichtiger ist es, ihnen die Werte eines demokratischen Miteinanders sowie Wege aufzuzeigen, wie sie sich wehren können. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat mit den Bundesprogrammen „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ und „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ in den vergangenen Jahren stark zur nachhaltigen Bekämpfung von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus und zur Stärkung der bildungspolitischen und pädagogischen Arbeit in diesem Bereich beigetragen.

Die Programme „Vielfalt tut gut“ und „kompetent. für Demokratie“
Das Programm „Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ wandte sich in den Jahren 2007 bis 2010 vor allem an Kinder und Jugendliche, rechtsextremistisch gefährdete junge Menschen, junge Migrantinnen und Migranten, aber auch an Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte sowie lokale Meinungsbildner und Entscheidungsträger. Im Rahmen des Programms wurden lokale, in der Verantwortung der Kommunen liegende Aktionspläne, sowie überregionale Modellprojekte, die die Themen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus aufgriffen und mit innovativen Ideen versuchten, sie zu bekämpfen, gefördert. Mit dem Bundesprogramm „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ ergänzte das Bundesfamilienministerium das Programm „Vielfalt tut gut.“ mit einem qualifizierten Beratungsteam, das die Bürger beriet und ihnen jederzeit beistand und ihnen weiterhalf.

Das Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“
Beide Programme sind Ende des Jahres 2010 ausgelaufen. Seit dem 1. Januar 2011 führt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Arbeit der beiden Bundesprogramme unter einem gemeinsamen Dach weiter. Das Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“ zielt darauf ab, die Bürger weiterhin zu stärken und ihren Einsatz für Vielfalt und Toleranz zu fördern. Bis 2013 stehen hierfür jährlich 24 Millionen Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. In Anlehnung an die vorherigen Programme werden die Lokalen Aktionspläne, die Modellprojekte sowie die Beratungsnetzwerke weiter gefördert. Bund, Länder und Kommunen arbeiten gemeinsam an Handlungsstrategien. Eine Evaluation durch das Deutsche Jugendinstitut soll zum nachhaltigen Erfolg des Programms beitragen.

Ausweitung der Lokalen Aktionspläne
Von den 90 Lokalen Aktionsplänen, die es zu Beginn des Programms bereits gab, werden 84 weiterhin gefördert, um die erworbenen Kenntnisse und aufgebauten Strukturen in den Regionen zu festigen. Außerdem werden 90 neue in der Förderperiode 2011 bis 2013 ins Leben gerufen und gefördert. Ein begleitendes Coaching unterstützt die Kommunen und ihre Partner bei der Entwicklung und Umsetzung.

Besonders dort, wo rechtsextreme Parteien starken Zulauf haben, viele Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund ausgeübt werden und es auch zahlreiche Freizeitangebote rechtsextremer Organisationen gibt, müssen demokratische Kräfte aktiv werden. Dort kann ein Lokaler Aktionsplan, der Vielfalt, Toleranz und Demokratie vor allem unter Jugendlichen stärken soll, Wege und Möglichkeiten aufzeigen. In diesem Fall arbeiten die Kommunen sehr eng mit lokalen Akteuren wie Kirchen, Vereinen und Verbänden, aber auch mit einzelnen engagierten Bürgerinnen und Bürgern zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Strategien, mit denen sie dort, wo sich viele Kinder und Jugendliche aufhalten, wie z.B. Schulen, Sportvereine oder Volksfeste, für Toleranz und Vielfalt werben können. Im Landkreis Bautzen beispielsweise hat sich die thematisch-inhaltliche Ausrichtung nach den Schwerpunkten Vernetzung/Beteiligung, Aufklärung/Bildung und Interkultur/Migration in den vergangenen Jahren bewährt. Im neuen Programm wird sie unter dem Begriff Demokratieförderung weiter geführt. Im baden-württembergischen Geislingen an der Steige wird der Lokale Aktionsplan unter dem Titel „Wir schaffen VERSTÄNDNIS“ vorgestellt. Dort werden freie Träger motiviert und aufgefordert, sich für Projekte zu bewerben.

52 Modellprojekte werden gefördert
Darüber hinaus fördert das laufende Bundesprogramm 52 Modellprojekte. Diese können sich auf ein Bundesland beschränken, aber auch bundesweit oder länderübergreifend umgesetzt werden. Gemeinsam haben alle Projekte, dass sie neue Ideen und Methoden in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus entwickeln und erproben, mit denen das demokratische Bewusstsein in der Bevölkerung gestärkt und ein vielfältiges gesellschaftliches Zusammenleben gefördert werden kann. Die 52 Projekte, die mit Hilfe von Experten aus insgesamt 181 Projekten ausgewählt wurden, werden in vier Themenclustern gefördert: Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus (Cluster I), Auseinandersetzung mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen (Cluster II), Zusammenleben in der Integrationsgesellschaft (Cluster III) und der Umgang mit Vielfalt und Differenz im Elementar- und Primarbereich (Kindergarten und Schule) (Cluster IV).

Hauptziel des Modellprojektes Berlin: HaKo_reJu (Cluster II) beispielsweise ist die Entwicklung eines Handlungskonzeptes, durch das Haupt- und Ehrenamtliche in der Jugendarbeit befähigt werden, mit rechtsaffinen Jugendlichen in ihren Einrichtungen zu arbeiten, um so den demokratischen Konsens zu stärken bzw. wiederherzustellen. Das Projekt „Nachbar? – Machbar!“ in Solingen (Cluster III) möchte das Miteinanderleben unterstützen, indem es Jugendlichen zwischen 15 und 28 Jahren aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus die Gelegenheit bietet, sich als PEER-Mediatoren/innen (Konfliktvermittler/innen) ausbilden zu lassen, um anschließend bei Bedarf im Stadtteil und der nahen Umgebung zum besseren interkulturellen Miteinander beizutragen. Ziel des Modellprojekts „ORTSBEGEHUNG - Stadtrecherchen zu Shoah und Täterschaft“ (Cluster I) in Potsdam wiederum ist die Förderung lokaler Auseinandersetzung mit NS-Täterschaft und Antisemitismus. Dafür werden Bildungsbausteine für die Arbeit mit Schülern aus Brandenburg und Sachsen zur Auseinandersetzung mit Shoah und Täterschaft in der lokalen Stadtgeschichte entwickelt und erprobt. Im Mittelpunkt der Recherchearbeiten stehen die beiden didaktischen Fragen „Auf welche Art waren Menschen in meiner Stadt an der Shoah beteiligt?“ und „An welchen Aspekten der Stadtgeschichte lässt sich die Systematik der Vernichtung erkennen?“ Die Modellprojekte können bis zu drei Jahre mit maximal 100.000 Euro pro Jahr gefördert werden. Das „Univation - Institut für Evaluation“ führt außerdem eine wissenschaftliche Begleitung der Modellprojektaktivitäten durch.

Ein Beratungsnetzwerk wird etabliert

Zusätzlich zu den Modellprojekten und lokalen Aktionsbündnissen wird im Rahmen des Bundesprogramms in jedem Bundesland eine Landeskoordinierungsstelle eingerichtet. Sie verfügt über alle Adressen der im jeweiligen Bundesland vorhandenen Einrichtungen und Fachkräfte und hat die Aufgabe, eine landesweite kompetente Beratung und Unterstützung zu errichten, die Betroffenen, aber auch den vor Ort zuständigen Ansprechpartnern in Krisensituationen schnell und zuverlässig hilft. Die Landeskoordinierungsstelle steuert und verknüpft alle Ressourcen und Hilfsangebote zu einem Beratungsnetzwerk. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiierte und förderte im Zeitraum von 2007 bis 2010 mit dem Programm „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ den Aufbau von Beratungsstrukturen in den Bundesländern, so dass sich bereits in jedem Bundesland ein Beratungsnetzwerk etablieren konnte. In jedem Bundesland gibt es Experten aus der Jugendsozialarbeit, der Polizei, der Justiz, der Psychologie, der Wissenschaft, den Kirchen, den Ämtern und Ministerien, die sich auf die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus spezialisiert haben. Entsteht irgendwo im Bundesland eine Notlage, kann die Landeskoordinierungsstelle aus ihnen schnell ein mobiles Interventionsteam erstellen, das in der akuten Situation hilft, aber auch nach langfristigen Lösungen sucht.

Im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“ soll die qualitative Beratungstätigkeit noch weiter ausgebaut werden. Modulare Weiterbildungsangebote für Beraterinnen und Berater sowie Qualitätsentwicklung und -dokumentation stehen dabei im Vordergrund. Das neue Bundesprogramm unterstützt die Beratungsnetzwerke der Bundesländer im Förderzeitraum von 2011 bis 2013 mit bis zu 250.000 Euro pro Jahr.


Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 23.02.2012
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