DIPF-Logo

Deutscher Bildungsserver

Innovationsportal

Suche




Hier beginnt der Inhalt:

20. 01. 2012

 

  • Diese Seite posten:
  • Edutags-Logo
  • g+
  • Twitter-Logo
  • Facebook-Logo
  • Delicious-Logo

Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Warum Vulkane Feuer spucken“

Das Projekt „Kinderuni“ feiert 10jähriges Jubiläum

Bild

Kinder in der Uni

Im Jahr 2002 wurde die erste Kinderuni an der Universität Tübingen ins Leben gerufen. Sie wurde zum Erfolgsmodell. Seitdem sind an vielen Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland und im Ausland Kinderuniversitäten entstanden. Jahr für Jahr bieten sie Vorlesungen an, die den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern Antworten auf viele ihrer „Warum“-Fragen geben.



Vor fast genau zehn Jahren fing alles an. Am 18. Mai 2002 rief das Schwäbische Tagblatt den Start der ersten Kinderuni an der Universität Tübingen aus. Von „echten“ Professoren wurden an der Universität Tübingen Vorlesungen ausschließlich für Kinder gehalten. Die Grundidee stammte von den beiden Tagblatt-Journalisten Ulla Steuernagel und Ulrich Janssen, die gemeinsam mit dem Pressesprecher der Universität, Michael Seifert, das Projekt Kinderuni entwickelt haben. Geplant waren zunächst acht Vorlesungen in den Monaten Juni und Juli 2002, die immer dienstags um 17 Uhr bzw. um 17.15 Uhr gehalten wurden. Die erste Veranstaltung führte Professor Dr. Gregor Markl durch. Er ging vor 400 Kindern der Frage nach, warum Vulkane Feuer spucken. Die zweite Veranstaltung von Prof. Nicholas Conard vom Institut für Ur- und Frühgeschichte zum Thema, warum aus Affen Menschen wurden, besuchten gut 900 Kinder.

Der Kinderuni-Boom
Seitdem entstanden allein in Deutschland an mehr als 50 Universitäten und Fachhochschulen Veranstaltungen, die Kindern die Wissenschaft einfach und verständlich vermitteln wollten. Nach dem PISA-Schock Ende 2001 stieß die Idee der Kinderuni in Deutschland auf sehr großes Interesse. Kinder für die Wissenschaft zu begeistern, ihnen zu vermitteln, dass Wissen Spaß macht und gleichzeitig an den Hochschulen mehr Verständnis für die Wissensvermittlung zu wecken, schien vielen Universitäten so attraktiv, dass sie ihre Tore öffneten. Auch im Ausland wurde die Idee aufgegriffen. In Österreich, der Schweiz, in Italien, in der Slowakei, auch in Kolumbien, England und Liechtenstein entstanden Kinderunis.

Die größte und umfangreichste Kinderuni im deutschsprachigen Raum ist heute die Kinderuni Wien, die im Jahr 2003 gegründet wurde. Mit 3500 teilnehmenden Kindern und 380 Lehrveranstaltungen innerhalb von zwei Wochen in den Sommermonaten stellt sie das umfangreichste Programm auf die Beine.

Vorlesungen für Acht- bis Zwölfjährige
Die Vorlesungen sind in der Regel für alle Kinder offen, richten sich aber in erster Linie an die Acht- bis Zwölfjährigen. Einige Kinderunis, wie zum Beispiel die Junge Uni Innsbruck, bieten auch Veranstaltungen für jüngere Kinder und Jugendliche an. An der JuniorUni Graz gibt es Veranstaltungen für Jugendliche im Alter zwischen 10 und 18 Jahren. Um es für die Kinder so „echt“ wie möglich zu gestalten, vergeben die meisten Kinderuniversitäten Teilnahmeausweise oder Studentenausweise und zum Abschluss gibt es auch Scheine, die allerdings nicht benotet werden. Hin und wieder werden auch Kinderdiplome ausgestellt. Für jede besuchte Vorlesung gibt es einen Stempel.

Die meisten Kinderuniversitäten bieten einstündige Vorlesungen an. Manchmal werden diese durch Experimente, Versuche oder auch Showeinlagen anschaulich ergänzt. Bei diesen offenen Vorlesungen ist eine Besucherzahl von mehreren hundert oder gar tausend Kindern keine Seltenheit, bei Seminaren oder Workshops, die an einigen Kinderunis zu bestimmten Fragestellungen abgehalten werden, ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Eltern sind in der Regel nicht zugelassen. Manchmal können sie außerhalb des Hörsaales an Bildschirmen der Vorlesung zuschauen.

Unterschiedliche Abläufe
Unterschiedlich gehandhabt wird von den Kinderunis, wie oft und wann sie ihre Veranstaltungen anbieten. An einigen Unis finden sie nur zu bestimmten Zeiten im Jahr statt, andere versuchen, das ganze Jahr über Vorlesungen für Kinder zu halten. An der Kinderuni Augsburg beispielsweise sind jedes Semester fünf Samstage für die Kinder-Studenten vorgesehen, an der Kinderuniversität in Köln wird nur einmal im Jahr eine Kinderuniversität arrangiert, dafür kann man aber einen Monat lang insgesamt rund 70 Vorträge und Experimente besuchen. In Erfurt gibt es ein ganzes Semester lang Vorlesungen für Kinder. Hier werden Antworten gegeben auf Fragen wie „Wie funktioniert Sehen?“, „Wie wird Politik gemacht?“ oder „Aus was besteht eigentlich die Erde?“. Und an der Kinderuni Ravensburg-Weingarten stehen Dozenten und Professoren jedes Semester zehnmal vor ihren jungen Studenten. Bei den Vorlesungen geht es um Biologie, Geographie, Technik und Wirtschaft.

Auszeichnungen für die Vorreiterin Kinderuni Tübingen
Die Kinderuni Tübingen versucht in jedem Semester eine große Lehrveranstaltung pro Woche anzubieten, damit die Kinder regelmäßig mit der Universität in Kontakt bleiben. Für ihre Pionierarbeit erhielt die Universität Tübingen im Jahr 2003 den PR-Fuchs, die Auszeichnung des Vereins „ProWissenschaft“ für die kreativste PR-Aktion einer deutschen Hochschule. Im Jahr 2005 erhielt die Kinderuni Tübingen den Descartes-Preis in der Kategorie Wissenschaftskommunikation. Der Descartes-Preis ist die höchste Auszeichnung für wissenschaftliche Projekte, die die Europäische Union vergibt. Dotiert ist er mit insgesamt 250.000 Euro, die Kinderuni erhielt 50.000 Euro. Im September 2009 erhielten die Initiatoren der ersten Kinderuniversität in Tübingen, Ulrich Janßen und Ulla Steuernagel, das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Schon früh begann die Universität Tübingen andere Universitäten, die eine Kinderuniversität gründen wollten, zu beraten. Für die meisten Professoren ist es eine neue Situation, vor mehreren hundert Kindern zu stehen. Tipps, damit die Vorlesung für alle eine Bereicherung wird, sind deshalb vielerorts willkommen. Ulrich Janßen und Ulla Steuernagel beraten Kinderunigründer auf ihrem Weg. Sie empfehlen beispielsweise, das Thema einer „Warum“-Frage unterzuordnen, da diese zielgerichtet sind und einen roten Faden enthalten. Auch sollte der Dozent von Assistenten unterstützt werden, die die Anmoderation übernehmen, Unruheherde im Blick und die Technik im Griff haben. Wichtig ist es auch, die Technik vor einer Veranstaltung gut zu prüfen, die Vorlesung nicht länger als 30 bis 45 Minuten abzuhalten, und den Vortrag anschaulich, aber nicht zu interaktiv zu gestalten, nicht zu viele Medien zu benutzen, einen Spannungsbogen aufzubauen und Fachbegriffe zu erklären.

Kinderunis sind auch als (Hör-)Buch erhältlich
Damit die Kinder zu Hause das gerade erworbene Wissen vertiefen können und auch Kinder davon erfahren, die nicht die Gelegenheit hatten, die Vorlesungen zu besuchen, sind viele Vorträge als Bücher und Hörbücher erhältlich. Die drei Kinderuni-Bücher von Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen, in denen die Autoren die Vorlesungen der Kinderuni Tübingen aus den ersten Jahren zusammengefasst und vertieft haben, wurden auf Anhieb Bestseller und in 13 Sprachen übersetzt. Die Autoren wurden für den Jugendliteraturpreis nominiert und mit dem Internationalen Buchpreis Corine ausgezeichnet. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe Kinderuni-Bücher von unterschiedlichen Autoren, die beliebte Kinderfragen aufgreifen und amüsant und anschaulich präsentieren, wie zum Beispiel „Ritter durften noch rülpsen“ von Susanne Mutschler, „Warum sind die Dinosaurier ausgestorben?“ von Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen oder „Warum sind die Heiligen heilig“ von Volker Ufertinger. Viele von ihnen sind auch als Hörbuch erhältlich.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 20.01.2012
© Innovationsportal

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion von Bildung + Innovation erlaubt.

Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.

Links zum Thema