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05. 01. 2012

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Grundschüler lernen begeistert Musikinstrumente

„Jedem Kind ein Instrument“ ergänzt den Musikunterricht an den Grundschulen

Bild

Ein kunterbuntes Ensemble; Quelle: Jedem Kind ein Instrument

Mit dem Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ soll allen Kindern des Ruhrgebiets ermöglicht werden, ein Musikinstrument ihrer Wahl zu erlernen. Der Unterricht findet in ihrer Grundschule statt und wird gemeinsam von Grund- und Musikschullehrern durchgeführt. Das gemeinsame Musizieren steht im Vordergrund.


Ein- bis zweimal in der Woche nehmen die Schülerinnen und Schüler vieler Grundschulen im Ruhrgebiet an dem Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ teil. In diesem besonderen Musikunterricht bringen ihre Lehrerin bzw. ihr Lehrer und ein weiterer Musiklehrer/eine Musiklehrerin ihnen ein Instrument ihrer Wahl bei. Viele von ihnen beherrschen ihr Instrument mittlerweile schon recht gut. „Am tollsten finde ich, wenn wir alle zusammen in dem Orchester Kunterbunt spielen“, schwärmt die neunjährige Alina.

Jedem Kind ein Instrument
Das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi) startete 2003 in Bochum als Kooperation der städtischen Musikschule, der Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand e.V. und der Grundschulen. Das gemeinsame Ziel war, alle Grundschulkinder gegen eine geringe finanzielle Beteiligung die Welt der Musik entdecken und ein Instrument erlernen zu lassen. Denn der Erwerb musikalischer Fähigkeiten fördert auch die Persönlichkeitsentwicklung und das Sozialverhalten, die Wahrnehmungs- und die Koordinationsfähigkeiten. Das Projekt richtet sich deshalb vor allem auch an Kinder aus bildungsfernen oder finanzschwachen Familien. Eine Beitragsbefreiung ist grundsätzlich möglich.

Als sich herausstellte, dass das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt 2010 wird, beschlossen die Kulturstiftung des Bundes und das Land Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der Zukunftsstiftung Bildung, das Projekt auszudehnen. Im Schuljahr 2007/2008 startete das Programm für eine Dauer von vier Jahren im ganzen Ruhrgebiet. Seit dem Schuljahr 2011/12 hat das Land Nordrhein-Westfalen mit rund 10 Millionen Euro im Jahr die alleinige Förderung übernommen. Mit den von den Eltern geleisteten Teilnahmebeträgen und den Beiträgen der Kommunen sind die Kosten für die Musikschullehrkräfte gedeckt. Die Kommunen werben außerdem Spenden in Höhe von 50 Prozent der Instrumentenkosten ein. Bundespräsident Christian Wulff unterstützt das Programm als Schirmherr.

Die Aufgaben der Stiftung
Die Stiftung „Jedem Kind ein Instrument“ ist Trägerin des Programms. Sie gibt die Gelder an die Musikschulen weiter und berät die Musikschulen des Ruhrgebiets bei der Umsetzung des Programms vor Ort. Auch übernimmt sie Aufgaben wie die Erstellung von Informationsmaterialien, die Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien sowie die Fortbildung der Lehrkräfte der Musik- und Grundschulen. Musik- und Grundschullehrer führen das Projekt an den Schulen als Tandem gemeinsam durch. In den Fortbildungen werden sie auf die Planung und Gestaltung der Musikstunde vorbereitet, in der die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen individuell gefördert werden sollen.

Die Hauptaufgabe der Stiftung ist es, die Grundschulen bei dieser Herausforderung zu unterstützen. Mittlerweile nehmen in 42 Kommunen des Ruhrgebiets 686 Grund- und Förderschulen mit 56 Musikschulen in kommunaler und freier Trägerschaft an dem Projekt teil und jedes Jahr kommen weitere Schulen und neue Kinder hinzu.

Musikpädagogische Grundlagen
„Jedem Kind ein Instrument“ ergänzt den Musikunterricht an den Grundschulen und kann zusätzlich zum regulären Musikunterricht in den Unterrichtskanon aufgenommen werden. Im ersten Schuljahr nehmen alle Kinder der beteiligten Grundschulen an dem Projekt teil. Sie erhalten von den Musikschul- und Grundschullehrkräften einmal in der Woche eine Stunde lang eine spielerische Einführung in die Musik. Es wird viel gesungen, getanzt und musiziert und im „Spiel“ erlernen die Kinder die musikalischen Begriffe Parameter, Metrum, Rhythmus, Tonhöhen und Melodien. Dann bekommen sie mindestens 16 verschiedene Instrumente vorgestellt – Gitarre, Geige, Blockflöte, Querflöte, Klarinette, Akkordeon, Bratsche, Cello, Kontrabass, Horn, Trompete, Posaune, Baglama, Bouzouki, Mandoline und Schlaginstrumente – von denen sie eins auswählen können. Der Unterricht in der ersten Klasse ist kostenfrei.

Ab der zweiten Klasse erhalten die Grundschülerinnen und -schüler ihr gewähltes Musikinstrument als kostenlose Leihgabe für den Unterricht und für das Üben zu Hause. Die Instrumente sind auf die Größe der Kinder abgestimmt. Einmal in der Woche haben sie in den Räumen der Grundschule in kleinen Gruppen von durchschnittlich fünf Kindern Unterricht. Ab und zu findet der Unterricht in gemischten Kleingruppen statt, d.h. Kinder, die Geige lernen, üben dann beispielsweise gemeinsam mit denen, die Klarinette spielen. Der Unterricht kostet im zweiten Schuljahr 20 Euro, im dritten und vierten Schuljahr 35 Euro pro Kind.

Das Ensemble Kunterbunt
Von der dritten Klasse an kommt in einer weiteren Stunde zum Instrumentalunterricht das Zusammenspiel im Schulorchester Ensemble Kunterbunt hinzu. Alle Dritt- und Viertklässler üben in diesem „kunterbunten Ensemble“ auf ihren Instrumenten gemeinsam Stücke ein. Durch dieses gemeinsame Musizieren - das aufeinander hören und das Gestalten gemeinsamer Stücke - gelangen sie zu noch mehr musikalischer und sozialer Kompetenz. Außerdem motiviert es sie für den instrumentalen Gruppenunterricht.
Die ersten Lieder und Instrumentalstücke führen die Schülerinnen und Schüler beim alljährlichen Abschlussvorspiel ihren Familien, Freunden und Bekannten vor.

KinderOrchesterRuhr
Außerdem sind natürlich alle Kinder, die im Rahmen von Jeki ein Instrument erlernen, dazu eingeladen, beim KinderOrchesterRuhr teilzunehmen. Das KinderOrchesterRuhr ist eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und steht seit März 2008 ebenfalls unter dem Dach der Stiftung „Jedem Kind ein Instrument“. Ziel ist die Förderung engagierter Nachwuchsmusikerinnen und -musiker. In seiner Zielsetzung bildet das KinderOrchesterRuhr eine Ergänzung des Programms „Jedem Kind ein Instrument“ im orchestralen Bereich. Es führt den Grundgedanken von JeKi fort und fördert die soziale Integration aller gesellschaftlichen Gruppen.

Bundesweites JeKi-Netzwerk
Das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ ist so überzeugend, dass es mittlerweile auch auf andere Bundesländer ausstrahlt. Das Projekt wird auch in Hamburg, Hessen und Sachsen durchgeführt. Die Initiativen haben sich jetzt zu einem losen Netzwerk zusammengeschlossen. Sie treffen sich zweimal im Jahr zum Austausch von Gedanken und Erfahrungen. Außerdem haben sie gemeinsame Grundsätze erarbeitet, an denen sich alle Mitglieder des Netzwerks orientieren können.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die wissenschaftliche Evaluation der Programme „Jedem Kind ein Instrument“ im Ruhrgebiet und in Hamburg. Diese beiden Bundesländer wurden ausgewählt, weil beide sehr hohe Teilnehmerzahlen haben und ihre Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind. Das Ministerium sieht dadurch die Möglichkeit, die empirische Bildungsforschung im musikpädagogischen Bereich voranzubringen. Das Forschungsprogramm ist zunächst auf vier Jahre angelegt. 25 Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen (Musikpädagogik, Musikwissenschaft / Musikpsychologie, Psychologie, Erziehungswissenschaft) sind beteiligt. Untersucht werden Fragen in Bezug auf die individuelle Förderung der JeKi-Kinder, die Kooperationsstrategien der an JeKi Beteiligten, Transfereffekte von Instrumentalunterricht, die Möglichkeiten kultureller Teilhabe im JeKi-Kontext, Auswirkungen von JeKi auf Musikpräferenzen und den Einfluss des Instrumentalunterrichts auf das emotionale und kognitive Verhalten der Schülerinnen und Schüler.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 05.01.2012
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