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13. 10. 2011

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Mir gefällt, dass ich eine so motivierte und interessierte Mentee habe“

CyberMentorinnen stehen MINT-interessierten jungen Mädchen beratend zur Seite

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Bioinformatikerin Dr. Antje Wollherr

CyberMentor ist ein E-Mentoring-Programm für Mädchen zur Steigerung des Interesses und der Beteiligung am MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), das seit 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen von „Komm, mach MINT“, dem nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen, gefördert wird. Die Online-Redaktion sprach mit Dr. Antje Wollherr über die Ziele des Programms und ihre Aufgaben als Mentorin.


Online-Redaktion: Wie kamen Sie auf die Idee, eine CyberMentorin zu werden?

Wollherr: Ich habe von diesem Programm über die Online-Zeitung der Informatica Feminale erfahren, in der eine Ankündigung zur letzten CyberMentor-Runde veröffentlicht wurde. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich aber gerade kurz vor der Promotion, so dass ich mir einfach den Link gemerkt habe und mich für die aktuelle Runde beworben habe. Ich bin jetzt seit Anfang des Jahres CyberMentorin. Während meiner Schulzeit und Studienzeit habe ich nicht von solchen oder ähnlichen Mentoring-Programmen erfahren, was ich sehr schade finde. In meinem Umfeld war ein Austausch über berufliche Werdegänge nur bedingt möglich und oftmals hätte ich mir jemanden gewünscht, der mir mal einen Rat gibt oder einen anderen Blickwinkel aufzeigt. Jetzt möchte ich meine Erfahrungen mit einer naturwissenschaftlich interessierten Schülerin teilen und damit zeigen, dass es Frauen gibt, die im MINT-Bereich tätig sind.

Online-Redaktion: Welche Ziele verfolgt das Projekt CyberMentor und seit wann besteht es?

Wollherr: CyberMentor ist ein E-Mentoring-Programm für Mädchen zur Steigerung des Interesses und der Beteiligung am MINT-Bereich. Neben den kurzfristigen Zielen, wie dem Abbau von Vorurteilen und Ängsten in Bezug auf den MINT-Bereich u. a. durch die Mentorinnen als weibliche Rollenmodelle, sollen langfristig die Beteiligungsraten von Mädchen und Frauen an MINT-Berufen gesteigert werden. Das Projekt wurde 2005 von Prof. Dr. Albert Ziegler (Universität Ulm) und Prof. Dr. Heidrun Stöger (Universität Regensburg) gestartet. Bis 2008 war es lokal auf Baden-Württemberg begrenzt. Im März 2009 wurde das Programm erstmals deutschlandweit angeboten. Aktuell läuft die dritte deutschlandweite Runde mit 800 Mentoring-Paaren.

Online-Redaktion: Wer ist für das Programm verantwortlich?

Wollherr: Seit 2008 fördert das BMBF CyberMentor im Rahmen von „Komm, mach MINT“, dem nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen. Projektverantwortlich sind Prof. Dr. Heidrun Stöger vom Institut für Pädagogik der Universität Regensburg sowie Prof. Dr. Albert Ziegler vom Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm.

Online-Redaktion: Wer kann CyberMentor werden, und welches sind die Aufgaben eines CyberMentors?

Wollherr: Akademikerinnen, die im MINT-Bereich tätig sind oder Studentinnen im fortgeschrittenen Abschnitt ihres Studiums können Cybermentorin werden. Die Hauptaufgabe einer Cybermentorin besteht darin, regelmäßigen E-Mail-Kontakt mit ihrer Mentee zu pflegen. In der Regel schreibt man sich wöchentlich und sollte sich mindestens 15 Minuten dafür Zeit nehmen. Die Inhalte sind natürlich nicht vorgeschrieben und individuell mit der Mentee und ihren jeweiligen Interessen abzustimmen, aber MINT sollte zum Beispiel durch die Vorstellung des eigenen Werdegangs oder die Beschreibung des Berufsalltags vertreten sein. Allerdings muss auch unterschieden werden, wie alt die Mentee ist. Für jüngere Mentees (12-14 Jahre) ist die spätere Berufswahl sicher noch nicht so sehr entscheidend, dafür aber das Schreiben über und die Begeisterung für MINT-Themen, während ältere Mentees sich sehr wohl schon damit auseinandersetzen, welcher Beruf für sie in Frage kommt. Als Mentorin sollte man der Mentee beratend zur Seite stehen und Interesse an MINT wecken bzw. fördern, aber eine Mentorin ist zum Beispiel nicht dafür verantwortlich, der Mentee den richtigen Studienplatz zu suchen oder andere Entscheidungen für die Mentee zu treffen.

Online-Redaktion: Wie werden die Mentoring-Paare gebildet?

Wollherr: Bei der Anmeldung geben die Schülerinnen an, für welchen MINT-Bereich sie sich vor allem interessieren und was sie für Hobbys haben. Die Mentorinnen geben an, in welchem Bereich sie tätig sind, ob das Alter der Mentee eine Rolle spielt und ebenfalls welche Hobbys sie haben. Das Matching erfolgt dann vorrangig nach den übereinstimmenden MINT-Bereichen und gegebenenfalls nach weiteren Kriterien, wie den Hobbys. Meine Mentee hat Biologie und Informatik als Interessen angegeben, und ich selber bin Bioinformatikerin, also hat die Zuordnung sehr gut gepasst.

Online-Redaktion: In welcher Form bekommen die Mentorinnen Unterstützung vom CyberMentor-Team?

Wollherr: Die Unterstützungen vom CyberMentor-Team für Mentorinnen sind vielfältig. Vor Beginn jeder Runde werden in verschiedenen Städten Schulungen angeboten, bei denen man das CyberMentor-Team und andere Mentorinnen kennenlernen kann. Es geht dann zum Beispiel darum, das CyberMentor-Programm näher kennenzulernen, zu erfahren, wie man eine erfolgreiche Mentoring-Beziehung aufbaut und aufrechterhält. Im späteren Verlauf werden von CyberMentor Treffen organisiert, zu denen Mentees und Mentorinnen eingeladen werden. Dort haben die Mentorinnen im Idealfall die Möglichkeit, ihre eigene Mentee, aber natürlich auch andere Mentees und Mentorinnen kennenzulernen. Im Rahmen eines Workshops besteht für Mentorinnen die Möglichkeit, sich noch einmal Anregungen und Tipps zu holen, um das Mentoring erfolgreich weiterführen zu können.
Parallel dazu gibt es im CyberForum, der Internetcommunity für alle Mentoring-Paare, einen speziellen Bereich nur für Mentorinnen sowie regelmäßige Chatsprechstunden. Über das CyberForum erreicht man auch die Projektverantwortlichen, die kompetent und schnell Fragen beantworten.

Online-Redaktion: Welchen Beruf üben Sie aus, und welche Tipps geben Sie Ihrer Mentee? Wie begleiten Sie sie?

Wollherr: Ich bin promovierte Bioinformatikerin und arbeite als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Da meine Mentee erst 14 Jahre alt ist, schreiben wir weniger über meinen Berufsalltag, als vielmehr über gemeinsame MINT-Interessen. Sie hat schon erste Programmiererfahrungen in der Schule gemacht, so dass wir inzwischen kleinere Programme gemeinsam entwickeln. Ich erkläre ihr viel dazu, und sie fragt auch viel nach, so dass ein reger Austausch stattfindet. Sie hat außerdem Interesse daran, über die „CyberMentor-Schule“ am Informatik-Biber, einem Informatikwettbewerb für Schülerinnen und Schüler, teilzunehmen, so dass wir aktuell die Aufgaben des letzten Jahres nach und nach besprechen. Sobald der Wettbewerb vorbei ist, möchte ich auch gerne noch etwas zum Thema Bioinformatik einbringen, damit das Mentoring nicht zu informatiklastig und damit einseitig wird. Da meine Mentee in eine andere Stadt zum diesjährigen Treffen gefahren ist als ich, konnten wir uns noch nicht kennenlernen. Ich habe sie deshalb eingeladen, das Universum in Bremen mit mir zu besuchen. Darauf freue ich mich schon ganz besonders, weil es zwar schön ist, sich zu schreiben und über die Entfernung auch nicht möglich wäre, sich regelmäßig zu treffen, aber ein persönliches Treffen noch einmal eine ganz andere Qualität für beide Seiten mit sich bringt.

Online-Redaktion: Was gehört für die teilnehmenden Schülerinnen darüber hinaus noch zum Programm?

Wollherr: Die Schülerinnen haben ebenfalls Zugriff auf das CyberForum und können sich so mit anderen Mentorinnen und Mentees vernetzen. Außerdem bietet das Forum eine große Vielfalt an MINT-Themen, die diskutiert oder vorgestellt werden. Einmal im Monat erscheinen die CyberNews, eine Onlinezeitung, die aktuelle MINT-Themen aufgreift. Dort können die Mentees selber aktiv werden und Artikel schreiben. Bei den bereits erwähnten Treffen haben die Mentees Gelegenheit, in einer Interviewrunde andere Mentorinnen kennenzulernen und somit Informationen zu verschiedenen Studienfächern und Berufen zu sammeln. Darüber hinaus können Schülerinnen bei den Treffen an Workshops zu verschiedenen MINT-Themen teilnehmen. In diesem Jahr gab es ein mathematisches und ein chemisches Thema, mit dem sich die Mädchen in ihren Gruppen auseinandergesetzt haben. Anschließend haben die Mentees ihre Ergebnisse den Mentorinnen präsentiert, so dass alle gelernt haben, warum Spülmittel Fette löst bzw. welche Kodierungsverfahren es gibt und warum die Codes der ENIGMA geknackt werden konnten.

Online-Redaktion: Was gefällt Ihnen am besten an Ihrer Tätigkeit als Mentorin? Inwiefern profitieren Sie davon?

Wollherr: Mir gefällt an meiner Mentorinnentätigkeit, dass ich eine so motivierte und interessierte Mentee habe, die regelmäßige und wirklich lange Emails schreibt. Ich bin jetzt seit knapp 10 Jahren aus der Schule raus und freue mich, dass ich über sie erfahre, was der Informatikunterricht in ihrer Schule heute bietet. Besonders schön ist es, dass ich dort anknüpfen und weitere Themen einbringen kann. Durch die Schulung in Berlin und das Treffen in Köln, an denen ich teilgenommen habe, war es mir möglich, Kontakte zu anderen Mentorinnen zu knüpfen, wodurch sich mein persönliches Netzwerk wieder ein wenig erweitert hat.


Antje Wollherr hat nach dem Vordiplom in Informatik das Diplom in Bioinformatik am Zentrum für Bioinformatik (ZBH) an der Universität Hamburg gemacht (2007). Anschließend ist sie an die Universität Göttingen gewechselt, um im Göttinger Genomlabor (G2L), das zum Institut für Mikrobiologie und Genetik gehört, zu promovieren (Oktober 2010). Seit Februar 2011 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Bremen.



 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 13.10.2011
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