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05. 05. 2011

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Europa ist hier!“

Eine Woche für Europa

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Die Einigung Europas in einer Union war immer ein großes Projekt – und niemals ein leichtes. Dies ist bis heute so. Immer noch stehen in vielen Bereichen nationale Interessen vor europäischen, zum Beispiel beim Thema Migration. Vielleicht ist auch darum das Wissen vieler Bürger um die Europäische Union gering. Die jährlich ausgerufene und mit vielen Projekten begangene Europawoche soll dem entgegenwirken. Europa und Deutschland feiern sie vom 5. bis 16. Mai 2011.

Der Grundstein für die EU wurde vor über 60 Jahren gelegt

Es war ein französischer Staatsmann mit deutschen Wurzeln, der mit seiner Erklärung am 9. Mai 1950 den Grundstein für die heutige Europäische Union legte: Robert Schuman. Sein Vorschlag, die für militärische Rüstung so wichtigen Rohstoffe Kohle und Stahl in den früher verfeindeten Staaten Frankreich und Deutschland durch ein unabhängiges Organ verwalten zu lassen, ebnete den Weg für ein friedliches Europa und die EU. In Erinnerung daran beschlossen die Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder 1985 in Mailand, den 9. Mai künftig als Europatag zu feiern. Auch in Deutschland wird die Europawoche mit zahlreichen Projekten begangen. Diese Woche ist eine gemeinsame Aktion der deutschen Länder, der Bundesregierung sowie der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments.

EU-Schulprojekttag am 16. Mai
Der 16. Mai bildet als bundesweiter EU-Projekttag den krönenden Abschluss. Neben der Bundeskanzlerin, die traditionell Berliner Schulen besucht, drücken auch andere Mitglieder der Bundesregierung sowie Abgeordnete des Deutschen Bundestages, des Europäischen Parlaments, der Landtage und die Ministerpräsidenten der Bundesländer in ganz Deutschland noch einmal die Schulbank. Bundesweit werden am EU-Schulprojekttag über tausend Politikerinnen und Politiker den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort stehen. Dadurch soll das Interesse und Verständnis junger Menschen für Europa und die Europäische Union geweckt und gestärkt werden. „Der EU-Projekttag ist für mich eine gute Gelegenheit gewesen, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, welche Hoffnungen und auch Sorgen Jugendliche heute mit der EU verbinden“, so die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) über ihre Erfahrungen beim Projekttag im vergangenen Jahr.

Herausforderungen für die EU: Schulden, Kriege, Flüchtlinge
Europa steht vor vielen Herausforderungen: Die Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrise, aber auch die Umwälzungen in den Staaten Nordafrikas und des Mittleren Ostens mit verstärkten Migrationsbewegungen verlangen nach intelligenten Lösungen – hier und heute. Berlin hat deshalb seine Europawoche unter das Motto gestellt „Europa ist hier!“. Denn Europa findet nicht irgendwo im fernen Brüssel oder Straßburg statt, sondern in den Bezirken und Kiezen, Städten und Gemeinden, direkt vor der Haustür. Zunächst heißt es am 9. Mai 2011, Europa auf der ganzen Linie zu entdecken, genauer gesagt: in Berlin auf der hundertsten Linie. Denn mit dem Bus der BVG-Linie 100 lassen sich zwischen Brandenburger Tor und Europäischem Haus zahlreiche Europa-Stationen anfahren. Vom Luftballon-Massenstart über Gewinnspiele bis hin zu einem Europäischen Kletterturm ist für ein vielfältiges Programm gesorgt. Politische Prominenz ist mit von der Partie: So begleiten neben dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, unter anderem die Berliner Europabeauftragte, Staatssekretärin Monika Helbig, sowie die EU-Kommissare Günther Oettinger und Michel Barnier die Fahrt.

Zahlreiche Events in allen Bundesländern
Wie man am besten der Meinungslosigkeit vieler Bürgerinnen und Bürger zur EU entgegenwirkt, zeigt das Berliner Europa-Forum auf: Man fragt überhaupt erst einmal nach den Meinungen der Bürgerinnen und Bürger und nimmt ihre Stellungnahmen ernst. Am 13. und 14. Mai 2011 sind rund 70 Bürgerinnen und Bürger des Bezirks Steglitz-Zehlendorf zum 4. Berliner Europa-Forum in das Berliner Rathaus eingeladen. Die per Zufallsprinzip Ausgewählten können über anderthalb Tage ihre konkreten Wünsche, Hoffnungen und Kritikpunkte zu den Themen „Soziales Europa“ und „Das Europa der Bürgerinnen und Bürger“ ins Gespräch bringen. Am Ende soll eine Bürgererklärung stehen. Solche und ähnliche Veranstaltungen finden in allen Bundesländern statt.

Während Baden-Württemberg beispielsweise durch Diskussionen und Unterhaltungsangebote für die ganze Familie am 13. Mai Europa an einem Aktionstag im Stuttgarter Rathaus in den Blick nimmt, lädt Schleswig-Holstein am 9. Mai in die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Bad Malente zu einem Seminar ein, das kritische Bilanz zu der Frage zu ziehen verspricht: „Haben die EU und der Euro noch eine Zukunft?“ In Niedersachsen laden das Europäische Informationszentrum, die Landeshauptstadt Hannover sowie der Verein Bürger Europas am 15. Juni zu einem Filmquiz „Mitten im Leben – mitten in Europa“ ins niedersächsische Freizeitheim Döhren ein.

Wirtschaft, Wissenschaft, Landwirtschaft und Infrastruktur brauchen die EU
In Mecklenburg-Vorpommern wollen Landtagsabgeordnete mit Schülerinnen und Schülern diskutieren – und dabei auch die vielen Vorteile der EU-Mitgliedschaft erläutern. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) betont: „Das Land hat von der EU stark profitiert: Ob Wirtschaft oder Wissenschaft, Landwirtschaft oder Infrastruktur – vieles gäbe es nicht oder nicht so ohne die EU.“

Ein sehr aktuelles Thema greift eine Tagung in der Evangelischen Hochschule Dresden am 12. Mai auf, indem sie sich mit einer Frage beschäftigt, an der sich derzeit die Geister stark scheiden: „Interkulturelle Öffnung, Migration-Mainstreaming, Gestaltung der Vielfalt?“ Die Tagung richtet sich an Fachkräfte aus dem Bildungswesen, dem sozialen Bereich, aus Politik und Verwaltung, die auf die Anforderungen in unserer Migrationsgesellschaft reagieren und sich der neuen Vielfalt der Gesellschaft öffnen wollen.

Zwei Wochen Europa sind nicht genug
Man muss nicht die Theorien des kulturellen Gedächtnisses von Jan Assmann gelesen haben, um zu verstehen: Sich wiederholende Feiern, Rituale, Symboltage sind jeder Gesellschaft und auch der Staaten-Gemeinschaft wichtig, wenn sie sich ihrer Identität versichern wollen. Dabei ist Europa jedoch ein recht diffiziler Fall: Köln-Lindenthal oder Hamburg-Altona liegen für ihre jeweiligen Bewohner ja tatsächlich vor der Haustür, aber die EU und Europa werden oft als ferne, abstrakte und letztlich undurchschaubare Instanzen bzw. Gebilde angesehen. Kiez und Veedel sind nah, Brüssel und Straßburg nicht. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Wirkung von sehr guten Projekten wie dem Projekttag an Schulen in der einjährigen Einmaligkeit erschöpft. Vielleicht wäre es deshalb eine Idee, zusätzlich zum singulären EU-Schulprojekttag ein Pflichtfach Europakunde an den Schulen einzuführen, das nicht benotet wird, aber den Schülerinnen und Schülern Spaß an der europäischen Vielfalt vermittelt – und gleichzeitig ihr Wissen rund um die EU stärkt. Damit die Woche für Europa zu einer Wertschätzung für Europa wird, die lebenslang hält.

Autor(in): Arndt Kremer
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Datum: 05.05.2011
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