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18. 06. 2010

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Bildung in Deutschland 2010“

Der dritte Nationale Bildungsbericht ist erschienen

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Prof. Dr. Horst Weishaupt

Am 17.06.2010 haben die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam den von unabhängigen Experten erarbeiteten Bericht „Bildung in Deutschland 2010“ vorgestellt. In diesem dritten Nationalen Bildungsbericht wurde im Rahmen einer vertiefenden Analyse den Perspektiven des Bildungswesens im demografischen Wandel nachgegangen. Die Online-Redaktion sprach mit Prof. Dr. Horst Weishaupt vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), der gemeinsam mit seinem Team für die Leitung und Koordinierung des Nationalen Bildungsberichts verantwortlich war.


Online-Redaktion: Soeben ist der dritte Nationale Bildungsbericht für Deutschland erschienen. Was kann ein Bildungsbericht leisten?

Weishaupt: Er nimmt eine alle Bereiche des Bildungswesens umfassende aktuelle Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens vor.

Online-Redaktion: Wie hängen die Bildungsberichte zusammen?

Weishaupt: Alle drei Berichte folgen einem einheitlichen Konzept einer indikatorengestützten Darstellung. Weiterhin orientieren sie sich alle drei an der Perspektive, Bildung bildungsbereichsübergreifend im Lebenslauf zu betrachten. Außerdem haben sie jeweils ein thematisch wechselndes Schwerpunktkapitel.

Online-Redaktion: Welche gravierenden Veränderungen haben sich im Bildungswesen seit dem ersten Bericht vollzogen?

Weishaupt: Hier können nur Beispiele genannt werden: Zunächst denke ich an den Ausbau der Krippenangebote. Aber auch im Hochschulbereich gab es einen starken Anstieg der Studienanfängerzahl um etwa ein Viertel.

Online-Redaktion: Nach „Migration“ 2006 und „Übergänge“ 2008 steht für 2010 das Thema „Demografie“ im Fokus der Bildungsberichterstattung. Welche Befunde und besondere Neuerungen gibt es?

Weishaupt: Es wird zwar bis 2025 insgesamt einen Rückgang der Bildungsteilnehmer um etwa 15 Prozent geben. Es gibt aber Bildungsbereiche mit weiterem Ausbaubedarf wie beispielsweise Kinderkrippen oder Hochschule.

Online-Redaktion: Wie sieht es mit der Bevölkerungsentwicklung und -zusammensetzung in Deutschland in der gesamtgesellschaftlichen und in einer regionalisierten Perspektive aus? Wie entwickeln sich beispielsweise so unterschiedliche Bundesländer wie NRW oder Brandenburg?

Weishaupt: Die Entwicklungen von Stadtstaaten, ostdeutschen Flächenstaaten und westdeutschen Flächenstaaten verlaufen sehr unterschiedlich. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Stadtstaaten insgesamt mit einem weiteren Wachstum der Bildungsteilnehmer rechnen müssen, während im Schulbereich vor allem die westdeutschen Flächenländer mit starken Rückgängen rechnen müssen.

Online-Redaktion: Welche Konsequenzen ergeben sich aus der demografischen Entwicklung für die Bildungsfinanzierung?

Weishaupt: Bei gleichen Ausgaben je Bildungsteilnehmer würden sich Entlastungen durch die Bevölkerungsentwicklung ergeben. Doch zeigte sich in der Vergangenheit, dass solche Annahmen an der Realität vorbei gehen, denn es gibt zusätzliche Aufgaben, die dann finanziert werden können, und auch viele Hindernisse, um Einsparungen zu realisieren. Die Autorengruppe des Bildungsberichts sieht eine Fülle zusätzlicher Aufgaben auf das Bildungswesen zukommen, weshalb wir nicht nur weiterhin eine gleiche Mittelausstattung empfehlen, sondern es auch für notwendig halten, für zusätzliche Aufgaben weitere Mittel zur Verfügung zu stellen.

Online-Redaktion: Welche Konsequenzen hat der demografische Wandel für den Arbeitsmarkt und für den schon bestehenden Fachkräftemangel?

Weishaupt: Bis 2025 wird es voraussichtlich durch den Rückgang der Personen im Erwerbsalter insgesamt zu einem Ausgleich zwischen Arbeitskräftebedarf und -angebot kommen. Das Anforderungsniveau an die Ausbildung der Arbeitskräfte wird weiter steigen. Nach den Prognosen wird zwischen 2005 und 2025 der Anteil der Arbeitskräfte ohne berufliche Ausbildung an den Erwerbstätigen weiter zurückgehen. Für Personen ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung dürfte es in Zukunft noch schwerer werden, einen Arbeitsplatz zu finden, weil das Angebot dieser Arbeitskräfte den Bedarf bis 2025 um etwa 1,3 Millionen übersteigen wird. Über Qualifizierungsmaßnahmen muss ihnen die Möglichkeit eröffnet werden, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Online-Redaktion: Welchen Schwerpunkt wird der vierte Nationale Bildungsbericht haben, der in zwei Jahren veröffentlicht wird?

Weishaupt: Schwerpunktthema des Bildungsberichts 2012 wird die kulturelle und musisch-ästhetische Bildung im Lebenslauf sein.


Prof. Dr. Horst Weishaupt
, Jahrgang 1947, Promotion in Erziehungswissenschaft. Er hatte von 1992 bis 2004 eine Professur für „Empirische Bildungsforschung“ an der Pädagogischen Hochschule Erfurt/Mühlhausen (ab 2001 Universität Erfurt) inne. Seit 2004 ist er Professor für „Empirische Bildungsforschung“ an der Bergischen Universität Wuppertal. Von 2005 bis 2008 war er Vorsitzender des Vorstands des „Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung“ der Universität Wuppertal. Seit dem 1.4.2008 leitet er die Arbeitseinheit „Steuerung und Finanzierung“ am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt am Main.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 18.06.2010
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