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28. 05. 2010

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Wertvolle Hinweise für den Unterricht“

VERA ist ein Projekt zur Lernstandserhebung in der Schule

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VERA

Das Projekt VERA – ursprünglich „VERgleichsArbeiten in der Grundschule“, ermittelt bundesweit den Leistungsstand von Schülerinnen und Schülern in der dritten und achten Klasse in den Fächern Mathematik, Deutsch und erste Fremdsprache (Englisch oder Französisch). Der Vergleich der Ergebnisse mit anderen Klassen, der Schule, einer sozial ähnlich zusammengesetzten Gruppe oder dem gesamten Bundesland eröffnet den Lehrkräften eine über das klasseninterne Bezugssystem hinausgehende Standortbestimmung und Perspektive.

 

VERA ist ein Projekt zur Lernstandserhebung in der Schule, das den Leistungsstand von Schülern in den Hauptfächern ermittelt. Es entstand als Konsequenz auf das schlechte Abschneiden des deutschen Bildungssystems in der PISA-Studie und wurde von der Kultusministerkonferenz beschlossen.
VERA bedeutete ursprünglich „VERgleichsArbeiten in der Grundschule“ und ist 2004 als Gemeinschaftsprojekt von sieben Bundesländern gestartet. Entwickelt wurde die Konzeption des Projektes auf Antrag der Länderkultusministerien im Jahre 2002 von Prof. Dr. Andreas Helmke und Juniorprofessor Dr. Ingmar Hosenfeld von der Universität Koblenz-Landau in Kooperation mit dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (MBWJK). Zwischen 2004 und 2006 wurden die Vergleichsarbeiten in den Fächern Deutsch und Mathematik in den sieben Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein zu Beginn der 4. Klassenstufe geschrieben. Nach Umstellung der Vergleichsarbeiten auf das Ende der 3. Klassenstufe im Jahr 2007 beteiligen sich alle 16 Bundesländer an der Aufgabenentwicklung, die 2009 an das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) Berlin übergegangen ist.

Seit dem Schuljahr 2007/2008 gibt es VERA auch in der achten Klasse in den Fächern Mathematik und Deutsch sowie in der ersten Fremdsprache Englisch bzw. Französisch. Alle Bundesländer beteiligen sich an VERA-3 und VERA-8. Eine Ausnahme bildet Baden-Württemberg, das für die 8. Jahrgangsstufe ein landeseigenes Vorhaben verfolgt und daher nur an VERA-3 teilnimmt. Darüber hinaus existieren in einigen deutschen Bundesländern solche Tests auch für andere Jahrgangsstufen (z. B. VERA-6, Lernstand 5 etc.). Derzeit nehmen rund 500.000 Schüler an den Vergleichsarbeiten VERA-3 und VERA-8 teil.

Ziele des Projekts
Mit Hilfe von VERA können Lehrkräfte den Lernstand ihrer Schüler, ihrer Klasse und ihrer Schule mit anderen vergleichen. Der Vergleich der Ergebnisse mit anderen Klassen, der Schule, einer sozial ähnlich zusammengesetzten Gruppe oder dem gesamten Bundesland eröffnet ihnen eine über das klasseninterne Bezugssystem hinausgehende Standortbestimmung und Perspektive. Außerdem bieten die Vergleichsarbeiten fachliche, fachdidaktische und pädagogisch-psychologische Impulse für die Schul- und Unterrichtsentwicklung und tragen zur Erfassung und Verbesserung der Diagnosegenauigkeit der Lehrkräfte bei: Die Lehrerinnen und Lehrer werden vor der Durchführung der Vergleichsarbeiten gebeten, eine Einschätzung der Lösungshäufigkeiten für ihre eigene Klasse vorzunehmen, so dass der Vergleich dieser Voraussagen mit den tatsächlichen Lösungshäufigkeiten eine Auseinandersetzung mit der eigenen Diagnosegenauigkeit ermöglicht.

Expertengruppe entwickelt die Aufgaben
Eine aus Vertretern aller 16 Bundesländer bestehende Gruppe von Lehrkräften und Mitarbeitern der Landesinstitute entwickelt in enger Kooperation mit dem IQB die Aufgaben, die in 300 bis 400 ausgewählten Schulen unter Beteiligung von rund 9000 Schülern vorab erprobt werden. Die Vergleichsarbeiten überprüfen Kompetenzen, die in einem längeren Zeitraum erworben wurden und geben eine objektive Rückmeldung über den Lernstand der Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Fächern. Dabei beziehen sich die Aufgaben in der Regel nicht auf den direkt in den vorangegangenen Unterrichtsstunden behandelten Stoff, sondern fragen Wissen und Fähigkeiten ab, die langfristig im Unterricht erworben wurden. Sie orientieren sich an den Anforderungen der nationalen Bildungsstandards, d.h. sie testen weniger konkrete Inhalte, als vielmehr Kompetenzen, die von den Schülern in den jeweiligen Jahrgangsstufen beherrscht werden sollten.

Zusätzlich zur Aufgabenentwicklung befassen sich die Expertengruppen auch mit der Erstellung begleitender Materialien, wie den Korrekturanweisungen, der inhaltlichen Beschreibung der Fähigkeitsniveaus und der Erstellung didaktischer Materialien für den Unterricht. Das IQB stellt den Ländern sämtliche Materialien zur weiteren Verwendung elektronisch zur Verfügung. Maßgeblich beraten werden sie bei allen Prozessen von je zwei fachdidaktischen Experten sowie dem Forscherteam der Universität Koblenz-Landau.

Durchführung des Projekts
Die Vergleichsarbeiten werden zu Beginn eines jeden Jahres durchgeführt, die Termine länderübergreifend für jedes Jahr neu festgelegt. In diesem Jahr fanden die Vergleichsarbeiten in den dritten Klassen in Deutsch - „Lesen - mit Texten und Medien umgehen“ - am 28. April und „Richtig schreiben“ am 4. Mai statt. Mathematik wurde in allen Ländern am 6. Mai 2010 geprüft. VERA-8 wurde einheitlich im Februar und März geschrieben.

Die Lehrkräfte erhalten von ihrem Bundesland die Testmaterialien sowie schriftliche Hinweise für die einheitliche Durchführung, Auswertung und Ergebnismeldung. Es gibt anders als bei PISA keine externen Testleiter. Die Lehrkräfte lassen die Arbeiten schreiben, korrigieren sie und geben die Ergebnisse anschließend in fast allen Bundesländern in ein geschütztes Internet-Formular ein. Nachdem die Rohdaten im geschützten Bereich eingegeben wurden, werten die Länder die schüler-, klassen- und schulbezogenen Ergebnisse aus und geben den Lehrkräften zeitnah Rückmeldungen. Einige Bundesländer erwarten von den einzelnen Schulen Rückmeldungen zu deren jeweiligen Ergebnissen. Die Testergebnisse werden in den meisten Ländern mit der prozentualen Lösungshäufigkeit gemeldet. Andere Modelle (Punkteskala, Stufenbewertung etc.) sind ebenfalls möglich.

Vergleiche zwischen den einzelnen Bundesländern wie bei PISA-E bzw. den so genannten Ländervergleichen werden nicht durchgeführt. Die Lehrkräfte erhalten in der Regel die Ergebnisse für jede Schülerin bzw. jeden Schüler und die Klasse insgesamt, ergänzt um anonyme Vergleichswerte vergleichbarer Schulen bzw. Klassen. So wird ein so genannter „fairer Vergleich“ der eigenen Klasse mit einer Vergleichsgruppe mit ähnlichen Kontextbedingungen ermöglicht. Dadurch bekommen die Lehrerinnen und Lehrer wertvolle Hinweise für ihren Unterricht. Oftmals erhalten auch die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern eine Rückmeldung durch die Lehrkräfte. In manchen Bundesländern werden die Testhefte nach ca. einem Jahr an die Schülerinnen und Schüler zurückgegeben.

Die Durchführung liegt bei der Universität Koblenz-Landau
Die Universität Koblenz-Landau übernimmt für zwölf Bundesländer sowie für einige deutsche Auslandsschulen, die eine 3. Grundschulklasse führen, die Durchführung der Vergleichsarbeiten sowie die internetbasierte differenzierte Ergebnisrückmeldung von VERA-3. Auf der Homepage des Projektes VERA gibt es für jede teilnehmende Klasse ein eigenes Profil, in dem für die Vergleichsarbeiten relevante Klassen- und Schülerdaten (z.B. Klassengröße, richtige und falsche Lösungen der Aufgaben) eingegeben werden sowie Informationen, Materialien und Ergebnisse heruntergeladen werden können. Für die Auswertung erhalten die Lehrkräfte die Lösungen zu den Aufgaben sowie eine Hilfestellung, wie das Ergebnis in das Formular eingetragen wird („Kodierung“). Die Daten werden anonymisiert, so dass der Datenschutz gewahrt bleibt. Dort ist es für die Lehrerinnen und Lehrer auch möglich, vorab Informationen einzugeben, die für die Diagnosegenauigkeit genutzt werden können.

Evaluation der Ergebnisse

Im Nachgang zu VERA findet regelmäßig eine internetbasierte Befragung aller teilnehmenden Lehrkräfte statt, um über Art und Ausmaß der Nutzung der Vergleichsarbeiten für die Schul- und Unterrichtsentwicklung Aufschluss zu erhalten sowie um Schwachstellen des Verfahrens zu identifizieren. Erfasst werden hierbei u.a. Informationen zur Art und Weise der Auseinandersetzung mit den Ergebnissen, zur Nutzung von Unterstützungsangeboten sowie zu Konsequenzen für die eigene Professionalisierung, für den Unterricht und für die gesamte Schulentwicklung.

Es gibt auch Kritik an dem Vorhaben. Zum einen wird grundlegend bezweifelt, dass Bildung überhaupt quantifizierbar bzw. mit standardisierten Tests messbar sei. Auch die Möglichkeit der Abbildung des Konstruktes „Kompetenz“ in eine oder wenige Messzahlen wird bestritten. Zum anderen wird befürchtet, dass die umfassende Zielsetzung von Bildung und Erziehung auf die leistungsorientierte Dimension des Wirtschafts- und Arbeitslebens reduziert wird. Dennoch gehen die Länder und das IQB grundsätzlich davon aus, dass es sich als notwendig und durchführbar erwiesen hat, die Ergebnisse des schulischen Lehr-Lern-Prozesses kompetenz- und ergebnisorientiert zu erheben, ohne dabei einer einseitigen Interessenfokussierung Vorschub zu leisten und dass die methodischen Grundlagen von VERA-Ergebnissen – bei aller Berechtigung einzelner Kritikpunkte – die bestmögliche Information zu Lerngruppen und zur Qualität des Unterrichts liefern.

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 28.05.2010
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