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15. 10. 2009

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Wir wollen alle Kitas erreichen“

Kindertageseinrichtungen sollen zu Forscherstätten für Kleine werden

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Den Kindern macht das Experimentieren und Forschen viel Spaß. Quelle: Stiftung "Haus der kleinen Forscher".

In der Kita Regenbogen in Solingen wird im eigenen Forscherraum täglich geforscht und experimentiert. Die Kinder lernen gemeinsam mit den Erzieherinnen Naturphänomene wie Luft und Wasser kennen. Sie beobachten, dass viele Materialien sich beim Erwärmen ausdehnen, und erfahren, wie verschmutztes Wasser mit einfachen Materialien gereinigt werden kann. Die Kita Regenbogen ist eine von 8.300 Kindertagesstätten in Deutschland, die an den Workshops der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ teilgenommen hat. „Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2015 alle 47.000 Kindertageseinrichtungen in Deutschland zu erreichen“, erklärt Mirko Poltier, Leiter der Abteilung Marketing und Kommunikation der Stiftung ehrgeizig.

Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“
Seit 2006 fördert die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ frühkindliche Bildung in den Bereichen Naturwissenschaften und Technik. „Wir möchten bereits bei den Kleinsten die Freude am Lernen und Forschen fördern, denn die Kindergartenkinder von heute sind die Fachkräfte von morgen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Peter Rösner. Die Stiftung gründete sich auf Initiative von Helmholtz-Gemeinschaft, McKinsey & Company, Siemens Stiftung und Dietmar Hopp Stiftung. Gefördert wird die bundesweite Verbreitung ihrer Angebote vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Angebote der Stiftung zielen auf die Entwicklung einer positiven Einstellung zu Naturwissenschaft und Technik – geprägt durch Spaß, Freude, Neugier und Begeisterung. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Experimentieren, bei dem Kinder und Lehrkräfte in einer Art Co-Konstruktion den Lernprozess gemeinsam gestalten. Zugleich wird den Kindern bewusst, dass sie lernen, was sie lernen und wie sie lernen (Meta-Kognition), darüber hinaus trägt das Experimentieren zu einer allgemeinen Kompetenzentwicklung der Kinder bei: Indem sie immer wieder neue Fragen stellen, überdenken und Antworten finden, wird ihre Lernkompetenz angeregt. Anderen von ihren Entdeckungen zu erzählen, steigert ihre Sprachkompetenz, und ihre Sozialkompetenz stärken sie in der Zusammenarbeit mit Gleichaltrigen. Nicht zuletzt schult der Umgang mit den Experimentiermaterialien, wie z. B. Pipetten, ihre Feinmotorik.

Bildung von Netzwerken
Im Mittelpunkt der Initiative steht der Aufbau von bundesweiten lokalen Netzwerken, in denen Erzieherinnen und Erzieher in Workshops zu den Themen Technik und Naturwissenschaft so fit gemacht werden, dass sie die Inhalte an ihre Kolleginnen und Kollegen, die Kinder und deren Eltern weitergeben können. Zusätzlich bekommen sie von der Stiftung kostenloses Arbeitsmaterial, das ihnen das Experimentieren in der Kita ermöglicht. Außerdem bietet die Homepage umfangreiche Hintergrundinformationen und Versuchsideen. Geleitet werden die Workshops von Trainerinnen und Trainern, die zuvor von der „Akademie“ der Stiftung ausgebildet wurden und fortlaufend bei ihrer Arbeit begleitet werden. Die Erzieherinnen und Erzieher lernen, wie man mit einfachen Mitteln Experimente durchführt, sie kindgerecht und spannend aufbereitet, wie sie die praxisrelevanten Materialien und Workshop-Formate erarbeiten können und dabei die Umsetzung der landesspezifischen Bildungs- und Orientierungspläne sicherstellen. Viele Erzieher/innen sind begeistert davon, wie viel Spaß ihnen und den Kindern die Naturwissenschaften bereiten.

Zum „Haus der kleinen Forscher“ werden
Im Schnitt werden zwei thematische Workshops im Jahr zu Themenbereichen wie Wasser, Luft, Licht oder Energie von den Netzwerken angeboten. Dabei spielt auch der Erfahrungsaustausch unter Kolleginnen und Kollegen eine große Rolle. Im Anschluss an den ersten Workshop erhält jede Einrichtung die „Kleine-Forscher-Box“ zum Aufbewahren der wachsenden Sammlung von Experimentierkarten. „Wenn eine Kita unter anderem zwei bis dreimal an Workshops teilgenommen hat, darf sie sich offiziell „Haus der kleinen Forscher“ nennen“, erklärt Mirko Poltier. Insgesamt gebe es schon an die 300 bundesweit. Die Kita Regenbogen in Solingen hat als erste Einrichtung diese Auszeichnung in Nordrhein-Westfalen erhalten. In ihrer Einrichtung sind mittlerweile alle pädagogischen Fachkräfte in Sachen Technik und Naturwissenschaften fortgebildet.

Netzwerkkoordinatoren
Die Betreuung der Netzwerke erfolgt durch Netzwerkkoordinatoren, die maßgeblich für den Erfolg des Projekts in ihrer Region verantwortlich sind. Sie suchen die Trainer aus, laden Interessierte zu Informationsveranstaltungen ein, richten die Workshops für die pädagogischen Fachkräfte aus, verteilen die Materialien des „Hauses der kleinen Forscher“ und stellen die Finanzierung der Aktivitäten des Projekts in ihrem Einzugskreis sicher. Außerdem helfen sie bei der Umsetzung des Patenprogramms. Mütter, Väter, Großeltern, Verwandte oder Freunde können als Paten den pädagogischen Fachkräften bei der Arbeit in einer Kita helfen.

Die Netzwerkkoordinatoren sorgen auch schon früh dafür, dass das Projekt „Haus der kleinen Forscher“ Unterstützung in der Gesellschaft findet: Kita-Träger, Kommunen, Städte, Fachberater, Fachschulen, aber auch Unternehmen, Wirtschaftsverbände und andere regionale Bildungsorte werden von vorneherein eingebunden, damit den Kindern in der Region die alltägliche Begegnung mit Naturwissenschaften und Technik ermöglicht wird. Lokale Netzwerkpartner sind zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm oder auch die Autostadt GmbH Wolfsburg, die die Aktivitäten in ihrer Region intensiv unterstützen und fördern.

Der „Tag der kleinen Forscher“
Für alle Kitas, die sich bereits den Netzwerken angeschlossen haben, wird jährlich ein „Tag der kleinen Forscher“ ausgerichtet, an dem die Stiftung die Einrichtungen mit zusätzlichem Material versorgt. In diesem Jahr, dem Internationalen Jahr der Astronomie, hatte die Stiftung die teilnehmenden Kitas unter anderem mit Experimentierbeschreibungen, Forscherpässen und Forscherdiplomen ausgestattet. Rund 400.000 Mädchen und Jungen nutzten diesen Tag in ihren Kitas zu vielfältigen Aktionen. Es wurden zahlreiche Experimente durchgeführt, der Sternenhimmel gemalt, das Teleskop erkundet, Planeten gebastelt und „Astronomiesuppen“ gekocht.

Immer mehr Netzwerke entstehen
Eine aktuelle Evaluation aus dem Jahr 2009 zeigt, dass mit den Netzwerken ein professionelles Multiplikatorenmodell mit hoher fachlicher Kompetenz entstanden ist. Die Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher erreichen eine hohe Wirksamkeit, und die öffentlichen Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden effizient eingesetzt. Jährlich entstehen neue Netzwerke, in denen sich immer mehr Fachkräfte ausbilden lassen können. Die Stiftung ist auf einem guten Weg, ihr ehrgeiziges Ziel, bis zum Jahr 2015 alle 47.000 Kitas zu kleinen Forschungsstätten auszubilden, zu erreichen. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen gibt es bereits so viele Netzwerke, dass dort schon jetzt alle Kitas das Bildungsangebot der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ nutzen können.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 15.10.2009
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