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08. 01. 2009

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Grenzenlos bilden“

Grenzüberschreitender Sprachunterricht an den Schkola-Schulen

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Logo von Schkola

Heute ist Begegnungstag. Die Schülerinnen und Schüler der „Schkola Hartau Freie Grundschule“ freuen sich schon auf ihre Freunde von der Partnerschule aus Hrádek in Tschechien. Einmal in der Woche treffen sich die Schülerinnen und Schüler beider Schulen abwechselnd in Hartau oder im nahe gelegenen Hrádek, um miteinander zu lernen.

Das Fach „Nachbarschaft und Sprache“
Seit gut 15 Jahren gibt es in der Dreiländerregion Deutschland, Tschechien und Polen die Schkola-Schulen, an denen grenzenlose Bildung zur Tagesordnung gehört. Ab der 1. Klasse können die Kinder durchgängig eine der Nachbarsprachen lernen. Im Fach „Nachbarschaft und Sprache“ bekommen sie an vier Tagen in der Woche eine Stunde Unterricht in der Nachbarsprache. An einem Tag in der Woche, dem Begegnungstag, findet gemeinsamer Unterricht abwechselnd in den Partnerschulen statt. So ist jeder einmal Gast und einmal Gastgeber. In kleinen sprachlichen Mischgruppen von vier bis sechs Kindern absolvieren die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Stationen des Lernens: Sprache, Kunst, Mathematik, Sachkunde, Musik und Sport. In den höheren Klassen gibt es einen Schüleraustausch und Sprachwochen. Über die Sprache und die Begegnung lernen die Kinder den Umgang mit dem „Fremden“ kennen und erfahren auch das Gefühl, selbst „fremd zu sein“. Dies hilft ihnen, den Alltag und die Kultur in den angrenzenden Ländern besser zu verstehen, zu akzeptieren und wertzuschätzen.

Die Gründung der Freien Schulen
Gegründet wurde der Freie Schulträgerverein e.V., der Initiator der Schkola–Schulen in der Dreiländerregion, vor gut 15 Jahren aus Enttäuschung über das in Sachsen nach der Wende verabschiedete Schulgesetz, das die Einteilung in Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien vorsah. Junge Pädagogen, darunter Mike Wohne, Mitbegründer und Geschäftsführer der Schkola gGmbH, gründeten deshalb im September 1993 den PEZ Schulträgerverein e.V. mit dem konkreten Ziel, eine Freie Privatschule zu eröffnen. „Über 100 kamen zur Vereinsgründung, die in einem Desaster endete. Offene und unbegründete Sektenvorwürfe der Kirche machten die Runde. Einige Wenige blieben und hielten bis heute zusammen. Wir klärten die Menschen auf und es ist uns gelungen, den größten Teil der Ängste abzubauen und Verständnis zu entwickeln“, erzählte Mike Wohne auf der Feier zum 15-jährigen Gründungsjubiläum im September 2008.

Entgegen aller Zweifel und Ängste eröffnete 1995 in Jonsdorf die Freie Mittelschule mit 36 Schülern in drei Klassen. Bald darauf folgten Grundschulen in Hartau und Ebersbach und zehn Jahre danach auch in Ostritz. Heute lernen an den vier Standorten fast 400 Kinder und Jugendliche. Seit 2007 ist die Schule in Ebersbach auch als Gymnasium zugelassen. Heute sind die Schkola-Schulen zu einem festen Bestandteil der Schullandschaft im Dreiländereck geworden.

Ende 2007 erteilte das Staatsministerium für Kultus in Sachsen die staatliche Anerkennung für das Fach „Nachbarschaft & Sprache“ an den Schkola-Schulen. Damit ist die Durchgängigkeit des nachbarsprachlichen Angebotes von der Grundschule bis zum Abschluss der Klasse 9 bzw. 10 offiziell besiegelt und ein erklärtes Ziel der Schkola umgesetzt.

Der Verbund Schkola
Von Anfang an suchten die Gründer der Schkola-Schulen den engen Kontakt zu angrenzenden Schulen in Tschechien und Polen. Erstmalig umgesetzt wurde das Nachbarschaftskonzept 1998 in der damaligen „Grenzenlosen Schule Hartau/Hrádek“. Mittlerweile treffen sich mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler der Dreiländerregion regelmäßig zum gemeinsamen Unterricht und lernen die jeweiligen Nachbarsprachen. Jede Schkola-Schule hat eine Partnerschule in dem ihm angrenzenden Land. Elf Schulen gehören zu dem grenzüberschreitenden Schulverbund „Schkola“, fünf in Deutschland, fünf in Tschechien und eine in Polen. Der im Mai 2007 gegründete Verbund fasst die in langen Jahren bewährte Praxis der Partnerschulen zusammen und vertieft sie. Das Fach „Nachbarschaft und Sprache“ soll in Zukunft noch stärker in die Schulprogramme einfließen und alle Mitarbeiter und Eltern erreichen. Gemeinsam möchten alle das Konzept der Schkola weiter entwickeln und nach außen tragen.

Der Aufbau der Schkolas
Der Freie Schulträgerverein e.V. und die Fördervereine bilden die Basis der deutschen Schkola-Schulen in Hartau, Jonsdorf, Ostritz und Ebersbach. Der Freie Schulträgerverein e.V. ist alleiniger Gesellschafter und vertritt die Gründeridee der Schkola. 2007 wurde die Schkola gGmbH gegründet, die jetzt Trägerin aller Schkola–Schulen ist. Sie bildet das „Dach“ und führt die Geschäfte. Geschäftsführer ist Mike Wohne. Mit Gründung der Schkola gGmbH gibt es jetzt nur noch eine Leitung für alle Schkola–Schulen. Dadurch soll erreicht werden, dass die Vernetzung und das einheitliche pädagogische Konzept künftig besser zum Tragen kommen. Die pädagogische Leitung hat Ute Wunderlich inne, die kaufmännische Leitung Christian Zimmer. Die Schkola-Schulen werden vor Ort durch die Teamführer verantwortet.

Lernräume und Lernbegleiter
Auch in den Schkolas ist einiges anders als an staatlichen Schulen. Die Klassenzimmer heißen Lernräume, die Lehrer „Lernbegleiter“. In den Lernräumen gibt es Lesezelte, Computerecken und Trampoline. Eine Stundenklingel gibt es nicht. Außerdem sind die Gruppen vom Alter her gemischt. Eine spezielle Didaktik des sozialen Lernens ermöglicht das individuelle Eingehen auf jedes einzelne Kind und auf die Gruppe. Ältere übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben und unterstützen die pädagogische Arbeit. So gewöhnen sich die Kinder von Anfang an daran, ihren Lernprozess selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu gestalten. Erst ab der 7. Klasse bekommen die Schüler Zensuren.

Der tägliche Rhythmus von Morgenkreis, Kernzeit und Abschlussrunde bestimmt den Tag. Unterricht in altersgemischten Gruppen wechselt mit Jahrgangsklassen, offener Unterricht mit frontalem. Das Theaterspielen im Rahmen des Deutschlehrgangs gehört genauso dazu wie der obligatorische Tschechischunterricht oder die Arbeit an und mit dem Computer. Die Kinder lernen in Wochen- und Tagesplänen, Projekten und Experimenten, und sie dürfen auch Fehler machen – als Voraussetzung für Korrekturen und weiteres Lernen. „Ohne den Druck von Noten und Zensuren erleben sie den Tag als ihren Tag und freuen sich auf die Ergebnisse, die sie erreicht haben, und auch auf die zahlreichen Lobe, Hinweise und Kritiken ihrer ‚Lernberater’ und Mitschüler“, so Mike Wohne. Regelmäßig tauschen sich die Kinder, Eltern und Lehrer gemeinsam über den Leistungs- und Entwicklungsstand aus. Hierzu dienen Gespräche, Elternstammtische und verbale Einschätzungen in den so genannten Erfolgsheftern und Lerntagebüchern.

Umweltbildung wird groß geschrieben
Ein weiterer Schwerpunkt der Schkolas ist der grenzüberschreitende Umwelt- und Naturschutz. Ob Umweltmanagementsysteme, eine Solaranlage auf dem Dach der Schkola Jonsdorf oder die Teilnahme der Schulen in Ostritz, Hartau und Jonsdorf an dem Projekt ÖKOPROFIT (Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelttechnik) – dem sinnvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen wird an den Schkola-Schulen großer Raum gewidmet. Die Schkola Ostritz wurde für ihr besonderes umweltökologisches Engagement um eine nachhaltige und ganzheitliche Bildung und Erziehung mit dem Sächsischen Umweltpreis 2008 ausgezeichnet.

Die Europäische Modellschule
Neues erklärtes Ziel der Reformbewegung ist der Aufbau einer Europäischen Modellschule. Dazu soll es keine äußerlichen, sondern inhaltliche Veränderungen geben. Die Schkola-Grundschule soll künftig nach dem Vorbild der Schulen in Tschechien und Polen durchgängig von der 1. bis zur 9. Klasse ohne äußere Differenzierung nach Schulformen stattfinden. In den Schkola-Grundschulen lernen die Kinder die jeweiligen Nachbarsprachen obligatorisch, treffen sich zum wöchentlichen Unterricht diesseits und jenseits der Grenzen und arbeiten in Projekten und während der Praktika zusammen. Die Lehrer bilden sich gemeinsam fort, erarbeiten ein abgestimmtes und grenzüberschreitendes Curriculum und sind innerhalb des Schulverbundes flexibel einsetzbar. Verbindliche Standards, ein gemeinsames Konzept zum Erlernen der jeweiligen Nachbarsprachen, gleiche Abschlüsse und eine gemeinsame Schulleitung werden vereinbart. Die Erarbeitung eines grenzüberschreitenden Umwelt- und Qualitätsmanagementsystems soll den verbindlichen Rahmen für die Modellschule schaffen. Im Servicebüro der Schkola (Zukunftsbüro) sollen die Abläufe im Schkola-Schulverbund koordiniert und verwaltet werden.

Nach der neunjährigen Grundschule sind die weiteren Bildungswege offen. Motivierte und leistungsstarke Schüler können an die Schkola Oberland Freie Schule an der Haine (Gymnasium in Ebersbach) wechseln. Hier besteht ab Klasse 10 die Möglichkeit, in sprachlichen Mischklassen das Abitur abzulegen. Auswärtige Schüler sollen in einer Schülerpension untergebracht werden.

Im Schkola-Verbund ist man sich einig: Mit einer höheren Vergleichbarkeit und einer engeren Vernetzung sind die Schulen gegenüber den wachsenden Anforderungen auf dem grenzenlosen Binnen- und Arbeitsmarkt besser gewappnet. Hilfe erhofft man sich von der EU: ein gemeinsamer Antrag liegt bereits vor.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 08.01.2009
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