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19. 12. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Gemeinsam Unterricht entwickeln

Ergebnisse des KMK-Projekts zur Unterrichtsentwicklung

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Udo Klinger, geschäftsführender Leiter des KMK-Projekts for.mat

Online-Redaktion: Welche Ziele hat „for.mat“ in den vergangenen zwei Jahren verfolgt?

Klinger: Zum einen war es die Aufgabe des KMK-Projekts, bestehende Konzeptionen und Materialien zur kompetenz- bzw. standardbasierten Unterrichtsentwicklung für die Lehrerfortbildung in den Bildungsstandardfächern Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften zu sichten und ihre Eignung für die Fachgruppenarbeit zu diskutieren. Daneben haben die Arbeitsgruppen in zentralen Bereichen neue Konzepte und Materialien entwickelt. Die Ergebnisse sollten dokumentiert und für die Arbeit der Fachgruppen und der Beratungskräfte bereit gestellt werden.
In einem zweiten Teilprojekt ging es darum, ein Kompetenzprofil für Beraterinnen und Berater für Unterrichtsentwicklung zu erstellen und Qualifizierungsmodule zu entwickeln. In beiden Teilprojekten haben Lehrerinnen und Lehrer, erfahrene Beratungskräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Landesinstitute gemeinsam an der Entwicklung der Materialien gearbeitet.

Online-Redaktion: Haben alle Länder an dem Projekt teilgenommen?

Klinger: Ja. Alle Länder verständigten sich darauf, unter Berücksichtigung der landesspezifischen Regelungen die Bildungsstandards umzusetzen. Daher haben auch alle Länder ähnliche Probleme und Fragestellungen bei der Umsetzung. Zum ersten Mal haben sich unter dem Dach der Kultusministerkonferenz alle an einen Tisch gesetzt und die gemeinsame Entwicklung von Konzepten und Materialien für die Arbeit der Fachgruppen an einem kompetenzorientierten Unterricht vereinbart. Das ist eine Stärke des Projekts. Das Projekt wird deshalb auch von allen Ländern finanziert, und es nehmen auch alle Länder auf der Arbeitsebene teil. Allerdings ist nicht jedes Land in jeder Arbeitsgruppe vertreten.

Online-Redaktion: Was hat sich seit der Einführung von Bildungsstandards in Unterrichtsentwicklung und Unterrichtsqualität, Planung, Durchführung und Auswertung von Unterricht verändert?

Klinger: Neu ist der empirische Blick auf Schule. Die nationalen und internationalen Studien, Erhebungen und Vergleichsarbeiten wie PISA, VERA und IGLU sowie die zentralen Abschlussprüfungen führten zu einer stärkeren Testorientierung in den Schulen. Das schlägt sich auch auf der Unterrichtsebene nieder.
Darüber hinaus nimmt man die Entwicklung von Unterricht stärker in den Blick und sieht diese zusehends als Aufgabe der Fachkonferenzen oder Fachgruppen. Bisher haben die Lehrkräfte im Rahmen der bestehenden Lehrpläne ihren Unterricht weitgehend individuell geplant. Im Kontext der Bildungsstandards müssen nun in Schulen auch Qualitätsprogramme, schuleigene Arbeitspläne und Kerncurricula erstellt werden. Das kann nicht mehr die einzelne Lehrkraft leisten, sondern ist Aufgabe der Fachgruppe, der Fachkonferenz. Deshalb liegt der Fokus bei unseren Aktivitäten auf der Unterstützung der Arbeit der Fachgruppe bzw. der Fachkonferenz.

Online-Redaktion: Welche Ergebnisse erbrachte die Arbeit der Arbeitsgruppen im Teilprojekt 1: „Kompetenzorientierte Unterrichtsentwicklung in professionellen Fachgruppen“?

Klinger: Das Teilprojekt 1 wurde in die vier Arbeitsgruppen „Deutsch“, „Fremdsprachen“, „Mathematik“ und „Naturwissenschaften“ untergliedert. Innerhalb dieser Fachgruppen wurden noch einmal fachliche Schwerpunkte gesetzt.
Die Arbeitsgruppe „Naturwissenschaften“ hat sich zum Beispiel an Fragestellungen orientiert, die für die Fachgruppen einen besonderen Arbeitsschwerpunkt darstellen. Für diese Anlässe oder Fragestellungen, wie sie beispielsweise durch die Stichworte „Experiment“, „Aufgaben“, „Kontexte“ oder „Diagnose“ beschrieben werden können, wurden geeignete Materialien und Konzepte entwickelt.
In der Arbeitsgruppe „Mathematik“ wurden so genannte „Szenarien“ für Fachkonferenzen entwickelt, die u.a. zeigen, wie man mit der Fachgruppe das Thema „Daten und Zufall“ aufarbeiten kann. Ähnliches ist in Variationen auch für die anderen Fächer geschehen.

Online-Redaktion: Im Teilprojekt 2 ging es um die Erarbeitung von Kompetenzprofilen und Qualifizierungsmodulen für schulexterne Moderatorinnen und Moderatoren zur Arbeit mit Fachgruppen und Fachkonferenzleitungen. Warum ist eine Unterstützung von außen wichtig? Welche Kompetenzprofile und Qualifizierungsmodule wurden erstellt?

Klinger: Wie gesagt, die Bildungsstandards haben in den Schulen dazu geführt, dass die Kolleginnen und Kollegen vor neuen Herausforderungen stehen. Sie sind verunsichert, und sie vermissen eine klare Struktur. Die Zusammenhänge zwischen den oft unkoordiniert auf die Schulen einströmenden Reform- und Entwicklungsvorhaben erschließen sich den Kolleginnen und Kollegen nur schwer. Ihnen fehlt ein Stück weit die Orientierung. Sie benötigen konkrete Beratung und Unterstützung bei der Umsetzung der Bildungsstandards in ihren Fächern. Diese Aufgabe übernehmen die Beratungskräfte, die je nach Bundesland auch Multiplikatoren oder Fachmoderatoren heißen. Im Teilprojekt 2: „Kompetenzprofile und Qualifizierungskonzepte für schulexterne Moderatorinnen und Moderatoren zur Beratung und Unterstützung einer kompetenz- und standardbasierten Unterrichtsentwicklung“ wurde vergleichend zusammengetragen, welche Personengruppen es in den einzelnen Bundesländern für die Unterstützung der Fachgruppen gibt. Wegen der sehr heterogenen Bezeichnungen haben wir uns entschieden, sie als „Beraterinnen und Berater für Unterrichtsentwicklung“ zu bezeichnen. Dann wurde ein Kompetenzprofil für diese Beratungspersonen erstellt.
Es war nur natürlich, dass sich daran die Entwicklung von Modulen zur Qualifizierung anschloss. Hier sind die Module „Kompetenzorientierter Unterricht“ „Rollenklärung und professioneller Anspruch an Beratungspersonen“, „Zielgruppen und Handlungsfelder“ sowie „Prozessplanung und -gestaltung“ zu nennen. Diese werden durch Zusatzmodule ergänzt, die sich eher auf den fachlichen Hintergrund beziehen bzw. auf so spezielle Arbeitsfelder wie Diagnose, Förderung und ähnliches.

Online-Redaktion: Wird es Folgeprojekte für die anderen Fächer geben, die nicht den offiziellen nationalen Bildungsstandards unterliegen?

Klinger: Unser Anliegen ist, dass die Erfahrungen, die die Fachgruppen mit dem Einsatz der Materialien, der Konzepte und der Arbeit mit den Beratungskräften machen, auf die ganze Schule ausstrahlen. Es ist ein Ziel des Projekts, dass das, was wir im Bereich Unterrichtsentwicklung in den Bildungsstandardfächern herausarbeiten und anlegen, letztlich Schulentwicklung befördert. Damit sind automatisch auch alle anderen Fächer angesprochen. Ein Teil unserer Materialien ist zwar sehr spezifisch, ein großer Teil ist aber auf andere Fächergruppen übertragbar. Diesen innerschulischen Transfer anzugehen, sind Aufgabe und Ziel für die Zeit nach Abschluss dieses KMK-Projekts.

Online-Redaktion: Wurde die Evaluation des Projekts bereits abgeschlossen?

Klinger: Wir haben mit einem Evaluationsteam unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Barbara Asbrand von der Universität Göttingen ein Evaluationsdesign vereinbart, das die Erprobung der Materialien an acht ausgewählten Schulen vorsieht. Das Evaluationsteam begleitete die Fachmoderatorinnen und -moderatoren und die Fachkonferenzen bei ihrer Arbeit und beobachtete sie auch noch eine Weile danach, um zu sehen, wie die Fachkonferenzen die Materialien und Konzepte aufgegriffen haben und wie sie sie nutzen. Zurzeit läuft die Auswertung dieser Daten. Wir rechnen mit einem Abschlussbericht im Frühjahr/Sommer 2009.

Online-Redaktion: Wie wird der Transfer in die Schulen sichergestellt?

Klinger: Die Materialien werden elektronisch und in Printform veröffentlicht und stehen allen Ministerien, Landesinstituten, Beratungspersonen und Schulen zur Verfügung. Sie werden in digitaler Form beim Innovationsportal des Deutschen Bildungsservers eingestellt. Außerdem wird es eine Veröffentlichung in Druckform geben, zu der auch ein Ringordner gehört, den man mit Materialien, die man aus dem Innovationsportal downloaded, ergänzen kann. Diese Publikation wird ab Juni 2009 unter dem Titel „Mit Kompetenz Unterricht entwickeln“ im Bildungsverlag EINS erscheinen.

Der Transfer in die Länder und auf die Arbeitsebene war auch ein wichtiges Thema des Symposiums am 11./12. Dezember 2008 in Speyer. Wir haben nicht nur unsere Ergebnisse präsentiert, sondern auch Gelegenheit zu intensiven Gesprächen mit den Arbeitsgruppen gegeben. Daneben konnten in Workshops die Materialien und Konzepte im Einsatz erprobt und diskutiert werden. Natürlich haben wir auch thematisiert, wie die Materialien und Konzepte in den Ländern unter den je spezifischen Bedingungen genutzt werden können. So wird es in Rheinland-Pfalz im Frühjahr 2009 eine Transfertagung geben, auf der wir den Beratungskräften und den Zuständigen in den Instituten die Ergebnisse noch einmal vorstellen und mit ihnen gemeinsam diskutieren, wie die Materialien und Konzepte in der Fortbildung und der Arbeit mit den Fachkonferenzen in den Schulen eingesetzt werden können.

Andere Länder planen den Einsatz der Materialien in der Qualifizierung ihrer Beratungskräfte, in der Lehrerausbildung sowie in der Fort- und Weiterbildung. In diesen Zusammenhang gehört auch ein Pilotprojekt zur Qualifizierung von Beraterinnen und Beratern für Unterrichtsentwicklung, in dem Rheinland-Pfalz zusammen mit Hamburg eine gemeinsame erste Runde gestartet hat. In diesem Qualifizierungsprogramm werden die ersten Beraterinnen und Berater für Unterrichtsentwicklung mit den erarbeiteten Modulen qualifiziert. Wir haben mit 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Dezember 2008 begonnen und werden dieses Pilotprojekt im Frühjahr 2009 abschließen.


Udo Klinger, Regierungsschuldirektor, ist pädagogisch-wissenschaftlicher Referent für die Naturwissenschaften am Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung des Landes Rheinland-Pfalz (IFB) in Speyer. Arbeitsschwerpunkte: Unterrichtsentwicklung und Lehrerfortbildung im Bereich der naturwissenschaftlichen Fächer vom Sachunterricht bis zur Oberstufe. Udo Klinger ist geschäftsführender Leiter des KMK-Projekts for.mat

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 19.12.2008
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