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25. 09. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Vorbilder sollen anspornen

Nationaler Pakt für mehr Frauen in MINT-Berufen

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Auftaktveranstaltung von "Komm mach MINT" in Berlin. Quelle:http://www.komm-mach-mint.de/

Wer kennt nicht das alte Vorurteil, dass Frauen und Technik nicht zusammenpassen. Auch heute halten viele diese Kombination noch für einen Gegensatz. Dabei bringen immer mehr Mädchen und junge Frauen ein großes Interesse für Technik und Naturwissenschaften mit und erwerben schon in der Schule hervorragende Qualifikationen für technische und naturwissenschaftliche Berufe. Dennoch sind sie in diesen Branchen deutlich unterrepräsentiert: Der Frauenanteil lag 2007 bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in vier IT-Ausbildungsberufen bei 12,3 Prozent. Nur neun Prozent Frauen fangen ein Studium der Elektrotechnik und 17 Prozent eines der Informatik an. Während Frauen vorwiegend in kaufmännischen Berufen, medizinischen Assistenzberufen und im Dienstleistungssektor zu finden sind, dominieren Männer die technischen und naturwissenschaftliche Berufe, die hervorragende Karriere- und Verdienstmöglichkeiten bieten.

Der Nationale Pakt für mehr Frauen in MINT-Berufen
Dies soll sich ändern. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels — wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass 330.000 Akademikerinnen und Akademiker bis zum Jahr 2013 fehlen werden, davon allein rund 70.000 im Bereich der Naturwissenschaften und rund 85.000 in den Ingenieurwissenschaften ― soll auf das Potenzial von Frauen nicht länger verzichtet werden. Unter dem Motto „Komm, mach MINT!“ will die Bundesregierung mit mehr als 40 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik deutlich mehr junge Frauen für so genannte MINT-Berufe — Berufe rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik— gewinnen. Auf Initiative von Bundesbildungsministerin Annette Schavan wurde am 17. Juni 2008 in Berlin der Nationale Pakt für mehr Frauen in MINT-Berufen gestartet, den das BMBF mit drei Millionen Euro im Jahr unterstützt. „Wir brauchen mehr sichtbare Rollenvorbilder, bessere Informationen über den Berufsalltag und Angebote, die bei jungen Mädchen frühzeitig das Interesse an Naturwissenschaft, Mathematik und Technik wecken und erhalten“, forderte die Ministerin bei der Auftaktveranstaltung des Paktes in Berlin. Junge Frauen in Deutschland besitzen beste Voraussetzungen für technische und naturwissenschaftliche Berufe. Noch nie waren sie so gut ausgebildet, allein der Anteil junger Frauen an den Abiturienten beträgt 56 Prozent. „Jetzt müssen wir sie dazu motivieren, diese hervorragenden Chancen in ihrer Studien- und Berufswahl auch zu nutzen“, so Annette Schavan. Der Pakt ist Bestandteil der Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung“, die von der Bundesregierung am 9. Januar 2008 beschlossen wurde. Die Initiative bündelt alle Maßnahmen der Bundesregierung, die den Weg zu mehr Bildung und Qualifizierung öffnen und die den sich abzeichnenden Fachkräftemangel bekämpfen sollen.

Ziele der Bündnispartner
In einem gemeinsam unterschriebenen Memorandum haben sich die über 40 Partner für mindestens drei Jahre auf konkrete gemeinsame Ziele geeinigt und sich dazu verpflichtet, diese durch eigene Maßnahmen zu unterstützen: Sie wollen die technisch begabten und interessierten Schülerinnen gezielt ansprechen, aufzeigen, wie die heutige Berufswelt im MINT-Bereich aussieht und welche Chancen sich für Frauen in diesen Berufsfeldern eröffnen. Der Anteil an Studienanfängerinnen in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern soll um durchschnittlich fünf Prozentpunkte steigen. Bei Neueinstellungen im MINT-Bereich sollen Frauen mindestens entsprechend ihres Anteils an den Absolventen berücksichtigt und ihr Anteil an Führungspositionen deutlich erhöht werden. In Fächern wie Maschinenbau oder Elektrotechnik zum Beispiel finden sich Frauen öfter als Männer auf einfachen und mittleren betrieblichen Positionen wieder, dafür seltener auf höheren. „Dass Weiblichkeit mit mangelnder Technikkompetenz gleichzusetzen sei, das steckt auch heute noch in den Köpfen vieler Chefs“, weiß Arbeitsmarktforscherin Franziska Schreyer. Die Berufskultur ist bei den Ingenieuren in Deutschland nach wie vor männerdominiert. Viele fürchten auch, dass Frauen Beruf und Familie nicht vereinbaren können oder nach einer Babypause aufgrund des schnellen technischen Wandels den Anschluss verlieren.

Projekte und Maßnahmen
Für junge Frauen, die sich für einen naturwissenschaftlich-technischen oder ingenieurwissenschaftlichen Studiengang entscheiden, sind Absolventinnen dieser Studienrichtungen, denen der Aufstieg in Führungspositionen gelingt, von großer Vorbildwirkung. Die Partner des Nationalen Paktes geben jungen Frauen Entscheidungshilfen für den Studieneinstieg, ermöglichen frühzeitige Kontakte mit „Role Models“ und bewirken damit mehr Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit für ein technisches Studium. Sie starten neue Aktivitäten, intensivieren bestehende oder setzen in Kooperationen mit anderen Partnern neue Akzente. Erfolgreiche Ansätze sollen in andere Regionen und Institutionen transferiert werden. Die Hochschulen etwa wollen ihre naturwissenschaftlichen und technischen Studiengänge attraktiver gestalten und die Studienorientierung für Frauen erleichtern. Unternehmen wollen jungen Frauen deutlich machen, dass in MINT-Berufen attraktive Arbeitsplätze auf sie warten. Durch Berufsorientierungsmaßnahmen sollen Frauen die guten Chancen in diesen Berufen vermittelt werden. Die Deutsche Telekom Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft beteiligen sich mit einem gemeinsamen Angebot aus Ingenieur-Akademien und Talent Schools an dem Pakt. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat ein Projekt entwickelt, über das junge Mädchen gezielt durch Rollenvorbilder aus dem MINT-Bereich angesprochen werden. Die Bundesagentur für Arbeit verstärkt ihre Maßnahmen zur Berufsorientierung speziell für junge Frauen. Zudem bieten Paktmitglieder neue Formen des Mentoring und neue Formate der Begegnung zwischen erfahrenen Frauen aus dem MINT-Bereich und Schülerinnen an. Ein weiteres Projekt will über die Zusammenarbeit von Drehbuchautoren und MINT-Fachleuten für ein realistisches Bild der MINT-Berufe in Filmen und Fernsehserien sorgen.

Homepage macht Angebote transparent
Koordiniert wird der Pakt durch eine im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. angesiedelte und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Geschäftsstelle. In einer Aktionslandkarte auf der Homepage des Nationalen Paktes macht sie alle Angebote transparent, die bundesweit darauf abzielen, Begeisterung für MINT zu wecken, Zukunftsperspektiven aufzuzeigen und den Berufseinstieg in MINT zu unterstützen. Diese Projektlandkarte umfasst schon jetzt zahlreiche und vielfältige Angebote, von „Auf die Plätze - Technik - los!“ der Fachhochschule Coburg über „Joblab - Coaching zur Berufsfindung“ von NORDMETALL bis „Zukunft Unternehmertum - Schülerinnen treffen Unternehmerinnen“ des Steinbeis-Transferzentrums für Unternehmensentwicklung an der Hochschule Pforzheim. Und sie wird ständig größer — denn der Pakt ist offen für weitere Partner, insbesondere aus der Wirtschaft, die sich für seine Ziele einsetzen und aktiv mitwirken wollen, um mehr Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 25.09.2008
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