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25. 10. 2007

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"alle anders - alle gleich"

Die Kampagne für Vielfalt, Menschenrechte und Partizipation geht zu Ende

Bild

"alle anders - alle gleich", Quelle: Europarat

Anfang Oktober 2007 fand das große Abschlussevent der europäischen Jugendkampagne "alle anders - alle gleich" in Malmö/Schweden statt. Jugendliche aus 42 Ländern hatten sich in den vergangenen eineinhalb Jahren in vielfältigen Aktionen und Projekten für die Themen Vielfalt, Menschenrechte und Partizipation stark gemacht.

Mit Trommeln, Musik und der Begeisterung von über 100 jungen Menschen aus 42 Ländern startete die Jugendkampagne des Europarates "alle anders - alle gleich" am 29. Juni 2006 in Straßburg/Frankreich. Hoffnungsvoll blickten die Jugendlichen auf die nächsten eineinhalb Jahre, in denen sie sich in zahlreichen Aktionen und Projekten für den Aufbau offener, demokratischer Gesellschaften einsetzen und gemeinsam gegen Diskriminierung und für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen stark machen wollten. Im Oktober 2007 ging die erfolgreiche und lebhafte Kampagne in Malmö/Schweden zu Ende.

Inhalte der Kampagne
Alle 46 Mitgliedsländer des Europarates sowie Weißrussland und der Vatikan waren aufgerufen, sich an der Kampagne zu beteiligen. Im Mittelpunkt standen die drei Themen Vielfalt, Menschenrechte und Partizipation. "Vielfalt, weil sie unsere europäische Gesellschaft seit Jahrhunderten bereichert hat und der Schlüssel für den kulturellen und ökonomischen Erfolg ist. Menschenrechte, weil diese die Grundlage für das Zusammenleben aller Menschen sind. Und weil sich die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Realität trotz aller Konventionen und Gesetze zu wenig daran orientiert. Partizipation, weil eine funktionierende, demokratische Gesellschaft von aktiven Bürger/innen lebt. Und weil es immer noch Gruppen gibt, die ihre Möglichkeiten nicht kennen und wahrnehmen", so die Kampagnenleiter. Jugendliche aus ganz Europa wurden im Zeitraum von Juni 2006 bis September 2007 Teil dieser Bewegung. Sie alle brachten sich in zahlreichen Aktivitäten auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene ein und erfüllten die Themen der Kampagne mit Leben.

Aktionen und Projekte
Allein in Deutschland stellten Jugendliche 68 unterschiedliche Projekte zu den Kampagnenschwerpunkten auf die Beine und lernten dabei, sich selbst fortzubilden und sich selbst zu organisieren. Die Aktivitäten wurden von Schulen oder einzelnen Klassen, Jugendverbänden, dem Kinderschutzbund und vielen anderen Organisatoren ausgerichtet und gingen über einen Tag, mehrere Tage oder auch Wochen und Monate. Beispiele sind: "Land in Sicht - Konzepte ländlicher Jugendarbeit mit rechtsextremen Jugendlichen" in Magdeburg, "Schrei für dein Recht und für die Menschenrechte" in Berlin sowie "Und wo bleibe ich?", ein interkulturelles Tanztheaterprojekt für Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund in Lindau am Bodensee. Darunter waren viele Projekte, die im Rahmen des Programms "100 x 1000" gefördert wurden: zum Beispiel die Organisation eines lokalen Kulturfestivals mit Beiträgen aus unterschiedlichen Kulturgruppen, die Entwicklung einer "Spielereihe" über Vorurteile bzw. Vielfalt in Europa, eine Mediendokumentation über Vielfalt der Jugendkulturen oder Migrationsgeschichten in der eigenen Stadt/Gemeinde/Region.

Die "Baustelle Vielfalt" bot im März 2007 rund 150 Jugendlichen zwischen 14 und 27 Jahren aus ganz Deutschland vier Tage lang die Möglichkeit, Projekte zu den Themen "Vielfalt" und "Menschenrechte" zu planen, die Menschen zueinander bringen und Vorurteile überwinden helfen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der "Baustelle Vielfalt" waren zugleich die Jury für die Aktion "Vielfalt passt in (k)einen Rahmen". In diesem Kreativwettbewerb wurden die Jugendlichen danach gefragt, wo sie die Chancen gesellschaftlicher Vielfalt in Deutschland sehen und wie eventuell (noch) vorhandene Grenzen gesellschaftlicher Vielfalt überwunden werden können.

Auf eigens organisierten Jugendveranstaltungen konnten die Jugendlichen ihre Projekte vorstellen und sich miteinander vernetzen. Die gelungene Netzwerkbildung - und zwar nicht nur zwischen den Jugendverbänden, sondern auch zu "Jugendlichen ohne Grenzen" und innerhalb der Migrationsarbeit - freut Katrin Oeser besonders. Sie ist Projektreferentin für das Deutsche und Europäische Kampagnensekretariat.

Große Mitmachaktionen: Antidiskriminierungstour, Lebendige Bibliothek
Ein weiteres Highlight im Projektzeitraum war die große "Antidiskriminierungstour" vom 23. Juni bis 20. Juli 2007. Das Freiwilligenteam tourte mit einem Tourmobil durch knapp 20 deutsche Städte und brachte ein umfangreiches Programm mit Ausstellungen, Workshops, einem Wahrnehmungsparcours, Filmen und jeder Menge Hintergrundmaterial rund um das Thema Diskriminierung mit. An allen Stationen gab es ein buntes Programm zum Mitmachen, welches gemeinsam durch die Kampagne und lokale Initiativen gestaltet wurde.

Auch die "Lebendige Bibliothek" auf dem Highfield-Festival am 18. August 2007 war eine besondere Aktion. Unter dem Motto "sprich mit deinem eigenen Vorurteil!" konnten sich Besucher des Festivals in der "Lebendigen Bibliothek" mit Menschen unterhalten und diese zu ihrem Leben befragen - Arbeitslose, Alleinerziehende, Blinde etc. - die immer wieder mit Vorurteilen und Stereotypen konfrontiert und damit häufig Opfer von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung werden. Ein Handbuch der "Lebendigen Bibliothek" ist ins Deutsche übersetzt worden und über das Deutsche Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit erhältlich.

Weitere spannende Aktionen waren zwei Graffitiprojekte, die im Naturbad Groß Kölzig bei Forst und in Frankfurt/Oder stattfanden. Beide Events waren Teil der Veranstaltungsreihe "United colours of Europe - Paint the change you want to see!", die im Rahmen der Kampagne in über 18 Ländern durchgeführt wurde. Der europäische Charakter des Projektes kam besonders in der deutsch-polnischen Aktion in Frankfurt/Oder zum Ausdruck, die gemeinsam mit der polnischen Kampagne organisiert wurde. Graffitikünstler/innen und solche, die es werden wollen, sprühten einen Nachmittag lang zum Motto "alle anders - alle gleich". Gelungene Graffitis wurden fotografiert und in einem Buch neben Graffitis aus anderen Ländern europaweit veröffentlicht.
Außerdem war die Kampagne am 27. Mai auf dem Jahrestreffen der Muslimischen Jugend, vom 6. bis 10. Juni auf dem Kirchentag, am 27. Juni in Halle auf dem Konzert "Laut gegen Nazis" und gemeinsam mit dem Bundesjugendring am 28. Juni in Berlin beim großen Abschlussfest der deutschen EU-Ratspräsidentschaft dabei.

Die Organisation der Jugendkampagne
Die zentrale Stütze der Kampagne in den Mitgliedsländern waren die Nationalen Kampagnenkomitees (NCC). Die Kampagnenaktivitäten auf europäischer Ebene koordinierte das Europäische Kampagnensekretariat in Straßburg. In Deutschland, wo die Kampagne unter der Schirmherrschaft von Bundesjugendministerin Ursula von der Leyen lief, wurden die Kampagnenaktivitäten vom Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) koordiniert, vom Kampagnenbüro in Berlin organisiert und vernetzt und vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Das Europäische Abschlussevent in Malmö
Abgeschlossen wurde die eineinhalbjährige Kampagne am 15./16. Oktober 2007 mit der Fachtagung "Antidiskriminierungsarbeit: aktueller Stand, Perspektiven und methodische Ansätze" in der Landesvertretung des Saarlandes in Berlin und auf einer großen Abschlussveranstaltung in Malmö/Schweden. Auf der Fachtagung waren Akteure und Organisationen aus der Menschenrechtsbildung und -arbeit sowie der Antidiskriminierungs-, Antirassismus- und Jugendarbeit eingeladen. Neben einem Kampagnenrückblick standen ein Ausblick auf die Antidiskriminierungsarbeit der Zukunft und der Bezug zum "Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs 2008" im Vordergrund. Diskutiert wurde die nachhaltige Verankerung von Ansätzen der Antidiskriminierungsarbeit in der Jugendbildungs- und Verbandsarbeit.

Das Europäische Abschlussevent der Kampagne fand vom 4. bis 7. Oktober 2007 in Malmö/Schweden statt. Unter dem Motto "Das Ende vom Anfang" überlegten ca. 300 Teilnehmer/innen aus allen 42 an der Kampagne beteiligten Ländern, wie der Geist von "alle anders - alle gleich" auch in Zukunft aufrechterhalten werden kann. Die positiven Impulse, die die Kampagne für die einzelnen Länder gebracht hat, und ihren Beitrag zu einem offenen Europa der Chancengleichheit würdigten in ihren Reden u. a. die schwedische Ministerin für Integration und Gleichstellung, Nyamo Sabuni, und der Generalsekretär des Europarates, Terry Davis. In Workshops wurden Erfahrungen über die Kampagnenarbeit und best practice ausgetauscht und Anregungen gegeben, wie es nach dem offiziellen Ende der Kampagne weitergehen kann. In einigen Ländern steht schon fest, dass es "alle anders - alle gleich" auch im nächsten Jahr geben wird, so in Schweden und Russland. Mit dem Event in Malmö hat außerdem der Evaluierungsprozess der Kampagne begonnen. Im Januar wird dazu eine Evaluierungskonferenz in Portugal stattfinden.

Vergabe des Europaratspreises
Im Rahmen des Abschlussevents wurde der Europaratspreis "Junge aktive Bürger/innen" verliehen. Mit dem Preis belohnt der Europarat bereits zum fünften Mal Projekte und Aktionen, die die aktive Teilnahme von Jugendlichen innerhalb der Gesellschaft fördern. Bewerben konnten sich nichtstaatliche Jugendorganisationen und -netzwerke sowie alle anderen in der Jugendarbeit Tätigen, die sich an der europäischen Jugendkampagne für Vielfalt, Menschenrechte und Partizipation: "alle anders - alle gleich" beteiligt haben.

Ausgezeichnet wurden fünf beispielhafte Projekte aus Aserbaidschan, Frankreich, Russland, Bulgarien und Deutschland. Das Wuppertaler Medienprojekt, welches mit jungen Muslimen die Filmreihe "Jung und Moslem in Deutschland" produziert hat, überzeugte die Jury. In diesem Projekt sind über zehn Kurzfilme entstanden, die eine gute Mischung aus biographischer Arbeit von Jugendlichen und Aufklärungsarbeit präsentieren.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 25.10.2007
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