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10. 05. 2007

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Lernen ohne Grenzen

Neues europäisches Programm für lebenslanges Lernen

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Europa wächst zusammen

Am 6. und 7. Mai 2007 wurde auf einer zweitägigen Konferenz in Berlin das neue Programm für lebenslanges Lernen vorgestellt. Das auf die allgemeine und berufliche Bildung ausgerichtete Programm, dessen Laufzeit von 2007 bis 2013 reicht, ist das erste europäische Programm, mit dem das gesamte Spektrum des Lernens vom Kleinkind- bis zum Rentenalter abdeckt wird.

 

Seit dem 1. Januar 2007 hat Europa ein neues Bildungsprogramm - das Programm für lebenslanges Lernen. Von 2007 bis 2013 führt es alle europäischen Programme in diesem Bereich zusammen, um den Austausch, die Zusammenarbeit und die Mobilität zwischen den Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Bildung zu fördern und Studien-, Ausbildungs- und Lehraufenthalte im Ausland zu unterstützen. Den 31 Teilnehmerstaaten - die Mitgliedstaaten der EU, die Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums, Norwegen, Island, Liechtenstein und die Türkei - steht insgesamt ein Budget von sieben Milliarden Euro zur Verfügung. Jedes Jahr sollen bis zu 80.000 Auszubildende und junge Berufstätige aus ganz Europa die Chance haben, sich außerhalb ihres Heimatlandes zu qualifizieren und auf den europäischen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Allein Deutschland bekommt jährlich rund 100 Millionen Euro.

Programm für lebenslanges Lernen
Das neue Programm fasst das Vorläuferprogramm LEONARDO DA VINCI (berufliche Bildung) sowie die bisherigen SOKRATES-Aktionen - COMENIUS (Schulbildung), ERASMUS (Hochschulbildung) und GRUNDTVIG (Erwachsenenbildung) - als sektorale Programme unter einem gemeinsamen Dach zusammen. Der Programmname SOKRATES entfällt künftig. Alle anderen Programme behalten ihre Namen bei. Mit der neuen Programmstruktur wird zum ersten Mal ein einziges Programm Lernangebote für alle Altersgruppen - von der Kindheit bis zum Seniorenalter - bereithalten. Es deckt alle Stufen und Formen allgemeiner und beruflicher Bildung ab und umfasst den lebensbegleitenden Bildungsweg von der Schule über die Hochschule und Berufsbildung bis zur Erwachsenenbildung.

Gegenstand des Programms LEONARDO DA VINCI ist die berufliche Bildung. Das Programm zielt auf die Bedürfnisse aller Beteiligten der beruflichen Bildung sowie auf Einrichtungen und Organisationen, die entsprechende Aus- und Weiterbildungsgänge anbieten oder fördern. Bis 2013 soll die Anzahl von Praxisaufenthalten in Betrieben und Berufsbildungszentren in einem europäischen Land auf mindestens 80.000 pro Jahr erhöht werden.

Das Programm COMENIUS richtet sich an Schülerinnen und Schüler in Vorschulen und Schulen bis einschließlich Sekundarbereich II sowie an die Einrichtungen und Organisationen, die entsprechende Bildungsgänge anbieten. Unterstützt wird vor allem der Ausbau von Schulpartnerschaften. Vorgesehen ist, dass während der Laufzeit des Programms circa drei Millionen Schülerinnen und Schüler an gemeinsamen Bildungsaktivitäten teilnehmen.

Das Programm ERASMUS betrifft die formale Hochschulbildung und die auf der tertiären Ebene angesiedelte allgemeine und berufliche Bildung, unabhängig von der Länge des Bildungsgangs und einschließlich Promotionsstudien. Im Unterschied zu den vorangegangenen Programmen fällt die berufliche Bildung im Tertiärbereich nicht mehr unter LEONARDO DA VINCI, sondern unter ERASMUS. Mindestens drei Millionen Studierende sollen bis 2013 die Möglichkeit eines Auslandsstudiums erhalten.

Gegenstand des Programms GRUNDTVIG sind alle Formen der Erwachsenenbildung. Gefördert werden unter anderem die Entwicklung von Lernpartnerschaften sowie innovative Produkte im Rahmen der multilateralen Projekte. Mindestens 7.000 Mobilitätsaktivitäten pro Jahr sollen bis 2013 ermöglicht werden.

Vervollständigt wird das neue europäische Programm durch Querschnittsprogramme der politischen Zusammenarbeit und Innovationen in Bezug auf lebenslanges Lernen, Sprachenlernen, Maßnahmen der Informations- und Kommunikationstechnik sowie durch umfangreichere Verbreitungsaktivitäten. Abgerundet werden die Aktionen durch das neue Einzelprogramm JEAN MONNET, das Einrichtungen zur europäischen Integration unterstützt. Jedes dieser Programme sieht finanzielle Hilfen für Einzelpersonen und Projekte vor. Damit sollen die länderübergreifende Mobilität der Bürgerinnen und Bürger gefördert, bilaterale und multilaterale Partnerschaften unterstützt und die Qualität der Einrichtungen und Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung verbessert werden.

Fachkonferenz und Preisverleihung auf der Auftaktveranstaltung
Auf der zweitägigen Auftaktkonferenz am 6. und 7. Mai in Berlin diskutierten rund 700 Bildungsfachleute aus ganz Europa, wie das Programm für lebenslanges Lernen genutzt werden kann, um den Europäischen Bildungsraum weiterzuentwickeln. In Fachforen erörterten Entscheidungsträger und Multiplikatoren die Themen "Lernen neu lernen - Strategien für den demografischen Wandel in der europäischen Wissensgesellschaft", "Ausbildung für europäische Arbeitsplätze", "Von und mit Europa Lernen - Neue Herausforderungen für Schulen in Europa" und die "Europäische Hochschulbildung und das neue Erasmusprogramm". "Lebenslanges Lernen soll sich künftig wie ein roter Faden durch die Bildungsbiografie jedes Menschen ziehen", bekräftigte die Bundesministerin für Bildung und Forschung Dr. Annette Schavan. Nach den nationalen Grenzen sollen jetzt auch die Grenzen zwischen den Bildungsbereichen sowie zwischen formaler und nicht-formaler Bildung abgebaut werden.

In einer feierlichen Preisverleihung wurden 18 herausragende Projekte aus den 2006 abgeschlossenen europäischen Bildungsprogrammen LEONARDO DA VINCI und SOKRATES von Dr. Annette Schavan, dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner, und dem EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend, Ján Figel´ mit dem "Europäischen Preis für lebenslanges Lernen" ausgezeichnet. Unter den Preisträgern sind auch vier Projekte aus Deutschland: Das Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Lüdinghausen erhielt den Preis für ein Projekt zur technischen Früherziehung von Kindern (COMENIUS Bronze). Die Humboldt-Universität zu Berlin wurde für die Aufnahme von ERASMUS-Studierenden ausgezeichnet. (ERASMUS Silber). Das MAN-Ausbildungszentrum in Augsburg erhielt den Preis für den Austausch von Auszubildenden mit Dänemark (LEONARDO DA VINCI Silber). Und der Jean Monnet-Lehrstuhl von Prof. Wolfgang Wessels an der Universität Köln wurde für herausragende Forschung und Lehre im Bereich "Europäische Integration" prämiert (JEAN MONNET Gold).

Lebenslanges Lernen wird transparenter
Mit dem neuen europäischen Programm erreicht die Europäische Union (EU) eine große Anzahl ihrer Bürgerinnen und Bürger. Die Aussicht darauf, die Ziele der Strategie von Lissabon, einschließlich der ökologischen Zielsetzungen, sowie die Vereinbarungen der europäischen Bildungsministerinnen und -minister im Bologna-Prozess für die Hochschulbildung und im Kopenhagen-Prozess für die Berufsbildung umzusetzen, rückt ein Stück näher. Die Europäische Gemeinschaft kann sich mit Hilfe des Programms für lebenslanges Lernen zu einer fortschrittlichen wissensbasierten Gesellschaft entwickeln und ihre allgemeine und berufliche Qualifizierung ausbauen. Das Erlernen von Fremdsprachen steht dabei, entsprechend den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Barcelona 2002, im Mittelpunkt. Die Zusammenlegung der einzelnen Programme beziehungsweise Aktionen begünstigt außerdem eine stärkere Interaktion zwischen den verschiedenen Bereichen und macht sie für alle Bürgerinnen und Bürger der europäischen Staaten transparenter.


 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 10.05.2007
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