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08. 02. 2007

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Die "gute gesunde" Schule

Mit Gesundheitsförderung die Bildungsqualität erhöhen

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Gesundes Gemüse

Es hat sich schon viel getan an der Volksschule Burkardroth in Bayern: Die Einrichtung einer Lernwerkstatt, die Pausenhofumgestaltung und die Umstellung auf gesunde Ernährung durch das Powerfrühstück und den hauseigenen Schulgarten. Die Volksschule Burkardroth ist eine von 13 ausgewählten Schulen, die in der Region Bad Kissingen seit dem Schuljahr 2004/2005 an dem Programm "Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland", kurz Anschub.de, teilnimmt. "Das Programm Anschub.de soll eine Antwort auf die Frage geben, unter welchen - realisierbaren - Bedingungen sich eine Schule zu einem Raum entwickeln kann, in dem sich Schüler wie Lehrer psychisch, physisch und sozial wohl fühlen und deshalb ruhig und entspannt, gleichzeitig aber zielstrebig und freudvoll lernen und arbeiten können", erklärt Dr. Wolfgang Ellegast vom bayerischen Kultusministerium das Vorhaben.

Anschub kommt von Anschieben
Anschub.de, die "Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland" ist ein von der Bertelsmann Stiftung initiiertes nationales Programm zur schulischen Gesundheitsförderung, mit dem die Schul- und Bildungsqualität durch Gesundheit nachhaltig verbessert werden soll. "Gesundheit soll zentraler Bestandteil des schulischen Alltags werden", erläutert Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern und von Lehrerinnen und Lehrern sei Grundvoraussetzung dafür, dass Bildung überhaupt gelingen könne. Die Bildungsqualität an Schulen könne durch die Gesundheitsförderung deutlich erhöht werden, ist sie sich sicher. "Zudem haben in den vergangenen Jahren gesundheitliche Probleme wie Übergewicht und Diabetes bei Kindern und Jugendlichen stark zugenommen. Fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an Übergewicht. Auch darum brauchen wir Programme wie Anschub.de", ergänzt sie. Mit dem Projekt soll die Gesundheitsförderung in Schulen durch Bündelung und Koordinierung von Ressourcen "angeschoben" werden und neue Impulse erhalten.

Ziel: die "gute gesunde Schule"
Die Allianz der Partner aus verschiedenen Bereichen schulischer Gesundheitsförderung und Bildung bildet die Basis des Projekts. 33 Institutionen aus der Wissenschaft, Unfall- und Krankenkassen, Ministerien und Unternehmen wollen gemeinsam die nachhaltige und ganzheitliche Förderung von Schulen durch Gesundheit ermöglichen. Anschub.de setzt dabei auf Synergie statt auf Konkurrenz: Die Institutionen bündeln ihre Interessen und wollen auf diese Weise eine umfassende Perspektive ermöglichen. Fortbildungen, Materialien und Aktivitäten sollen flächendeckend angeboten werden und leicht zugänglich sein. Das Ziel des Programms, das von August 2002 bis Dezember 2007 läuft, ist die Entwicklung zur "guten gesunden Schule", die ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag erfolgreich umsetzt, auf die Entwicklung von Qualität und Gesundheitsbildung Wert legt und damit einen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung leistet.

Die Arbeit der Allianzpartner
An der Gestaltung und Umsetzung des Programms arbeiten die Partner der Allianz seit ihrem ersten Treffen im Mai 2002 kontinuierlich weiter. Sie entwickeln Grundpositionen und Leitlinien zur Förderung der "guten gesunden Schule" - etwa die Module "Schule-Gebäude-Freiflächen-Gesundheit", "Bewegungsfreudige Schule", "Prima Klima! - Miteinander die gute gesunde Schule gestalten" - und helfen den Schulen bei der Konzeption regionaler und lokaler Strukturen und Prozesse. Sie unterstützen die Schulen bei ihrer Status-Quo-Analyse, die als Ausgangsbasis für die Umsetzung von Anschub.de (SEIS) nötig ist, sowie beim Qualitätsmanagement, der Schulentwicklung - mit Unterstützung außerschulischer Partner - oder der Evaluation. Darüber hinaus beraten und begleiten sie Schulen und Lehrkräfte, machen konkrete inhaltliche Vorschläge und führen Fort- und Weiterbildungen durch. Damit Anschub.de und die "gute gesunde Schule" von 2008 an selbstständig handlungsfähig sind, wird das informelle Bündnis der Allianzpartner noch im ersten Quartal 2007 in einen Verein zur Förderung der "guten gesunden Schule" überführt.

Beste Erfahrungen in den Modellregionen
Im Jahr 2004 startete Anschub.de in den drei Modellregionen Bad Kissingen (Bayern), Berlin-Mitte und in den Schulamtsbereichen Greifswald und Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern. In den meisten Modellschulen ist ein gesünderes Klima eingezogen, das alle am Schulleben Beteiligten ergreift und sich stetig entwickelt. In Coachings und Fortbildungen erfahren die Schulleitungen, wie sie gesundheitsförderliche Aspekte und Argumente bei ihren Entscheidungen berücksichtigen können. Die Modellschulen integrieren die Gesundheitsförderung in ihren Alltag, indem sie den Schülerinnen und Schülern ein gesundes Frühstück ermöglichen, zusätzliche Sportarbeitsgemeinschaften anbieten oder eine "bewegte Pause" einrichten. Mit Projekten zu sozialem Lernen oder zur Suchtprävention sprechen sie die Schülerinnen und Schüler an. Darüber hinaus wird "das Thema Lehrergesundheit ... als wichtige Komponente wahrgenommen, ebenso die Bemühungen, Eltern mit einzubeziehen", stellt Elisabeth Müller-Heck von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin erfreut fest. "Besonders die Angebote für Mütter mit Migrationshintergrund tragen Früchte. An einigen Schulen gibt es Elterncafes, in denen regelmäßig über Fragen der gesunden Ernährung oder Erziehung und über Schulprobleme gesprochen wird."

Ausweitung des Projekts
Mittlerweile wird das Programm an sieben Standorten in den vier Bundesländern Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Nordrhein-Westfalen erfolgreich erprobt. Etwa 100 Schulen aller Schulformen nehmen an dem Projekt teil. In Bayern sind die Regionen München und Nordostoberfranken (Hof) dazugekommen. Berlin hat aufgrund des erfolgreichen Modellprojektes ein landesweites Programm entwickelt, das im Sommer 2006 zwischen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, der Bertelsmann Stiftung, elf Krankenkassen und der Unfallkasse Berlin abgeschlossen wurde. Es hat im Schuljahr 2006/07 im Bezirk Neukölln begonnen, weil dort die Bildungs- und Gesundheitsdefizite besonders groß sind. "Wir sind davon überzeugt, dass wir über Gesundheitsthemen die Bildungsprobleme aufnehmen können und den Leidensdruck senken", sagt Rüdiger Bockhorst, Projektleiter von Anschub.de. "Neukölln ist dabei unsere Feuerprobe. Wenn wir es hier schaffen, klappt es woanders auch."

Im nordrhein-westfälischen Münster wird ein etwas anderer Weg eingeschlagen. Dort wurde im Dezember 2006 die Kooperationsvereinbarung für den Start des Projektes "Kitas und Schulen bewegen" unterzeichnet. 14 Kindertageseinrichtungen und vier Grundschulen nehmen seitdem gemeinsam an dem Projekt teil, das auf den Konzepten für eine gesunde Schule und eine gesunde Kita der Bertelsmann Stiftung - "Anschub.de" sowie "Kitas bewegen!" - basiert.

Partnerschaft für die zukünftige Entwicklung
Seit Ende Januar dieses Jahres erfährt das Programm weitere Unterstützung. Die Bertelsmann Stiftung und die Felix Burda Stiftung setzen sich zukünftig gemeinsam für die Gesundheitsförderung in Schulen ein und wollen die Idee überregional bekannt machen. In Zukunft sollen immer mehr Regionen den Weg zur "guten gesunden Schule" finden. In Bayern und Mecklenburg-Vorpommern wird bereits über eine landesweite Einführung des Programms nachgedacht und mit Niedersachsen wird gerade verhandelt. Auch Dr. Christa Maar, Vorstandsmitglied der Felix Burda Stiftung, ist sicher: "Um ein gesundes Aufwachsen der Kinder zu gewährleisten, muss Gesundheit selbstverständlicher Teil von Schule sein." Und dies gilt nicht nur für die Kinder in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern oder Nordrhein-Westfalen, sondern für alle Kinder und Jugendlichen, überall.

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 08.02.2007
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