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10. 07. 2006

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Wir gehen selbstbewusst in die Zukunft"

Interview mit der Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Margret Wintermantel.

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Margret Wintermantel

Bildung Plus: Anfang Mai trafen sich knapp 200 Rektoren der Hochschulrektorenkonferenz zur Jahresversammlung in Greifswald. Dort wurde darüber diskutiert, wie die bundesweit über 300 Hochschulen finanziell und strukturell ausgestattet sein müssen, um sich im globalen Wettbewerb behaupten zu können. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?   

Wintermantel: Die deutschen Hochschulen brauchen eine gemeinsame finanzielle Kraftanstrengung von Ländern und Bund und mehr Autonomie. Was wir in Greifswald besprochen haben: Mit Gründung des European Research Council besteht auf europäischer Ebene die Chance, erheblichen Mittelzuwachs für Grundlagenforschung zu bekommen. Diese Chance muss von den deutschen Hochschulen genutzt werden und sich in einer neuen europäischen Mentalität bei der Drittmittelvergabe niederschlagen.      

Bildung Plus: Im Zuge der europaweiten Umstellung auf Bachelor und Master und des Bologna-Prozesses sind noch größere Ressourcen erforderlich. Bis 2010 soll die Umstellung abgeschlossen sein. Welcher Natur sind die "erforderlichen Ressourcen"?

Wintermantel: Wir brauchen mehr Personal und mehr Geld. Diese müssen für zweierlei verwendet werden, nämlich für den Umstellungsprozess selbst - Entwicklung von Studiengängen, Betreuung von Akkreditierungsverfahren etc. - und zweitens für den eigentlichen Betrieb - die Finanzierung besserer Betreuungsrelationen, die die neue Struktur fordert und ohne die sie keinen Sinn macht. Aktuell ist es ja so, dass  politisch immer wieder versucht wird, aus der Umstellung sogar einen Rückgang des Finanzbedarfs abzuleiten. Nachweisbar ist das Gegenteil richtig.           

Bildung Plus: Durch geburtenstarke Jahrgänge kann damit gerechnet werden, dass die Zahl von momentan cirka 2 Millionen Studierenden in den kommenden Jahren um 35 bis 40 Prozent ansteigt. Sie fordern von Ländern und Bund, dass sie die Hochschulen in die Lage versetzen, dieser Herausforderung gewachsen zu sein. Wie könnte diese Unterstützung aussehen?

Wintermantel: Für den Hochschulpakt 2020 haben wir vor allem mehr Lehrpersonal gefordert. Wir wollen, dass das Lehrpersonal durch vorgezogen besetzte unbefristete Stellen aufgestockt wird. Wenn rund 8.000 Professorenstellen, die  ab 2015 frei werden, sofort besetzt werden könnten, würde für den Zeitraum erhöhter Studierendenzahlen eine doppelte Besetzung von Professuren möglich gemacht. Der Beitrag der Hochschulen wird weiter darin bestehen, die hohe Qualität ihrer Ausbildung zu gewährleisten. Dazu gehören auch eine stärkere Beratung und Betreuung, nicht zuletzt für den Berufseinstieg.      

Bildung Plus: Die Hochschulrektorenkonferenz selbst wird über eine Stiftung, die von Bund und Ländern finanziert wird, getragen. Sollte sich der Bund zurückziehen, könnte diese Finanzierung auch für die HRK, für die KMK und andere Institutionen wegfallen. Leidet die HRK unter Existenzängsten?

Wintermantel: Nein im Gegenteil. Die Hochschulrektorenkonferenz ist eine sehr wichtige Institution, die den Hochschulen eine gemeinsame Stimme verleiht. Insofern gehen wir durchaus selbstbewusst in die Zukunft. Gerade auch wegen der Föderalismusreform, aber vor allem, um aktiv im europäischen und internationalen Hochschulraum zu agieren und mit zu gestalten.  

Bildung Plus: Was verspricht sich die Hochschulrektorenkonferenz von der Exzellenzinitiative? Wird sie tatsächlich einen so positiven Einfluss auf die deutsche Hochschullandschaft haben?

Wintermantel: Wir denken schon, denn bereits in der Antragsphase haben wir bei den Hochschulen sehr viel Dynamik erlebt. Ein ganz neues Denken wurde in Gang gesetzt, man hat stärker über Kooperationsprojekte gesprochen und Kooperationsprojekte auch entsprechend geplant. Die Exzellenzinitiative stärkt die Attraktivität Deutschlands für Lernende und Forschende.   

Bildung Plus: Welche persönliche Note möchten Sie Ihrem künftigen Amt als Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz verleihen?

Wintermantel: Es geht eigentlich nicht um meine Person, sondern es geht darum, dass wir vorankommen mit unserem Wissenschaftssystem, und daran möchte ich mich gerne beteiligen. Es ist mir wichtig, dass der Differenzierungsprozess zwischen den Hochschulen, den wir begonnen haben, gut weitergeführt wird. Die Hochschulrektorenkonferenz hat eine wichtige Rolle in der Artikulation der Ziele und Interessen der Hochschulen, aber auch in der Beratung und Unterstützung der einzelnen Hochschulen bei ihrer weiteren Entwicklung, um im globalen Wettbewerb auch wettbewerbsfähig zu sein.         

Margret Wintermantel:
Margret Wintermantel wurde 1947 in Bruchertseifen im Westerwald geboren. Nach dem Studium der Psychologie und Publizistik an der Universität Mainz sowie Lehrtätigkeit an der Universität Heidelberg folgten Forschungsaufenthalte in Ann Arbor und Berkeley. Von 1979-1983 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg. Nach ihrer Habilitation im Fach Psychologie in Heidelberg war sie 1985-1987 Mitglied der Studiengruppe "Historical Change in Social Psychology" der Werner Reimers-Stiftung und 1986-1992 Privatdozentin an der Universität Heidelberg. 1992 wurde sie Professorin an der Universität des Saarlandes.

Seit 2000 ist sie Präsidentin der Universität des Saarlandes. In der HRK war sie seit 2001 bis zu ihrer Wahl als deren Präsidentin schon Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Seit dem 21. März 2006 ist sie Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz.

Frau Wintermantel engagierte sich zudem als Vorsitzende des Verbandes Baden-Württembergischer Wissenschaftlerinnen, als Gutachterin des Förderprogramms Frauenforschung der Landesregierung Baden-Württemberg, als Mitglied der Sachverständigenkommission "Forschung und Technologie" im Saarland und von 1994-1998 als Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.    

 

Autor(in): Katja Haug
Kontakt zur Redaktion
Datum: 10.07.2006
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