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05. 01. 2006

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Lobenswerte Unterrichtsmodelle

Sechs Modelle erhalten Preise im Wettbewerb "Unterricht innovativ"

Bild

Die Tür mit den acht Schlössern

Der Lehrerwettbewerb "Unterricht innovativ", ausgerichtet von der Stiftung Industrieforschung, dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem Deutschen Philologenverband, hat am 25. November 2005 in Berlin bereits zum dritten Mal seine Preisträger gekürt. Der Wettbewerb will die öffentliche Wertschätzung von Bildung erhöhen und die Arbeit der Lehrkräfte über das Klassenzimmer hinaus publik machen. Aus diesem Grund werden Lehrerinnen und Lehrer, die engagiert und ideenreich unterrichten, für ihre innovativen Unterrichtsmodelle ausgezeichnet und öffentlich anerkannt. Alle eingereichten Unterrichtsmodelle werden darüber hinaus auf einer Homepage veröffentlicht, um für alle Interessierten zugänglich zu sein.

Kriterien der Auszeichnung
Innovativer Unterricht erfüllt nach Einschätzung der Träger und Ausrichter des Wettbewerbs sieben spezifische Merkmale. Im Vordergrund stehe die Anwendung neuer Unterrichtsmethoden, die über den "Lehrervortrag" oder den "fragend entwickelnden Unterricht" hinausgehen und die eigenverantwortlichen Schülertätigkeiten zunehmend in den Mittelpunkt stellen. "Interdisziplinäres Arbeiten macht unsere Schüler fit, die großen Herausforderungen der Zukunft innovativ zu lösen", so Dr. Holger Schmidt aus dem Kuratorium der Stiftung Industrieforschung in Köln. Hier gibt es die vielfältigsten Möglichkeiten und Modelle, die in den letzten Jahren im Unterricht entwickelt wurden und sich bewährt haben: Gruppenarbeit, Gruppenpuzzle, selbstständige Schülertätigkeit, Stationenarbeit, betreute Schülertätigkeit, offener Unterricht, Freiarbeit, Wochenplanarbeit, angeleitete Schülertätigkeit, Teamarbeit, Stillarbeit, Lernen in Inszenierungen, Rollenspiel, Entdeckendes Lernen, Demonstrationen, Simulationen, Harvard Business Methode, Fallstudie, Werkstattarbeit, Kooperatives Lernen und noch viele mehr. Wichtig ist den Wettbewerbsinitiatoren dabei, dass der Unterricht von den Fragen und Interessen der Schülerinnen und Schüler ausgeht und dass er Bezüge zum Alltag der Schülerinnen und Schüler bzw. zur Praxis der Berufs- und Arbeitswelt aufweist.

Ein weiteres Merkmal, das über die Auszeichnung des eingereichten Unterrichtsmodells entscheidet, ist, ob der Unterricht fachwissenschaftlich und schulpädagogisch fundiert und das Konzept auf andere Schulen übertragbar ist. Der Unterricht soll Fächer und Themen bzw. Fragen verbinden und eine Brücke zwischen den Denkweisen und Stoffgebieten der verschiedenen Fächer schlagen. Wesentlich ist den Initiatoren auch, dass Teamarbeit bei der Erstellung und Durchführung des Unterrichts möglich ist und innovativer Unterricht zu einem Lernfortschritt anführt, der erfasst werden kann; nachhaltiges Lernen wird angestrebt.

Preisgekrönte Projekte
Im letzten Jahr haben sich 217 Lehrerinnen und Lehrer in 96 Lehrerteams aus der gesamten Bundesrepublik mit insgesamt 60 bewertbaren Unterrichtsvorhaben zum Wettbewerb angemeldet. Die Jury wählte daraus sechs beispielhafte Projekte aus. Die ersten drei Preise des Wettbewerbs sind mit insgesamt 10.000 Euro, die drei Sonderpreise mit insgesamt 4.500 Euro dotiert. Stifter der Sonderpreise sind VVA Vereinigte Verlagsanstalten GmbH, BHW und HUK Coburg.

Die ausgezeichneten Unterrichtsmodelle sind so unterschiedlich, wie die Spannbreite der Merkmale dies ermöglicht. Gewonnen hat das Projekt "Ein Buch macht Schule" um das Lehrerteam von Tobias Endres vom Matthias-Grünewald-Gymnasium in Tauberbischofsheim. Das Projekt zeigt, wie durch fächerübergreifendes Lehren Lerninhalte erfolgreich vermittelt und Schüler im Unterricht zum Mitmachen ermuntert werden können.

1. Preis: "Ein Buch macht Schule"
Im Rahmen des Projektes "Ein Buch macht Schule" haben die Mädchen und Jungen aller Jahrgangsstufen, hat also die ganze Schule einen Roman geschrieben und ihn im schuleigenen Verlag herausgebracht. Held des Buches ist ein Schüler, der die Klassen 5 bis 12/13 am Matthias-Grünwald-Gymnasium absolviert und dort eine große Entdeckung macht: eine Tür mit acht Schlössern. In jedem Schuljahr erwirbt oder findet er einen Schlüssel, indem er jeweils eine Fähigkeit erlernt oder eine Tugend erfährt. Jede Klasse hatte drei Wochen Zeit, ein Kapitel von etwa 25 Seiten zu schreiben. Die Klasse 5 begann im Oktober 2004, taufte die Hauptfigur Matthias, genannt Matze, ließ ihn sehr mutig sein, wofür er einen der acht Schlüssel bekam, und gab das begonnene Werk an die 6. Klasse weiter. Und diese gab es weiter an die 7. Klasse, so dass im Mai 2005 die Jahrgangsstufe 12/13 ihr Kapitel schrieb. Nach Fertigstellung und Druck im Juni 2005 konnte das neue Buch "Acht Schlösser" im Juli 2005 präsentiert und verkauft werden. Während des gesamten Entstehungsprozesses liefen alle Fäden bei den Schülern des Schulverlages MAGGY zusammen, die Schülerinnen und Schülern ebenso berieten wie die Lehrer.

Mit diesem spannenden Projekt konnten die Schülerinnen und Schüler jahrgangs- und fächerübergreifend ihre Vorstellungs- und Ausdrucksfähigkeit erweitern. Sie gestalteten Erzählungen im Deutsch- und Literaturunterricht, sie übernahmen die Text- und Bildgestaltung am Computer im Fach Informatik, sie entwickelten das Cover in den Kunststunden und machten Erfahrungen beim wirtschaftlichen Planen und Arbeiten im eigens gegründeten Schulverlag. Ein Projekt, das den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis verdiente, befand die Jury. Fächerübergreifendes Unterrichten greift einen Themenbereich von verschiedenen Fachrichtungen aus auf und lässt ihn von den Schülern eigenständig in Gruppen bearbeiten. "Schüler, die sich weit gehend selbstständig in neue Themen und Projekte einbringen, haben auch einen höheren Lerngewinn", lobt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), dieses Modell.

Die Schülerfirma
Den zweiten und dritten Preis erzielten die Projekte S.o.f.a. Schülerfirma und "Stiftikus" - ein Projekt für Toleranz und Verständigung in der Schule. Die S.o.f.a. Schülerfirma, gegründet von einer siebenten Gehörlosenklasse im Hauptschulbereich des Privaten Förderzentrums Bamberg, besteht mittlerweile seit vier Jahren und verkauft ihre Produkte erfolgreich in ganz Deutschland. Die Schülerfirma trägt zur Annäherung zwischen Hörenden und Gehörlosen bei. "Wir entwickeln, gestalten und produzieren unterschiedliche Materialien rund um die Gebärdensprache und die Gehörlosigkeit. Mit der Herstellung und dem Vertrieb der Materialien wollen wir auf Gehörlosigkeit und gehörlose Menschen aufmerksam machen. Wir wollen interessierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen Zugang zu unserer Sprache und unserer Kultur ermöglichen", so die Klasse. Im Laufe des Schuljahres 2004/2005 hat sich der Schwerpunkt der Arbeit der Schülerfirma verändert. Es geht nicht mehr nur um die Vermittlung der Gebärdensprache, sondern auch darum, die Kommunikationsbarrieren zwischen Hörenden und Gehörlosen immer mehr zu verringern. Ein realistisches Bild über die Lebensweise von Hörgeschädigten und Gehörlosen soll unter Einbeziehung ihrer behinderungsspezifischen Besonderheiten, Stärken und Schwächen vermittelt werden.

Fachinformatikschüler unterrichten EIBE-Schüler - Die Webseite für einen Schreibwarenladen
Ein Lehrerteam um den Projektleiter Diplom-Ingenieur Carsten Rathgeber von der Ferdinand-Braun-Schule Fulda in Hessen erhielt den dritten Preis. Auszubildende der informationstechnischen Fachberufe gestalten im dritten Ausbildungsjahr umfangreiche Fachprojekte, bei denen auch kundenspezifische Vorgehensweisen trainiert werden. Unter anderem wurde von einer Kleingruppe von vier Fachinformatikschülern im Schuljahr 2004/2005 auch ein pädagogisches Projekt bearbeitet. Sie haben die Schüler einer zehnten EIBE-Klasse bei der Einrichtung und Gestaltung einer eigenen Webseite unterstützt. Hierzu wurde von den Fachinformatikschülern eine Unterrichtseinheit zum Themenkreis HTML- und Web-Programmierung entwickelt und gestaltet.
Die EIBE-Schüler betreiben unter anderem unter der Leitung von Rainer Schunke einen schulinternen Schreibwarenladen. Hierbei können die Schüler vielfältige Kenntnisse erwerben und Fähigkeiten trainieren. Ein Ziel ist, die EIBE-Schüler, die keinen allgemeinen Schulabschluss haben, auf die spätere Arbeitswelt vorzubereiten. EIBE steht dabei für das "Programm zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt", das getragen wird vom Europäischen Sozialfonds und dem Hessischen Kultusministerium.
Die Fachinformatikschüler haben die Lernbedingungen der EIBE-Schüler selbstständig analysiert und die Lernreihe geplant und realisiert. Sie besprachen die Unterrichtsgestaltungen und ihre Entscheidungen regelmäßig mit dem Projektleiter.
Für beide Gruppen war die Lernverständigung hilfreich. Die Fachinformatiker konnten ihre eigenen Fach- und Methodenkenntnisse ausprobieren und im Sinne der Anforderungen der modernen Dienstleistungswelt kundendienstorientierte Selbstlernprozesse erproben.
Die EIBE-Schüler konnten sich vielfältige Basis- und Schlüsselqualifikationen aneignen. Sie akzeptierten die Fachinformatikschüler in hohem Maße. So konnte die Webseite erfolgreich realisiert werden.
Eine abteilungsübergreifende Verständigung zwischen verschiedenen Lerngruppen wurde somit an der Ferdinand-Braun-Schule mit ihren etwa 3.000 Schülern exemplarisch vorgelebt. Das Modell ist auf viele Schulen übertragbar und, hebt Carsten Rathgeber hervor, alltagstauglich.

2006 geht es weiter
Zeitgleich mit der Preisverleihung im November wurde die Wettbewerbsrunde 2006 eingeläutet. Für diese vierte Runde des Wettbewerbs konnte die Wochenzeitung "Die Zeit" als Medienpartner gewonnen werden. In der Jury werden erneut hochrangige schul- und wissenschaftspolitische Experten mitarbeiten, darunter die Bildungsministerinnen Karin Wolff (Hessen) und Doris Ahnen (Rheinland-Pfalz) sowie Prof. Manfred Prenzel vom PISA-Konsortium.

Auf die eingereichten Unterrichtsmodelle und Projekte der vielen engagierten Lehrerinnen und Lehrer in diesem Jahr können wir uns schon mit Spannung freuen! Alle weiteren Informationen über die Anmeldungsmodalitäten erhalten Sie auf der Seite "Unterricht innovativ".

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 05.01.2006
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