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28. 11. 2005

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Für ein lebenswertes Morgen

Zur Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung"

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Barfuß-Spaziergang, Quelle: Photocase

Mit dem Jahr 2005 beginnt die von den Vereinten Nationen initiierte Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung sollen weltweit bis 2014 in den nationalen Bildungssystemen verankert werden und auch Deutschland leistet einen Beitrag. Denn der Raubbau an der Natur, das egoistische Konsumverhalten, die weltweite Klimaerwärmung oder die zunehmende Luftverschmutzung und die wachsende soziale Ungerechtigkeit zerstören den Planeten. Die Leitgedanken der nachhaltigen Entwicklung, Einklang von sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Verträglichkeit und wirtschaftlichem Wachstum, flossen bereits auf dem ersten Weltgipfel 1992 in Rio de Janeiro in die "Agenda 21" ein. Insgesamt 129 Staaten haben diesen Aktionsplan begründet. Die Unterzeichner verpflichten sich, die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung anzuerkennen und auch umzusetzen. Weitere Meilensteine des "Sustainable Development" sind das Kyoto-Protokoll zur Verringerung der Schadstoffemissionen (1997) sowie der Weltgipfel in Johannesburg (2002).

Aus dem Wissen ein Wollen machen: Bildung als Schlüsselbegriff
Das Wissen darum, was "Nachhaltigkeit bedeutet, ist eine Bildungsfrage", so Dr. Angelika Zahrnt, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung und Vorsitzende des BUND zum Start der UN-Dekade am 14. Juni 2004 in Berlin. "Wir müssen wissen um die Begrenztheit der Ressourcen, um die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Erde für Schadstoffe, um die derzeitige Ungleichverteilung in der Nutzung der Ressourcen im Norden und im Süden", so Zahrnt. Um nun aus diesem Wissen ein Wollen zu machen, müsse daraus eine entsprechende Politik abgeleitet und umgesetzt werden. Mehr noch bedürfe es einer ethischen Fundierung, die davon ausgehe, dass der Mensch ein Teil der Natur sei und "die anderen Lebewesen einen Eigenwert haben, den es zu respektieren gilt", sagte Zahrnt. Zugleich hob sie hervor, dass gegenwärtige Generationen nicht auf Kosten künftiger Generationen und "nicht zu Lasten von Menschen in anderen Regionen leben sollen." So ist Nachhaltigkeit im Kern ein Konzept der generationenübergreifenden und weltweiten Gerechtigkeit. Eine Entwicklung ist außerdem dann nachhaltig, wenn sie "den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen",  definierte die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung den Begriff Nachhaltigkeit.

Um dieses Konzept auch in Deutschland Wirklichkeit werden zu lassen, wurde die Deutsche UNESCO-Kommission für die 2005 ausgerufene Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" mit der Umsetzung und Begleitung beauftragt. Cirka hundert Mitglieder gehören der Deutschen UNESCO-Kommission an. Sie  sind oft Beauftrage der Bundesregierung, der Kultus- und Wissenschaftsministerien der Länder oder von der Mitgliederversammlung gewählte Vertreter von Institutionen. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat zur Umsetzung der Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" im Mai 2004 ein Nationalkomitee einberufen. Das Nationalkomitee nimmt eine Vermittlerfunktion zwischen den Initiatoren und den Akteuren der Dekade ein. Vorsitzender des Komitees ist der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Gerhard de Haan von der Freien Universität Berlin. Das Komitee setzt sich aus 25 Experten aus Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft, Kultur, aus Vertretern des Deutschen Bundestages, der Bundesregierung und der Kultusministerkonferenz zusammen.

Appell an alle: Nachhaltigkeit weltweit in Bildungssystemen verankern
Alle gesellschaftlichen Kräfte sind aufgerufen, die Bildungsqualität in Sachen nachhaltige Entwicklung national und international zu verbessern. Die UNESCO soll die Umsetzung der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" federführend begleiten. Als Hauptziel benennt der Generaldirektor der UNESCO Koichiro Matsuura "die Integration der Werte einer nachhaltigen Entwicklung in alle Felder des Lernens, um Verhaltensänderungen zu fördern, die eine noch nachhaltigere, ökonomisch machbare und gerechte Gesellschaft für alle ermöglichen." Weltweit solle die Idee der nachhaltigen Entwicklung in den nationalen Bildungssystemen verankert werden.

Die Arbeitsschwerpunkte für das deutsche Bildungssystem wurden bereits im November vergangenen Jahres bei einem Treffen des Deutschen Nationalkomitees festgelegt: Vorschulische und schulische Bildung, Hochschulbildung, Berufsbildung, Weiterbildung und außerschulische Bildung sowie informelles Lernen. Und auch die Arbeitsgruppen zum so genannten Runden Tisch, die auf Initiative des Bundestages am 02. November 2004 durch das Nationalkomitee organisiert wurden, tragen die gleichen Namen. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat im Juli 2003 im Rahmen ihrer 63. Hauptversammlung mit der so genannten "Hamburger Erklärung" Empfehlungen für den nationalen Aktionsplan zur Weltdekade beschlossen. So heißt es in der Erklärung: "Die Deutsche UNESCO-Kommission fordert alle Verantwortlichen im Bund, Ländern und Gemeinden sowie interessierte Institutionen der Wirtschaft, Einrichtungen von Forschung und Lehre und der Zivilgesellschaft auf, sich zu einer `Allianz Nachhaltigkeit lernen´ zusammen zu finden, um einen gemeinsamen Aktionsplan für die Dekade zu entwickeln und Programme und Koordinationsmechanismen für dessen Umsetzung zu schaffen."

Der Nationale Aktionsplan: Wegweisend und prozessorientiert
Um die Vision einer lebenswerten Zukunft und die Prinzipien der Nachhaltigkeit im deutschen Bildungssystem zu konkretisieren, wurden im Nationalen Aktionsplan vier große Ziele formuliert:
"1. die Weiterentwicklung und Bündelung der Aktivitäten sowie Transfer guter Praxis in die Breite,
2. die Vernetzung der Akteure der Bildung für nachhaltige Entwicklung,
3. die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung von Bildung für nachhaltige Entwicklung,
4. die Verstärkung internationaler Kooperationen."

Die Dekade der Vereinten Nationen "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ist ein offener Prozess, deshalb wird er jährlich fortgeschrieben, "das heißt alle Interessierten sind aufgefordert, ihre Anregungen zu kommunizieren".

Die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" wird in den kommenden zehn Jahren sehr viele Initiativen und Aktionen umfassen. So sorgt die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung in ihrem weiteren Vorgehen für die Einbeziehung von Kindertagesstätten, Hochschulen und von Initiativen für lebenslanges Lernen und für das Berichtswesen. Besonderer Bedeutung kommt dabei dem Programm "Transfer 21" zu. Es ist das Nachfolge-Projekt zu "21" und sorgt für ein abgestimmtes Vorgehen zwischen Bund (BMBF) und Ländern in der Nachhaltigkeitsfrage. Die schulische Bildung soll sich weiterhin am Konzept der Nachhaltigkeit orientieren, wobei der Erwerb von Gestaltungskompetenz für die Zukunft ein zentrales Bildungsziel darstellt. Dreizehn Bundesländer beteiligen sich am Programm, das zur Hälfte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und von der Koordinierungsstelle an der FU Berlin (Prof. de Haan) organisiert wird. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat zudem im Jahr 2004 das Programm "Forschung für Nachhaltigkeit" (FONA) ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, Forschung und Bildung miteinander zu verknüpfen, um den Transfer von Forschungsergebnissen in entsprechende Bildungsmaßnahmen zu verbessern. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Förderprogramme, die unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ins Leben gerufen wurden. Eine Übersicht bietet der zum Herunterladen bereitstehende Nationale Aktionsplan.

Dekade-Projekte verwirklichen den Anspruch der Dezentralisierung und Partizipation
Neben den bundesweiten Programmen spielen auch und gerade die Aktionen und Initiativen auf regionaler und lokaler Ebene eine große Rolle. Denn eine wichtige Strategie bei der Umsetzung der Dekade ist die Unstützung für nachhaltige Entwicklung vor Ort. So wurde schon in den Weltkonferenzen in Rio de Janeiro und Johannesburg deutlich, dass sich Nachhaltigkeit nur dezentral realisieren lässt. Die Anerkennung offizieller Dekadeprojekte stellt den Gedanken der Dezentralisierung in den Mittelpunkt. Die Projekte sind dabei Beispiele für eine breitenwirksame und innovative Umsetzung der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Mit der Anerkennung dieser offiziellen Dekade-Projekte möchten die Initiatoren dazu beitragen, die Anliegen der UN-Dekade in ganz Deutschland sichtbar zu machen. Die anerkannten Projekte erhalten das Recht, für zwei Jahre das Logo der Dekade zu führen und damit den deutschen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu präsentieren.

In der ersten Runde wurden 62 Projekte ausgezeichnet, unter anderem das Internet-Projekt "Chat der Welten" von InWEnt-Internationale Weiterbildung und Entwicklung, das "Zukunftsdiplom für Kinder" der Lokalen Agenda 21 Trier und das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Hamburg, das als nachhaltige Schule ausgezeichnet wurde. Ein Überblick ist auf der "Dekaden-Internetseite" zu finden. Darüber hinaus gibt es dort die Möglichkeit, sich über die Kriterien zur Bewerbung als Dekadeprojekt zu informieren. In einem weiteren Beitrag wird Bildung PLUS darüber berichten.

Schnittstellen mit anderen Bildungsreformmaßnahmen
Ansatzpunkte der Weltdekade für Aktionen in Deutschland finden sich in der vorschulischen und schulischen Bildung, Hochschulbildung, Berufsbildung, Weiterbildung und außerschulischen Bildung sowie im Bereich des informellen Lernens. Dies sind ebenso Schwerpunkte bei den Bildungsreformen, die im Zuge der Ergebnisse der PISA- und IGLU-Studien begonnen wurden. Im Interview mit der Online-Redaktion von "Transfer 21" sagte die damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn: "Ich betrachte Bildung für eine nachhaltige Entwicklung keineswegs für eine isolierte Anforderung, die gewissermaßen `neben´ der Bildungsreform zu verwirklichen ist. Im Gegenteil: Ich sehe viele Schnittstellen zu dem, was wir bereits umsetzten oder noch planen." Neben Zielen in der naturwissenschaftlichen Bildung, wie sie nach PISA formuliert wurden, bilde die Werteorientierung und die Übernahme von Verantwortung einen Bereich, "in dem sich die Ziele der allgemeinen Bildungsreform und der Bildung für nachhaltige Entwicklung ergänzen".

Zudem habe das Forum Bildung in seiner vierten Empfehlung "Lernen, Verantwortung zu übernehmen" die Notwendigkeit altersentsprechender Formen der Mitwirkung und Selbstorganisation sowie des frühen Erfahrens von Demokratie betont. Damit stehe diese Empfehlung dem Partizipationsgedanken der Agenda 21 sehr nahe. Verantwortung umfasse hier, ganz im Sinne der nachhaltigen Entwicklung, soziale, ökonomische und ökologische Aspekte. Zudem hätten sowohl die Bildungsreform als auch die Bildung für nachhaltige Entwicklung internationale Bezüge. "Gemeinsam mit den Ländern und der Deutschen UNESCO-Kommission haben wir bereits frühzeitig die Weichen für den Transfer der Ergebnisse des BLK-Programms `21´ und für die Gestaltung der Dekade gestellt", so Bulmahn. Weichen, die jetzt schon die Zusammenarbeit der Akteure von Bildungsreformen intensivieren und bereichern. Es ist zu erwarten, dass diese Veränderungen auch über den Zeitraum der Weltdekade von 2005 bis 2014 hinaus tragen werden.

 

Autor(in): Katja Haug
Kontakt zur Redaktion
Datum: 28.11.2005
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