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16. 06. 2005

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Grenzenlos - Globales Lernen im Dialog"

Ein Projekt des World University Service

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Lehrer/innen und Studierende aus Brandenburg und Berlin anlässlich des Kooperationsseminars 2004 in Berlin

Der World University Service (WUS) bietet mit dem Projekt "Grenzenlos - Globales Lernen im Dialog" die Möglichkeit eines Austausches zwischen ausländischen Studierenden und Schülerinnen und Schülern in Deutschland. Ihnen sollen globale Zusammenhänge vermittelt werden und damit unerwartete Einblicke in fremde Lebenswelten. Durch den Perspektivwechsel entstehen neue Zusammenhänge, die zum Nachdenken anregen.

Mit der Konzeption von "Grenzenlos" griff der World University Service eine Anregung von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul auf, bei internationalen Themen im Unterricht "ganz besonders auch die Kenntnisse und Fähigkeiten der Vielen einzubeziehen, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, um hier zu leben, zu arbeiten oder zu studieren".
Das Projekt "Grenzenlos - Globales Lernen im Dialog", das als "offizielles Projekt der UN-Weltdekade 2005/06 Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet wurde, wird seit Juni 2003 in Berlin, Brandenburg und Hessen realisiert.

Experten aus dem Ausland in den Schulen
An den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland sind etwa 200.000 ausländische Studierende eingeschrieben. Gut ein Drittel von ihnen kommt aus den Ländern Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas. Als Experten für die Situation in ihren jeweiligen Herkunftsländern und für das Leben und Arbeiten in der "Fremde" können sie einen gewichtigen Beitrag leisten, Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Schulunterrichts interkulturelle Qualifikationen und Kompetenzen sowie Kenntnisse zu politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten aus den jeweiligen Herkunftsländern zu vermitteln.
Die Nutzung der Ressourcen ausländischer Studierender für die schulische Bildungsarbeit und ihre "Aufwertung" vom Lernenden (in der Hochschule) zum Lehrenden (in Schule und Unterricht) entsprechen auch zentralen Empfehlungen des Kongresses "Bildung 21 - Lernen für eine gerechte und zukunftsfähige Entwicklung" vom September 2000. Darin heißt es: "Der Süden ist Lernpartner, nicht Lernobjekt Globalen Lernens. Das bedeutet unabdingbar, die Ressourcen ausländischer Studierender, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Pädagoginnen und Pädagogen wie auch anderer in Deutschland lebender Migrantinnen und Migranten einzubeziehen."

Vorteile von Lehrkooperationen
Die erfolgreiche Umsetzung von "Grenzenlos" und eine vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Auftrag gegebene Evaluierung des Projektes bestätigen, dass ausländische Studierende für den Einsatz in Schule und Unterricht als besonders geeignete Mittler angesehen werden. Gründe dafür sind:

  • Ausländische Studierende verbinden interkulturelle Kompetenzen und Sachkunde zu ihren Herkunftsländern regelmäßig mit einer für den Einsatz in der Bildungsarbeit unverzichtbaren Sprachkompetenz.
  • Im Ausland Studierende gehören zur Bildungselite ihrer Herkunftsländer. Sie sind daher in der Mehrzahl besonders geeignet, sowohl ihre Situation in Deutschland als auch die politischen, sozialen, kulturellen, ökonomischen und ökologischen Gegebenheiten in ihren Herkunftsländern kritisch zu reflektieren und nach entsprechender didaktischer Qualifizierung reflektiert zu vermitteln.
  • Ausländische Studierende stehen - anders als z.B. die Eltern von Migranten- und Flüchtlingskinder - in keinem Abhängigkeitsverhältnis zur Institution Schule. Der "Dialog auf Augenhöhe" mit Lehrkräften in Vorbereitung und Durchführung von Unterrichtseinheiten und Projekten wird hierdurch sehr erleichtert.

Im Jahr 2004 gab es über 100 solcher Lehrkooperationen zwischen Studierenden aus Lateinamerika, Asien und Afrika und Lehrkräften an 27 Schulen in Berlin, Brandenburg und Hessen. In diesem Jahr können erstmalig auch Lehrerinnen und Lehrer in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz mit den studentischen Lehrpartnern "frischen Wind" durch ihre Klassenzimmer wehen lassen.

Bevor die Studierenden mit ihrer Arbeit in den Schulen beginnen, werden sie in Seminaren von Lehrerinnen und Lehrern methodisch-didaktisch vorbereitet. Nach Bestehen der Prüfung werden sie als "facilitator for global and intercultural education" offiziell zertifiziert.

Begeisterung, Neugierde und manchmal Skepsis
Die von den Studierenden aufgegriffenen Themen reichen von "Musik als Protest - Entwicklung und Vielfalt der Musik Lateinamerikas" über "Leben in einer postkolonialen Gesellschaft am Beispiel des Benin" bis hin zu der "Verschuldungskrise am Beispiel Perus". Diese werden an fachbereichs- und klassenübergreifenden Projekttagen und in Unterrichtseinheiten behandelt.

Die Studierenden bringen ihr "erlebtes Wissen" in den Unterricht ein. Diese besondere Form der Authentizität fasziniert die Kinder und Jugendlichen und nicht zuletzt die Lehrkräfte.
In Briefen an einen zuvor zu Besuch gewesenen Studenten aus Eritrea sollten Schüler einer 5. Klasse aufschreiben, was sie besonders beeindruckt hatte. Die meisten Schülerinnen und Schüler dieser Klasse beschrieben, wie er mit seiner Familie vor dem Krieg geflohen war und wie er erst als Flüchtlingskind in Deutschland Schnee kennen lernte.

Zwei hessische Schülerinnen kommentierten ihre Erfahrung mit dem Lernen aus "erster Hand" in einem Brief an zwei Studenten: "Es war schön von euch über den Tschad und Äthiopien erzählt zu bekommen, da ihr dort geboren und aufgewachsen seid. Wenn unsere Lehrerin uns über die Geschichte Afrikas berichten würde, könnte man sich nicht sicher sein, ob das der Wahrheit entspricht."
Eine zunächst skeptische Brandenburger Schülerin äußerte sich über den Lateinamerikatag an ihrer Schule so: "Ich bin nicht mit großen Erwartungen in den Projekttag gegangen, aber es stellte sich heraus, dass es echt interessant war, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen!"

Lehrerinnen und Lehrer sind durchweg von den engen Kooperationen mit den außerschulischen Expertinnen und Experten begeistert, weil die Studierenden viele und genaue Informationen weitergegeben haben, über die die Lehrkräfte nicht verfügten. Es gab Äußerungen wie "[...] es kam zu regen Interaktionen zwischen Studentin und Schülern und zu einem kaum von mir gesteuerten Lernprozess." Oder: "Gebannt verfolgten meine Schüler den Vortrag und das Gespräch, weitaus konzentrierter als dies in herkömmlichen Stunden der Fall ist."

Der World University Service (WUS) bietet zur Entwicklung von Lehrkooperationen eigens so genannte Kooperationsseminare und Kooperationstage an. Während dieser Seminare haben Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, die am Projekt teilnehmenden Studentinnen und Studenten kennen zu lernen und im Laufe des Seminars gemeinsam mit ihnen Unterrichtseinheiten zu besprechen und Termine abzuklären.


Anne Kirchenbüchler ist Kulturwissenschaftlerin und seit Juni 2003 beim World University Service für das Projekt Grenzenlos - Globales Lernen im Dialog" verantwortlich.

Autor(in):
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Datum: 16.06.2005
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