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04. 10. 2004

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Das Institut unterstützt die Länder in der Einhaltung der Bildungsstandards"

In diesem Monat wird das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) eröffnet

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Ministerialdirektor Josef Erhard

Bildung PLUS: Im Oktober wird das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) als wissenschaftliches Institut der Länder an der Humboldt-Universität zu Berlin seine Arbeit aufnehmen. Welchen Beitrag kann das Institut zur Verbesserung der schulischen Bildung in Deutschland leisten?

Erhard: Als Konsequenz aus den eher ernüchternden PISA-Ergebnissen für Deutschland hat die KMK Maßnahmen in insgesamt sieben Handlungsfeldern beschlossen, die vor allem darauf abzielen, die Unterrichtsqualität zu verbessern und nachhaltiges Lernen zu fördern. Eine große Rolle spielen dabei die Bildungsstandards, die überprüft und fortlaufend weiter entwickelt werden müssen. Das Institut hat die Aufgabe, die Erarbeitung dieser Standards zu koordinieren, bei den Bildungsstandards fachdidaktisch und lernpsychologisch abgesicherte Kompetenzstufen festzulegen und auf die Kernaspekte der Lernbereiche zu konzentrieren. Das Institut kann zum Beispiel mit diesen Arbeiten die Länder bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung beraten, die Erkenntnisse und Ergebnisse seiner Arbeit den Ländern zur Verfügung stellen und damit auch Hinweise für weitere mögliche Maßnahmen zur Qualitätssicherung und/oder Qualitätsentwicklung im Bildungswesen geben. Diese Arbeiten werden die Ergebnisorientierung in den Schulen und den Schulsystemen der Länder fördern und gleichzeitig einen Beitrag zur besseren Vergleichbarkeit des deutschen Bildungswesens leisten.

Bildung PLUS: Welches sind die zentralen Aufgaben des Instituts?

Erhard: Die Länder haben sich darauf geeinigt, dass das Institut nach der Aufbauphase längerfristig fünf Aufgabenbereiche bearbeitet:
a) Standardentwicklung,
b) Aufbau und Pflege eines Item-Pools,
c) Bildungsmonitoring,
d) Beratung der Länder bei Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und
e) Koordination der Bildungsberichterstattung.

Bildung PLUS: Die einzelnen Länder bemühen sich um eine höhere Qualität in Unterricht und Schule. Wie sieht diese höhere Qualität aus und in welchem Zeitraum soll sie erzielt werden?
Wie kann damit der Anschluss der deutschen Schulen an das internationale Leistungsniveau gewährleistet werden?

Erhard: Der PISA-Ländervergleich für Deutschland hat gezeigt, dass die Verbesserung der Unterrichtsqualität vorrangig ist. Angesichts der unterschiedlichen Einzelergebnisse wird das bei einigen Ländern vermutlich mehr Zeit beanspruchen als bei anderen. Während es beispielsweise in manchen Ländern schon bisher landeseinheitliche zentrale Abschlussprüfungen für bestimmte Schulabschlüsse gibt, werden sie in anderen Ländern erst jetzt eingeführt. Bei den Einzelmaßnahmen ist eine Umorientierung weg von der Input- hin zur Outcome-Steuerung festzustellen. Gleichzeitig wird mehr als in Deutschland bisher üblich Entscheidungskompetenz an die Schulen vor Ort verlagert. Zielvorgaben werden festgesetzt, wie diese Ziele erreicht werden sollen, werden aber nicht mehr im Detail vorgegeben, sondern den Schulen überlassen. Diese größere Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schulen bedingen aber auch eine Verpflichtung zur Rechenschaftslegung, so dass in bestimmten Abständen die Arbeit und die Ergebnisse von Schulen evaluiert werden. Insgesamt wurde seit einigen Jahren und verstärkt mit Bekanntgabe der PISA-Ergebnisse viel auf den Weg gebracht; konkret messbare Ergebnisse sind aber erst in einigen Jahren zu erwarten. Kanada, das ja bekanntlich bei PISA gut abgeschnitten hat, erntet jetzt die Erfolge von Reformen, die ab 1990 eingeführt und umgesetzt wurden.

Bildung PLUS: An welche Vorarbeiten können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts anknüpfen? Und wie setzt sich das wissenschaftliche Personal des Instituts zusammen?

Erhard: Mit unterschiedlichen Bezeichnungen, die von Orientierungsarbeiten über Lernstandserhebungen bis zu Vergleichsarbeiten reichen, werden bereits jetzt in fast allen Ländern in bestimmten Jahrgangsstufen Tests zur Überprüfung der erreichten Lernergebnisse durchgeführt. Die in der Regel in enger Abstimmung mit Wissenschaftlern erfolgten Vorarbeiten sollen vom Institut genutzt werden.
Sobald die Leitungsstelle besetzt ist, werden die Länder für die maximal vier möglichen Abordnungsstellen Vorschläge unterbreiten; die anderen Stellen werden ausgeschrieben. Gebraucht werden Lehrkräfte mit einschlägigen Vorkenntnissen ebenso wie Wissenschaftler zur Testentwicklung und -durchführung sowie aus den für die KMK-Standards wichtigen Domänen.

Bildung PLUS: In den Schulen der Bundesrepublik werden die Bildungsstandards jetzt als Grundlage für die Anforderungen des Mittleren Abschlusses übernommen. Bildungsstandards für die Grundschulen und den Hauptschulabschluss sollen noch in diesem Jahr folgen. Wie wird das Institut die Einhaltung der bundesweit verbindlichen Bildungsstandards garantieren?

Erhard: Zunächst eine Klarstellung: Jedes Land muss durch entsprechende Maßnahmen wie zum Beispiel Lehrplanarbeit, Fortbildungen und Verankerung in der Lehrer-Erstausbildung selbst dafür Sorge tragen, die Standards zu implementieren und einzuhalten. Das Institut kann und will den Ländern ihre Verantwortung nicht abnehmen und kann daher die Einhaltung dieser Standards auch nicht garantieren. Es kann und soll aber die Länder dabei unterstützen, zum Beispiel durch die Entwicklung geeigneter Aufgaben, mit deren Hilfe die Einhaltung bzw. Erreichung der Standards überprüft werden kann, durch die Vorbereitung und Durchführung von Tests zur Überprüfung der Standards und auf Grund der ausgewerteten Ergebnisse durch Hinweise auf Stärken und Schwächen im jeweiligen Schulsystem.

Bildung PLUS: Das Institut wird zukünftig auch für die Bildungsberichterstattung verantwortlich sein. Auf welche Bereiche wird sich die Bildungsberichterstattung von Bund und Ländern konzentrieren?

Erhard: In der Folge von PISA haben die Länder erstmals einen bundesweiten Bildungsbericht in Auftrag gegeben. Den 2. Bericht, der im Frühjahr 2006 erscheinen soll, verantworten die Länder und der Bund gemeinsam. Er wird sich an den verfassungsmäßigen Zuständigkeiten im Bildungsbereich orientieren und in knapper Form die bildungsbiographischen Etappen vom Elementarbereich bis zur Erwachsenenbildung beschreiben. Die Ausschreibung ist bereits erfolgt; mit einem Konsortium werden derzeit Vertragsverhandlungen geführt. Im Hinblick auf die zu leistende Aufbauarbeit und die vorrangigen Aufgaben bei der Implementierung und Überprüfung der Bildungsstandards wird das Institut zumindest beim nächsten Bildungsbericht noch keine aktive Rolle spielen können.


Josef Erhard ist Ministerialdirektor des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus und Vorsitzender der Amtschefskommission "Qualitätssicherung" in der Kultusministerkonferenz (KMK). In dieser Position hat er wesentlich an der Gründung des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen beigetragen. Das Institut wird im Oktober 2004 eröffnet.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 04.10.2004
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