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11. 10. 2000

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Sie spüren nur, wo ihnen der Schuh drückt"

Interview mit Business Coach Lilli Cremer-Altgeld

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Lilli Cremer-Altgeld

Forum Bildung: Was ist Coaching?


Cremer-Altgeld:
Ganz allgemein ist Coaching eine unterstützende Begleitung. Es geht dabei um Möglichkeiten und Grenzen, um neue Sichtweisen und Ressourcen freizusetzen. Dies sowohl im Berufs- wie im Privatleben. Coach kommt von dem englischen Wort Kutsche. Der Coach ist bildlich gesprochen der Kutscher, der jemanden dahin bringt oder dahin begleitet, wo dieser hin will.

Forum Bildung: Sind Coaching und Training identisch?


Cremer-Altgeld:
Da gibt es für mich Unterschiede. Beim Training geht es mehr darum, ein Ziel auf dem gradlinigsten Weg zu erreichen. Beim Coaching orientiere ich mich mehr an dem Prozess, herauszuarbeiten, was wirklich gewünscht wird, was das Ziel ist, um es dann ressourcenorientiert zu erreichen. Das Verhältnis von Coach zum Coachee ist immer partnerschaftlich gleichberechtigt. Außerdem kann der Coachee beim Coaching auch sagen: Stopp, ich will eine Pause machen oder die Richtung überdenken.


Forum Bildung:
Wie gehen Sie vor?


Cremer-Altgeld:
Ich frage: "Was wollen Sie erreichen? Insgesamt in diesem Coaching und in dieser Sitzung?" Bei Frauen geht es zumeist darum, Klarheit zu finden und/oder eine Vision zu realisieren. Und daran arbeiten wir dann. Gemeinsam definieren wir: "Wo stehe ich heute und wo will ich hin?" Die Vision wird zu einem klaren Ziel geformt, mit dem wir arbeiten können. Wenn das Ziel benannt ist, ist es oft hilfreich, in einem zweiten Schritt das Selbstwertgefühl zu stärken, weil in dieser Phase oft Selbstzweifel kommen wie "dafür bin ich nicht intelligent genug, ich habe kein Abitur, nicht studiert, nicht promoviert oder ich bin nicht attraktiv genug". In diesem Zusammenhang erfassen wir Blockaden, die wir alle aufgrund unserer Sozialisation und Erfahrungen internalisiert haben. Die Blockaden lösen wir dann gemeinsam auf.


Forum Bildung:
Was für Blockaden?


Cremer-Altgeld:
Eric Berne, ein berühmter Arzt und Psychologe, liebte folgenden Aphorismus "Die Menschen werden als Prinzen und Prinzessinnen geboren, bis ihre Eltern sie in Frösche verwandeln." Nun, ich helfe den Menschen, die dies wollen, dabei wieder Prinzen und Prinzessinnen zu werden.


Forum Bildung:
Kommen Menschen mit klaren Zielvorstellungen zu Ihnen oder sind die Ziele schemenhaft ?


Cremer-Altgeld:
Beides. Jedoch: meistens wissen die Menschen, die zu mir kommen, gar nicht genau, was ihre Ziele sind. Sie spüren nur, wo ihnen der Schuh drückt. Und dann arbeiten wir daran, was sie wirklich wollen. Zuerst geht es oft um Erfolg und Karriere. Aber nach einer geraumen Zeit kristallisieren sich andere Ziele heraus. Letztlich geht es darum, zufriedener zu sein.


Forum Bildung:
Ist es anders, einen Wissenschaftler oder einen Sporttrainer zu betreuen?


Cremer-Altgeld:
Es geht mehr um die Frage auf welche Art die Menschen denken und fühlen. Jeder Mensch ist einmalig - auch in seiner Art zu denken und zu fühlen. Das können wir messen, z.B. mit dem Herrmann-Dominanz-Instrument (HDI). Wir wissen, dass wir die Welt nicht sehen, wie sie ist, sondern auf die Art, wie wir denken und fühlen. Das HDI geht davon aus, dass das Gehirn aus vier Bereichen besteht, - aus dem analytisch-logischen Bereich, der Organisationskompetenz, der sozialen Kompetenz und der kreativen Kompetenz. Und entsprechend der individuellen Gewichtungen in diesen Bereichen coachen wir. Das HDI hat sich sowohl im Management wie auch in der Wissenschaft weltweit etabliert.


Forum Bildung:
Was machen Sie häufiger - Einzel- oder Gruppencoaching?


Cremer-Altgeld:
Ich arbeite zusammen mit Heli Ihlefeld-Bolesch sowohl im Einzel- wie auch im Gruppencoaching. So z.B. für Studien-Kontakt-Reisen (www.skr.de) oder für Universitäten. Beide Formen - Einzel- und Gruppencoaching - ergänzen sich ideal.


Forum Bildung:
Was für Fähigkeiten braucht man, um seine Ziele zu erreichen?


Cremer-Altgeld:
Ein solides Selbstwertgefühl, gesundes Vertrauen, klaren Willen, Kraft und Entschlossenheit, Disziplin und Verantwortung. Und damit die Bereitschaft, die sogenannte Komfortzone zu verlassen.


Forum Bildung:
Coaching steckt noch in den Kinderschuhen. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?


Cremer-Altgeld:
Erstens eine allgemeingültige Ausbildung oder Fortbildung zum Coach, zweitens ein Coaching in den Schulen. Denn einer amerikanischen Untersuchung zufolge kommen die meisten Kinder mit einem guten Selbstwertgefühl in die Schule. Und verlassen diese wieder mit wenig Selbstvertrauen. Das ist erschreckend. Abraham Maslow, einer der berühmtesten Psychologen, hat einmal gesagt: "Das grösste Problem unserer modernen Gesellschaft ist, dass die Menschen sich selbst für zu billig halten." Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Menschen, die die Macht und das Sagen dazu haben, dazu beitragen, dass Menschen lernen, sich selbst mehr zu schätzen.

Weitere Infos:
Lilli Cremer-Altgeld hat in Zusammenarbeit mit Heli Ihlefeld-Bolesch und Anne Lipp ein Konzept zum Thema Frauen-Coaching an Universitäten und in Forschungseinrichtungen entwickelt.

Ziele des Seminars: Die Teilnehmerinnen des Coaching-Seminars können sich der eigenen Stärken und Visionen bewusst werden und Methoden kennenlernen, um strukturelle und geschlechtsspezifische Hindernisse zu überwinden.

Ein praxisorientierter Teil des Seminars widmet sich dem Erwerben von strategischer Kompetenz als einer wichtigen Voraussetzung, um den gewünschten Erfolg im Beruf zu haben. Inhalt dieses Seminarteils sind Elemente und Konzepte von strategischer Kompetenz, Strategien zur Planung, Entscheidungsfindung, Durch- und Umsetzung.

  • Lilli Cremer-Altgeld, Markt- und Sozialforscherin, gehört zu den führenden Business Coachs in Deutschland. Zu ihrem Kundenkreis zählen Präsidenten, Bundesminister, Vorstandsmitglieder, Bundestagsabgeordnete ebenso wie international bekannte Wissenschaftler/innen, Künstler/innen und Sportcoachs/Olympiasieger.

  • Heli Ihlefeld-Bolesch ist Business Coach und Wirtschaftsberaterin. Nach einer Karriere als politische Journalistin beriet sie Bundestagspräsidentin Annemarie Renger und baute später den Stabsbereich Gleichstellung im Konzern Deutsche Telekom AG auf. Sie ist Mitbegründerin von zahlreichen Organisationen im Bereich Chancengleichheit.

  • Anne Lipp hat als Wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl für Neuere Geschichte am Historischen Seminar in Tübingen gearbeitet, war Inhaberin der Koordinationsstelle zur Vorbereitung und Beantragung eines Sonderforschungsbereichs und Mitarbeiterin in verschiedenen Forschungsprojekten. Sie hat soeben ihre Dissertation beendet.

  • Weitere Infos unter LilliCremerAltgeld@t-online.de und Institut für Management und Evolution, Schloss Bedburg, Bedburg/Erft, Telefon 02272-938495.

Autor(in): Udo Löffler
Kontakt zur Redaktion
Datum: 11.10.2000
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