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20. 06. 2000

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Nicht alle tun zu jeder Zeit dasselbe"

Schulleiterin Hellert über Hochbegabte, Berührungsängste und Lehrerbildung

Forum Bildung: Ihre Schule bietet ab Jahrgangsstufe 9 Sonderklassen für Hochbegabte an. Was passiert in den Klassen darunter?

Hellert: Die Förderung beginnt bei uns in der ersten Klasse mit dem integrativen Unterricht. Das bedeutet, dass nicht alle zu jeder Zeit dasselbe tun. Der Gedanke dahinter ist, die Schüler solange wie möglich zusammen zu unterrichten und erst später mit den Sonderklassen zu differenzieren.

Forum Bildung: Entsteht so nicht eine Zwei-Klassen-Schülergesellschaft?

Hellert: Nein, überhaupt nicht. Das ist auch nicht anders als die Grund- und Leistungskurse in einem normalen Gymnasium. Außerdem bieten wir auch für nicht Hochbegabte ein spezielles Wahlprogramm im gymnasialen Bereich an. Zum Beispiel ob sie die Klassen 7 -10 in drei oder vier Jahren machen wollen und können.

Forum Bildung: Gibt es zwischen den zwei Schülergruppen Berührungsängste?

Hellert: Vorurteile und Berührungsängste gab es und gibt es immer noch. Aber immer nur dann, wenn die Schüler sich nicht kennen. Das Thema Hochbegabung löst ja auch Angst aus. Wir versuchen dieses Problem durch ein gemeinsames Schulprogramm und Freizeitaktivitäten zu lösen. Diese Distanz wird aber auch deutlich geringer, seit wir den integrativen Unterricht anbieten und sie jahrelang gemeinsam zur Schule gehen.

Forum Bildung: Gibt es Unterschiede zwischen hochbegabten Jungen und Mädchen?

Hellert: Ja und Nein. Da sollte man nicht pauschalisieren, aber es lässt sich doch sagen, dass Jungs eher stören, sich verweigern und auffällig werden, während Mädchen versuchen in der Masse unterzutauchen.

Forum Bildung: Glauben Sie, normale Schulen können Hochbegabte genauso fördern wie ihre Schule oder brauchen wir Spezialschulen?

Hellert: Jede Schule kann und sollte etwas tun. Ob es um die Einschulung geht, das Überspringen von Klassen etc. Sie können aber keinen Unterricht für Hochbegabte anbieten, weil ihnen dafür noch die pädagogischen und auch organisatorischen Voraussetzungen fehlen.

Forum Bildung: Das heißt, auch Lehrer müssen speziell geschult sein?

Hellert: Natürlich ist der Unterricht anders. Hochbegabte haben zwar die gleichen Probleme wie andere Kinder auch, leben sie aber anders aus. Aufgrund der Bedürfnisse dieser Kinder müssen im Unterricht einfach andere Akzente gesetzt werden. Das Wichtigste ist allerdings die Einstellung der Lehrer und hier gilt: Wer für normale Schüler ein guter Lehrer ist, ist auch ein guter Lehrer für Hochbegabte.

Forum Bildung: Dann brauchen wir keine Weiterbildung für Lehrer?

Hellert: Doch natürlich. Die Weiterbildung ist sehr wichtig, aber die Einstellung, für Kinder etwas zu tun, lernt man in keiner Weiterbildung.

Forum Bildung: Ihre Schule hat ja eine Vorreiterrolle in Sachen Hochbegabung inne. Sie bieten die Sonderklassen schon seit 1981 an. Damals war Hochbegabung ja nicht unbedingt ein beliebtes Thema?

Hellert: Völlig richtig. In den 80er Jahren wurden wir sogar dafür beschimpft, diese Klassen eingerichtet zu haben. Hochbegabung war damals noch verpönt, nicht schick und politisch nicht korrekt. Das hat andererseits der Diskussion um Hochbegabung aber auch einen ganz schönen Antrieb gegeben.

Die CJD Jugenddorf-Christophorusschule Braunschweig ist eine von über 100 pädagogischen Einrichtungen des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschlands (CJD). Ursula Hellert studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte und kam 1977 als Lehrerin an die Christophorusschule. Seit 1992 ist sie Schul- und Jugenddorfleiterin.

Autor(in): Udo Löffler
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Datum: 20.06.2000
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